Das Grundproblem liegt darin, dass es keine offensichtlichen Preisabsprachen oder andere erkennbare Vereinbarungen gibt, gegen die das Bundeskartellamt etwas machen könnte. Das ist mit der seit 1. April geltenden Regel noch etwas deutlicher geworden. Zumindest hier springen die Preise um 12 Uhr im Umkreis von 5 Kilometern relativ einheitlich nach oben, d.h. die Spannbreite beträgt meist 3-4 Cent und die meisten sind sich auf den Cent genau einig.
Aktuell (also nach 12 Uhr):
Diesel: 2,23-2,27; fünf von sieben 2,25
E5: 2,19-2,22; drei von sechs 2,22
E10: 2,15-2,19; drei von sechs 2,16
Selbst wenn ich den Radius vergrößere, ändert sich an dem Bild nichts (außer, dass da irgendeine namenlose Supermarkt-Tankstelle auftaucht, die einen Cent billiger ist).
Es scheint also eine Kalkulation zu geben, die für alle mehr oder weniger gleich funktioniert. DAs ist umso erstaunlicher, als dass es verschiedene Modelle gibt: manche Standorte betreiben die großen Mineralölunternehmen selbst, die meisten werden von Pächtern betrieben, die aber die Preise vorgegeben bekommen und dazu gibt es noch unabhängige Tankstellen, die aber preislichen Restriktionen ihrer Lieferanten unterliegen (d.h. SB-Tank Müller wird von Aral, Shell oder Esso beliefert und darf beim Preis deswegen nicht mehr als x Cent vom Preis der nächstgelegenen Aral-, Shell- oder Esso-Tankstelle nach unten abweichen).
So ganz grundsätzlich scheint das Bedürfnis, den Konkurrenten ein paar Straßen weiter mit einem um ein paar Cent niedrigeren Preis ein paar Hektoliter abspenstig zu machen, nicht besonders stark ausgeprägt zu sein. Das wiederum dürfte daran liegen, dass der Kunde doch nicht so preissensibel ist, wie man vielleicht meinen sollte, sondern doch einer Tankstelle oder Marke treu bleibt. Insofern scheint mir auch die immer wieder kolportierte Behauptung, die Leute würden kilometerweise fahren, um ein paar Cent zu sparen oder sogar mehr für Treibstoff ausgeben, als ihnen der Umweg nach Polen, Luxemburg oder Kasachstan erspart, mehr eine unbelegte Behauptung zu sein als ein Abbild der Realität.
Ich bin ja nun nicht dafür bekannt, für Planwirtschaft einzutreten, aber wenn man wirklich etwas gegen die Preise machen will (und in den wenigsten Tankstellentanks dürfte jetzt schon Benzin lagern, dessen Ausgangsprodukt nach dem Angriff auf den Iran das Bohrloch verlassen hat), dann muss wohl ein staatlich regulierter Preis her, der in Abhängigkeit von der Lage (also Autobahn, Ausfallstraße, Randlage..), der Entfernung von der nächsten Raffinerie bzw. vom nächsten Hafen und ggfs. anderer Faktoren festgelegt wird.
Das aktuelle Konzept, bei dem der Spritpreis eines Haushalts davon abhängig ist, ob ein Haushaltsmitglied am späten Vormittag Zeit hat, nacheinander alle Fahrzeuge zum Tanken zu fahren, ist jedenfalls völlig für die Tonne.