Die Mindestreserve der EZB

Hallo,

kann mir jemand erklären was die eigentliche Funktion der Mindestreserve der EZB ist.

  • Sicherheit für die Banken um nicht Bankrott zu gehen
  • Die Geldmenge zu bestimmen oder
  • einen Markt für Offenmarktgeschäfte zu schaffen

???

Den ersten Punkt habe ich so in der Vorlesung gehört. Die anderen Beiden habe ich aus Lehrbüchern. Was ist richtig - einer dieser Punkte, alle oder aber auch gar keines? Letzteres wohl kaum, aber eines dieser Funktionen muß ja richtig sein.

Gruß´
Josef

Auch hallo.

kann mir jemand erklären was die eigentliche Funktion der
Mindestreserve der EZB ist.

  • Sicherheit für die Banken um nicht Bankrott zu gehen
  • Die Geldmenge zu bestimmen oder
  • einen Markt für Offenmarktgeschäfte zu schaffen
    Den ersten Punkt habe ich so in der Vorlesung gehört. Die
    anderen Beiden habe ich aus Lehrbüchern. Was ist richtig -
    einer dieser Punkte, alle oder aber auch gar keines? Letzteres
    wohl kaum, aber eines dieser Funktionen muß ja richtig sein.

Der erste Punkt wird hier schon mal erwähnt: http://www.boersenlexikon.de/mindestr.htm
Irgendwie stecken die beiden anderen Punkte aber auch drin :wink:

HTH
mfg M.L.

Hallo,

unseren Linkerzeugungsrobot, der den zentralen Begriff der gestellten Frage bei google eingibt und den ersten Treffer unabhängig von seinem Inhalt bzw. dessen Relevanz vollautomatisch verlinkt, hast Du ja schon kennengelernt.

Hier findest Du die Bibel der EZB-Geldpolitik:
http://bundesbank.de/download/gm/gm_geldpolitik_ezb.pdf (3,5 MByte)
(Geldpolitik der EZB. Europäische Zentralbank, Frankfurt 2001)

Ab Seite 81 wird das Thema Mindestreserve ausführlich behandelt.

kann mir jemand erklären was die eigentliche Funktion der
Mindestreserve der EZB ist.

  • Sicherheit für die Banken um nicht Bankrott zu gehen
  • Die Geldmenge zu bestimmen oder
  • einen Markt für Offenmarktgeschäfte zu schaffen

???

Den ersten Punkt habe ich so in der Vorlesung gehört.

Was mich irritiert, denn der Mindestreservebetrag ist im Verhältnis zu den Verbindlichkeietn der Kreditinstitute so gering, daß er in einer Liquiditätskrise des Instituts innerhalb von Sekunden verfrühstückt wäre.

Die
anderen Beiden habe ich aus Lehrbüchern. Was ist richtig -
einer dieser Punkte, alle oder aber auch gar keines? Letzteres
wohl kaum, aber eines dieser Funktionen muß ja richtig sein.

In der Theorie sind alle drei Antworten richtig, in der Praxis die letzten beiden, wobei die zweite Antwort definitiv die entscheidende ist.

Gruß,
Christian

Hallo,

  • Sicherheit für die Banken um nicht Bankrott zu gehen
  • Die Geldmenge zu bestimmen oder
  • einen Markt für Offenmarktgeschäfte zu schaffen

???

Den ersten Punkt habe ich so in der Vorlesung gehört.

Was mich irritiert, denn der Mindestreservebetrag ist im
Verhältnis zu den Verbindlichkeietn der Kreditinstitute so
gering, daß er in einer Liquiditätskrise des Instituts
innerhalb von Sekunden verfrühstückt wäre.

Dem kann ich auch zustimmen. Dass die Mindestreserve etwas zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit von Banken beiträgt habe ich noch in keiner Vorlesung je gehört. Eher, dass sie heute praktisch nur noch eine geringe Rolle spielt.

Hallo,

ich möchte mal die Diskussion zu den Punkten …

  • Geldmengensteuerung und
  • Markt für Offenmarktgeschäfte

vertiefen. Der Punkt zur Absicherung gegen Zahlungsunfähigkeit scheint wirklich eine unbedeutende, vielleicht sogar nicht vorhandene Funktion der MR darzustellen, weshalb nicht weiter darauf eingegangen werden muss.

