Die FAQ 1129 und das Rechtsdienstleistungsgesetz

Hallo Fachwelt,

jemand hat sich aus geg. Anlass 'mal die FAQs zum Thema als auch die gesammelten Fragen und Antworten zum leidigen 1129-Thema durchgelesen und - ansatzweise - auch das RDG ansich.

Nun eine Verständnisfrage:

§2, Abs. 3, Satz 5 RDG besagt:

„Rechtsdienstleistung ist nicht […] die an die Allgemeinheit gerichtete Darstellung und Erörterung von Rechtsfragen und Rechtsfällen in den Medien…“

Ist das Internet mit all seinen Foren, zu denen zweifelsfrei auch W-W-W zählt, kein Medium im Sinne von „Medien“?

Klar kann man nicht viel falsch machen, wenn man einen zweifelhaften Gesetzestext zur Sicherheit noch ein wenig strikter interpretiert als dieser formuliert wurde, aber andererseits müsste doch eine Abmahnung einen konkreten Verstoß gegen einen Gesetzestext voraussetzen, um ernsthaft verhandelt zu werden, oder irre der Fragende da?

Desweiteren muss mal der Gedanke angeregt werden, dass es sich bei dem so gefürchteten RDG nicht wirklich um Verbraucherschutz handelt, sondern vielmehr um einen Schutz des gesamten juristisch beratenden Berufsstandes ansich.

Bevor jemand eine kostenpflichtige Rechtsberatung bei einem der zahllosen zugelassenen Anwälte in Anspruch nimmt, möchte er vielleicht vorher anhand von ein paar Antworten aus der Mitte der Bevölkerung - die zwar i.d.R. keinen juristischen Hintergrund, aber dafür u.U. die ein oder andere relevante Erfahrung vorweisen können - seine Chancen abschätzen können?

Ein „Lass es sein!“ im Forum kostet außer etwas Zeit nichts, zumindest kein Geld, um dessen Einsparung es ja paradoxer Weise in der Mehrheit der Rechtsfragen geht; die selbe Antwort von einem - juristisch geschulten und zur Rechtsauskunft ermächtigten - Anwalt hingegen kostet gut und gern 100 oder mehr Euro, mit vorherigem Nachdenken schnell das Doppelte! :wink:

P.S.: Jemand den ich gut kenne :wink:hat so ein „Nein, da sehe ich wenig Aussicht auf Erfolg…“ und die Rechnung des Anwalts zu Hause liegen, also seid so nett und streitet diese Tatsache nicht ab.

„Herr Anwalt, stimmt es, dass eine Antwort bei ihnen 50 Euro kostet?“ - „Ja, sicher. Und ihre zweite Frage…?“

Zwei Fragen, die mich persönlich schon sehr lange beschäftigen, deren Beantwortung aber sicher keine Rechtsberatung darstellt und deshalb auch nicht gelöscht werden muss, ist:

Warum brauche ich in einem Rechtsstaat einen kostenpflichtigen Rechtsbeistand, um zu meinem Recht zu kommen?

Leider bewahrheitet sich eine Theorie mit jedem Jahr mehr:
Leben in einem Rechtsstaat bedeutet, dass es immer jemanden gibt, der in einem bestimmten Fall Recht hat. Meistens jedoch nicht du selbst…

Vielleicht ist es dem ein oder anderen Leser schon aufgefallen, aber ich habe ein sehr distanziertes Verhältnis zu dieser einen Berufsgruppe.

Aber vielleicht ist ja auch der ein oder andere unter euch, der mich von der unbedingten Notwendigkeit der existierenden Anzahl an Rechstvertretern in Deutschland überzeugen kann.

Einstiegsfrage, quasi zum Warmwerden:

Warum gibt es in Deutschland sechsmal mehr Anwälte pro Kopf der Bevölkerung als z.B. in Japan?

LG, Marcel

=HALLO()

§2, Abs. 3, Satz 5 RDG besagt:

„Rechtsdienstleistung ist nicht […] die an die Allgemeinheit
gerichtete Darstellung und Erörterung von Rechtsfragen und
Rechtsfällen in den Medien…“

Ist das Internet mit all seinen Foren, zu denen zweifelsfrei
auch W-W-W zählt, kein Medium im Sinne von „Medien“?

Obwohl in diesem Forum die Beurteilung in Bezug auf Rechts- und Steuerberatung recht eng ausgelegt wird, ist aber trotzdem die Antwort auf eine Frage, die jemand zu einem persönlichen Rechtsproblem stellt, in erster Linie an den Fragesteller gerichtet, nur in zweiter Linie an die mitlesende Forumsöffentlichkeit.

