Die neue Spritpreisbremse

Letztens kam mir eine Idee, die ich den anwesenden Wirtschaftsfachkundigen einmal vorstellen möchte.

  1. Täglich um 16 Uhr meldet jede Tankstelle den Preis für die Sorten Diesel, E5 und E10, der ab Mitternacht für 24 Stunden gelten wird, zudem die Öffnungszeiten.
  2. Es sind keine weiteren Preisänderungen zulässig.
  3. Für jeden Stundenabschnitt wird der Median der Gebotspreise eines Bezirks ermittelt (ein Bezirk kann zum Beispiel ein Bundestagswahlkreis sein).
  4. Tankstellen, deren Preise über dem Median liegen, werden mit einer Sondersteuer in Höhe des halben Differenzbetrages belegt.

Erhoffter Erfolg:
Wer die Preise nicht beliebig anpassen kann, sondern 24 Stunden an sein Angebot gebunden ist, wird normalerweise ein möglichst niedriges, wirtschaftlich vertretbares Gebot abgeben.
Zusätzlich soll die Gewinnabschöpfung dafür sorgen, dass zu hohe Gebote ein wirtschaftliches Risiko darstellen.

Würde so etwas wohl den erwünschten Erfolg haben?

Schwachstelle: Gewiefte Konzerne könnten den Median durch „Opfer“-Tankstellen mit massiv überhöhten Preisen anheben. Allerdings ist der Median als Bezugsgröße gegen solche Beeinflussugen weit robuster als zum Beispiel der arithmetische Mittelwert.

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hi,

wäre das rechtlich überhaupt durchsetzbar?
Eine Steuer/Gewinnabschöpfung, deren Abzug nicht klar ist?

Wie will man das kalkulieren?
Das wäre ja, als wenn bei einer beschränkten Ausschreibung der Median berechnet wird, und wenn einer den Zuschlag bekommt der darüber liegt, muss er darauf Steuern abführen.

Sind die Spritsorten absolut identisch? Es gibt doch nicht nur eine Kette, die mit irgendwelchen Additiven wirbt.

Aral, Shell...
Aral Super 95 E5

Aral Super 95 E5 ist ein unverbleites, schwefelfreies Benzin entsprechend der DIN EN 228 für die Verwendung in Ottomotoren. Die Oktanzahl (ROZ, Research Oktanzahl) liegt bei mindestens 95,0. Darüber hinaus enthält Aral Super 95 E5 die innovative Aral Anti-Schmutz-Formel, die Ablagerungen von kritischen Motorenteile entfernt. Aral Super 95 E5 enthält maximal 5 Vol.% Bio-Ethanol.

Wenn alle Tankstellen tagweise im Bereich um 5 Cent um den Median pendeln, wären dennoch permanent welche darüber.
Das ist irgendwie am Ziel vorbei, oder?
Absprechen dürfen sie sich nicht, es ist also gar nicht vermeidbar, dass die Sondersteuer anfällt.

Dann könnte man den Preis auch einfach festlegen.

Wenn überhaupt, wäre auch das Volumen wichtig. Du läufst Gefahr, eine olle SB-Tanke in einem Dorf mit einem Autobahnrastplatz zu vergleichen.
Wobei ich mich gerade frage, welche davon (ganz nüchtern kalkuliert) teurer wäre.
Die Autobahntanke, weil viel mehr Aufwand nötig ist, oder vielleicht die Dorftanke, weil sie alle Kosten auf viel weniger Liter umlegen muss.

Das sind so Überlegungen die man vermutlich niemals wasserdicht auf ein Stück Papier bekommt.
Ohne etwas zu übersehen, ohne rechtliche Angriffspunkte, ohne ganz komische Konstellationen zu vergessen, die es vielleicht gibt und an die keiner denkt.

Und ich frage mich gerade, was die Tankstellen daran hindern sollte, eine Tankpauschale je Vorgang zusätzlich zu verlangen und mit dem Preis dafür niedrig rein zu gehen.
Personal, Strom, WC, Miete/Pacht… muss doch sicher nicht um Benzinpreis enthalten sein.

Dazugehöriger Gedankengang: aktuell ist das egal, da es in jedem Fall zum Mehrwertsteuerteil des Benzinpreises oder als Pauschale auch der Mehrwertsteuer unterliegt.
Die Sonderabgabe verschiebt das aber, dann wäre eine separate Berechnung mit 19% günstiger als eine Mischkalkulation.

grüße
lipi

Das Grundproblem liegt darin, dass es keine offensichtlichen Preisabsprachen oder andere erkennbare Vereinbarungen gibt, gegen die das Bundeskartellamt etwas machen könnte. Das ist mit der seit 1. April geltenden Regel noch etwas deutlicher geworden. Zumindest hier springen die Preise um 12 Uhr im Umkreis von 5 Kilometern relativ einheitlich nach oben, d.h. die Spannbreite beträgt meist 3-4 Cent und die meisten sind sich auf den Cent genau einig.

