Hallo,
aus eigener vielfacher Erfahrung weiss ich, dass sehr viele Menschen
eine Neigung haben, fremde Menschen zu bewerten.
Da gibt es einerseits Menschen (meist alte Menschen), die Menschen mit schwarzen Haaren als „bösartige Menschen“ einstufen, weil sie zur Nazizeit immer wieder gehört haben, dass Menschen mit schwarzen Haaren „böse Menschen“ seien,
andereseits gibt es auch Menschen (meist solche der sogenannten besseren Gesellschaft), die Menschen tatsächlich danach bewerten, ob sie in Westdeutschland oder in der DDR geboren wurden.
Bewertungskriterien sind auch : hat die Person eine Arbeit oder nicht;
ist diese Frau verheiratet (nutzt sie einem Mann) oder nicht; hat sie Kinder (neue Steuerzahler) in die Welt gesetzt oder nicht; wählt die Person CDU (was als positiv gilt) oder wählt diese Person SPD oder die Grünen (was beides als negativ gilt); ist die Person Jurist oder Arzt (hochwertig) oder Verkäuferin (geringer im Wert) usw. usw.
Ich selbst habe in einer bestimmten Stadt (mit großem Anteil reicher Bevölkerung und sehr viel CDU-Anhängern, auch mit überdurchschnitt- lich vielen Leuten, die positiv von Adolf Hitler sprachen) mehr als 100 Menschen erlebt, die andere Menschen bewerteten. Auch ich selbst wurde immer wieder nach meiner Arbeit und nach meinem Geburtsort befragt.
Als ich das erste Mal das Reformhaus in dieser Kleinstadt betrat, starrte die Inhaberin des Geschäftes als erstes auf meine Schuhe. Jahre zuvor hatte ich mal gelesen, dass man mit dem prüfenden Blick auf die Schuhe einschätzt, ob die Trägerin/der Träger der Schuhe ordentlich Geld hat oder nicht.
Wenn eine Kundin billige Schuhe anhat, gibt sie im Reformhaus nicht viel Geld aus und die Verkäufer im Reformhaus brauchen zu dieser Person auch nicht besonders freundlich sein.
Wenn ich nachdenke, fallen mir noch mehr Beispiele der Schnellbe-wertung von Menschen ein.
Der (Blitz-)Bewertung eines Menschen nach ganz bestimmten (festgelegten) Kriterien (vor allem Herkunft, Besitz, politische Gesinnung, psychische Gesundheit) folgen ganz bestimmte Verhaltens-weisen. Sind die Ergebnisse der Blitzbewertung negativ, folgen negative Verhaltensweisen : Vorhaltungen, Unterstellungen (z.B. man wolle nicht arbeiten), Ausgrenzung, Mobbing, ganz gezielte Verbreitung negativ wirkender Behauptungen (auch gezielte Lügen), Beleidigungen, Hetzreden und, und und …
Über Jahre hinweg habe ich mir Gedanken über das Verhalten solcher Menschen mit der Neigung, fremde Menschen zu bewerten, gemacht.
Bei meinen Recherchen stieß ich darauf, dass es diese Bewertung zur Nazizeit bei den Nazis in extremem Ausmaß gab. Zur Nazizeit wurde den Kindern einetrichtert, dass Menschen mit schwarzen Haaren böse Menschen seien.
Wenn Menschen als Kinder über Jahre hinweg derartig „geimpft“ (konditioniert) werden, dann behalten sie das Verhalten bis ins hohe Alter bei.
Gibt es noch weitere Ursachen und Gründe für die starke Neigung mancher Menschen, fremde Menschen zu bewerten (ihnen einen Wert zu zu ordnen) ?
Wer legt(e) die oben genannten Bewertungskriterien fest ?
Was steckt dahinter, Menschen nach ihrem Beruf, ihrem Besitz und ihrem Einkommen, ihrer Herkunft, ihrer politischen Gesinnung und ihrer psychischen Gesundheit zu bewerten (statt nach Eigenschaften wie z.B. Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit, Empathie, Geduld, Zuhören Können, Ideen/Ratschläge für die Gesellschaft einbringen; Bereitschaft, Probleme zu lösen, Wahrheitsliebe, Intelligenz … ?
Über ernsthafte Antworten freue ich mich.
Angelika
…vielleicht sogar frei von den sonstigen Schubladen 