Desweiteren muss mal der Gedanke angeregt werden, dass es sich
bei dem so gefürchteten RDG nicht wirklich um
Verbraucherschutz handelt, sondern vielmehr um einen Schutz
des gesamten juristisch beratenden Berufsstandes ansich.

Wenn du dich mit der Historie des Gesetzes auseinandersetzt, wirst du feststellen, dass die Nazis damals den Verbraucher vor jüdischen Rechtsanwälten schützen wollten…

Bevor jemand eine kostenpflichtige Rechtsberatung bei einem
der zahllosen zugelassenen Anwälte in Anspruch nimmt, möchte
er vielleicht vorher anhand von ein paar Antworten aus der
Mitte der Bevölkerung - die zwar i.d.R. keinen juristischen
Hintergrund, aber dafür u.U. die ein oder andere relevante
Erfahrung vorweisen können - seine Chancen abschätzen können?

Der Fragesteller kann sich natürlich vorab informieren, das ist immer sinnvoll und kostensparend. Dazu kann er das Internet und vielleicht auch dieses Forum benutzen. Er darf halt nur nicht so blöd sein, die Frage ich der Ich-Form zu stellen. Wobei komplexere Fragestellungen hier meist ohne Antwort bleiben. Die Experten haben halt auch keinen Bock, ihre Zeit über Gebühr in kostenlose Forumsfragen zu stecken, und die Halbexperten wissen bei schwierigeren Fragen dann nicht mehr weiter.

Warum brauche ich in einem Rechtsstaat einen kostenpflichtigen
Rechtsbeistand, um zu meinem Recht zu kommen?

Weil Rechtsstaatlichkeit und Demokratie ein sehr ausdifferenziertes Rechtssystem benötigen, dass man ohne fachkundlichen Rat kaum vollständig überblicken kann. Aber zum sozialen Ausgleich gibt es die in Strafsachen und auch bei anderen Dingen Unterstützungsleistungen für Rechtssachen, Beratungsschein und Pflichtverteidiger z.B.

Einstiegsfrage, quasi zum Warmwerden:

Einstiegsfrage? Das ist doch schon Frage Nummer 25!

=TSCHÜSS()

Hallo,

Du hast leider vergessen, darauf hinzuweisen, dass die Ur-Ur-Ur-Großmutter des RDG verabschiedet wurde, um Juden von der Rechtsberatung fernzuhalten. Ist das schon in Vergessenheit geraten? Früher hat man das alle zwei Wochen hier gelesen.

Im Übrigen ist Dein Post ein schönes Beispiel dafür, wie eklatant Lesen und Verstehen doch auseinander liegen können. Die „an die Allgemeinheit gerichtete Behandlung von Rechtsfragen“, genau das ist es, was wir hier machen, in jedem Posting, das nicht deswegen gelöscht wird, weil sich die Antworten darauf eben nicht an die Allgemeinheit richten können.

Aber Du hast natürlich Recht. Die kostenlose Rechtsdurchsetzung für jedermann, das ist die Aufgabe des Rechtsstaats. Ich werde gleich der Frau an der Kasse beim real,- einfach mal an den Kopf werfen, dass wir in einem Sozialstaat leben und sie deswegen keibn Geld für die von mir begehrten Lebensmittel verlangen dürfe.

Hallo,

war die letzte Zeile die Frage, über die wir uns äußern dürfen oder habe ich Wichtigeres überlesen?

lG

Guten Tag,

Hallo,

Du hast leider vergessen, darauf hinzuweisen, dass die
Ur-Ur-Ur-Großmutter des RDG verabschiedet wurde, um Juden von
der Rechtsberatung fernzuhalten. Ist das schon in
Vergessenheit geraten? Früher hat man das alle zwei Wochen
hier gelesen.

Dann wären wir ja noch schneller vom Thema abgekommen…?! Die stoische und bedingungslose Befolgung jedweder Art von Vorschriften gleich welcher Art - verbunden mit die kontinuierlich geschürter Angst vor den Konsequenzen der Zuwiderhandlung - hat übrigens auch ihren Teil zur Effektivität der Verfolgung beigetragen.

Im Übrigen ist Dein Post ein schönes Beispiel dafür, wie
eklatant Lesen und Verstehen doch auseinander liegen können.
Die „an die Allgemeinheit gerichtete Behandlung von
Rechtsfragen“, genau das ist es, was wir hier machen, in jedem
Posting, das nicht deswegen gelöscht wird, weil sich die
Antworten darauf eben nicht an die Allgemeinheit richten
können.

