hallo,
in ergänzung zur ölpreisdiskussion letztens, möchte ich folgenden interessanten text zur information nachschieben.
der ölpreisexperte in D. schlechthin, BK schröder, hatte ja genau beziffern können, wie hoch der anteil der spekulation am rohälpreis ist.
Die Ölpreise steigen, und immer wieder müssen die Spekulanten als Sündenböcke herhalten - zu Unrecht. Eine Analyse der Termingeschäfte an der Nymex zeigt, dass die Hausse fundamentale Gründe hat - es mangelt schlicht am Rohölangebot.
Händler an der Nymex Wenn vom Ölpreis die Rede ist, bezieht man sich meist auf die Entwicklung an der wichtigsten Warenterminbörse der Welt, der Nymex (New York Mercantile Exchange). An diesem Handelsplatz wird mit „Light Sweet Crude“ die wohl bekannteste Ölsorte überhaupt gehandelt, die auch als WTI (West Texas Intermediate) bezeichnet wird. Um zu erfahren, wie sich die Öl-Spekulanten an der Nymex in jüngster Zeit verhalten haben, genügt ein Blick in den so genannten „Commitments of Traders“-Report.
Dieser wird von der amerikanischen Aufsichtsbehörde für die Terminbörsen CFTC (Commodity Futures Trading Commission) jeweils freitags nach Handelsschluss um 21.30 Uhr veröffentlicht. Da alle offenen Positionen der Spekulanten erfasst werden, dürfte es sich um den umfassendsten Einblick in den Ölhandel überhaupt handeln. Nicht zu den Spekulanten gehören Ölkonzerne wie Exxon Mobil, die sich an der Nymex gegen sinkende Ölpreise absichern können. Dasselbe gilt für Fluggesellschaften wie die Lufthansa, die sich gegen steigende Ölpreise wappnen. Diese „Commercials“ bilden immer den Gegenpol zu den Spekulanten.
Strategieschwenk der Spekulanten
Um die Spekulationsneigung beurteilen zu können, vergleicht man das Verhältnis von Long- zu Short-Positionen der Spekulanten und erhält so die so genannte Netto-Position. Dieser Saldo ist entscheidend, da Spekulanten entgegen der Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit nicht nur auf steigende, sondern auch auf fallende Preise setzen können, was sie in der Vergangenheit auch immer wieder eifrig getan haben.
Nach dem jüngsten CFTC-Bericht setzten die Ölspekulanten bis einschließlich 30. August zwar mehrheitlich auf einen steigenden Ölpreis. Allerdings reduzierten sie innerhalb einer Woche ihre Long-Positionen, die auf steigende Preise wetten, relativ zu denen, die auf fallende Preise (Short-Positionen) setzen, und zwar um 45 Prozent. Im selben Zeitraum stieg der Preis für ein Barrel (159 Liter) Nymex-Öl von 66 auf 70 $.
Da der Verkauf einer Long-Position den Ölpreis drückt, wäre das schwarze Gold ohne den Strategieschwenk der Spekulanten also noch stärker gestiegen. Das widerlegt die Behauptung, dass Spekulanten an den jüngsten Ölpreisrekorden schuld sind. Ähnlich verlief die Entwicklung auch bei Erdgas, Benzin und Heizöl: Auch hier wetteten die Spekulanten weniger häufig auf steigende Notierungen als in der Woche zuvor - die Preise stiegen dennoch.
Fundamentale Gründe treiben Preise
Das legt den Schluss nahe, dass die Preisschübe vor allem fundamentale Gründe haben. „Der Ölmarkt leidet unter einer zunehmenden Verknappung: Die weltweite Nachfrage steigt kontinuierlich, aber das Angebot weitet sich kaum aus“, sagt Sandra Ebner, Rohstoffstrategin der Deka-Bank.
Die Erschließung weiterer Kapazitäten ist zudem extrem teuer: Nach einer Studie von Goldman Sachs sind die Grenzkosten für die Ölförderung, also die Kosten der teuersten noch produzierenden Abbaustätte, seit 2002 von 20 $ auf heute 45 $ nach oben geschossen. „Seit Beginn der kommerziellen Ölförderung vor 160 Jahren haben sich die Preise immer an den Grenzkosten orientiert“, sagt Ebner. „Und sie waren immer deutlich höher als die Grenzkosten.“ Für Anleger heißt das: Die Ölpreise dürften auch mittelfristig hoch notieren. Long-Investments scheinen mithin risikoärmer.
Aus der FTD vom 09.09.2005
© 2005 Financial Times Deutschland
jeder kann ja für sich überlegen, ob er mit investitionen seine eigenen schmerzen an der tankstelle verringern kann.
strubbel
$:open_mouth:)
