Die Lebensmittelampel

Hallo alle miteinander,

immer wieder hört man von der Lebensmittelampel. Diese soll die momentan übliche GDA Kennzeichnung ersetzen. Bei der GDA Kennzeichnung sieht man unter anderen in % wieviel des täglichen Bedarfs man zu sich nehmen würde wenn man eine bestimmte Menge z.B. Zucker man zu sich nimmt, wenn man 100g dieses Produktes ißt. Kritiker sagen dass diese Kennzeichnung nur schwer nachvollziehbar wäre, da zum einen die Mengenangaben variieren und zum anderen eine schlanke, erwachsene Frau für die täglichen Bedarf genommen wird. Sprich ein vergleich wird recht schwer.

Ich verstehe jetzt nicht wieso da eine Ampel besser sein soll. Also gut ist, dass es farblich gekennzeichnet wird und die Mengenangabe immer 100g sein sollen. So fällt ein vergleich zwischen den Produkten leichter und man sieht sofort voran man ist. Aber wieso ist z.B. die Zuckereinheit auf dem einen Produkt grün und auf dem anderen rot? Na ganz klar, weil bei dem einen viel Zucker drin ist und bei dem anderen wenig. Und genau da ist mein Problem. „viel“ ist relativ. Man braucht also wieder eine Grundlage um zu bestimmen ob es wirklich viel ist. Nehmen wir an in einem Produkt stecken 10% Zucker, also 10g Zucker von 100g Produkt. Wenn der Menschliche Körper (oder einfacher mein Körper) lediglich 10g Zucker am Tag bräuchte, dann würde dieses Produkt aber ein dunkel rotes Schild bekommen. Würde mein Körper aber 1Kg Zucker am Tag brauchen, dann wäre es hell grün. Ist ein bischen übertrieben, was ich sagen möchte ist, dass es unterschiede zwischen den Menschen gibt. Man braucht also eine Grundlage an der man misst ob es viel oder wenig ist. Also nimmt man wieder eine schlanke, erwachsene Frau?

Wenn dieser Logische Schritt von mir richtig ist (und da lasse ich mich auch gerne korrigieren), bedeutet das, dass die Ampel lediglich die Bezugmenge einheitlich auf 100g beschränkt und das ganze farblich markiert. Demzufolge verstehe ich den ganzen hype um die Nährwertampel nicht.

Gruß
T-Rex

Hi,

lies mal hier:

http://foodwatch.de/kampagnen__themen/ampelkennzeich…

http://verbraucherzentrale-ampelcheck.de/Ampelcheck/…
http://www.rp-online.de/wissen/gesundheit/So-funktio…

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,…

LG Nicky

Überall steht „so funktioniert die Nähwertampel“, aber ich finde da nirgends die Erklärung auf meine Frage.
Wieso hat Zucker ab 12,5 g einen roten kringel? Sind 12,5 g pro 100g viel für Kinder, für eine schlanke Frau oder für Rainer Calmund :wink: ?

Wie wird das berechnet?

Gruß
T-Rex

Hi T-Rex,

die Bezugsgröße ist tatsächlich 100g des Lebensmittels.
Die Einordnung basiert darauf und hat m. W. keinen Bezug zum Komsumenten-Alter und -Gewicht/-Geschlecht.

Wenn dieser Logische Schritt von mir richtig ist (und da lasse
ich mich auch gerne korrigieren), bedeutet das, dass die Ampel
lediglich die Bezugmenge einheitlich auf 100g beschränkt und
das ganze farblich markiert. Demzufolge verstehe ich den
ganzen hype um die Nährwertampel nicht.

Der Sinn besteht in der leichteren Übersicht. Alles wird auf 100g bzw. 100mL berechnet.
Bei der GDA werden Portionsgrößen willkürlich vom Hersteller gewählt. Somit kommen z. T. massive Verbrauchertäuschungen zustande.
Z.B. bei Chips: eine Portion wird meist mit 25 g angegeben und enthält 6 g Fett etc.
Das klingt ja gut, aber wer isst denn NUR 25 g Chips? Mit der Ampel wäre das Fett rot mit 24g/100g. Somit können verschiedene Sorten ohne viel Aufwand und Rechnerei (insbesondere beim Salzgehalt) verglichen werden.