Ich weiß durchaus, dass die Antwort mit zur „Behandlung…“ zählt, und dass die FAQ ein etwas schmerzhafter Spagat zwischen Recht und Forumszweck darstellt. Gleichzeitig frage ich mich jedoh nach der Sinnhaftigkeit des Gesetzes, wenn der Unterschied zwischen „allgemein und theoretisch“ und „persönlich und konkret“ im Ersetzen von persönlichen durch unbestimmte Fürwörter definiert?

Aber Du hast natürlich Recht. Die kostenlose
Rechtsdurchsetzung für jedermann, das ist die Aufgabe des
Rechtsstaats. Ich werde gleich der Frau an der Kasse beim
real,- einfach mal an den Kopf werfen, dass wir in einem
Sozialstaat leben und sie deswegen keibn Geld für die von mir
begehrten Lebensmittel verlangen dürfe.

Du bist ja lustig! Kleiner Komiker, wie? Darum geht es mir überhaupt nicht. Da du ja unterstellst, ich hätte nicht richtig gelesen, hatte ich vermutet, du tust es. Offenbar ein Irrtum…

Es geht darum, dass unter dem Deckmantel des Verbraucherschutzes selbst eine angefragte Meinung zu einem bestimmten Thema per Gesetz illegalisiert wird, wohingegen der als so sehr schützenswert bezeichnete Verbraucher bei Lebensmittelzusätzen (oder von hochbezahlten Ingenieuren aktiv erschaffene Sollbruchstellen bei so gut wie jedem neuen Artikel aus der Massenproduktion) seit Jahren von den Herstellern genasführt und diesem Gebahren nicht halb so rigoros entgegen gewirkt wird wie beim Schutz desselben vor laienhafter oder womöglich gar falscher Rechtsberatung. Lebensmittel und Konsumartikel kauft man fast schon zwangsläufig, einen Tipp zu allgemein (!) gültigem Recht hingegen benötigt man mitunter nur einmal.

Wo ist da die Verhältnismäßigkeit bei der Nachhaltigkeit in der Durchsetzung in Sachen Verbraucherschutz?

Es gibt keinen. Das lässt begründete Zweifel am offiziellen Zweck des Gesetzes aufkommen, meinst du nicht auch? Diese Zweifel erhärten sich noch zusätzlich, wenn man sich vor Augen führt, welche Berufsgruppe in den Reihen unserer Volksvertreter mehrheitlich vertreten ist.

Denk mal darüber nach…

Liebe Grüße,

Marcel

P.S.: Schade, dass auch du es nicht geschafft hast, auf den eigentlichen Kern des Beitrags einzugehen und dich stattdessen an Einzelheiten auszulassen. Befürchtung bestätigt. Danke sehr.

Ein probates und oft genutztes Mittel des Mainstreams, Menschen mit unkonventionellen Denkansätzen der Lächerlichkeit preiszugeben ist u.a., vom Thema abzulenken, ihnen das Wort im Munde herumzudrehen und/oder sie unmissverständlich falsch zu verstehen. Ich wage zu behaupten, dass du im nächsten Posting entweder persönlich wirst oder den Dialog unter dem Vorwand der Niveaulosigkeit beendest.

Überrasch mich!

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Hallo,

die größte Gruppe sind Geisteswissenschaftler, die nicht Juristen sind.

http://www.bundestag.de/dokumente/datenhandbuch/03/0…

Ärzte, Apotheker, Notare, Steuerberater, … alle brauchen sie eine Ausbildung, eine Zulassung, eine Versicherung gegen Fehler und ein Verbot der Tätigkeit von Laien, damit… na?

VG
EK

Sub reply(true)

Zuerst einmal vielen Dank für die bis auf Kleinigkeiten sachliche Beantwortung der Frage. Diese Fähigkeit ist ja leider nicht jedem Antwortenden gegeben.

=HALLO()

§2, Abs. 3, Satz 5 RDG besagt:

„Rechtsdienstleistung ist nicht […] die an die Allgemeinheit
gerichtete Darstellung und Erörterung von Rechtsfragen und
Rechtsfällen in den Medien…“

Ist das Internet mit all seinen Foren, zu denen zweifelsfrei
auch W-W-W zählt, kein Medium im Sinne von „Medien“?

