Die lieben Nachbarn (lang!)

Hallo,

wir sind vor einigen Monaten in eine Wohnung mit Garten gezogen. Da wir noch nie zuvor einen Garten hatten, fehlt uns die Erfahrung und die notwendige Gartenausstattung. Zudem sind wir momentan noch stark mit dem Aufbau unserer beruflichen Existenzen beschäftigt und demzufolge auch noch mit der Wohnung noch nicht 100% fertig. Das vorab …

Unser Garten besteht aus einer kleinen Terrasse, einer Rasenfläche und einer Zone, in der u.a. Sträucher und Bäume stehen. Umgeben ist das GAnze von Hecken (bei allen benachbarten Mietern etwa gleich hoch). Wir haben den Garten, so wie er ist, im Dezember übernommen. In unserem Mietvertrag ist er nicht einmal erwähnt.

Kaum wurde es Frühling, gingen jedoch die ersten Probleme los. Logischerweise wuchs und gedieh alles wunderbar. Ein kleiner Baum in unserem Garten hatte wunderschöne lange nach unten hängende Äste (wie eine Weide). Dass die Hecke etwas wuchs, fand ich sogar aus Sichtschutzgründen angenehm. Kurz und gut: Unser Garten war/ist nicht akkurat, aber ein kleines Naturparadies. Der Rasen ist zugegebenermaßen etwas lang mittlerweile, aber insgesamt sah/sieht das Ganze nicht schlimm aus.

Unsere Nachbarn (alle viel älter als wir und den ganzen Tag zu Hause) sehen das offenbar anderes: Ohne unsere Erlaubnis ist ein Nachbar in unseren Garten geklettert und hat das kleine weidenartige Bäumchen so radikal gestutzt, dass es richtig traurig aussieht. Diesen Nachbarn habe ich bei dieser Aktion nicht erwischt, aber ein anderes Mal stand er urplötzlich bei uns auf dem Balkon.

Ein anderer Nachbar (wohnt schräg über uns, guckt also nicht einmal unmittelbar in unseren Garten) stand letztens mit der Heckenschere an unserem Garten und hat von außen unsere Hecke beschnitten.

Aufgrund dieser Vorfälle versuchen wir schon, den Garten entgegen unserer Vorstellungen akkurat zu gestalten und schneiden ab, was möglich ist. Teilweise trete ich kaum mit der Schere in den Garten, schon erteilt mir der Nachbar, der sich vermutlich an unserem Baum vergriffen hat, Anweisungen, was ich wo abzuschneiden habe.

Einen Rasenmäher haben wir noch nicht - wir werden aber entweder in nächster Zukunft einen kaufen bzw. jmd. mit dem Mähen beauftragen. Einige Gartenbauunternehmen, bei denen wir in unserer Not schon angefragt haben, haben sich jedoch wegen der Geringfügigkeit des Auftrags geweigert, diesen zu übernehmen.

Heute sprach der Nachbar, der unsere Hecke abgeschnitten hat, meinen Mann an, wann wir denn den Garten machen würden. Mein Mann hat ihn dann vertröstet, aber ich fürchte, über kurz oder lang, wird dieser Nachbar sich beim Vermieter beschweren, um seine Schönheitsideale durchzusetzen.

Was sagt ihr zu dieser Situation? Welche Handhabe gibt es überhaupt für diese Leute und haben sie nicht selbst gewaltig gegen Regeln verstoßen?

Ich fand unseren Garten mal so schön - mittlerweile sieht er nur noch verstümmelt und traurig aus. Sogar die Vögel, die früher zahlreich da waren, sind schon deutlich weniger geworden.

Meine Idee mit der Blumenwiese statt englischer Rasenfläche setze ich lieber gar nicht erst in die Tat um.

