Die Schwäche der Demokratie

Kann man dem Durchschnittsmenschen loyales Wahlverhalten zumuten?

Diese kleine Geschichte - ich fand sie sehr amüsant - soll darüber aufklären:

Eine lustige Geschichte erläutert diesen Punkt, wie die Mehrheit der modernen Menschen wählt, und Dinge entscheidet, die der Wahrheit ziemlich entgegengesetzt sind.

Es starb einmal ein älterer Mann, der lange Zeit krank gewesen war. Der Doktor der sah, daß die Atmung stehengeblieben war, bescheinigte, daß er tot war. Er wurde zum Friedhof gebracht. Alle Leute des Ortes einschließlich des Dorfdoktors, schloß sich dem Begräbniszug an. Ein Richter im Ruhestand war auch unter der Menge. Sie erreichten die Begräbnisstätte. Zu ihrer Überraschung zeigte die Leiche zurückkommende Lebenszeichen. In wenigen Augenblicken erkannte jedermann, daß der Mann lebendig und nicht tot war. Der Doktor der bescheinigt hatte, daß er tot war, war ratlos.

Er war in einer Patsche. Sein Egoismus wollte ihm nicht erlauben, seinen Fehler zuzugeben. Es gab einige, die den Doktor unterstützten. Sie sagten, daß der Doktor, der hoch qualifiziert war und die letzten Jahre eine phantastisch gehende Praxis hatte, nicht irren konnte. Aber der Mann zeigte Zeichen von Leben. Es entstand Verwirrung und die ganze Versammlung wußte nicht wie es weitergehen sollte, ob man ihn begraben oder zurück zu seinem Haus bringen sollte.

Jetzt mischte sich der Richter im Ruhestand ein, der die Situation leise beobachtete, und sagte: „Ich habe dreißig Jahre Dienst im Richterstand vorzuweisen und wenn Sie mir es alle erlauben, werde ich mein Urteil nach dem Hören beider Seiten und nach dem Aufnehmen aller Fakten dieses Falls aussprechen.“ Alle waren mit dem Vorschlag einverstanden. Er hörte sich Argumente dafür und dagegen an. Dann sagte er, „Wir haben beide Seiten gehört. Jetzt möchte ich Ihre Stimmen. Jene die für die Entscheidung des Doktors sind, heben bitte Ihre Hände hoch.“ Eine gewaltige Mehrheit unter der Menge hob ihre Hände hoch, weil sie aus offensichtlichen Gründen, nicht das Mißfallen des lokalen Doktors auf sich ziehen wollten.

Das Urteil wurde vom gelehrten Richter ausgegeben, daß der Mann tot war und er wurde lebendig begraben. Dies ist wie menschliche Demokratie in diesen Tagen funktioniert.

mfg Rolf

Hallo,

ich denke auch, das Vernunft nicht die Grundlage eine Demokratie sein kann. Den „mündigen Bürger“ gibt es nicht. Es gibt nur mehr oder weniger gute Annäherungen an „Mündigkeit“, die selbst kein absolutes Maß hat. Ebensowenig ist unser Konsumverhalten rein vernünftig begründet (auch wenn wohl die meisten Modelle von Wirtschaftswissenschaftlern vom Ideal des „homo oeconomicus“ ausgehen).

Doch warum können wir nicht „wirklich mündig“ sein? Weil wir prinzipiell nicht die (praktische) Möglichkeit haben, alle dazu notwendigen Informationen zu bekommen und zu verarbeiten.

Ich glaube aber, daß es wichtig ist, das in einer Demokratie so gut wie möglich nach dem „Willen des Volkes“ gehandelt und entschieden wird. _Wie_ dieser Wille zustande kommt oder begründet ist, ist dabei unerheblich. Man kann sogar davon ausgehen, daß alle auf ihren eigenen vielleicht kurzfristigen Nutzen aus sind. Man _sollte_ sogar davon ausgehen. Wenn man das fair untereinander ausmacht und einen funktionierenden Minderheitenschutz hat, kommt nach diesem System jeder „in angemessener Weise“ (im Sinne der Allgemeinheit) zu möglichst vielen Vorteilen. Und das ist ja schließlich das Ziel.