Obwohl in diesem Forum die Beurteilung in Bezug auf Rechts-
und Steuerberatung recht eng ausgelegt wird, ist aber trotzdem
die Antwort auf eine Frage, die jemand zu einem persönlichen
Rechtsproblem stellt, in erster Linie an den Fragesteller
gerichtet, nur in zweiter Linie an die mitlesende

Objektiv gesehen ist die Aussage ja vollkommen korrekt, aber - meiner privaten und vollkommen persönlichen Meinung nach - Wortklauberei oder Haarspalterei und kann nicht zwangsläufig als Rechtsverstoß behandelt werden. Ähnlich wie die - sachlich korrekte - Aussage: Ein Sturz aus dem 20. Stock ist überhaupt nicht gefährlich.
(…Da der - zwangsläufig darauf folgende - Aufprall die Todesursache ist.)

Desweiteren muss mal der Gedanke angeregt werden, dass es sich
bei dem so gefürchteten RDG nicht wirklich um
Verbraucherschutz handelt, sondern vielmehr um einen Schutz
des gesamten juristisch beratenden Berufsstandes ansich.

Wenn du dich mit der Historie des Gesetzes auseinandersetzt,
wirst du feststellen, dass die Nazis damals den Verbraucher
vor jüdischen Rechtsanwälten schützen wollten…

Naja, deswegen ist es noch lange kein Verbraucherschutzgesetz, oder? :wink:
Dein Vorredner hat es etwas treffender formuliert: sie sollten aus den juristischen Ämtern gedrängt werden.

Abseits davon unterstelle ich einfach mal, dass das Gesetz in seiner aktuellen Fassung nur noch zu einem gewissen Teil aus Originaltexten besteht. Auch Gesetzestexte unterliegen ja glücklicherweise einer gewissen Aktualisierung…

Bevor jemand eine kostenpflichtige Rechtsberatung bei einem
der zahllosen zugelassenen Anwälte in Anspruch nimmt, möchte
er vielleicht vorher anhand von ein paar Antworten aus der
Mitte der Bevölkerung - die zwar i.d.R. keinen juristischen
Hintergrund, aber dafür u.U. die ein oder andere relevante
Erfahrung vorweisen können - seine Chancen abschätzen können?

Der Fragesteller kann sich natürlich vorab informieren, das
ist immer sinnvoll und kostensparend. Dazu kann er das
Internet und vielleicht auch dieses Forum benutzen.

Schön, dass wir in diesem Punkt einer Meinung sind.

Er darf
halt nur nicht so blöd sein, die Frage ich der Ich-Form zu
stellen.

IF person(direct) THEN
law.confirm=wrong
faq1129
Exit sub
ELSE
inputbox
End if

Es fällt mir schwer, ein leises Schmunzeln zu unterdrücken… :wink:

Wobei komplexere Fragestellungen hier meist ohne

Antwort bleiben.

Leider hast du da Recht.

Die Experten haben halt auch keinen Bock,

ihre Zeit über Gebühr in kostenlose Forumsfragen zu stecken,
und die Halbexperten wissen bei schwierigeren Fragen dann
nicht mehr weiter.

Warum brauche ich in einem Rechtsstaat einen kostenpflichtigen
Rechtsbeistand, um zu meinem Recht zu kommen?

Weil Rechtsstaatlichkeit und Demokratie ein sehr
ausdifferenziertes Rechtssystem benötigen, dass man ohne
fachkundlichen Rat kaum vollständig überblicken kann.

Schade irgendwie, dass es trotz - oder etwa wegen(?) - der unüberschaubaren Fülle an Rechtsvorschriften nicht möglich ist, grundlegende Rechtsfragen eindeutig zu beantworten. Gerade das Sorgerecht ist doch ein recht beständiges Thema in einem der grundlegendsten Gesetzbücher. Aber umso mehr freue ich mich, dass es seit Neuestem auch für getrennt lebende Eltern grundsätzlich ein GSR gibt! Schade nur, dass es 17 Jahre lang gedauert hat, bis der Gesetzgeber zur selben Erkenntnis wie die bis dato benachteiligten Elternteile gekommen ist…

Aber zum
sozialen Ausgleich gibt es die in Strafsachen und auch bei
anderen Dingen Unterstützungsleistungen für Rechtssachen,
Beratungsschein und Pflichtverteidiger z.B.

Komisch… Gerade bei Straftätern wäre es vielen Opfern sicher ein Stück weit Genugtuung, würden diesen neben ihrer
Strafe auch noch sämtliche Kosten des Verfahrens auferlegt. (Ich entschuldig mich jetzt schon, sofern es bereits so sein sollte!)

Einstiegsfrage, quasi zum Warmwerden:

Einstiegsfrage? Das ist doch schon Frage Nummer 25!