Ich sage damit nicht, dass die Ampel keine Nachteile hat!

LG Nicky

Moin,

Demzufolge verstehe ich den
ganzen hype um die Nährwertampel nicht.

Naja, dummerweise hätten viele Sachen, die lecker schmecken, einen roten Punkt, wenn Du dann mit vielen roten Punkten im Einkaufswagen an der Kasse stehst, kriegst Du irgendwann die verachtenden Blicke der Grünpunktler zu spüren.
So ein Kainsmal verursacht immer einen gewissen sozialen Druck, roter Punkt steht dann irgendwann für asozial, du schadest durch dein vermeintliches Fehlverhalten der Gemeinschaft, ob’s nun stimmt oder nicht, rot ist halt bäbä.

CU

Axel

Hallo Axel,

Naja, dummerweise hätten viele Sachen, die lecker schmecken,
einen roten Punkt, wenn Du dann mit vielen roten Punkten im
Einkaufswagen an der Kasse stehst, kriegst Du irgendwann die
verachtenden Blicke der Grünpunktler zu spüren.

dazu müssten schon alle Packungen so liegen, dass der andere genau die aufgedruckten Symbole sehen kann…
Den Inhalt der Einkaufswagen anderer sieht man aber auch so, komische Blicke gibt es da ebenso, sofern etwas deutlich vom Durchschnitts-Mischinhalt eines Einkaufswagens abweicht (z.B. nur Chips und Alkohol, von einer dicken Person gekaufte Kalorienbomben, sehr viele Fertiggerichte, sehr viel Tierfutter, aber auch wenn man sehr viel „Gesundfutter“ kauft).
Dass die Lebensmittelampel diesen Effekt hat, glaube ich nicht.

So ein Kainsmal verursacht immer einen gewissen sozialen
Druck, roter Punkt steht dann irgendwann für asozial,

Das ist doch bei entsprechenden Lebensmitteln schon genauso?!

Viele Grüße,
Nina

Hallo,

Naja, dummerweise hätten viele Sachen, die lecker schmecken,
einen roten Punkt,

Und ungesunde einen grünen. Z.B. Light Getränke --> kein Zucker, kein Fett ==> GRÜN.
Bäh!

Gruß
Elke

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Hi Alex,

ich kann auch ohne rote und grüne Punkte den Unterschied zwischen einem

a) Chips, Pommes und TK-Pizza - Einkauf und einem
b) Tomaten, Müsli, Käse -Einkauf

erkennen.

Meiner Meinung nach sind die Punkte allerdings überflüssig. Es gibt Menschen, die wissen das Chips viel Fett enthalten (bis zu 40 g/ 100g) und die werden dieses „Lebensmittel“ weitestgehend meiden, ob mit oder ohne Punkte. Dann wiederum gibt es Leute die sagen, mir schmeckts! Und die werden weiter Chips essen.

Wer in der heutigen Gesellschaft ist denn noch nicht aufgeklärt?

Grüße
gwapa
bekennende Raucherin

für wen sind 25g Fett von 100g viel?
Ist das für ein Kind viel oder für eine schlanke Frau oder für einen dicken Informatiker?
Es muss doch der roten Farbe irgendetwas zu Grunde liegen. Oder hat man sich die Grenzen willkürlich ausgesucht?

für wen sind 25g Fett von 100g viel?
Ist das für ein Kind viel oder für eine schlanke Frau oder für
einen dicken Informatiker?
Es muss doch der roten Farbe irgendetwas zu Grunde liegen.
Oder hat man sich die Grenzen willkürlich ausgesucht?

