Die FDP und das Parteiengesetz

Hallo Gemeinde,

die so genannten Liberalen vergessen in ihrem Streit ob für oder gegen Karsli ihre Satzung, die sich am Parteiengesetz zu orientieren hat (über die Aufnahme eines Mitgliedes entscheidet der unterste Gebietsverband, in dem Fall der Ortsverband des Wohnsitzes von Herr Karsli:

http://www.destatis.de/wahlen/rechtsgr/d/partg2.htm

Nun haben sie also ein Problem: Herr Karsli - man kann über seine in der Vergangenheit geäußerten Sprüche denken wie man will - ist also bereits in der FDP drin und zwar erst seit kurzem.

Und jetzt muß der Jurist Westerwelle Herrn Möllemann bitten, Satzung und Parteienegesetz zu vergessen und Herrn Karsli wieder rauszuschmeißen. Was das noch mit Recht oder gar Liberalität zu tun haben soll, ist mir schleierhaft. Und welche schwerwiegenden Verfehlungen will man Herrn Karsli in der kurzen Zeit vorwerfen? )*

Gruß Richard

)* (4) Ein Mitglied kann nur dann aus der Partei ausgeschlossen werden, wenn es vorsätzlich gegen die Satzung oder erheblich gegen Grundsätze oder Ordnung der Partei verstößt und ihr damit schweren Schaden zufügt. (Und das muß erst mal ein übergeordnetes Schiedsgericht entscheiden, s. § 10, 5

Hallo Richard
nun, es gibt da eine Möglichkeit:

§ 10 Abs 3 Satz 5 PartG :
„…In dringenden und schwerwiegenden Fällen, die sofortiges Eingreifen erfordern, kann der Vorstand der Partei oder eines Gebietsverbandes ein Mitglied von der Ausübung seiner Rechte bis zur Entscheidung des Schiedsgerichts ausschließen.“

So… und was ist nun

  1. Dringend und 2. Schwerwiegend

Ausserdem entscheidet der Gebietsvorstand des Wahlkreises oder was auch immer in einer FREIEN Entscheidung über die Aufnahme…
was, wenn ein, sagen wir mal, stellvertretender Parteivorsitzender da Druck ausgeübt hätte???
(Dies ist eine rein rhethorische Frage und unterstellt nicht, dass tatsächlich Druck ausgeübt wurde)

No ja, schau mer mal, wie es ausgeht
Wird ein intressantes Sommertheater

gruß
Mike

Hallo,

nun, es gibt da eine Möglichkeit:

§ 10 Abs 3 Satz 5 PartG :
"…In dringenden und schwerwiegenden Fällen,

hierzu zählen insbesondere parteiinterne Verstösse, die ein Zuwarten nicht erlauben. z.B. strafbares Handeln, das durch eine einmalige Handlung nicht abgewendet werden kann.

die sofortiges

Eingreifen erfordern, kann der Vorstand der Partei oder eines
Gebietsverbandes ein Mitglied von der Ausübung seiner Rechte
bis zur Entscheidung des Schiedsgerichts ausschließen."

Dies mag zwar in allen Satzungen der Parteien stehen, es ändert aber nichts daran, dass Karsli derzeit kein Amt in der Partei hat, sondern lediglich Mitglied ist. Die Partei kann einen Funktionär der Partei vorübergehend seienr Rechte in dieser Funktion entziehen. Eine Partei kann jemand jedoch nicht einem Mitglied - auch wenn es nur vorrübergehend wäre - die bereits eingeräumte Mitgliedschaft entziehen, wenn dem das Mitglied nicht freiwiliig zustimmt. Ich bin gespannt, wie sich die FDP bevor diese Sitzung ist, verhält. Sollte die FDP Karsli seine Mitgliedschaft entziehen, ohne dass ihm rechtliches Gehör gewährt wird, wäre dies ein einmaliger Fall in der Geschichte der Parteien der BRD und eine schwerwiegende Verletzung der Rechtsordnung. Hier verstehe ich deshalb weder Hamm-Brücher, wobei bei HB dies aus familiären Gründen noch zu verstehen ist, aber alle anderen - auch Hirsch - setzen sich dem Verdacht aus, dass ihnen deutsches Recht nicht so wichtig scheint, wie sie es immer wieder darzustellen versuchen.

