Die Rürup-Kommision hat zugeschlagen:

a) Einbeziehung von Kapital- und Mieteinkünften zur Bemessung der KV-Beiträge.

kann man nichts negatives dagegen sagen. Karlsruhe hat die Gleichheit von Pflicht- und Freiwilligversicherten gefordert. Die SPD hat aus wahltaktischen Gründen diese Einkunftbewertung für alle abgeschafft. Damals habe ich behauptet, dass es entweder zu enormen Beitzragssteigerungen kommen wird, oder zur Zurücknahme dieser Verordnung… es ist beides gekommen!

b) Erweiterung der Zuzahlungen für die Mitglieder incl. 15 Euro Praxis-Besuchsgeld.

Das ist natürlich wieder ein Hammer. Eine Beitragserhöhung durch die Hintertür! Wer sich diese Zahlungen nicht leisten kann, bleibt in Zukunft zu Hause. Ist auch besser so, der Arzt kann sowieso nichts mehr verschreiben.

c) Ausgliederung von Verdienstausfall-Tagegeld - aber weiterhin eine GKV-Leistung.

der nächste Hammer: wieder eine Beitragsanpassung durch die Hintertür. Und damit den Kassen diese Gelder auch zufließen, darf der Patient gnädigerweise sein Einkommen bei der Kasse versichern.

d) Pflichtversicherung von Freiberuflern (Rechtsanwälten etc.) - NICHT von Beamten.

Na, die werden denen war pfeifen: die werden alle (hoffe ich doch) den Verzicht erklären.
Und natürlich sind die Beamten ausgenommen. Ganz logisch.

Wie ja bekannt ist, ist es möglich, dass Privatversicherte ihren Verzicht auf zukünftige Pflichtversicherung erklären können. Die meisten machen es nicht, weil sie glauben, dass das ein ehernes Gesetz ist, dass sie nie mehr zurück können, wenn´s evtl. mal sein müsste.
Keine Angst: es ist nicht so: diese Erklärung kann jeder machen und trotzdem wieder in die GKV. (Was er sowieso nie machen wird)
Diese Befreiung von der Pflichtversicherung zählt nur für das augenblickliche Arbeitsverhältnis.

Grüße
Raimund

a) Einbeziehung von Kapital- und Mieteinkünften zur
Bemessung der KV-Beiträge.

b) Erweiterung der Zuzahlungen für die Mitglieder incl. 15
Euro Praxis-Besuchsgeld.

c) Ausgliederung von Verdienstausfall-Tagegeld - aber
weiterhin eine GKV-Leistung.

d) Pflichtversicherung von Freiberuflern (Rechtsanwälten
etc.) - NICHT von Beamten.

Hallo Raimund,

ob und inwieweit unsere sogenannte Regierung diese Vorschläge übernimmt, steht ja wohl noch in den Sternen.
Schaun mer mal.

Martin

hallo Martin,

ich hoffe, sie begréifen, was ihnen da auf den tisch gelegt wurde.
Punkt a) ist ja vertretbar, auch wenn es einige schmerzen wird. Aber nur recht und billig. Schließlich sind Mieteinkünfte und Zinseinkünfte das gleiche wie Einkünfte aus Arbeit.

Grüße
Raimund

Hallo,

punkt A ist nur dann vertretbar wen der vermiter dann die wahl hat in eine PVK zu wechsen auch wenn sein verdiens (aus arbeit) weniger ist als die BBG.
cu
schnorz

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

hallo Schnorz,
das sehe ich nicht so: warum soll eine Pflichtversicherter nur deswegen Freiwilligversicherter werden, weil er Mieteinkünfte hat?
Wenn der AN unter der BBG verdient und auch trotz Miet- und Zinseinkünfte darunter bleibt, dann ist er weiter Pflichtversicherter. Kommt er allerdings mit diesen Zusatzeinkünften darüber, dann ist er halt FreiwilligV.

Grüße
Raimund

Hallo Raimund,

in den Rürup-Vorschlägen sehe ich allenfalls ein Bonsai-Reförmchen. Ich vermisse Kostentransparenz (Rechnung an den Patienten) UND Selbstbeteiligung. Nur Kostentransparenz würde wenig bringen und nur Selbstbeteiligung bringt auch nichts. Die UND-Verknüpfung ist der wesentliche Punkt. Ich vermisse die Verschlankung des Systems durch Reduzierung der Anzahl gesetzlicher Krankenkassen (wozu hunderte AOKs?) und Wegfall der kassenärztlichen Vereinigungen.

Statt dessen wird nichts daran geändert, daß das System zur Kostenexplosion neigt. Im Gegenteil, es ist offenkundig beabsichtigt, das System nicht anzutasten. Die Versichertenbasis soll durch Einbeziehung bisher nicht Pflichtversicherter verbreitert werden. Von mir aus. Für sich genommen, ist das aber eine Methode, noch mehr Menschen zu schröpfen.

Herr Rürup! Sie haben einen miserabel mut- und phantasielosen Bürokratenjob gemacht. Stümper!

