Die (Un-) Wörter des Jahres 2005

Moin-Moin!

Die GfdS (Gesellschaft für deutsche Sprache - http://www.gfds.de/presse.html) hat wieder 'mal gewählt:

Nach Bundeskanzlerin (Platz 1) und Wir sind Papst (Platz 2 - O-Titel der B-Zeitung) folgen u.a.

auf Platz 7: hoyzern
und Platz 8: suboptimal

Nett. Wirklich! - Nur: was ist „hoyzern“? Kann man jemanden „an-hoyzern“ oder muss man „hoyzern“, weil einem etwas unangenehm in die Nase gestiegen ist? Oder „hoyzert“ man auf der Straße, wenn man betrunken ist?
(Leider gibt die GfdS darüber dann keine Auskunft auf ihrer Website. Von eMail-Anfragen wird man z.Zt. wohl erst einmal absehen können, denke ich.)

Unter „suboptimal“ stelle ich mir hingegen so etwas wie „semipräzise“ oder „vorbestens“ vor. Liege ich da falsch?

Würde mich über Eure Meinungen / Antworten freuen. Denn, nur wer nicht fragt, …

CU DannyFox64 :smile:

Hallo, DannyFox,

Nur: was ist „hoyzern“? Kann man jemanden
„an-hoyzern“ oder muss man „hoyzern“, weil einem etwas
unangenehm in die Nase gestiegen ist? Oder „hoyzert“ man auf
der Straße, wenn man betrunken ist?

die Erklärung:

7. hoyzern (für betrügen, nach dem Schiedsrichterskandal und dessen Hauptakteur, dem für Manipulationen im Profi-Fußball verurteilten Berliner Robert Hoyzer)

http://www.welt.de/data/2005/12/16/818746.html

Gruß
Kreszenz

Hi DannyFox64,

hoyzern bezieht sich auf den Fußballschiedsrichter Hoyzer, der gegen Bares Spiele nach Wunsch ausgehen ließ. Wie das Verb nun zu verwenden wäre, weiß ich nicht so recht. Suboptimal ist seit etlichen Jahren im Gebrauch, allerdings nicht als nicht ganz optimal, sondern einfach als brunzdumm - so wie die Wortschöpfung halt auch.

Gruß Ralf

Hallo, Kreszenz!

die Erklärung:

7. hoyzern (für betrügen, nach dem Schiedsrichterskandal
und dessen Hauptakteur, dem für Manipulationen im
Profi-Fußball verurteilten Berliner Robert Hoyzer)

**Ah, jetzt ja! Eine… :smile:

Danke!**
Hatte halt die ganze Sache um die SchiRi-Skandale nicht so verfolgt.

CU DannyFox64

Hi Ralf!

hoyzern […] Suboptimal ist seit etlichen Jahren im Gebrauch,
allerdings nicht als nicht ganz optimal, sondern einfach
als brunzdumm - so wie die Wortschöpfung halt auch.

Ah, ja. Man weiss sich also in Kreisen auch gepflegt über schräckliche Dünge auszudrücken… *g*

Danke! Und CU
DannyFox64

Suboptimal ist
seit etlichen Jahren im Gebrauch, allerdings nicht als
nicht ganz optimal, sondern einfach als
brunzdumm - so wie die Wortschöpfung halt auch.

Moin!

Meines Wissens liegt der Ursprung von „suboptimal“ tatsächlich in der Wissenschaft, nämlich in der BWL. So hat beispielsweise Wöhe in seinem BWL-Standardwerk dieses Wort benutzt. Der Unternehmer strebt natürlich immer das Gewinnmaximum an. Jede Abweichung von diesem Optimum ist - vereinfacht gesagt - als suboptimal zu bezeichnen. Kann sein, dass einige Studenten sich darüber lustig gemacht haben und das Wort so in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen ist.

Viele Grüße,

Axel

Hallo

War das „Unwort“ nicht einmal etwas anderes? Ich dachte immer, es ginge statt um schlechtes Deutsch um moralisch zweifelhafte Begriffe, meistens um Wörter, die Menschenfeindlichkeit und Menschenverachtendes durchklingen lassen wie zb. Mitarbeiterabbau, Menschenmaterial und Kollateralschaden.