Jepp, genau das.
Ebenso, wie die BMI-Grenzen (über 25 = Übergewicht) willkürlich sind und nichts mit erforschten Fakten (BMI über 25 = ungesund) zu tun haben.
Irgendeine Zahl muß man den Leuten an die Hand geben, denn einfach nur ausgewogene, gesunde Ernährung ist zu schwammig und bietet wenig Orientierunghilfe.
Die Einteilung in gut und böse ist einfacher und dazu bedarf es eben bestimmter Grenzwerte, die so gewählt sind, daß sie erreichbar sind, aber halt nicht allzu leicht.

Beispiel Zucker: Zucker braucht der Körper eigentlich gar nicht, also müsste die Bedarfsmenge = Null sein. Würde man das als Ideal propagieren, wäre das aber ziemlich frustrierend für alle, die gerne Zucker essen, aber nicht ungesund leben wollen. Es gibt also einen praktischen Grenzwert, der den Leuten vorgaukelt, daß die Zuckermenge bis dahin ok ist.

Ich denke die Ampel ist eine Vereinfachung zum Gewissen beruhigen. Denn wenn ich wirklich wissen will, was in den Lebensmitteln steckt, kann ich mich auch jetzt schon informieren und da reichen mir die wenigen Angaben der Ampel nicht, auch wenn sie noch so schön bunt sind.

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Die Lebensmittelampel & Soziologie
Hallo T-Rex!

Zumnächst mal:
Ich halte die Ampel auch für völligen Schwachfug - sogar für Kontraproduktiv.

Die „derzeit übliche Kennzeichnung nach GDA“ gehört aber auch in diese Kategorie. Die wurde vom Lebenmitteleinzelhandel sozusagen in vorauseilendem Gehorsam eingeführt, um die Politik schon mal kräftig zu beeinflussen.
Vorgeschrieben ist derzeit gar keine Kennzeichnung, und wenn man freiwillig eine machen will, dann muss sich diese nach Nährwert-Kennzeichnungs-VO auf 100 g beziehen.

Dieser völlig idiotische Bezug auf eine Portion wird (natürlich) gewählt, weil dann die Zahlen besser aussehen. Wobei die Portionsgrößen durchaus nicht nur vom Himmel fallen, sondern sich auch nach den amerikanischen Verordnungen der FDA richten - die machen das nämlich immer schon so, und deren Definition einer Portion erstreckt sich über satte 400 Seiten . . .
Und glaub mir, ich hab in meiner täglichen Praxis noch viel beklopptere Beispiele erlebt.

Die Ampel ist eine europäische Idee, und der Grundgedanke dahinter ist prinzipiell noch nicht mal verkehrt.

Du darfst nämlich nicht von dir auf andere schließen. Du, ich und alle, die sich hier beteiligen, haben sich zumindest ansatzweise mit der Sache beschäftigt und haben wenigstens gewisse Vorstellungen davon, was die einzelnen Nährstoffe sind und wieviel man am Tag davon zu sich nehmen soll/kann/darf und was für Folgen das alles hat.

Aber wenn du dich mal mit offenen Augen auf der Strasse umsiehst, dann - und ich bitte um Nachsicht, wenn ich jetzt zu bewusst bösartigen Formulierungen greife - wirst du sehen, das die meisten Fettklöpse dem unteren sozialen Viertel unserer Gesellschaft angehören. Und die haben keine Ahnung von Ernährung, die interessieren sich nicht dafür, die schauen nicht auf die Zahlen und wenn sie es tun würden, könnten sie damit nix anfangen (Klischee/Pauschalurteil über die breite Masse. In Einzelfällen kann das natürlich anderes sein!).

Und das ist die Zielgruppe der Ampel - denn eine simple rot-gelb-grün Kennzeichnung würde gerade noch innerhalb deren intellektueller Kapazität liegen.

Und nein, die Ampel wird sich nicht auf 100 g beziehen, sondern auch auf eine Portion. Allerdings wird die Portionsgröße dann vom Gesetzgeber festgelegt werden und keinen Spielraum für Pfuschereien mehr lassen (nun ja, natürlich muss man berücksichtigen, das über die Lobbyarbeit bereits im Vorfeld auf die Portionsgrößen Einfluß genommen wird. Daher vermutlich auch der derzeitige Wahnsinn: man will einfach vollendete Tatsachen schaffen - oder wenigstens die Richtung beeinflussen).