Gruss Günter

So… und was ist nun

  1. Dringend und 2. Schwerwiegend

Ausserdem entscheidet der Gebietsvorstand des Wahlkreises oder
was auch immer in einer FREIEN Entscheidung über die
Aufnahme…
was, wenn ein, sagen wir mal, stellvertretender
Parteivorsitzender da Druck ausgeübt hätte???
(Dies ist eine rein rhethorische Frage und unterstellt nicht,
dass tatsächlich Druck ausgeübt wurde)

No ja, schau mer mal, wie es ausgeht
Wird ein intressantes Sommertheater

gruß
Mike

Dies mag zwar in allen Satzungen der Parteien stehen, es

ändert aber nichts daran, dass Karsli derzeit kein Amt in der
Partei hat, sondern lediglich Mitglied ist. Die Partei kann
einen Funktionär der Partei vorübergehend seienr Rechte in
dieser Funktion entziehen. Eine Partei kann jemand jedoch
nicht einem Mitglied - auch wenn es nur vorrübergehend wäre -
die bereits eingeräumte Mitgliedschaft entziehen, wenn dem das
Mitglied nicht freiwiliig zustimmt.

Herr Karsli ist Mitglied des NRW-Parlamentes und tritt somit als Mitglied der FDP nun deren Fraktion bei.

gruss
winkel

Ein Zitat dazu
Hallo Mike,

zu deiner Behauptung -

Ausserdem entscheidet der Gebietsvorstand des Wahlkreises oder
was auch immer in einer FREIEN Entscheidung über die
Aufnahme…
was, wenn ein, sagen wir mal, stellvertretender
Parteivorsitzender da Druck ausgeübt hätte???
(Dies ist eine rein rhethorische Frage und unterstellt nicht,
dass tatsächlich Druck ausgeübt wurde)

ein aktuelles Zitat:

„Möllemann habe Karslis Aufnahme betrieben, machte der Recklinghauser Kreisvorsitzende Manfred Richter deutlich.“

http://www.tagesspiegel.de/archiv/19.05.2002/58864.asp

Gruß

Hallo Mike,

schau mal ins Forum des Bundesverbandes der FDP rein, da fetzt es richtig und meiner Meinung ist die überwiegende Mehrheit dort pro Möllemann.

Zum Thema Satzung lies hier:

http://www.fdp-bundesverband.de/forum/read.php?f=3&i…

Die Herren Westerwelle, Genscher, Hirsch und wie sie alle heißen mögen, können unmöglich ihre eigene Satzung - die ja auf dem Parteiengesetz basieren MUSS! - in Frage stellen.

Fraktionsstatus kann man Herrn Karsli entziehen, aber niemals die Mitgliedschaft, so lange ein Schiedsgericht darüber nicht entschieden hat. Sollte dieses rechtsstaatliche Prinzipien mißachten, ist auch ein solcher Schiedsgerichtsspruch anfechtbar (Verwaltungsgericht oder eher Verfassungsgericht).

nun, es gibt da eine Möglichkeit:

§ 10 Abs 3 Satz 5 PartG :
„…In dringenden und schwerwiegenden Fällen, die sofortiges
Eingreifen erfordern, kann der Vorstand der Partei oder eines
Gebietsverbandes ein Mitglied von der Ausübung seiner Rechte
bis zur Entscheidung des Schiedsgerichts ausschließen.“

Dann wäre Herr Karsli immer noch (ruhendes) Mitglied. Allerdings habe ich nirgendwo im Netz eine Äußerung von ihm lesen können (zumindest während seiner kurzen Mitgliedschaft, und um diese Zeitspanne geht es allein), die so schwerwiegend sein könnte. Kritik an Sharon ist nicht nur legitim, sondern stet einer demokratischen Partei gut zu Gesicht; selbst Isralis tun das im eigenen Lande.

