Hallo Birgit,
lassen wir doch die Brüder Grimm selbst zu Wort kommen - im Grimm’schen Wörterbuch:
GEBRÜDER , alte pluralische bildung zu bruder, gebraucht, wo die zusammengehörigkeit besonders bezeichnet werden soll.
- die form.
a) ahd. gibruoder GRAFF 3, 301, mhd. gebruoder, alts. gibrôðar, ags. gebrôðor, d. h. ohne anderes pluralzeichen als das gi-, welches die zusammenfassung eben ausdrückt (s. sp. 1609. 1625); natürlich mit dem artikel im plur., mhd. die gebruoder, alts. thea gibrôðar, wie thie gesunfader, söhne und vater sp. 1609. Aber die bezeichnung des plur. auch in der endung könnte nicht ausbleiben, wie sich der ursprüngliche sinn des gi- verlor; wie schon im dat. alts. thêm gibrôðrun, so auch ags. schon im nom., acc., doch eigner weise mit dem zeichen des neutr., gebrôðru (wie auch brôðru), worüber sp. 1625 fg. zu vergleichen. so mag auch ahd. doch schon gibruodera gesagt worden sein, wie bruodera plur. (neben bruoder).
b) später erscheint als pl.
a) besonders in md. sprache der plur. gebrûdere, d. h. die fortführung jenes alten gibruodera, während in streng hd. mundart das -e nicht wol dauern konnte (doch im 12. jh. auch noch bruodere gen. 94, 34 D., vgl. auch b a. e.), z. b.: und wâren bî uns siben gebrûdere. HAUPT 9, 278 (s. mehr in den wbb.); und das ist, wenigstens in der canzleisprache, fortgeführt worden bis ins 18. jh.: herzog Johan Friderich churfürst und herzog Ernst gebrüdere. LUTHER 8, 10a; die beiden herzogen von Rügenwalde, seine gebrüdere. MICRÄLIUS alt. Pommern 4, 47; in dem verzeichnis der beisteuernden zu Gellerts denkmal in Leipzig: herren gebrüdere Du Four. Gellerts schr. 1784 10, v, es war die feierliche form.
b) auch der umlaut, der ursprünglich hier gar kein recht hat, erscheint doch schon in mhd. zeit (LEXER 1, 762): die gebrüeder. troj. krieg 35178, wie in engl. brethren neben brothers. und auch mit -e: wæren die drîe persône (der gottheit) alle worden mensche unde von einer muoter geborn, sô wæren sie alle gebrüedere von der muoter. HAUPT 9, 20 (elsässisch 14. jahrh. nach s. 8).
g) dafür aber auch auf alem. boden schwache bildung, die dort so beliebt ist (WEINH. al. gr. s. 446, s. auch bair. gr. 361): Margreth die Hügin …, Hainzman und Cunrat gebrudern die Hugen, ir sün … vergehent u. s. w. MONES zeitschr. f. gesch. des Oberrh. 7, 148, vom jahre 1427. so noch nl. gebroederen neben gebroeders, engl. brethren.
c) begreiflich ist die auffassung als neutrales collectivum, d a s gebrüder, doch spät und nicht geläufig: ich sehne mich nach schönern seelen, als dieses gebrüder narren da hat. J. PAUL Hesp. 3, 16; eine umständliche nachricht von ihr … wurde von dem gebrüder Grimm in den altdeutschen wäldern gemacht. V. D. HAGEN Nibelungenlied 1820 s. XXXII; doch bot auch geschwister dazu anhalt, das so geläufiger ist, äuszerlich aber die titelmäszige nachstellung 2, b. schon im 17. jahrh.: gebruders hausfrawen, janitrices, duorum fratrum uxores. HENISCH 1397 (nach KIL. 125a), wo doch das -s auch nur das notzeichen des gen. sein kann, wie in mutters kämmerlein (s. mehr u. kraft I, 3, c), auch im 16. jh. schon beim plur., s. unter einhorn aus LUTHER; vgl. gebrüderkind ohne das -s.
- Gebrauch.
a) im eigentlichen sinne, auch als lîpgebruoder leibliche gebrüder bezeichnet: dise herren wâren von Rôme burtic und wâren lîpgebrûdere. myst. 1, 146, im gegensatz zu c;
ine trage gein im decheinen haz …
unser vätr gebruoder hiezen (d. i. waren).
Parz. 324, 13, var. bruoder;
da sprach Abram zu Lot, lieber, lasz nicht zank sein zwischen mir und dir … denn wir sind gebrüder. LUTHER 1 Mos. 13, 8; die gebrüder (Stolberg) kamen an. GÖTHE 48, 91 (aber gedichte der brüder … grafen zu Stolberg Lpz. 1771); die drei berren gebrüder, von meinem fürsten eines morgens mir zugeführt. GÖTHE an Reinhard s. 283, von preuszischen prinzen; die gebrüder Grimm.
b) bemerkenswert ist nachstellung hinter die namen, aus alter zeit her: die vor genanten Hennin und Clewin Hase gebrüeder. WACKERN. les. 1839 944, 6, aus dem 14. jh., urkundl.; wir von gots gnaden Ernst, des heil. rom. reichs erzmarschalg, kurfurste, und Albrecht gebruder, herzogen zu Sachsen u. s. w. Leipz. urk. 1, 309; den vorgenanten Ernsten und Albrechten gebrudern, herzogen zu Sachsen. 1, 327; und mit im (könig Max. kam) herr markgraf Fridrich und des andern tags kom markgraf Sigmund, gepruder zu Brandburg. Nürnb. chr. 4, 563; also waren in ganz Pommern zweene herzogen ubrig, Logislaus IV und Otto I gebrüdere. MICRÄLIUS 3, 319; da understunden sich etliche aus der gemein … Tiberius und Caius Gracchi, gebruder u. s. w. AVENTIN chr. 92b. jetzt in geschäftsfirmen z. b. gebrüder Haubold, gern ohne art., auch unflectiert, zu haben bei gebrüder N. u. ä.
c) geistlich: daz wir (menschen) geistlîche gebrûdere sîgen. Diut. 1, 284; wenn wir sint alle geschwesterd (d. h. geschwister) oder gebruder in Christo. manuale curat. 91a, vgl. unter gebrüderlich. daher auch von mitgliedern einer geistlichen brüderschaft:
ir sprecht ‚wir sîn gebruoder!‘
wær iuwer tûsent vuoder,
ir sît ein ander als getriu,
als die wolve und die siu.
buch der rügen 537,
von kriuzæren, auch kreuzbrüder (s. d.) genannt;
lieben gesellen, wir sein all geprüeder gar
und sein auch peschoren zwar (d. h. fürwahr)
und tragen der prediger orden an.
fastn. sp. 434, 2.
d) bildlich z. b.:
die fünf gebruoder, ich dir sag,
sint fünf vocales.
Kolmarer meist. 17, 32;
es schallte wald und thal von einer sängerei,
die künstlich angestimmt die bunten forst-gebrüder (vögel).
MÜHLPFORT hochz. (1686) 67.
Quelle: http://www.dwb.uni-trier.de/index.html
Grüße
Wolfgang