Das führt mich zu dem Ausspuch:

Jedes [demokratisch regierte] Volk hat die Regierung, die es verdient.
(Dieser Spruch ist nicht von mir, ich weiß aber auch den Autor nicht)

Wenn die Mehrheit zu dumm ist, so leben zu _wollen_, daß langfristig ein lebenswertes Dasein möglich ist, oder zu dumm ist, zu _erkennen_, wie man das möglich machen kann, dann wird diese Gesellschaft sich eine zunehmend lebensunwerter Welt gegenübersehen. Das ist nur blöd für die Minderheit derer, die _glauben_, sie wüßten, was falsch läuft und noch mehr für die, die außerdem _glauben_, sie wüßten sogar, wie man es besser machen könnte.

Obwohl ich glaube, daß eine Demokratie nicht das optimale System ist (ja, ich denke, sie ist nicht mal ein „gutes“ System), ist sie doch noch das geringste Übel. Andere Systeme sind bereits gescheitert oder haben zumindest mittelfristig zu weniger „Wohlstand“ (nicht nur monetär gemeint!) geführt. Ob das langfristig nicht gerade der entscheidende Faktor ist (Wohlstand in Grenzen zu halten), kann ich nicht beurteilen - das wird die Geschichte zeigen. Eine „Bildungs-Aristokratie“ oder „Weisen-Aristokratie“ halte ich für praktisch unmöglich. Zudem glaube ich, daß schlicht nicht absehbar bzw. vorhersagbar ist, welche politischen Entscheidungen sich mittel- oder langfristig als eher vorteilhaft oder nachteilig erweisen werden. Kein mensch kann das wissen, darum braucht man Visionen und versucht danach zu handeln. Legitimiert wird das in der Demokratie durch das Einverständnis der Mehrheit.

Übrigends halte ich unser eigenes politisches System nicht für demokratisch im o.g. Sinn. Eigentlich haben wir hier eine Mischung aus parlamentarischer Aristokratie und wirtschaftlicher Diktatur mit höchstens demokratischen Einflüssen.

Gruß
Jochen *dersichaufeinediskussionfreut*
Jochen

Hallo,

ich denke auch, das Vernunft nicht die Grundlage eine
Demokratie sein kann. Den „mündigen Bürger“ gibt es nicht. Es
gibt nur mehr oder weniger gute Annäherungen an „Mündigkeit“,
die selbst kein absolutes Maß hat. Ebensowenig ist unser
Konsumverhalten rein vernünftig begründet (auch wenn wohl die
meisten Modelle von Wirtschaftswissenschaftlern vom Ideal des
„homo oeconomicus“ ausgehen).

Mündige Menschen gibt es schon, wenn du allerdings meinst, daß kein Mensch stets absolut vernünftige Entscheidungen treffen kann und in diesen auch nicht unbeinflußt von Lenkungen ist, dann stimme ich dir zu.

Doch warum können wir nicht „wirklich mündig“ sein? Weil wir
prinzipiell nicht die (praktische) Möglichkeit haben, alle
dazu notwendigen Informationen zu bekommen und zu verarbeiten.

Da das aber auch für sämtliche Regierungen egal welchen Systems gilt, denke ich nicht, daß man Mündigkeit so weit definieren sollte, wie du es hier tust, aber das ist eigentlich nur Wortklauberei.

Ich glaube aber, daß es wichtig ist, das in einer Demokratie
so gut wie möglich nach dem „Willen des Volkes“ gehandelt und
entschieden wird. _Wie_ dieser Wille zustande kommt oder
begründet ist, ist dabei unerheblich. Man kann sogar davon
ausgehen, daß alle auf ihren eigenen vielleicht kurzfristigen
Nutzen aus sind. Man _sollte_ sogar davon ausgehen.

Nun ein Handeln im Sinne des Volkes ist nicht unbedingt ein Handeln nach dem Wille des Volkes, sonst wären beispielsweise jede Art von Sozialreformen unmöglich (bzw. würden erst durchgeführt, wenn es noch „zuspäter“ wäre als es jetzt schon ist).
Der ursprüngliche Liberalismus hatte ja den schönen Begriff des „volonté générale“ (Rousseau wenn ich mich recht entsinne) als allgemeinen Willen, der nicht zwangsläufig die Summe oder das kleinste gemeinsame Vielfache der Einzelwillen ist.

Wenn man
das fair untereinander ausmacht und einen funktionierenden
Minderheitenschutz hat, kommt nach diesem System jeder „in
angemessener Weise“ (im Sinne der Allgemeinheit) zu möglichst
vielen Vorteilen. Und das ist ja schließlich das Ziel.