Ich wollte ja nur mal sehen, ob du auch richtig mitzählst! :wink:

=TSCHÜSS()

Rem Liebe Grüße, Marcel

End sub

Hallo,

die größte Gruppe sind Geisteswissenschaftler, die nicht
Juristen sind.

http://www.bundestag.de/dokumente/datenhandbuch/03/0…

Danke für die Recherche. Ich schaue es mir Morgen genauer an, Antwort folgt…

Ärzte, Apotheker, Notare, Steuerberater, … alle brauchen sie
eine Ausbildung, eine Zulassung, eine Versicherung gegen
Fehler und ein Verbot der Tätigkeit von Laien, damit… na?

VG
EK

*seufz*

siehe Antwort zum Beitrag von worldwideweb…

Liebe Grüße, Marcel

Hallo,

zu der Frage der Anwaltsdichte:

http://www.bgfa.ch/scripts/getfile?id=1138

wenn Du Dich wie wohl die meisten bisher nicht daran gestört hast, dass man zB für medizinische Behandlungen, die gerne illegal in Kosmetikläden oder Tätowierstudios angeboten werden, eine Ausbildung und Zulassung braucht, auch wenn man sicher mal Omi oder seine Kumpels auf Fatzebook kostenlos nach Hausmitteln beim Jucken und Kratzen im Hals fragen kann,

wenn Du berücksichtigst, wie viele Leute überhaupt keine Ahnung haben, aber einen Mitteilungsdrang, wie man an Antworten auf rechtliche Fragen auf Seiten wie gutefrage.net sehen kann

wenn Du bedenkst, dass gute Anwälte dem Mandanten auch klar die Risiken aufzeigen können, was oft auch zur Vermeidung von Prozessen führt

wenn man sieht, was passiert, wenn juristische Parallelwelten wie der Neuköllner Friedensrichter entstehen, wo Recht nicht mehr den Institutionen des Rechtsstaats, die alle dieselbe Ausbildung haben, unterliegt,

wenn Rechte auch in Tagen oder Wochen verfallen können, wenn sie nicht fristgerecht geltend gemacht werden, das Ansteuern von Institutionen, die diese Zeit kosten können und diesen Verfalll aus der Natur der Sache ohne Infos im Einzelfall und ohne alle Unterlagen gar nicht absehen können, zum Rechtsverlust führen kann, während der Anwalt für solche Fehler haftet

dann halte ich gerade in Zeiten des Internets, der schnellen Verbreitung, aber Anonymität, es für wichtig, dass hier keine Parallelwelt entsteht.

Außerdem nervt es, dass bei Jura jeder meint mitreden zu können. Nicht mal 15% schaffen einen guten Abschluss nach Jahren des Studiums, aber Lehrer Lempel und der Inhaber der Pommesbude argumentieren auf Augenhöhe? Wieso ist das so? Weil jeder ein Gerechtigkeitsempfinden hat. Nur stimmt das oft nicht mit der Rechtslage überein.

VG
EK

Hallo,

zu der Frage der Anwaltsdichte:

http://www.bgfa.ch/scripts/getfile?id=1138

Okay, und was steht da? Knapp 600 Einwohner/Anwalt in Deutschland, über 6300 Einwohner/A. in Japan. Faktor 10,5 Pi mal Daumen…

wenn Du Dich wie wohl die meisten bisher nicht daran gestört
hast, dass man zB für medizinische Behandlungen, die gerne
illegal in Kosmetikläden oder Tätowierstudios angeboten
werden, eine Ausbildung und Zulassung braucht, auch wenn man
sicher mal Omi oder seine Kumpels auf Fatzebook kostenlos nach
Hausmitteln beim Jucken und Kratzen im Hals fragen kann,

Ich kann eben nicht nur diese Leute kostenlos und legal befragen, sondern jeden der mir kompetent erscheint, und niemand stört sich daran, wenn mir 100 Leute den größten Stuss empfehlen! Aber bei Rechtsfragen ist es auf einmal nötig, den Verbraucher vor falschen Tipps zu schützen??? Sehr merkwürdig, finde ich(!) -> persönliche Meinung, zum Glück noch erlaubt…

wenn Du berücksichtigst, wie viele Leute überhaupt keine
Ahnung haben, aber einen Mitteilungsdrang, wie man an
Antworten auf rechtliche Fragen auf Seiten wie gutefrage.net
sehen kann

Falschantworten filtern sich durch die Masse an Antworten i.d.R. fast automatisch heraus. Siehe Wikipedia…

wenn Du bedenkst, dass gute Anwälte dem Mandanten auch klar
die Risiken aufzeigen können, was oft auch zur Vermeidung von
Prozessen führt