Ausserdem entscheidet der Gebietsvorstand des Wahlkreises oder
was auch immer in einer FREIEN Entscheidung über die
Aufnahme…
was, wenn ein, sagen wir mal, stellvertretender
Parteivorsitzender da Druck ausgeübt hätte???

Mit dieser Unterstellung könntest Du jede Mitgliedschaft (mit Ausnahme von Gründungsmitgliedern einer Partei) in Frage stellen. Das traue ich dem Kreisverband in Recklinghausen nicht zu.

Gruß Richard

Karsli ist derzeit zwar Mitglied des Landtages und wurde über die Liste der Grünen gewählt, ist jedoch offiziell nicht in die Landtagsfraktion aufgenommen worden. Insoweit geht es derzeit nur um die Mitgliedschaft.

Was letztlich aber völlig egal sein wird. Die Vorgänge zeigen uns recht deutlich, wie der Zustand und die Unabhängigkeit der FDP insgesamt zu betrachten ist.

Selbst wenn ich erhebliche Kritik an dem Vorgehen gegen Möllem. habe, erhebliche Risiken befürchte, so haben wir derzeit ein Lehrstück in „politischer Unabhängigkeit bei der FDP“.

Gruss Günter

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

hallo Richard,
wäre z.Zt. nicht die Wahl, es würde nach einem Rüffel für die Wortwahl kein Hahn mehr davon krähen.
Er war halt etwas drastisch in seiner Wortwahl. Wem ist das nicht schon passiert?
Mir in meinem aufbrausenden Wesen schon öfters :smile:
Vom Grundgedanken hat er aber Recht. Es hat in Europa noch nie so viel harte Worte für Israel gegeben, wie z.Zt. Dass man da immer auch das Kind mit dem Bade ausschüttet liegt in der Natur der Dinge.
Der FDP konnte man bisher nicht am Zeug flicken. Jetzt glaubt es der politische Gegner. Doch die meisten Deutschen finden den Spruch gar nicht so daneben. Drastisch, ja, doch falsch? nein!
Also sollte die SPD sich lieber hier zurückhalten, sonst verliert sie da auch noch Wähler!
Grüße
Raimund

Karsli ist derzeit zwar Mitglied des Landtages und wurde über
die Liste der Grünen gewählt, ist jedoch offiziell nicht in
die Landtagsfraktion aufgenommen worden. Insoweit geht es
derzeit nur um die Mitgliedschaft.

Herr Karsli hat also, was häufig im Streit mit Fraktionen geschieht und auch von Parteiaustritten begleitet wird, sein Mandat behalten, das ihm seine Wähler (die wohl ihn als Grünen gewählt haben) für die Wahlperiode erteilt haben. Das kann er tun und niemand kann ihn aus dem Landtag verweisen. Lustig wird es dann, wenn er generell mit der FDP stimmt und somit seine Zugehörigkeit zur FDP dokumentiert: in den meisten Abstimmungen wird ja der „freiwillige Fraktionszwang“ angewendet. Soll man ihn dann etwa zwingen, sich der Stimme zu enthalten?

Was letztlich aber völlig egal sein wird. Die Vorgänge zeigen
uns recht deutlich, wie der Zustand und die Unabhängigkeit der
FDP insgesamt zu betrachten ist.

Also unter liberal habe ich früher auch immer was anderes verstanden. Aber was heißt das schon in der heutigen Zeit, wo Grüne auch nicht mehr grün sind. Alle Parteien reklamieren für sich die Mitte, damit ja keiner Konturen zeigen muß. Man könnte ja auffallen, wenn man den vermeintlichen Mainstream verläßt.

Selbst wenn ich erhebliche Kritik an dem Vorgehen gegen
Möllem. habe, erhebliche Risiken befürchte, so haben wir
derzeit ein Lehrstück in „politischer Unabhängigkeit bei der
FDP“.

Es steht zu befürchten, daß diese Partei ihre Vorschußlorbeeren bis zum Wahltag wieder verspielt: die Partei der Nichtwähler könnte noch größer werden.