So funktioniert sicherlich unsere Gesellschaft seit jeher, Altruismus ist auch nur eine Form des Egoismus - und ein zumindest in Masse funktionierendes Gesellschaftssystem sichert auch die Pfründe der Priviligierten (ob zurecht oder unrecht ist eine müßige Diskussion).

Das führt mich zu dem Ausspuch:

Jedes [demokratisch regierte] Volk hat die Regierung, die es
verdient.

(Dieser Spruch ist nicht von mir, ich weiß aber auch den Autor
nicht)

noch ein wenig sarkastischer:
J.B. Shaw: Demokratie ist dasjenige System, das dafür sorgt, daß ein Volk keine bessere Regierung hat, als es verdient. (sinngemäß)

Wenn die Mehrheit zu dumm ist, so leben zu _wollen_, daß
langfristig ein lebenswertes Dasein möglich ist, oder zu dumm
ist, zu _erkennen_, wie man das möglich machen kann, dann wird
diese Gesellschaft sich eine zunehmend lebensunwerter Welt
gegenübersehen. Das ist nur blöd für die Minderheit derer, die
_glauben_, sie wüßten, was falsch läuft und noch mehr für die,
die außerdem _glauben_, sie wüßten sogar, wie man es besser
machen könnte.

Das ist die MEHRHEIT. Nur fürchte ich, daß die wenigsten davon WISSEN, wie man es besser machen könnte.

Obwohl ich glaube, daß eine Demokratie nicht das optimale
System ist (ja, ich denke, sie ist nicht mal ein „gutes“
System), ist sie doch noch das geringste Übel. Andere Systeme
sind bereits gescheitert oder haben zumindest mittelfristig zu
weniger „Wohlstand“ (nicht nur monetär gemeint!) geführt. Ob
das langfristig nicht gerade der entscheidende Faktor ist
(Wohlstand in Grenzen zu halten), kann ich nicht beurteilen -
das wird die Geschichte zeigen. Eine „Bildungs-Aristokratie“
oder „Weisen-Aristokratie“ halte ich für praktisch unmöglich.

Sowas war ja das Ziel des oben schon angeführten ursprünglichen Liberalismus - mit dem Ergebnis: Wirtschaftsliberalismus, Laissez-faire, letztlich Revolution und teilweise Marxismus/Kommunismus/Sozialismus (wohin der real geführt hat sieht man ja an den „blühenden Landschaften“ jenseits der Oder).

Zudem glaube ich, daß schlicht nicht absehbar bzw.
vorhersagbar ist, welche politischen Entscheidungen sich
mittel- oder langfristig als eher vorteilhaft oder nachteilig
erweisen werden.

Dann brauchen wir eigentlich gar keine Politik mehr und überlassen alles dem Zufall (Fatalanarchismus?)

Übrigends halte ich unser eigenes politisches System nicht für
demokratisch im o.g. Sinn. Eigentlich haben wir hier eine
Mischung aus parlamentarischer Aristokratie

Dann müßte der bundestag sowas wie das House Of Lords sein, das sehe ich aber nicht, kann sich doch jeder für bewerben.

wirtschaftlicher Diktatur mit höchstens demokratischen
Einflüssen.

Vielleicht weil der Großteil der Bevölkerung in eben dieser Konsumgesellschaft leben will, die nun einmal von wirtschaftlicher Dominanz geprägt ist (und imho dieser sogar bedarf).

Gruß
L.

Hallo,

Wenn die Mehrheit zu dumm ist, so leben zu _wollen_, daß
langfristig ein lebenswertes Dasein möglich ist, oder zu dumm
ist, zu _erkennen_, wie man das möglich machen kann, dann wird
diese Gesellschaft sich eine zunehmend lebensunwerter Welt
gegenübersehen. Das ist nur blöd für die Minderheit derer, die
_glauben_, sie wüßten, was falsch läuft und noch mehr für die,
die außerdem _glauben_, sie wüßten sogar, wie man es besser
machen könnte.

Das ist die MEHRHEIT. Nur fürchte ich, daß die wenigsten davon
WISSEN, wie man es besser machen könnte.

Ja, da hast Du sicher recht…

Zudem glaube ich, daß schlicht nicht absehbar bzw.
vorhersagbar ist, welche politischen Entscheidungen sich
mittel- oder langfristig als eher vorteilhaft oder nachteilig
erweisen werden.