Liebe Grüße
Gwen

Hallo Gwen,

das hättest Du vielleicht besser im Brett „Mietrecht“
geschrieben.
Auf keinen Fall darf der Nachbar einfach bei Dir im Garten
rumsäbeln, nur weil es ihm nicht gefällt.
Als nächstes steht er Nachts bei Euch im Schlafzimmer und
passt eure Frisuren seinem Denken an oder lackiert Dein
Auto um.

Gruss
Merit

Hallo Gwendolyn,

erstmal ist es klar, dass Ihre Nachbarn Hausfriedensbruch begehen, wenn sie sich ohne Ihre Zustimmung Zutritt zu Ihrer Wohung, Ihrem Balkon oder Ihrem Garten verschaffen. Das „herumsäbeln“ an den Bäumen kann man sicher auch schon als Sachbeschädigung einstufen.

Es ist natürlich äußerst blöd, wenn so etwas gleich nach dem Einzug passiert, wenn man eh noch in der „Beschnupperphase“ ist.

Auf jeden Fall sollten Sie das Gespräch mit den Nachbarn suchen, auch wenn ich fast fürchte, dass dieses fruchtlos verlaufen wird. Wenn sich die Vorfälle häufen, hilft nur noch der Gang zum Anwalt oder Mieterverein.

Ein letzter Gedanke kommt mir noch: Lassen Sie sich doch einmal dahingehend beraten, ob Sie sich überhaupt um den Garten kümmern müssen, wenn dies nicht im Mietvertrag geregelt ist. Unter Umständen müsste hierfür der Vermieter aufkommen, was gleich zwei Vorteile hätte: Sie würden die Zeit nicht investieren müssen (obgleich ich Ihnen Recht gebe, dass ein selbst gestalteter Garten ein Traum ist) und Ihre Nachbarn würden ihren Seelenfrieden finden.

Ich wünsche Ihnen viel Glück.

Hallo,
und gleich einmal mein aufrichtiges Beleid.
Also wenn mein Nachbar auf meinem Grundstück meine Pflanzen zurechtstutzt hat er die Polizei und eine Schadensersatzklage am Hals.
Leider sind viele, viel zu viele Kleingärtner die schlimmsten Neurotiker und Psychpathen, ich behaupte sogar, eine Kleingartenanlage ist eine geschlossene Anstalt, nur ohne durchgehendes Dach.
Ich hatte selbst auch einmal einen Kleingarten und musste mich ständig mit den nachbarlichen Putzneurotikern herumärgern - irgendwann habe ich dann angefangen sie zu ignorieren bzw. auf alle Frage nur blöde Antworten gegeben.
Es ist halt extrem schwierig mit solchen arroganten Besserwissern zusammnezuleben, die lassen es gar nicht zu.
Leider habe ich auch kein Patentrezept was mit diesen Verhaltensoriginellen anfangen soll.

MacJazz

Hallo,
klingt ziemlich schräg.
Es kann der fröömste nicht in Frieden leben…usw.
Ich würde einfach den Spiess umdrehen und die netten Nachbarn bitten die Gartenarbeiten für Euch zu übernehmen. Ohne Entgeld.Ich denke damit hat es sich erledigt.
Reden würde ich auf jeden Fall mit ihnen.Was das Bäumchen betrifft. könnte es sich dabei um ein Art Hängeweide handeln Namen kenne ich nicht. Stämmchen so um 1 meter bis 1,50m dann eine Art Knoten und daraus kommen die Zweige??? Die schneidet man nachdem sie verblüht (Weidenkätzchen) sind ab, damit die neu austreiben. Abgesehen von der Tatsache dass man nicht ungefragt in fremde Gärten eindringt, hat er möglicherweise genau das richtige getan.
Bleibt nur noch mal mit denen zu reden.
meint running

hallo gwendolyn,

wenn es so ist, wie ich es verstanden habe, daß du nämlich den garten gar nicht gemietet hast (und auch keine miete dafür zahlst), gehört er allen bzw. dem vermieter.