Gruß Richard

Hallo,

Karsli ist derzeit zwar Mitglied des Landtages und wurde über
die Liste der Grünen gewählt, ist jedoch offiziell nicht in
die Landtagsfraktion aufgenommen worden. Insoweit geht es
derzeit nur um die Mitgliedschaft.

Herr Karsli hat also, was häufig im Streit mit Fraktionen
geschieht und auch von Parteiaustritten begleitet wird, sein
Mandat behalten, das ihm seine Wähler (die wohl ihn als Grünen
gewählt haben) für die Wahlperiode erteilt haben. Das kann er
tun und niemand kann ihn aus dem Landtag verweisen. Lustig
wird es dann, wenn er generell mit der FDP stimmt und somit
seine Zugehörigkeit zur FDP dokumentiert: in den meisten
Abstimmungen wird ja der „freiwillige Fraktionszwang“
angewendet. Soll man ihn dann etwa zwingen, sich der Stimme zu
enthalten?

Den freiwilligen Fraktionszwang gibt es nicht. Das Wort für sich sagt schon aus, dass unter Zwang nichts freiwillig sein kann. Es kann also derzeit ohnehin niemand Karsli vorschreiben, wie er abzustimmen hat. Der geübte Fraktionszwang, um mehrheiten zu erreichen, kann die FDP auf Karsli deshalb nicht anwenden. Wenn er also mit der FDP trotzdem dann stimmt, ist das eine andere Sache.

Andererseits, wie oft wird in Landtagen und im Bundestag die Richtung gewechselt. Da stimmt dann die PDS und die SPD im Bundestag gemeinsam. Ob dies nun nur einmal ist oder mehrfach spielt kaum eine Rolle.

Wäre nicht Bundestagswahl und müssten die Grünen und die SPD nicht befürchten, die Mehrheit zu verlieren, wäre die Sache längst erledigt. Einige von denen, die sich heute so über Karsli oder Möllemann aufregen, betrieben im Land Rassismus und Hetze gegen Minderheiten ohne Überlegung. Oder sind jene besser als Karsli, die von der Gefahr des Islams in DE warnen, die von der Gefahr - pauschal - der Islamisten als Terroristen waren - die Arbeitslose als Faulenzer verunglimpfen ? Ich finde, auch wenn es andere Probleme sind und andere Gruppen, man muss auch über den täglichen Rassismus und die täglichen Verunglimpfung von Minderheiten in unserem Land mit derselben Energie diskutieren.

Mir ist es zu billig einen Effenberg wegen seiner Arbeitslosenschelte abzukanzeln während der nur das saudumme Geschwätz eines Bundeskanzlers verbreitet hat.

Was letztlich aber völlig egal sein wird. Die Vorgänge zeigen
uns recht deutlich, wie der Zustand und die Unabhängigkeit der
FDP insgesamt zu betrachten ist.

Also unter liberal habe ich früher auch immer was anderes
verstanden. Aber was heißt das schon in der heutigen Zeit, wo
Grüne auch nicht mehr grün sind. Alle Parteien reklamieren für
sich die Mitte, damit ja keiner Konturen zeigen muß. Man
könnte ja auffallen, wenn man den vermeintlichen Mainstream
verläßt.

Selbst wenn ich erhebliche Kritik an dem Vorgehen gegen
Möllem. habe, erhebliche Risiken befürchte, so haben wir
derzeit ein Lehrstück in „politischer Unabhängigkeit bei der
FDP“.

Es steht zu befürchten, daß diese Partei ihre
Vorschußlorbeeren bis zum Wahltag wieder verspielt: die Partei
der Nichtwähler könnte noch größer werden.

Nein Richard, ich sehe hier eine andere Gefahr. Mit dieser Diskussion könnte die FDP mehr Stimmen erhalten als erwartet wird bisher. Die Gründe sind zwar einfach.

Da man in unserem Land zwischenzeitlich versucht die freie Mienung einzuschränken, wird der „jetzterstrecht“ Effekt sicher eine wesentlich Rolle spielen.

Gruss Günter