Dann brauchen wir eigentlich gar keine Politik mehr und
überlassen alles dem Zufall (Fatalanarchismus?)

Nein, das sehe ich nicht so! Menschliche Gesellschaften brauchen eine „gesellschaftliche Führung“. Gruppen strukturieren sich automatisch in Hierarchien. Nicht mal, wenn man wollte, könnte man in tatsächlich anarchischen Verhältnissen leben. Es wird sich immer ein irgendwie geartetes System auskristallisieren, möglicherweise mit Organisationsstrukturen, die kleiner sind als die „Landesgrenzen“, aber das ist keine Bedingung für eine Anarchie.

Übrigends halte ich unser eigenes politisches System nicht für
demokratisch im o.g. Sinn. Eigentlich haben wir hier eine
Mischung aus parlamentarischer Aristokratie

Dann müßte der bundestag sowas wie das House Of Lords sein,
das sehe ich aber nicht, kann sich doch jeder für bewerben.

Vorweg: Aristokratie verstehe ich im Sinne Aristoteles. Aristokratie des Adels ist ein Sonderfall, auf den ich hier nicht angespielt habe! (weil du von „Lords“ sprichst).

De-facto ist der Bundestag ein „House of Lords“. Man kommt praktisch nur dann rein, wenn man sich schon als Schüler parteipolitisch engagiert, Politik, Jura oder Soziales studiert und die Behördenlaufbahn mitmacht. Klar, die Chance hat auch ein Quereinsteiger - aber die ist verschwindend gering. Was ich sagen will: Diejenigen, die dort ankommen, sind selektiert auf ganz bestimmte Fähigkeiten und gedrillt auf ein bestimmtes Verhalten und haben vom Leben außerhalb der Politik wenig direkte Erfahrung und oft auf keinen direkten Kontakt. Kurz: Der Durchschnitt der Politiker in höheren Ämtern ist nicht der Durchschnitt der Bevölkerung. Nicht mal ansatzweise. Einen Informationsfluß vom Volk zur Regierung kann ich auch nicht erkennen. Zwar werden Umfragen gemacht und es wird gewählt, aber mein Eindruck ist, daß die Ergebnisse sowieso im Sinne der Politiker interpretiert werden (bis auf wenige Ausnahmen sehr eindeutigen Ergebnissen).

Vielleicht weil der Großteil der Bevölkerung in eben dieser
Konsumgesellschaft leben will, die nun einmal von
wirtschaftlicher Dominanz geprägt ist (und imho dieser sogar
bedarf).

Bei diesen und ähnlichen Schlußfolgerungen muß man aber berücksichtigen, daß viele politische Entscheidungen - und Vorbereitungen! - der Machtmehrung und dem Machterhalt sowie der Prestige dienen, also ganz losgelöst von den eigentlichen demokratischen Zielen sind! Die Zusammenhänge sind sehr komplex und oft indirekt und so werden Strategien verfolgt, die nur den Anschein haben, an sich erstrebenswert zu sein. Als Beispiele könnte man durchaus die Energie- und Verkehrspolitik anführen. Auf der Ebene der Kommunalpolitik ist es vielleicht etwas einfacher: Wollen die Leute Supermärkte? Supermärkte werden gezielt angeworben, weil sie Arbeitsplätze schaffen (sollen!) und vor allem Geld in die kommunalen Kassen bringen sollen, womit die Regierung ihre Macht sichern und ausbauen kann. Das erreicht sie natürlich, indem sie den Wählern mit diesem Geld Wünsche erfüllt. Dann wird erzählt, daß es gut und toll ist, so viele Märkte und Angebote zu haben. Die Leute nehmen das Angebot an und gewöhnen sich daran. Der Tante-Emma-Laden um die Ecke wird „zu teuer“. Innenstädte sterben. Jetzt erst fällt den Leuten langsam auf, daß sie ein Stück Lebensqualität verloren haben - ersetzt durch ein stereotypes, industrielles „Einkaufserlebnis“, dem man sich zunehmend ausgeliefert sieht. Was wollen die Leute?

Die Leute wollen eigentlich Lebensqualität. So wird das Geschäft des Politikers, den Leuten solche Sachen als gesteigerte Lebensqualität zu verkaufen, was die Macht der Politikers stärkt. Diese Macht wird nicht nur durch die Wähler bestimmt, sondern auch durch ökonomische Interessen von immer größeren (und damit einflußreicheren) Konzernen. Die helfen bei der Werbung. Der volontaire general, gelenkt durch die Interessen weniger, ohne Mitsprachemöglichkeit vieler. Was wollen die Leute?