wir wohnen in einer ähnlichen konstellation. die gärten sind nicht ausdrücklich mitvermietet, aber die mieter, deren terrasse in den garten geht, nutzen sie und pflegen sie auch dementsprechend. wenns hart auf hart käme, wäre da kaum ein einklagbarer anspruch auf den garten.

sowas funktioniert aber nur, wenn alle sich einig sind. neue haben es da manchmal etwas schwer.
ich schlage vor, daß ihr einfach eure nachbar mal zu kaffee und kuchen oder einer kleinigkeit auf dem grill einladet und besprecht, wie die dortigen gepflogenheiten sind.
das bringt weitaus mehr, als hier zu fragen und sich ratschläge einzufangen, die gleich nach der staatsgewalt rufen.
wenn ihr von euren nachbarn abweichende vorstellungen von der gartengestaltung habt, kann man das beim gemütlichen zusammensitzen auch viel besser zur sprache bringen. sollte mich nicht wundern, wenn dann plötzlich sogar hilfsangebote für die gartenarbeiten kommen.

macht das mal: investiert einen kuchen oder ein paar würstchen und „dreht“ die nachbarn um :wink:

übrigens: wir haben ein gemeinsames gerätehaus allen möglichen werzeug, mähern usw. drin. geht auch.

schöne grüße
ann
http://www.annjabusch.de/mai2007

Hallo Gwen,

mein Beileid!

Wenn der Garten nicht dir gehört, geht´s sowieso nicht, aber auch dann, wirst du dich auf Dauer den Nachbarn anpassen müssen, ansonsten stehen dir ständige Anfeindungen ins Haus.

Die Welt besteht zu 99% aus Spießbürgern, die nichts ausserhalb ihrer überlieferten Vorstellungen akzeptieren.
Die würden dir auch dein Wohnzimmer umgestalten, wenn sie nur könnten!

Wir nennen uns hier seit neuestem Gartenstadt und witzigerweise ist seitdem genau vorgeschrieben, wie hoch eine Hecke sein darf, welche Art von Zäunen verwendet werden darf usw. usf.
Jedenfalls muss der Garten gepflegt werden und weil das nun viel Arbeit macht, siehst du hier weit und breit nichts als getrimmte Hecken und kurzgeschorenen Rasen.
Ein Naturrefugium, aus dem die Natur systematisch vertrieben wird!
Alles für die Katz!

Was sagt ihr zu dieser Situation? Welche Handhabe gibt es
überhaupt für diese Leute und haben sie nicht selbst gewaltig
gegen Regeln verstoßen?

Kannst du nichts machen, sie denken ja, dass sie es gut meinen!

Ich fand unseren Garten mal so schön - mittlerweile sieht er
nur noch verstümmelt und traurig aus. Sogar die Vögel, die
früher zahlreich da waren, sind schon deutlich weniger
geworden.

Tja, das gilt auch für Schmetterlinge und alle anderen möglichen Arten
aber sowas sieht nicht einmal ein Umweltschützer ein!

Meine Idee mit der Blumenwiese statt englischer Rasenfläche
setze ich lieber gar nicht erst in die Tat um.

So sterben Träume! Betonier alles und streich es grün an, dann hast du wenigstens nicht die unnütze Arbeit mit dem Rasenmäher.

Mitleidige Grüße aus Erfahrung,

von Nemo. (Der sich nicht die Bohne um seine Nachbarn schert!)

