Seit kurzem ist es amtlich. Die gesetzliche Rente, die die Bundesregierung um Arbeitsminister Walter Riester (SPD) so verfochten hat, wird ab dem Jahr 2002 durch die staatlich geförderte private Altersvorsorge ergänzt.
Jürgen Eichelmann, Vorstandsmitglied der Allianz Leben, begrüßt die Reform, betont aber den bestehenden Beratungsbedarf der Verbraucher bei der Riester-Rente.
ZDF.MSNBC-Interview mit Rentenexperte Jürgen Eichelmann zur Rentenreform
ZDF.MSNBC: Herzlichen Glückwunsch - auf die Lebensversicherer wartet laut Expertenschätzungen in den kommenden Jahren ein gigantisches Neugeschäft von bis zu 70 Milliarden Mark. Wie groß ist das Stück vom Kuchen, das sich die Allianz sichern möchte?
JÜRGEN EICHELMANN: Zuerst einmal muss man den Bürgern gratulieren. Sie haben endlich das Ende der lang anhaltenden und quälenden Diskussion über die Altersvorsorge erlebt. Es herrscht jetzt mehr Klarheit über das Ausmaß dessen, was der Einzelne privat investieren muss.
Natürlich freuen sich auch die Anbieter der Produkte, die in Frage kommen. Die Zahlen, die durch die Diskussionen geistern, gehen weit auseinander. Wir rechnen mit etwa 15 Millionen Kunden, die die Riester-Produkte in Anspruch nehmen werden. Davon wollen wir rund eine Million Verbraucher für uns gewinnen.
ZDF.MSNBC: Wie wird Ihr Unternehmen auf die künftig vom Staat geförderte Rente hinsichtlich der Versicherungsmöglichkeiten reagieren?
EICHELMANN: Wir haben unsere Rentenversicherung, also das klassische Altersvorsorge-Produkt, so ausgestaltet, dass es alle Voraussetzungen für eine Zertifizierung nach dem Altersvermögensgesetz erfüllt. Zusätzlich bieten wir ab 1. Juli dieses Jahres eine fondsgebundene Rentenversicherung an, die ebenfalls den Zertifizierungs-Voraussetzungen gerecht wird.
Schließlich werden wir einen Pensionsfonds anbieten, der primär für die betriebliche Altersvorsorge gedacht ist, aber auch von Privatkunden genutzt werden kann.
ZDF.MSNBC: Die staatliche Förderung startet Anfang 2002. Sowohl die Bundesregierung, aber vor allem die Front der Verbraucherverbände mahnen zu Bedacht und warnen vor voreiligen Vertragsunterzeichnungen. Ist es ratsam, mit dem Abschluss der “Riester-Rente” noch zu warten?
EICHELMANN: Es ist ratsam, eine Entscheidung mit Bedacht zu treffen, um so eine voreilige Vertragsunterzeichnung zu vermeiden. Generell ist es aber nicht ratsam, noch lange zu warten, da die Bürger in hohem Maße daran interessiert sind, möglichst schnell eine kompetente Beratung zu erfahren.
Wir bekommen schon jetzt eine Vielzahl von Briefen und Anrufen, die nach einer umfassenden Beratung verlangen. Ob eine Vertragsunterzeichnung jetzt oder zu einem späteren Zeitpunkt stattfindet, muss jeder Einzelne für sich selber entscheiden.
ZDF.MSNBC: Worauf sollten die Verbraucher bei Abschluss einer Altersabsicherung, die vom Staat gefördert wird, achten?
EICHELMANN: In erster Linie muss jeder Einzelne eine ausführliche Beratung bekommen, in der die persönliche Bedarfssituation ermittelt wird. Es kommt entscheidend darauf an, welcher Versicherungsschutz aus der Sozialversicherung in der Zukunft besteht und welche Ergänzungen nötig sind.
Das Produkt der persönlichen Altersvorsorge muss also ganz individuell und genau abgestimmt werden.
ZDF.MSNBC: Viele Arbeitnehmer haben bereits die private Altersvorsorge in die Wege geleitet. Worin liegen - gerade für diese Gruppe - die Vorteile der vom Staat subventionierten Rente?
“Ob ein Vertrag jetzt oder zu einem späteren Zeitpunkt unterzeichnet wird, muss jeder Einzelne für sich entscheiden.”
JÜRGEN EICHELMANN Rentenexperte
EICHELMANN: Die Vorteile liegen insbesondere in der ab dem Jahr 2002 vorgesehenen staatlichen Zulage beziehungsweise in dem völlig neuen Sonderausgabenabzug bei der Steuer.
In der bisherigen privaten Altersvorsorge gibt es zwar auch eine Form des Sonderausgabenabzugs. Im Normalfall waren die Ausgaben jedoch durch die Beiträge an die Sozialversicherung schon ausgeschöpft.
ZDF.MSNBC: Das Rentenniveau wird in Zukunft von aktuell 70 Prozent des Netto-Einkommens auf mindestens 67 Prozent sinken. Sichert die zusätzliche Säule der steuerlich subventionierten Altersvorsorge den Rentner von morgen ausreichend ab?
EICHELMANN: Von der Bundesregierung ist eine Absenkung auf 67 Prozent vorgesehen. So ist auch die Höhe des privaten Vorsorgeproduktes dimensioniert. Wir gehen aber davon aus, dass es bei vernünftiger Durchführung zu mehr als drei Prozent führen wird.
Wir vertreten deswegen die Auffassung, dass die vorgesehene Vorsorge die Lücke in der Sozialversicherung ausfüllen wird.
ZDF.MSNBC: Aus CDU/CSU-Oppositionskreisen ertönt scharfe Kritik, Sozialexperte Horst Seehofer (CSU) spricht von einer “Mogelpackung” und einer “Reformruine”, die ein bürokratisches Monstrum sei. Wie beurteilen Sie das Altersvermögensgesetz im Ganzen?
EICHELMANN: Die Stärkung der kapitalgedeckten Altersvorsorge und der Eigenverantwortung war längst notwendig. Insofern war die Reform der richtige Schritt.
Es gibt es jedoch eine ganze Anzahl von Schönheitsfehlern, unter anderem ist das Konstrukt kompliziert aufgebaut. Wir hoffen, dass diese schnell behoben werden. Die Bundesregierung hat ja bereits angekündigt, dass noch in diesem Herbst an der Verbesserung der Schwachstellen gearbeitet werden soll.
- Mai 2001
Mit Material von: ZDF
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Sieht ja gut aus, oder?
Wer hat noch Meinungen dazu?
Wer ist anderer Meinung und warum?
Gruss
jan
* und diejenigen, die zwischen ihnen und uns liegen, sind daran Schuld, dass es zu diesem höheren Ausmaß kommen musste.