Das können Leute aus dem Volk mit dem gehörigen Erfahrungsschatz auch.
Im Gegensatz dazu kostet ein Nein beim Anwalt 100 oder mehr Euro! Mir fällt ad hoc kein anderer Berufszweig ein, bei dem ich für die Aussage „Da kann man nichts machen!“ bezahlen muss. Dir vielleicht?

wenn man sieht, was passiert, wenn juristische Parallelwelten
wie der Neuköllner Friedensrichter entstehen, wo Recht nicht
mehr den Institutionen des Rechtsstaats, die alle dieselbe
Ausbildung haben, unterliegt,

wenn Rechte auch in Tagen oder Wochen verfallen können, wenn
sie nicht fristgerecht geltend gemacht werden, das Ansteuern
von Institutionen, die diese Zeit kosten können und diesen
Verfalll aus der Natur der Sache ohne Infos im Einzelfall und
ohne alle Unterlagen gar nicht absehen können, zum
Rechtsverlust führen kann, während der Anwalt für solche
Fehler haftet

Meine Anwältin hatte ein Fax zu spät abgesendet. Und? Musste sie dafür haften? Nein, natürlich nicht! War halt Pech… Mein Pech in dem Fall!
Jaaaa, ich hätte mir noch nen Anwalt nehmen können, um sie auf Schadenersatz o.ä. zu verklagen… Und wer zahlt das? Ich!
Ein klar definiertes Recht ist zu gewährleisten: Schadenersatz aufgrund von Versäumnis (nenn es wie du willst). Und was ist? Ich brauche Geld, um an mir zustehendes Geld zu kommen! Das macht schon Sinn, oder?

dann halte ich gerade in Zeiten des Internets, der schnellen
Verbreitung, aber Anonymität, es für wichtig, dass hier keine
Parallelwelt entsteht.

Außerdem nervt es, dass bei Jura jeder meint mitreden zu
können.

Im Internet kann nunmal jeder mitreden. Punkt. Wer das nicht mag, kann gern nach China ziehen. Die richtigen von den falschen Ratschlägen zu unterscheiden, sollte doch jedem Ratsuchenden zugetraut werden meine ich. Wer blauäugig den erstbesten Rat für das einzig Wahre hält, ohne diesen evtl. von Dritten bestätigen zu lassen, dem kann eh nicht mehr geholfen werden…

Genauso wie mir als Autofahrer zwar vorgeschrieben wird, dass ich nachts um 3:00 an einer roten Ampel im Nirgendwo zu stehen habe (und nicht etwa kurz anzuhalten, in alle Richtungen zu blicken, um dann vorsichtig weiterzufahren, siehe Stop-Schild-Regelung), aber wenn aufgrund fehlender Mindestspurbreite auf einmal aus zwei Spuren eine wird, ohne entsprechende Beschilderung, einfach mal so, weil der Straßenbelag grad alle war, dann soll ich mich als Autofahrer selber kümmern und alle Faktoren wie andere V.teilnehmer im Sekundenbruchteil richtig einschätzen und lt. §1 lieber einmal mehr anhalten als nötig?
Wenn dem Gesetzgeber selbst nach langem Nachdenken nichts Passendes mehr zum Verordnen und Reglementieren einfällt, dann gilt meistens ein Paragraf ähnlich §1 StVO.

Nicht mal 15% schaffen einen guten Abschluss nach
Jahren des Studiums, aber Lehrer Lempel und der Inhaber der
Pommesbude argumentieren auf Augenhöhe? Wieso ist das so? Weil
jeder ein Gerechtigkeitsempfinden hat. Nur stimmt das oft
nicht mit der Rechtslage überein.

Schlimm genug, oder? Die Mehrheit der Bevölkerung empfindet ein bestimmtes Gesetz als - vorsichtig ausgedrückt - „nicht treffend formuliert“. Trotzdem wird es über Jahre so gemacht. Weil. Es. Da. So. Steht! Da wo es interessant wird, hört die Demokratie auf.
Die Volksbefragung zur Zukunft des FH Tempelhof (Berlin) wurde auch nur durchgeführt, weil Vorabumfragen das Ergebnis voraussehen ließen.
Warum wurden denn die Deutschen mit ihrer Demokratie nicht zum Euro befragt? Vielleicht weil wir sonst noch die D-Mark hätten…?

Vielleicht hast du es gestern mitbekommen in den Nachrichten (der Sender mit dem Ball): Nach über drei Jahren Kampf David gegen Goliath haben nun auch Sternenkinder das Recht auf Anerkennung als Mensch und die damit verbundenen Rechte wie Bestattung oder Geburtsurkunde.

