Hallo Ralf,
hach! Welch ein schönes Thema…
Nun ja… Ich bin keine Profi-Übersetzerin, übersetze allerdings sowohl beruflich als auch privat recht viel, wobei mir in letzter Zeit einige w-w-w-ler auch das Schöngeistigste überhaupt - nämlich Gedichte! - aufs Auge gedrückt haben, die sie entweder ins Polnische (ich bin Muttersprachlerin) oder aber ins Deutsche übersetzt haben wollten. Uuuuuund: ich schreibe selbst - in beiden Sprachen.
Welche Sprache muss der Übersetzer besser
beherrschen - die fremde oder seine eigene?
Beide gleich gut! Hinzu kommt, daß man wirklich, wirklich, wirklich die Finessen der Sprache, in die man übersetzt, beherrschen muß. Gerade bei Gedichten sollte man auch einen gewissen Rhytmus beibehalten und das ist wirklich nicht einfach. Ebenso wichtig ist es, daß man weiß, wie weit man bei der Übersetzung mit Pathos & Co. gehen kann - dazu wiederum muß man nicht nur die Sprache sondern auch die Mentalität der Menschen, die es lesen sollen/müssen/können/dürfen kennen. Ich persönlich kriege die Krätze, wenn ich sehe, wie die tollen Gedichte von Mickiewicz & Co. verhunzt werden. Grottenschlecht!
Ich habe kürzlich ‚Wie man einen Vogel malt‘ (‚Pour faire le portrait dún oiseau‘) von Jaques Prévert ins Polnische verfrachtet, wobei ich lediglich die deutsche Version und nicht das französische Original kenne. Bzw. ich kenne es schon, aber ich verstehe es nicht. Die Übersetzung kam zwar sehr gut an, aber ich weiß nicht, ob ich es hier und dort nicht anders übersetzt hätte, wenn ich das Original hätte lesen können.
Manchmal beschleichen mich halt Zweifel, wenn ein
deutschsprachiger Übersetzer schreibt: „Ist sie dick?“ „Nein,
im Gegenteil - klein, zierlich, mollig.“
Solche Geschichten liegen eher im modischen Bereich… Was bei uns als Kleidchen in Größe 40 verkauft wird, ist in Italien und Frankreich 46, in Spanien 48 und in Russland gar 52. Wobei sich ‚zierlich‘ und ‚mollig‘ nun wirklich ausschließen…
- Die Beherrschung der fremden Sprache ist wichtig, um die
Eigenheiten des Autors herauszuhören.
Stimmt!
- Die Beherrschung der eigenen Sprache ist wichtig, weil
niemand die Eigenheiten des Autors herausarbeiten kann, der
sich in seiner Sprache nicht gut ausdrücken kann.
Stimmt ebenfalls!
Insofern bedingt es sich einander…
Beste Grüße
Renee