Und nein, die Politiker sind sich darüber im klaren, das man völlig verschiedene Lebensmittel nicht einfach vergleichen kann. Derzeit dikutiert man über die Einführung einiger Dutzend bis über hundert verschiedener „Standard-Lebensmittel“ mit Standard-Nährwert-Profilen. Alle realen Lebensmittel müssen dann so gut es halt geht in einen dieser Standards eingepresst werden - und die Ampel bezieht sich dann auf dieses Standard-Nährwert-Profil bzw. die Abweichung davon.

Glücklicherweise geht es in Europa jede Woche in eine andere Richtung (zumindest bei diesem Thema, darüber schwätzen die nämlich schon seit einigen Jahren, ohne auf einen grünen Zweig zu kommen), von daher seh ich das erst mal gelassen.

Der Bezug auf eine junge Frau lässt sich auch mit der Komplexität erklären: So wünscheswert das aus wissenschaftlicher Sicht auch wäre: Pack in die Tabelle noch ein paar Extra-Spalten für Männer, Kinder und Jugendliche, vieleicht noch ein paar für schwerarbeiten/Schwanger etc. - und keine Sau wird sich diesen Zahlenwust noch ansehen. Außer denen, die das nicht bräuchten, weil sie sich eh schon mit der Materie beschäftigt haben.

Der Bezug auf die „Normfrau“ mag zwar für absolute Zahlen nicht korrekt sein - immerhin lassen sich die Lebensmittel damit aber einfach vergleichen. Da sollten wir auch nicht dran rütteln.

Ich persönlich hoffe wirklich inständig, das die Ampel nicht kommt. Denn sie wird lediglich irrsinnig viel Arbeit in der Industrie machen und ständig Fragen aufwerfen, wie welches Lebensmittel zu betrachten ist (was ich dann wieder ausbaden muss). Wirklich was bringen . . . ich hab da so meine Zweifel.

Die Fettklöpse werden das auch weiterhin ignorieren, der interessierte Bürger wird nur verunsichert.

Ernährungswissenschaft zum Schulfach, möglichst ab der ersten Klasse machen, alles andere ist nur rumdoktorn an den Symptomen, aber nicht an der Ursache. Denn das ist die Dummheit, das Desinteresse und die Trägheit der Menschen.

lg, mabuse

***zustimmend nick***
Ja Hallo,

da hast du dir aber Mühe gemacht! … und ich stimme dir vollkommen zu.

Gruß Rainer

Hallo mabuse,

danke für deine Mühe, der Text hat mir ein paar Sachen verdeutlicht die ich mir eh schon gedacht habe. Finde es aber sehr schön das noch jemand die gleiche Ansicht teilt wie ich.
Eigentlich wollte ich nur wissen ob die Ampel auf soliden wissenschaftlicher Grundlage basiert, aber ich lese bei dir heraus das die Ampel genau so schwammig ist wie die GDA Darstellung nur eben schön bunt.

Zu deinem Beitrag wollte ich auch noch was los werden. Ich denke zwar auch das viele dick sind weil sie schlicht keine Ahnung von der Sache haben, aber ich denke auch dass die Disziplin fehlt. Meine Frau ist da, dass beste beispiel. Sie hat Hauswirtschafterin gelernt, Sie kann mir genau sagen wieviel Vitamine ein Apfel hat und wieviel Fett eine Lasagne, trotzdem ißt Sie lieber Süßigkeiten als Obst.

Gruß
T-Rex

Naja ganz so kontraproduktiv und kritisch wie manch anderer hier, sehe ich die Lebensmittelampel nicht.

Foodwatch unterstützt die Lebensmittelampel ja auch - und ganz so dumm sind die auch nicht.

Eine tolle Zusammenfassung über die Lebensmittelampel habe ich hier gefunden: http://www.yazio.de/artikel/die-lebensmittelampel-so…

Vielleicht hilt das einem ja weiter.