Bislang war das nur möglich, wenn das Kind bei der Entbindung mind. 500g gewogen hat. Darunter wurde es als Klinikabfall entsorgt. Es gab keine Geburts- oder gar Sterbeurkunde. Die Eltern, gestraft genug durch das Ereignis, hatten also nicht einmal einen Ort der Trauer (Friedhof)!

Solange man im Kampf gegen ein offensichtliches Unrecht (in dem Fall Benachteiligung) über Jahre hinweg Nerven und vor allem Geld lassen muss, stehe ich - zumindest die mich betreffenden - Rechtsvorschriften sehr kritisch gegenüber. So diese denn mit Sinn und Verstand und einem erkennbaren Zweck verabschiedet wurden, sollten sie auch einer kritischen Hinterfragung standhalten.

VG
EK

LG, M

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Okay, und was steht da?

Wie wäre es mit lesen?

Knapp 600 Einwohner/Anwalt in
Deutschland, über 6300 Einwohner/A. in Japan. Faktor 10,5 Pi
mal Daumen…

„In Japan verteilt sich die ohnehin geringe Zahl der Anwälte
vor allem auf die Wirtschaftsregion zwischen Tokio und Osaka:
Fast 70 % aller Anwälte praktizieren dort und zwar überwiegend
im Wirtschaftsrecht und da wiederum im internationalen Wirtschaftsrecht.
Neben den 20 000 Anwälten gibt es aber ca.
400 000 juristisch ausgebildete Leute in den Unternehmen, die
de facto einen Grossteil der Arbeit machen, die bei uns in den
Anwaltsbüros landet.“

„Wie viele Personen in diesem Sektor tätig sind,
hängt auch davon ab, ob es indirekte Zulassungsbeschränkungen
gibt, so insbesondere anspruchsvolle Prüfungen ( Japan) … Jährlich stellen sich in Japan etwa 20 000 Kandidaten für die Anwaltsprüfung
vor, die beliebig oft wiederholt werden kann. In der Vergangenheit
haben ca. 400–500 Kandidaten die Prüfung bestanden, jetzt sollen es
zwischen 800 und 1 000 Kandidaten sein“

Gruß,
Max

Okay, und was steht da?

Wie wäre es mit lesen?

Gute Idee. Hatte ich gemacht, wie du sicherlich drei Sekunden später selbst gelesen hast…

Knapp 600 Einwohner/Anwalt in
Deutschland, über 6300 Einwohner/A. in Japan. Faktor 10,5 Pi
mal Daumen…

„In Japan verteilt sich die ohnehin geringe Zahl der Anwälte
vor allem auf die Wirtschaftsregion zwischen Tokio und Osaka:
Fast 70 % aller Anwälte praktizieren dort und zwar überwiegend
im Wirtschaftsrecht und da wiederum im internationalen
Wirtschaftsrecht.
Neben den 20 000 Anwälten gibt es aber ca.
400 000 juristisch ausgebildete Leute in den Unternehmen, die
de facto einen Grossteil der Arbeit machen, die bei uns in den
Anwaltsbüros landet.“

Und? Merkst du 'was? Es geht also offensichtlich auch anders. Wenn ich durch die City fahre, finde ich nur schwer etwas Preiswertes zum Essen, und wenn, dann hat’s keine Parkplatz. Oder er kostet - mal wieder - Geld.
Wie beruhigend ist es da zu wissen, dass ich nur 100 €m* brauche, um dagegen zu klagen… :wink:

(*100m bis zum nächsten Anwalt und 100€ für dessen Schreiben)

„Wie viele Personen in diesem Sektor tätig sind,
hängt auch davon ab, ob es indirekte Zulassungsbeschränkungen
gibt, so insbesondere anspruchsvolle Prüfungen ( Japan) …
Jährlich stellen sich in Japan etwa 20 000 Kandidaten für die
Anwaltsprüfung
vor, die beliebig oft wiederholt werden kann. In der
Vergangenheit
haben ca. 400–500 Kandidaten die Prüfung bestanden, jetzt
sollen es
zwischen 800 und 1 000 Kandidaten sein“

Gut möglich, aber was hat das jetzt mit dem Thema zu tun? Es zeigt u.U. einen Weg auf, die existierenden Juristen auszudünnen respektive den Nachwuchstunnel etwas zuzumauern…

Gruß,
Max

Liebe Grüße, Marcel

Es zeigt u.U. einen Weg auf, die existierenden Juristen
auszudünnen respektive den Nachwuchstunnel etwas zuzumauern…

Ok, du hast den Text gelesen, aber nicht wirklich verstanden.

M.

Ach… Nicht?

