Ich wollte den Dackel-Thread nicht einfach so sang- und klanglos im Datenorkus verschwinden lassen, drum hier nun
Die Moritat vom hungrigen Dackel
Nach der Melodie von ‚Mackie Messer‘
Und der Dackel, der hat Hunger,
und der Sabber tropft ihm sehr.
Doch trotz aller guter Düfte
fressen mag er jetzt nicht mehr.
Es begab sich eines Tages,
dass er in die Küche kam,
als die Köchin, seine Freundin,
Fleisch zum Hacken zur Hand nahm.
Es war Frühling, schönstes Wetter,
und durchs Fenster schien das Licht.
So geblendet war die Köchin,
was sie nahm, das sah sie nicht.
Denn die Katze hatte eben
Einen Hamster abgelegt,
oben auf der Arbeitsfläche,
und er hat sich nicht bewegt.
Mit Entsetzen sah die Katze,
dass die Köchin ihn sich griff
und im Fleischwolf dann versenkte,
obschon der Hamster doch nur schlief.
Eine Kralle schlug schnell blitzend
in der Köchin Wade ein.
Jäh erschrocken, heftig blutend
griff sie in den Wolf hinein.
Darauf fehlten ihr drei Finger,
Wie der Dackel sah mit Schreck.
Doch die Gäste bald schon kämen,
und was weg war, das war weg.
Schnell `ne Binde drumgewickelt
Und das Fleisch gewürzt wie sonst
Köttbullar sollt’s heute geben,
schwed’scher Köchin ganzer Stolz.
Bald schon roch es äußerst lecker
Und des Hundes Schnauze troff,
auch wenn er doch selbst wusste
um des Essens wahren Stoff.
Wie so oft bat er um Gaben
nach der hundetyp’schen Art,
sprang herum in wilder Freude,
traf dabei die Köchin hart.
Schon geschwächt vom Blutverluste
gen Regal die Frau dann sank,
das mit Krach zur Seite kippte,
und dann fiel auch schon der Schrank.
Man fand sie dann ganz zerschmettert,
selbst fast schon dem Hackfleisch gleich.
Doch die Bällchen wie ein Wunder
blieben heil und duftend weich.
Zum Begräbnis kamen alle
Die bei ihr stets gern geschmaust,
die Köttbullar von der Katze
aber wurden gleich gemaust.
Unser Dackel sah den Frevel
Und er jagte hinterher
durch die Hecken, um die Gräber,
und das störte wirklich sehr.
Doch noch schlimmer für die Leute
war am Grabe dann sogleich,
dass der Dackel sie erwischte
eine frische Katzenleich’.
Drum gerufen ward der Fänger,
aller Hunde Schreckgespenst,
doch auch dieser hatte Feinde
und sie lauerten schon längst.
In dem Wagen, den er parkte
an dem Ort, wo Tote ruh’n,
tickte leise eine Bombe,
um gleich ihren Dienst zu tun.
Von den Freunden aller Tiere
Ward ein Knöpfchen bald gedrückt,
und mit einem lauten Knalle
ward der Anschlag auch geglückt.
Wo gerade eben Menschen
Noch ums Grab versammelt war’n,
lag dort jetzt auf heil’gem Boden,
Hackfleisch feucht und noch ganz warm.
Als die Düfte zu ihm wehten,
zu dem Dackel, der allein
überlebte das Gemetzel
wurde starr er wie aus Stein.
Und seit diesem schlimmen Tage
ist der Dackel nicht mehr der,
der er einst so froh gewesen,
eifrig futternd wie ein Bär.
Ganz egal, was ihm servieret,
Würste, Braten, Hühnerklein,
für den Dackel es nur duftet,
tödlich nach der Köchin sein.
Und so endet die Geschichte
von dem Dackel, der nicht frisst,
und wenn er noch nicht gestorben,
Dackelgeist er doch bald ist.