Aktuell (also nach 12 Uhr):
Diesel: 2,23-2,27; fünf von sieben 2,25
E5: 2,19-2,22; drei von sechs 2,22
E10: 2,15-2,19; drei von sechs 2,16

Selbst wenn ich den Radius vergrößere, ändert sich an dem Bild nichts (außer, dass da irgendeine namenlose Supermarkt-Tankstelle auftaucht, die einen Cent billiger ist).
Es scheint also eine Kalkulation zu geben, die für alle mehr oder weniger gleich funktioniert. DAs ist umso erstaunlicher, als dass es verschiedene Modelle gibt: manche Standorte betreiben die großen Mineralölunternehmen selbst, die meisten werden von Pächtern betrieben, die aber die Preise vorgegeben bekommen und dazu gibt es noch unabhängige Tankstellen, die aber preislichen Restriktionen ihrer Lieferanten unterliegen (d.h. SB-Tank Müller wird von Aral, Shell oder Esso beliefert und darf beim Preis deswegen nicht mehr als x Cent vom Preis der nächstgelegenen Aral-, Shell- oder Esso-Tankstelle nach unten abweichen).

So ganz grundsätzlich scheint das Bedürfnis, den Konkurrenten ein paar Straßen weiter mit einem um ein paar Cent niedrigeren Preis ein paar Hektoliter abspenstig zu machen, nicht besonders stark ausgeprägt zu sein. Das wiederum dürfte daran liegen, dass der Kunde doch nicht so preissensibel ist, wie man vielleicht meinen sollte, sondern doch einer Tankstelle oder Marke treu bleibt. Insofern scheint mir auch die immer wieder kolportierte Behauptung, die Leute würden kilometerweise fahren, um ein paar Cent zu sparen oder sogar mehr für Treibstoff ausgeben, als ihnen der Umweg nach Polen, Luxemburg oder Kasachstan erspart, mehr eine unbelegte Behauptung zu sein als ein Abbild der Realität.

Ich bin ja nun nicht dafür bekannt, für Planwirtschaft einzutreten, aber wenn man wirklich etwas gegen die Preise machen will (und in den wenigsten Tankstellentanks dürfte jetzt schon Benzin lagern, dessen Ausgangsprodukt nach dem Angriff auf den Iran das Bohrloch verlassen hat), dann muss wohl ein staatlich regulierter Preis her, der in Abhängigkeit von der Lage (also Autobahn, Ausfallstraße, Randlage..), der Entfernung von der nächsten Raffinerie bzw. vom nächsten Hafen und ggfs. anderer Faktoren festgelegt wird.

Das aktuelle Konzept, bei dem der Spritpreis eines Haushalts davon abhängig ist, ob ein Haushaltsmitglied am späten Vormittag Zeit hat, nacheinander alle Fahrzeuge zum Tanken zu fahren, ist jedenfalls völlig für die Tonne.

Ja, es ist ein unerklärliches Phänomen.

Vor der Neuregelung war es so, dass nahe beieinander liegende Tankstellen zu den immer gleichen Uhrzeiten die selben Sprünge machten. Man sah sich den Verlauf der Vortage an und wusste: Gegen 17:35 Uhr wird es 4 Cent preiswerter - und zwar zuerst an der X-Tankstelle, bevor die Y-Tankstelle eine Minute später nachzieht.

Ein ebenso unerklärliches Phänomen:
Auch zum Tageshoch - gerne 12 oder 16 Cent teurer als das Tagesminimum - tanken da Leute.
Leute, denen der Preis tatsächlich egal ist, die halt immer genau dann tanken, wenn die Lampe leuchtet?

Egal ist der Preis bei der Wahl des Zeitpunkts und der Marke, egal ist der Preis beim Fahrstil, beim Warten vor Ampel oder Schranke und im Stau.
Existenzbedrohend scheint er immer nur beim Lamentieren zu sein.

Vor der Neuregelung habe ich praktisch immer das Tagesminimum getroffen.
Jetzt zahle ich drauf.

Ich habe sogar strategisch den Dieselpreis der Rohstoffbörse beobachtet. Ging der hoch, habe ich vollgetankt - sank er, habe ich nur halbvoll getankt.