Geldmengensteuerung:
Man kann tatsächlich in wenigen Lehrbüchern lesen, dass der MR eine Geldmengensteuerungsfunktion zugesprochen wird. Ich teile allerdings die h.M., wonach der Leitzins die Geldmenge vorgibt. Erhöht sich dieser, verteuert sich die Liquiditätsbeschaffung der Geschäftspartner und die Nachfrage nach Liquidität sinkt. Gleiches gilt im umgekehrten Fall. Soweit so gut.

Markt für Offenmarktgeschäfte:
Was ist dann die Funktion der MR? Letztlich kann sie ja nur eine Zwangsnachfrage nach Zentralbankliquidität auslösen und schafft somit einen Markt für die Offenmarktgeschäfte - so argumentieren zumindestens Görgens et al.
Was aber ist mit den autonomen Faktoren?! Diese kann weder die Zentralbank noch die Geschäftsbank beeinflussen. Der Bedarf besteht definitiv und sorgt aus diesem Grund schon für eine Zwangsnachfrage seitens der Geschäftspartner.

Meiner Meinung nach kann der MR schon längst nicht die Bedeutung beigemessen werden, wie sie in vielen Büchern beschrieben wird.
Was meint Ihr dazu?

Viele Grüße
Josef

Hallo.

Man kann tatsächlich in wenigen Lehrbüchern lesen, dass der MR
eine Geldmengensteuerungsfunktion zugesprochen wird. Ich teile
allerdings die h.M., wonach der Leitzins die Geldmenge
vorgibt. Erhöht sich dieser, verteuert sich die
Liquiditätsbeschaffung der Geschäftspartner und die Nachfrage
nach Liquidität sinkt. Gleiches gilt im umgekehrten Fall.
Soweit so gut.

Die Geldmenge wird durch zwei Größen bestimmt: Die Zentralbankgeldmenge und die Geldschöpfung durch die privaten Kreditinstitute. Erstere kann die Zentralbank direkt beeinflussen, denn sie bestimmt allein, wieviele Wertpapiere sei ankauft und wieviel Bargeld sie ausgibt. Die Geldschöpfung wird primär durch die Kreditinstitute beeinflußt, d.h. sie entscheiden, welches Kreditvolumen sie ausgeben. Die Bundesbank hat hier nur indirekten Einfluß; so führen die Leitzinsen zu einer Veränderung der Kreditnachfrage.

Das maximale Volumen der Geldschöpfung ergibt sich aus der Zentralbankgeldmenge, dem Geldschöpfungsmultiplikator und den rechtlichen Voraussetzungen bzgl. der Eigenkapitalausstattung bzw. Eigen-/Fremdkapitalrelationen bei den Kreditinstituten. Ohne Mindestreserve wäre dieser Multiplikator unendlich groß und damit auch die theoretisch denkbare Geldmenge. Die Höhe der Mindestreserve hat also durchaus (theoretisch) wesentlichen Einfluß auf die Geldmenge. Die Mindestreservesätze sind aber inzwischen so weit reduziert worden, daß die sich daraus ergebenden Restriktionen im Vergleich zur EK-Ausstattung nur noch eine untergeordnete Bedeutung haben. Das war allerdings auch mal anders. So lagen die MR-Sätze vor noch gar nicht allzu langer Zeit je nach Einlagenart bei rd. 10%. Die Bundesbank konnte zur Stabilisierung der Geldmenge diese Prozentsätze auf bis zu 30% erhöhen (wenn ich das noch richtig im Kopf habe).

. Über den Zinssatz kann sie die Höhe der Kreditzinsen

Markt für Offenmarktgeschäfte:
Was ist dann die Funktion der MR? Letztlich kann sie ja nur
eine Zwangsnachfrage nach Zentralbankliquidität auslösen und
schafft somit einen Markt für die Offenmarktgeschäfte - so
argumentieren zumindestens Görgens et al.

So ist das.

Was aber ist mit den autonomen Faktoren?! Diese kann weder die
Zentralbank noch die Geschäftsbank beeinflussen. Der Bedarf
besteht definitiv und sorgt aus diesem Grund schon für eine
Zwangsnachfrage seitens der Geschäftspartner.

Meiner Meinung nach kann der MR schon längst nicht die
Bedeutung beigemessen werden, wie sie in vielen Büchern
beschrieben wird.
Was meint Ihr dazu?

Die derzeitige praktische Bedeutung ist in Europa in der Tat nahe null. Das heißt aber nicht, daß das Instrument MR an sich keinen Einfluß hätte; er wird derzeit nur nicht genutzt.

Gruß,
Christian