Den Leuten wird schon gesagt, was sie zu wollen haben.

Beste Grüße,
Jochen

Hi Rolf,
Wahl ist eigentlich nur Substitut, also zweite Möglichkeit und Alternative zum selbständigen Handeln, wozu Artikel 21 Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UN aufruft, was unmittelbar geltendes Recht in Deutschland ist, das nach Artikel 25 Grundgesetz
über deutschem (Wahl)Recht angesiedelt ist.
Die Mitwirkung an den öffentlichen Dingen ist darin abgesichertes Recht eines jeden Bürgers und er hat lediglich die Möglichkeit hierzu
(Partei)Vertreter zu wählen, die natürlich immer ihre (Partei)Interessen vertreten. Es ist demzufolge auch (Menschen)rechtlich die 2.Garnitur, die Vetretung, das Substitut etc., das vorne sitzt, sei es auf einem Rollstuhle, und uns Demokraten nervt.
Tschüß Chris

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Rolf !

Dies ist wie menschliche Demokratie in diesen Tagen funktioniert.

Die Demokratie ist eine schlechte Staatsform. Aber da wir Menschen, so hats zumindest den Anschein, fürs Zusammenleben einer Staatsform bedürfen: Nenn mir eine bessere !

Mal gesetzt den Fall, wir hätten eine Gruppe „idealer“ Menschen. Ideal in der Hinsicht, als dass ihnen das Wohl aller am Herzen liegt. In der Volkswirtschaft gibts dafür das Denkmodell (stammt aus der Entscheidungsfindung der Finanzwirtschaft) des „wohlwollenden Diktators“. Ich betone, das ist ein Denkmodell, aber beileibe nicht die Realität!
In der Realität finden sich verschiedenartigste Typen von Menschen und für diese Gegebenheit ist die Demokratie die günstigste Staatsform. Sollte Dir eine bessere einfallen, stehts Dir frei, sie zu nennen.

mfg Rolf

auch Grüße
Wolkenstein

hi,

die geschichte enthält einen fehler. die analogie ist unfair zu ungunsten der demokratie.

in dieser geschichte gibt es eine objektiv feststellbare wahrheit. daß der vermeintlich tote sich bewegt, ist eine sichtbare tatsache. deshalb scheint für den zuhörer einleuchtender das zu tun, das der diktator - im allgemeinbesitz der wahrheit - fordert.

in der politischen realität gibt es aber keine absolute wahrnehmbare wahrheit. der ausgang ist unbekannt. die konsequenzen der politischen entscheidungen sind nicht 100% vorauswißbar. es kann sein, daß es einen experten gibt, der das wohl des volkes vorausahnt und ein guter diktator sein kann, aber es kann auch sein, daß die entscheidung der mehrheit längerfristig gesehen die bessere ist. der punkt ist, wir wissen es nicht. also ist die fairste variante immer noch die, die mehrheit entscheiden zu lassen. und wems nicht paßt, der kann gehen. das wird prinzipiell unterschlagen: es ist auch inhalt der demokratie, daß man die gemeinschaft aus freiem willen verlassen kann.

ausgenommen aus diesem denkschema sind natürlich bereiche, in denen eine rasche expertenentscheidung nötig ist, und sich die entscheidung nur auf einen winzigen ausschnitt menschlicher realität bezieht. ob es der arzt ist, der eine entscheidung trifft, oder der oberbefehlshaber einer armee - diese systeme funktionieren prinzipiell diktatorisch und streng hierarchisch. anders wären sie nicht handlungsfähig. würde man jedesmal abstimmen, würden inzwischen menschen sterben.

gruß
datafox

.

Die Demokratie ist eine schlechte Staatsform. Aber da wir
Menschen, so hats zumindest den Anschein, fürs Zusammenleben
einer Staatsform bedürfen: Nenn mir eine bessere !

Vielleicht ist das Äußere einer Staatsform gar nicht so wichtig, vorausgesetzt natürlich, sie steht der Freiheit und Entwicklung des Einzelnen nicht im Wege.