(Die müssen mit mir leben, aber ich nicht mit denen! *g)

Hallo Gwen,

wir haben zu Viert auch seit einem Jahr einen Kleingarten und zumindest einen Nachbarn, der immer gerne ungefragte Tips über den Zaun verteilt, manchmal durchaus sehr nützliche.
Meine Freundin ist allerdings äußerst genervt druch den Typen.
Ich habe die besten Erfahrungen gemacht, wenn ich ihn durchaus auch mal nach Tips frage bzw. auf seine Vorschläge erstmal eingehe und nachfrage, was und warum.
Zum einen lernt man dabei einiges, zum anderen kann man auch seine eigene Meinung deutlich machen, z.B. dass man eben eigene Erfahrungen sammeln möchte.
Alles in allem muß es an sich nicht so überernst nehmen.
Allerdings würde ich schon mal deutlich nachfragen, was die Nachbarn in Eurem Gartenteil zu suchen haben oder biete an, Ihre Rosen zu beschneiden, da sie ja freundlicherweise Dein Bäumchen beschnitten haben - man kann soviel freundliche Hilfe schließlich nicht ohne Gegenleistung lassen, Du willst Dich unbedingt revanchieren etc.). Bei diesem dringenden Hilfsangebot wird den Nachbarn verm. ordentlich grauen und sie werden Dich ev. danach in Ruhe lassen, obwohl Du nur freundlich Deine Hilfe angeboten hast.
Nimm es nicht so tragisch, sind halt alte Leutchen mit festen Gewohnheiten und sonst nix zu tun - da braucht es ein wenig Zeit, bis sie sich an Neues gewöhnen.

Gruß, Anne

Da ist Rückrat gefragt (und Diplomatie)
Guten Abend auch!

Ja, die Welt besteht zum Großteil aus Spießbürgern, aber das heißt ja nicht, dass man sich da unbedingt anpassen muß…

Der Garten ist im Mietvertrag nicht erwähnt? Also auch keine expliziten Pflichten, ihn in dem einen oder anderen Zustand zu erhalten. (Vorsichtshalber die Hausordnung zu Rate ziehen).

Die Grenze liegt für mich dort, wo andere echten Schaden erleiden könnten (und das ist nicht immer deutlich, bzw. Auslegungssache). (Ver-) Blühende (und damit aussamende) Disteln z.B. fände ich im Nachbargarten auch nicht so schön. Auch wenn Äste mir auf die Terrasse hängen oder Ähnliches. Aber davon ist ja hier m.E. nicht die Rede.

Gerade wenn man neu irgendwo hingezogen ist, möchte man natürlich nicht überall anecken. Aber sich nur zu ducken und zu verleugnen geht auf Dauer auch nicht gut. Ich spreche da aus Erfahrung.

Also: Die Grenzen klar machen und zwar deutlich. Auf seiner Seite dürfte mein Nachbar gern die Hecke schneiden, auch herüberhängende Zweige (es gibt da versch. Urteile in unterschiedlichen Bundesländern)die ihn stören. Alles andere würde ich mir strikt (aber möglichst freundlich) verbitten! Du schreibst ja auch niemandem vor, wie er seinen eigenen Garten gestalten soll.

Ist natürlich Persönlichkeitssache, ich persönlich würde mich da nicht vor der Konfrontation drücken, manchen Leuten muß man nur mal deutlich seinen Standpunkt klar machen, dann ist Ruhe. Wir sind schon öfter umgezogen und jedesmal gibt es Leute, die versuchen, einem Neuling in der Nachbarschaft erstmal einiges reinzudrücken. Meiner Erfahrung nach nimmt das schneller ein Ende, wenn man einmal deutlich „Bis hierher und nicht weiter“ sagt.

kernig

Die Welt besteht zu 99% aus Spießbürgern,

Die Welt?
Naja, ich habe auf 4 verschiedenen Kontinenten gelebt und gearbeitet.
Sowas wie Deutschland findet man kein 2. mal :smile:

Sowas wie Deutschland findet man kein 2. mal :smile:

Na dann fahr einmal nach Iowa! - offener Vollzug in Vollendung…

Danke!
Vielen Dank für eure zahlreichen und hilfreichen Antworten! So wie es aussieht, haben wir jetzt jemanden gefunden, der uns im Garten hilft, damit die Nachbarschaft glüxccklich ist. :smile:

Liebe Grüße
Gwen