Die Schwächen des Videobeweises

Das Beispiel mit René Adler und dem lächerlichen Elfmeter für Stuttgart zeigt die Schwächen des Videobeweises. Man glaubt(e), durch Kameras könne man alles sehen. Dabei führt der Videobeweis dazu, dass man eben gerade nicht die Gesamtsituation betrachtet.

Schon beim unberechtigten Bayern-Elfmeter am ersten Spieltag hatte sich gezeigt, dass der Videoschiedsrichter nur darauf achtet, ob der Spieler „getroffen“ wird. Mini-Berührung reicht aus. Ob das jedoch auch dafür ausreicht, dass der Spieler fällt, fällt unter den Tisch. Der Stuttgarter Spieler nutzte das aus. Ebenso wird nicht beachtet, wo der Ball ist, also ob das vermeintlich Foul überhaupt eine Torsituation verhindert hat. So kam Bayern gegen LEV zum Elfmeter.

Manche Situationen, wie beim Hoppenheimer Tor gegen LEV, kann auch die Kamera nicht eindeutig erfassen. Daher: Pro Tatsachenentscheidung. Außer bei der Torlinientechnologie, die sich bewährt hat. Aber da geht es eben nur um harte Fakten (war der Ball technisch gesehen hinter der Linie) und nicht um viel komplexere Spielsituationen einschließlich Schauspieleinlagen der Herren Lewandowski & Co.

Und was ist jetzt die Frage?

Wie ich die Leute liebe, die sich hier zu profilieren versuchen, indem sie schreiben, wo die Frage sei.

Da du offenbar nicht erkennst, dass die Frage nach den Vor- und Nachteilen des Videobeweises und die Frage nach Fortführung des aktuellen Projektes zu dessen Einführung im Raume steht, bitte ich dich, dich an anderen Diskussionen zu beteiligen, aber nicht an dieser.

Ich glaube, Du hast da falsche/überhöhte Erwartungen an den Videobeweis. Das Beispiel Bayern gegen LEV zeigt doch, dass er ganz gut funktioniert. Der Schiri auf dem Platz hat es nicht gesehen, der VA schon. Das ist doch Sinn und Zweck der Übung? Daneben vielleicht noch, dass diverse Tricksereien gleich weggelassen werden, weil man weiß, dass da nochmal jemand draufschauen könnte.
Die Erwartung sollte vielleicht nicht sein, dass die 100 Fehlentscheidungen pro Saison komplett wegfallen. Wenn es dadurch nur noch 50 sind, ist das auch schon ein Erfolg. Außerdem wird ja nicht bei jeder Entscheidung eingegriffen und der Schiedsrichter hat weiterhin das letzte Wort.

Das Foul war im Stadion klar zu erkennen. Wenn ein Spieler von hinten an der Schulter (kurz) festgehalten wird, dann pfeift dieses Foul eigentlich jeder Schiedsrichter, wenn er es sieht.
Das Problem beim Videobeweis ist,

  • dass das Spiel unnötigerweise unterbrochen wird (die Tatsachenentscheidung war zwar falsch, aber in der Summe heben sich Vor- und Nachteile mehr oder weniger aus über eine Saison betrachtet auf).
  • Und den Zuschauern wird die bildhafte Darstellung der Entscheidung über die Leinwand vorenthalten.

==> Quatsch im Quadrat. Kann man sich sparen.

Franz

Mal etwas „philosophisch“ oder medientheoretisch betrachtet:

Der Punkt ist (entgegen dem ganzen Blabla) doch schlicht und einfach der, dass der Videobeweis besser übereinstimmt mit der Wirklichkeitsperspektive, die die TV-Kameras einfangen als der Augenschein des Schiedsrichters, der eher dem Stadionblick entspricht.

In dem Moment, in dem Fußball immer mehr zum TV-Ereignis geworden ist, wurde es eben notwendig, die Wirklichkeitsrepräsentation entsprechend nachzujustieren, unabhängig davon, ob damit die „wirkliche Wirklichkeit“ besser zu erkennen ist.

Der Videobeweis vermindert bestimmte Fehlerquellen und erzeugt gleichzeitig neue Fehlerquellen (z.B. eben den Fehler, Situationen nicht mehr „ganzheitlich“ zu betrachten; dafür hat die FIFA/UEFA aber bereits vor Jahren das Regelwerk, etwa beim Elfmeter, entsprechend reformiert: Absicht, d.h. Hand zum Ball =ganzheitlich weg, reine Berührung an einer bestimmten Körperregion=kamerafreundlich tritt in den Vordergrund).
Heute, da noch ein Mix aus Videobeweis und Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters gefahren wird, kann das ein guter Kompromiss sein, der die Spielleitung insgesamt weniger fehleranfällig macht (wofür auch immer das gut sein mag; dieses Ansinnen allein könnte man durchaus kritisch hinterfragen). Die Entwicklung wird aber in Richtung Kamerabild gehen, jede Wette.

Gruß
F.

Das mag schon stimmen, aber in diesem Fall hat ein klares Halten eine Torchance verhindert. Da spielt der Blick auf den Ball IMHO keine Rolle. Da das Ganze im Strafraum passierte, war dieser Elfmeter zu 100% berechtigt.
Allerdings bin ich kein Freund des Videobeweises. Er mag seine Vorteile haben, aber sicher auch Nachteile. Mit Blick auf eine Saison wird sich wohl nicht viel ändern, was „Gerechtigkeit“ betrifft.
Gut, das mag ein wenig altbacken klingen, aber ich halte diesen Mist für überflüssig. Der Schiri fällt eine Tatsachenentscheidung und fertig. Heute trifft es den, am nächsten Spieltag den anderen.

Ja, in der Tat. Man hat sich nicht der Spielweise angeglichen, sondern den Fernsehauswertungen. Dort wird nur geguckt, ob eine Berührung stattgefunden habe. Und die Spieler passen sich an. Bestes Beispiel ist Lewandowsi, der nur darauf wartet, dass ein Abwehrspieler irgendeinen falschen Griff oä macht, und dann fällt er. Ich lobe mir die Spieler, die weiterspielen. Das ist heute aber nicht modern.

Was man eher machen sollte, ist mal selber Fußi spielen. Dann weiß man eher, bei welcher der hunderten „Berührungen“ pro Spiel man fällt. Und das ist viel seltener als bei den Bundesligaprofis.

Daher halte ich die Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters sogar für besser und weniger fehleranfällig als den Videobeweis. Weg damit.

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Richtig, aber darum gehts eben.
Das ist quasi eine Rückwirkung des TV-Bilds auf die Spielregeln oder eben sogar auf die Spielweise der Spieler, wie du es richtig angeführt hast.
Ist halt so, so läuft die Entwicklung seit ein paar Jahrzehnten und wird sich auch nicht so schnell ändern.
Am Fußball kann man so unglaublich viel über die gesellschaftliche Entwicklung lernen. Dass mediale Berichterstattung niemals nur eine Wirklichkeit repräsentiert, sondern diese ganz massiv erzeugt und verändert, ist ein Aspekt davon.
Beispielsweise hat der Fußball auch die Entwicklung des Staates zum „Kampf gegen den Terror“-Staat mit all seiner Beschneidung von Bürgerrechten ein bis zwei Jahrzehnte vorweggenommen. Nur btw erwähnt.

Gruß
F.

Genau! :triumph: „Alternative Fakten“…

SCNR; Oberberger