Der folgende Bericht ist nachzulesen auf den Internet-Seiten der Neuen Osnabrücker Zeitung (http://www.neue-oz.de/information/noz_print/stadt_os…)
_ Erst engagierter Fluthelfer, dann arbeitslos
Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip staunte nicht schlecht, als er dem Osnabrücker Thorsten Gärtner den sächsischen Fluthelferorden übergeben wollte. „Den nehme ich nicht an. Davon habe ich schon zwei und außerdem bekomme ich meinen Job davon auch nicht wieder“, sagt der 38-Jährige verbittert.
Was war passiert? Im August 2002 kommt es zur verheerenden Elbehochwasser-Katastrophe. Im gesamten Bundesgebiet rücken tausende Helfer aus, um den Wassermassen Einhalt zu gebieten. So auch der Helfer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Thorsten Gärtner. Er ist „Technischer Leiter Tauchen und Einsatz“ des DLRG-Bezirks Osnabrück, zu dem dreizehn Ortsgruppen in Stadt und Landkreis gehören.
Im Einsatz an der Elbe hatte er nach eigenen Angaben zeitweise über 50 Helfer zu führen, die die verzweifelten, durchnässten Flutopfer in Dresden betreuten Die Neue OZ berichteten damals auf einer Sonderseite von seiner Arbeit im Hochwassergebiet.
Sein damaliger Arbeitgeber, die Stadtwerke Herford, rechneten ihm seinen Einsatz jedoch nicht an. Sie kündigten ihm während der Probezeit. Im Kündigungsschreiben heißt es: „Aus ihrer eingereichten Bescheinigung über die Teilnahme am Katastrophenschutz ist in keiner Weise ersichtlich, dass Sie angefordert worden sind sondern nur, dass Sie an diesem Einsatz teilgenommen haben.“ Darüber hinaus wirft ihm der Personalleiter Vertrauensbruch vor. Die Einsatz-Bescheinigung von der DLRG, die Gärtner in Herford nach dem Einsatz vorlegte, genügte seinem Arbeitgeber nicht.
Der Schwimmmeister ist offenbar regulär alarmiert worden: Als Zugführer ist sein Name auf der Liste für die Alarmierungskette verzeichnet. Der Vater von drei Kindern vermutet persönliche Gründe für seinen Rauswurf. „Es könnte auch am Neid einer Kollegin gelegen haben“, vermutet Gärtner. „Die Frau zeigte auch überhaupt kein Verständnis für den Einsatz“, beschreibt seine Lebensgefährtin, Nelly Klemm, die Reaktion der Kollegin, die sie über die Alarmierung informierte.
In seinem Berufsfeld ist er hoch qualifiziert: So ist er geprüfter Schwimmmeister, Rettungssanitäter, Meister für Bäderbetriebe. Für seine zahlreichen Hilfseinsätze und sein ehrenamtliches Engagement erhielt er eine Reihe von Auszeichnungen: Verdienstzeichen der DLRG in Bronze und Silber, Ehrenurkunde Wasserrettung aus Lebensgefahr in Bronze, Ehrenkreuz der Bundeswehr in Silber, das Helferzeichen des THW in Gold. Hinzu kommen die Einsatz- und Verdienstorden der Fluthilfe 2002 der Bundesrepublik und der Länder Niedersachsen und Sachsen.
Wir fragten in Herford nach, warum man einen solchen Mann aus dem Betrieb entlässt. Die Antwort: „Kein Kommentar.“ Auch die Angestellten der Bäderbetriebe in Herford sind nach Aussage einer Mitarbeiterin angehalten worden, sich zur Sache nicht zu äußern. Für den 38-Jährigen kein Trost: „Arbeit finde ich trotzdem nicht.“_
Ist es nicht schön, wie ehrenamtliches Engagement in Deutschland gefördert wird?