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

Du hast meine volle Zustimmung…

Heute in der FAZ war ein vernünftiger Leserbrief dabei:

(FAZ, Briefe an die Herausgeber, Seite 11, 10. April 2003)

„Markt und Gesundheit

…Es ist beeindruckend, mit welcher Konsequenz auf offenbar allen Seiten versucht wird die tatsächlichen Ursachen der momentanen Misere unseres Gesundheitswesens zu übergehen. … Eine Ausdehnung der Bemessungsgrundlage ändert nichts an den Problemen, die durch den stark voranschreitenden medizinisch-technischen Fortschritt, **bestehende Fehlanreize** und den demographischen Wandel ausgelöst werden. …

… Rürups Vorschläge gehen in diese Richtung (…die Freiheit, die Eigenverantwortung und die Einheit von Handlung und Haftung…) … Allerdings geht auch Rürup nicht weit genug. Er übersieht nämlich, daß auch auf seiten der Leistungsempfänger, also der Versicherten, **erhebliche Fehlanreize** bestehen. Durch einen hundertprozentigen Versicherungsschutz, der auch bei einer Kopfpauschale für die im Leistungskatalog verbliebenen Leistungen bestehenbleibt, haben die Versicherten keinen Anreiz nach einer preisgünstigeren Alternative für eine Behandlung zu suchen. Ein grundlegendes Prinzip einer Marktwirtschaft ist damit außer Kraft gesetzt. Durch die sicher bei der Mehrheit der Bevölkerung existierende Hochschätzung des Gutes „eigene Gesundheit“ wird nach dem Motto verfahren werden „Das Beste ist gerade gut genug“.

… Zielführend im Sinne eines effizienteren Gesundheitssystems ist daher letztlich nur die Einführung einer prozentualen Selbstbeteiligung der Patienten in Zusammenhang mit einer Pauschalvergütung der Ärzte. - Thomas Rudolf, Bayreuth“
____________
Gruß
Sarah

Vollkommen richtig, Wolfgang. Alles was hier passiert, ist die Kosten vom einen auf den anderen zu schieben, ohne am Prinzip der Unbezahlbarkeit irgendetwas zu aendern. Diese Kommission war ihr Geld definitiv nicht wert!
Ralph

Hallo Wolfgang,

ich gebe Dir volle Zustimmung!

Herr Rürup! Sie haben einen miserabel mut- und phantasielosen
Bürokratenjob gemacht. Stümper!

und seine umgebenden Stümpermänner gehören auch in die Wüste geschickt!
Als Rudel kann man ja besser überleben!

Unsere Gesundheitsministerin und ihr Chef werden die Stümperei nicht bemerken…wie auch!

Hätten Sie selber ein wenig was gewusst und sich selber mit dem Thema beschäftigt und erarbeitet, hätten sie ja den Stümperhaufen nicht benötigt, so müssen sie es halt so hinnehmen.

Hätte…hätte…hätte…

Gruss

Gerd

PS: werde nicht mehr Parteien bei der nächsten Bundestagswahl wählen, sondern nur noch Kommissionen, dann fällt schon mal ein Haufen weg!!

Punkt a) ist ja vertretbar, auch wenn es einige schmerzen
wird.

Hallo Raimund,

Demograhie und Eigenheiten des Gesundheitssystems führen zu Kostensteigerungen. An der Bevölkerungsentwicklung läßt sich ohne weiteres nichts ändern, also muß man das System des Gesundheitswesens verändern. Weil es um Kosten geht, muß Kostenbewußtsein ins System. Um Kostenbewußtsein entwickeln zu können, müssen die Kosten zunächst einmal bekannt sein. Aber welcher Kassenpatient kennt die Kosten seiner Behandlung? Die Kosten werden verheimlicht und letztlich interessieren sie den Kassenpatienten überhaupt nicht. Genau da muß angesetzt werden. Das System muß kostentransparent werden UND es muß ein Interesse des Patienten geben, die Kosten im Blick zu behalten. Deshalb führt an der Offenlegung der Kosten jeder einzelnen Behandlung UND an einer prozentualen Selbstbeteiligung des Patienten kein Weg vorbei (die Hervorhebung des Wörtchens UND ist kein Versehen!).

Ich erkenne nicht einmal den leisesten Ansatz der richtigen Richtung. Die Richtung ist vielmehr „weiter so wie gehabt“. An den aufgeblasenen Strukturen ändert sich nichts und das, was tatsächlich vom Leistungserbringer abgerechnet wird, soll unter keinen Umständen für den Patienten sichtbar werden.

Ob es ideologische Gründe gibt oder was auch immer dahinter steckt - ich weiß es nicht. Ich sehe aber, daß ein effizienteres Gesundheitssystem, daß Eigenverantwortlichkeit der Menschen, daß schlanke Verwaltungen und niedrige Kosten offenkundig nicht zu den Zielen gehören. Schlimm daran finde ich, daß wir keine politische Alternative haben. Die Politiker aller Parteien verlieren sich in Details. Es herrscht eine schon fast widerwärtige Einigkeit. Es scheint zu viele Leute zu geben, die ohne erkennbare Leistung am System hängen und versorgt werden wollen.

Gruß
Wolfgang

Hallo Raimund,
das meinte ich doch, das wenn er mit seinen mieteinkünften über die BBG kommt er die möglichkeit hat zu wechseln.
diese wahl steht ihm aber momentan nicht zu.
cu
schnorz

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

war also ein Missverständnis.

Diese Rürup-Kommision ist wieder typsch für Politiker. Wenn Änderungen, dann bitte so, dass die Pfründe nicht angetastet werden. Oder noch besser: dass alles beim alten bleibt und das Kind nur einen neuen Namen erhält.
Warum man einer Berufgruppe Einkünfte zugesteht, wofür sie faat 0 Arbeit hatten (Kopfprämie für Ärzte), begreife ich nicht. Ich kann doch auch nicht sagen: Du hast bei mir angerufen, also bekomme ich schon mal 400 €.
Grüße
Raimund