Das Verhalten der Dorfbewohner scheint mir den Kern des Problems einer Gesellschaft zu treffen, da ja hier die ureigenen körperlichen Bedürfnisse angesprochen werden. Möchte sie sogar mit denjenigen, die wir vom Tierreich ererbt haben vergleichen (Das Gesetz des Rudels). Also der Wunsch nach Sicherheit, Geborgenheit ect. Das steckt uns allen in den Knochen und beeinflußt vielleicht unbewußt unsere Entscheidungen.

Somit wäre es vielleicht die Aufgabe éiner (zukünftigen) Gesellschaft, diese Sicherheiten zu gewähren (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit), um den negativen Effekt auszuweichen, der daraus entsteht.

mfg
Rolf

Hallo Rolf !

Dies ist wie menschliche Demokratie in diesen Tagen funktioniert.

Die Demokratie ist eine schlechte Staatsform. Aber da wir
Menschen, so hats zumindest den Anschein, fürs Zusammenleben
einer Staatsform bedürfen: Nenn mir eine bessere !

ja klar! Wir machen wolkenstein zum Häuptling und er kriegt jeden Tag Freibier. Wär das nicht was?
Dan kann wenigstens jeder machen, was vernünftig ist :smile:

Gruß
Frank

… der ich naturgegeben nun mal bin …
Schön´ Nachmittag, Frank !

ja klar! Wir machen wolkenstein zum Häuptling und er kriegt
jeden Tag Freibier. Wär das nicht was?

… nehm ich die Wahl an und verteil das Freibier unter all den anderen, die gern Bier wollen. Für Nicht-So-Gern-Bier-TrinkerInnen wird selbiger Gerstensaftanteil versilbert und in gewünschtes Getränk umgehend investiert. Also Prost, alle zusammen !

Dan kann wenigstens jeder machen, was vernünftig ist :smile:

Ja eben.

Gruß

einen sonnigen Häuptlingsgruß

Frank

Wolkenstein

P.S. Angesichts der aktuen Plaudertendenz dieses Postings schiel ich schon dauernd über meine Schulter, ob denn nicht der Harald ums Eck biegt :wink: und mich aus dem Brett scheucht. Hiermit entschwind ich wieder in die hemische Sonne im tiefblauen Bergland ! Nur wegen dem Sonnenbrand muss ich noch aufpassen *gg*.
@Harald: Sagst halt, obst Deinen Anteil an Franks Bier willst oder ob nach Verscherbelung Deines Bieranteils was anderes. :smile:

Hallo Thorshammer
Ich finde die Geschichte weder lustig noch intelleigent gemacht. Auf mich wirkt die so platt, die könnte glatt vom senilen Kishon sein.
Gruss, Branden

Die Stärke der Demokratie
HALLO Rolf,

Diese kleine Geschichte …

… find ich sehr platt und auch unrealistisch:
Sie setzt
a) Voraus, dass es nur einen Experten gibt, von dem alle abhängig sind
b) berücksichtigt keine Langzeiteffekte (wie soll man einem Experten in Zukunft vertrauern, wenn er einmal so offensichtlich irrt?)

Ich denke Demokratie mit freier Meinungsäusserung hat die Chance, dass kein Lösungsvorschlag per se unterdrückt wird. Ob der technisch optimale sich durchsetzt, ist natürlich die andere Frage. Wobei natürlich die Frage zu stellen ist, ob dies überhaupt anstrebenswert ist.
(Exkurs: Für das Rentenproblem gibt es sicher Lösungen, mit denen die Rentenauszahlung auf 0 gedrückt werden könnten, aber würden wir in so einer Gesellschaft leben wollen ?)

Welche Alternativen gibt es ?

  1. Diktatur: es existiert für jedes Problem jeweils genau 1 Lösungsansatz, andere alternative Lösungsansätze werden unterdrückt. Sind die gewählten Lösungsansätze gut, dann geht es, ansonsten ist es Müll. Problematisch für Diktaturen sind dabei neuee wissenschaftliche Erkenntnisse, entweder sie werden per se unterdrückt oder man hat das Problem, dass man ev. neue Schlussfolgerungen schlecht verkaufen kann, da Diktaturen ein geschlossnenes Weltbild mit Allerklärungsanspruch haben. Soll heissen, neue Lösungsansättze stellen blos, dass der Allerklärungsanspruch des Diktators bloss und untergraben ihn damit.