Fakt ist, dass es - neben einigen anderen Berufsgruppen - zu viele Anwälte in D. hat. Schon allein gemessen an der Menge derer, die die Klageflut bearbeiten müssen. (Und trotz einer Klageflut wg. 50% fehlerhafter Hartz-IV-Bescheide und dem drohenden Erstickungstod der Bearbeiter dieser Klagen wird nichts, aber auch gar nichts, an diesem offenkundig nicht zu Ende gedachten System geändert).

Der o.e. Text versucht durch statistische Auswertungen und Zurhilfenahme ethnischer und kultureller Besonderheiten diesen Überhang zu erklären und zu rechtfertigen.

Irgend jemand der jenigen, die auf meinen O-Beitrag geantwortet haben lässt vermuten, dass er der Auffassung sei, man dürfe ausschließlich dann Kritik an einer bestimmten Sache üben, wenn man sich vorher vollumfassend über diese informiert hat. Einschließlich Ursachen, Historie, Verantwortliche, Ausführende, Betroffenene und aller hier jetzt nicht erwähnten Kriterien.

Wenn nun dieser Anspruch gerechtfertigt sein sollte, bedeutet das in der Folge, dass so gut wie niemand mehr an irgend etwas Kritik üben geschweige denn nach Veränderungen rufen dürfte, denn, wie man an vielen Beispielen sehen kann, nicht einmal diejenigen, die eine überdurchschnittlich viel Kritik provozierende Sache geschaffen haben, überblicken diese in all ihren Ausmaßen noch, um qualifizierte und nachhaltige Optimierungen zu bewirken.

Und bei dem aktuellen Bildungssystem mit Verantwortung auf Landesebene wird das auch in den nächsten Jahren nicht besser werden. Ein Blick nach Finnland würde sicher helfen (siehe Pisa). Aber deren Schulsystem gleicht doch nun wirklich zu sehr dem der DDR, das kann doch keiner wollen, das geht doch nicht, das waren doch alles arbeitsfaule Bauern! Dnn lieber so wie es jetzt ist, das Volk verblödet dank Bildungs- und Entwrtainmentsystem im Free- und Pay-TV-Bereich zuverlässig progressiv von Generation zu Generation, gleichzeitg steigt womöglich noch die Zahl derer, die den Anspruch auf vollumfassende Information vor dem Üben von Kritik erheben - und schon ist Ruhe im Volk!

Oder hast du eine Erklärung dafür, dass man sich einerseits über die hohe Klageflut (s.o.) beschwert, gleichzeitig aber nicht in der Lage (oder etwa Willens?) ist, die Ursachen dafür zu beseitigen?

Und wenn du schon der Meinung bist, etwas zu verstanden zu haben, von dem mirunterstellst, ich hätte dies nicht, dann beuge dich doch bitte dem Zweck des Forums, in dem du schreibst…

Es wäre übrigens toll, wenn du mit Zitat antwortet könntest, damit der Antwortende sehen kann, worauf du geantwortet hast. Oder merkst du dir alle Details deiner Antworten?

Liebe Grüße, Marcel

Windmühlenflügel sind eine tolle Sache!
owT

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Wenigstens mussten die Müller damals keine Abgaben für erneuerbare Energien bezahlen…

Schön*, dass es offenbar so viele Leute wie dich gibt, die vorbehaltlos alles „fressen“, was ihnen ihre „Herren“ vorwerfen. Ich hatte einen kurzen Moment lang schon Angst um das Fortbestehen der Demokratie.

* schön für die „Regierenden“

Don Quichotte litt übrigens unter Wahrnehmungsstörungen, weshalb er die Gefahr der Windmühlen überschätzte. Paradox, dass die selbe Ursache in der heutigen Zeit zu völliger Gleichgültigkeit führt!

Vielleicht kommst du aber eines Tages selbst an die Stelle, an der du entweder nicht vorhandenes Geld zur Durchsetzung eines Rechtsanspruchs aufbringen oder klein beigeben musst. Dann wird sich deine Meinung zu unserem ach so perfekten Rechtssystem womöglich auch ändern.

Bis dahin wünsche ich dir ein sorgenfreies Leben mit stundenlangem Bildungsfernsehen und Pseudoinformationen in den „Nachrichten“

Liebe Grüße, Marcel

owT

Hallo!

Zwei Hinweise:

  1. Es gibt immer wieder Menschen, die verwechseln Rechtsanwälte und Richter mit Psychiatern. Opfern einer ungerechten Weltverschwörung geschieht vor Gericht vielleicht Recht, aber sie werden sich nicht besser fühlen.

  2. Je größer die Anwaltsdichte desto billiger ist der Anwalt - weil Angebot und Nachfrage…

Gruß
Tom