Hallo Ralf,
ich habe so das Gefühl, dass Du nicht wirklich verstanden
hast, um was es mir geht.
Mag sein, vielleicht reden wir auch aneinander vorbei. Es geht mir bestimmt nicht darum, die bekannte Physik in Frage zu stellen, sondern darum was der Lehrer in der 10.Klasse vermitteln will.
In der nächsten Chemiestunde geht es dann vielleicht um das Periodensystem und da muß ich doch auch nicht bei jeder Angabe über die Anzahl der Nukleonen alle Elementarteilchen auflisten oder bei der Anzahl der Elektronen die De Broglie-Wellen als das Maß aller Dinge erklären. Und um die Ionenbindung zu verstehen, langt es völlig das Kugelmodell der Atome zu Grunde zu legen. Alles andere ist mit Kanonen auf Spatzen geschossen und trägt nicht zum Verständnis bei. Genauso ist es nunmal, wenn ich die Größenordnung von Atomkern und Hülle anschaulich machen will. Um den Schülern eine Vorstellung der Größenverhältnisse zu vermitteln ist die Analogie mit dem Sonnensystem nicht ganz verkehrt. Und es ist eben anschaulich. Dazu braucht es nicht die Schrödinger-Gleichung um zu zeigen, daß sich die Elektronen nur mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit irgendwo aufhalten. Für die Erklärung der Ionenbindung und des Kristallgitters ist das nicht entscheidend.
Zitat Sibylle:
„so, wenn so ein argloses Menschenkind „ein Atom ist das
kleinste unteilbare Teilchen“ in der Grund-Schule lernt, dann
entsteht in seinem Kopf die Vorstellung einer winzigen, aber
massiven Kugel - und jetzt versucht da so ein armer Lehrer
klarzumachen, daß die Größenverhältnisse im Atom ungefähr so
sind, wie in unserem Sonnensystem - eigentlich klitzekleine
Dingelchen, die in gigantischen Dimensionen umeinanderkreisen,
mit schier unvorstellbar viel NIX dazwischen. (und daß es gar
nicht unteilbar ist…)
Wenn Du Dir also ein Atom vorstellen willst, dann nimm das
Sonnensystem und verkleinere es ein weinig“
Das ist einfach nicht korrekt. Und es vermittelt eine absolut
falsche Vorstellung vom Atom.
Es ist nicht vollständig und nicht ganz korrekt, klar, aber anschaulich. Und wie gesagt, für den weiteren Stoff in der Schule (wir reden hier nicht vom Physikstudium) durchaus brauchbar.
Wenn man das ganze historisch angeht muss man eben vorsichtig
sein. Es sollten keine Aussagen des Modelles unwidersprochen
stehenbleiben, die bekanntermassen falsch sind. Wo soll darin
der pädagogische Wert sein?
Modelle sind nie falsch oder immer falsch. Es geht darum, was ich erklären will. Für einfache chemische Zusammenhänge gibt es das Kugelmodell. Und es wird immer wieder gern genommen. Obwohl Atome keine Kugeln sind. Aber chemische Bindungen kann man damit super anschaulich zeigen. Genauso Grundlagen der Halbleiterphysik, Elektrolyse u.a. Wo ist das Problem? Für die Quantentheorie des quadratischen Stark-Effektes muß ich mich eben mit Hamiltonoperatoren rumschlagen … aber eben erst dann.
Und wenn ich mir ein Bild der Elektronenspinresonanz machen will, dann benutze ich ohne Gewissensbisse ein mechanisches Kreisel modell. Hab ich in wissenschaftlichen Abhandlungen auch schon gesehen. Da soll der Prof aber schnell seinen Dr. wieder abgeben.
Und dann jammern alle über die PISA-Ergebnisse.
Tschuldigung, wußte nicht das in der PISA-Studie die Schrödinger-Gleichung abgefragt wurde.
So wie ich das verstanden habe, sind viele Schüler an Verständnisfragen gescheitert. Und zur Verbesserung des Verständnisses sind Modelle sehr hilfreich.
Und jetzt fällt mir grade ein „Modell“ ein, was ich mal in der Schule gehört habe und für immer hängen geblieben ist, so falsch und schief es vielleicht sein mag.
Es ging um das Verständnis, daß die Anzahl der Moleküle eines Gases in einem bestimmten Volumen immer gleich ist, egal ob ich „kleine“ H2 Moleküle oder irgendwelche „dicken“ Moleküle habe.
Da meinte unser Lehrer, wir sollten uns einen Fußballplatz vorstellen auf den 22 Spieler rumlaufen. Egal ob die schlank sind oder von kräftiger Statur, im Prinzip haben die immer den gleichen Raum zum Spielen zur Verfügung.
Du verstehst? So ein anschauliches Modell vermittelt Verständnis. Und jetzt komm bitte nicht und zerstöre mein Weltbild, weil ich das „Gas“ nur im zweidimensionalen Raum betrachte, den Binnendruck vernachlässigt habe und keine Angaben über den Wirkungsquerschnitt der einzelnen Spieler gemacht habe.
Gruß
Roland