  2. Expertokratie:
    Kurzbeschreibung: Man wählt Experten aus, die die Probleme ohne jedes Eigeninteresse analysieren und die beste Lösung umsetzen.
    Dieses Modell impliziert, dass es für die Probleme dieser Welt (Treibhauseffekt, zukünftige Energieversorgung, Rentenproblem, Migration* etc. ppp.)
    a) eine eindeutige Beschreibung existiert (Wahl des Bezugssystem, gewähltes MOdell mit relevanten Einflussgrössen, Prognoseansatz etc.)
    b) auf Grund der Problem-Beschreibung und den zugänglichen Daten eine zu 100% sicher passende Lösung gibt.
    Der Eindruck, dass man die vg. sachen haben kann, wird von der Wissenschaft geduldet (partiell auch gefördert), weil dies der Leichteste (=B***-) Weg ist, um der Öffentlichkeit den Sinn von Wissenschaft zu vermitteln. Unsicherheiten etc. könnten ja da zu sehr
    verstören.

3.Ausprägungen der Demokratie
D. halte ich für das beste, was gibt (begründung s.oben)
Modifizieren würde ich am aktuellen System zwei Sachen:

  1. Trennen der Kompetenzen und Finanzierungsquellen zwischen Bund und Ländern und Gemeinden.
  2. Einführung eines Volksentscheiden für wichtige Fragen (gemessen an Wichtigkeit für Zukunft und/oder Finanzierungsvolumen, schweizer Modell)
    Begründung: Durch die trennung der Finanzquellen weiss der Bürger, wieviel er für die Leistungen seiner Gemeinde(z.B. Grundsteuer, Geindesteuer), seines Bundeslandes(z.B. Mehrwertsteuer, Lohnsteuer anteilig), des Landes (z.B Lohnsteuer anteilig) er abdrückt. Dadurch entsteht eine Rückkopplung, die die Menschen wohl nachdenken lässt, ob wirklich innerhalb von 10 Jahren 1200 EUR von seinem Geld für Eurofighter ausgegeben werden sollen. Oder ob ihm der Ausbau der Fernverkehrsstrasse wirklich 245 EUR (einmalig) wert ist…
    Wer meint, dass man auch bei solchen Investitiven Massnahmen keine Zeit für Spielchen solcher Art hat, dem sei auf Toll Collect verwiesen. Da sollte auch alles regierungsmässig schnell gehen und nun hat man halt auch Zeit…
    (Exkurs: hier wäre das Thema eines Volksentscheid die Systemfrage: Satellit oder nur erdgebunden gewesen, dabei denke ich, wäre auf die Risiken/Chancen der völligen Neuentwicklung eingegangen geworden und ob DaimlerChrysler öffentlich den ursprünglichen Zeitplan beschworen hätten, halte ich wg. der Gefahr für das Image [habe BMW- Werbung mit Schrempps Aussage vor den Augen: Wer Projekte so steuert, wie baut er dann Autos ?], auch nicht für wahrscheinlich. Das Ergebnis wäre ein vielleicht ein Jahr späterer Vertragsschluss und eine realistische Finanzplanung bis 2007 gewesen)
    Die Volksentscheide haben natürlich auch den Effekt, dases danach weniger Leute klugscheissern können.üWer nicht abgestimmt hat, hat sich selbst für neg. Meinungsäusserungen disqualifiziert, und wer nachweislich dagegen war hat vielleicht zu wenig (Geld, Zeit) für seine Meinung getan.
    Das Argument, dass dann ganz schnell Tor und Tür für populistische Anliegen geöffnet ist, möchte ich mit Verweis auf die Schweiz, wo diesbezügliche Fragen immer neg. beschieden worden sind, ablehnen (Quelle: http://www.admin.ch/ch/index.de.html, rechts Abschnitt Politische Rechte im Bund, Volksentscheide werden auch als ‚Initiativen‘ bezeichnet). Das Wegschliessungsgesetz, welches vor kurzem angenommen worden ist, würde auch in die aktuelle dt. indirekte Demokratie-Landschaft passen, ist also nicht wirklich ein Gegenbeispiel)

Tschuess Marco.

*wer für jedes genanntes Problem die 100% sichere Lösung kennt (mus nicht selbst erdacht sein), kann diese in den entsprechenden Brettern mal posten. Ich glaube kaum, dass man nicht zu jeder dort Lösung auch Expertenmeinungen (Wissenschaftler) findet, die genau diese Lösung in Frage stellen.