Hat sich das geändert?

Gruß
dataf0x

[ot] BWL und Sprache
Moin, Axel,

optimal lässt weder steigern noch - was ist eigentlich das Gegenteil von steigern? Nichts gegen den Herrn Wöhe, aber nicht optimal durch suboptimal zu ersetzen zeugt eher von mathematischer Lässigkeit denn von Verständnis.

In der quadratischen Optimierung wird unterschieden zwischen dem globalen Optimum und lokalen Optima, die immer schlechter sind als das globale und auf den ersten Blick vom globalen nicht unterschieden werden können. Deswegen sind die lokalen Optima aber keineswegs „suboptimal“.

Gruß Ralf

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Ohja, Ralf,

nach den Sportreportern hat wohl keine Berufsgruppe ähnlich aktiv und kreativ die Verhunzung der Sprache vorangetrieben wie die Wirtschaftswissenschaftler!

Gruß Fritz

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Hallo Fritz

das habe ich grade im Brett „empfehlenswerte Seiten“ gelesen. Da es
vom dortigen Poster nur kopiert ist, lehne ich jegliches „Leberwurst-
Gehabe“ ab :wink:

Wiedermal ein kostenloser Service von MS:
Die Serversoftwareanwendung Microsoft System Center Data Protection
Manager (DPM) ermöglicht Dateiservern in einer Active Directory-
Domäne den Schutz und die Wiederherstellung von auf Festplatten
gespeicherten Daten. Mithilfe von Replikation, Synchronisierung
sowie durch die Erstellung von Schattenkopien bietet DPM
Systemadministratoren und Benutzern zuverlässigen Schutz und
schnelle Wiederherstellung von Daten.

Mit dieser Sprache sichern sich Rechnerpfleger ihre Arbeitsplätze.

Gruss
Heinz

Hallo,

optimal lässt weder steigern noch - was ist eigentlich das
Gegenteil von steigern? Nichts gegen den Herrn Wöhe, aber
nicht optimal durch suboptimal zu ersetzen zeugt
eher von mathematischer Lässigkeit denn von Verständnis.

Nicht nur das! Ein Optimum kann ja auch ein Minimum sein, z.B. ist das Kosten optimum ein Kosten minimum. Und da wäre dann ein Suboptimum etwas ganz tolles: Etwas, dass noch unter den minimalen Kosten liegt!

Fazit: Suboptimal is völliger Unsinn, auch wenn Wöhe es benutzt.

Grüße,

Anwar

Nicht nur das! Ein Optimum kann ja auch ein Minimum sein, z.B.
ist das Kosten optimum ein Kosten minimum. Und da
wäre dann ein Suboptimum etwas ganz tolles: Etwas, dass noch
unter den minimalen Kosten liegt!

Daher bezeichnet man es ja auch als „Pessimum“ (wenn ein „Maximum“ gleich einem „Optimum“ wäre, bräuchte man wohl keine zwei Wörter dafür).
Allerdings hat dieses Wort keinen Eingang in die Umgangssprache gefunden.

Fazit: Suboptimal is völliger Unsinn, auch wenn Wöhe es
benutzt.

Ich halte „suboptimal“ für eine sehr gelungene Wortschöpfung, weil es genau das beschreibt, was es beschreiben soll.
Was will man mehr ?

mfg
Klaus

Hallo,

Nicht nur das! Ein Optimum kann ja auch ein Minimum sein, z.B.
ist das Kosten optimum ein Kosten minimum. Und da
wäre dann ein Suboptimum etwas ganz tolles: Etwas, dass noch
unter den minimalen Kosten liegt!

Daher bezeichnet man es ja auch als „Pessimum“ (wenn ein
„Maximum“ gleich einem „Optimum“ wäre, bräuchte man wohl keine
zwei Wörter dafür).
Allerdings hat dieses Wort keinen Eingang in die
Umgangssprache gefunden.

Ähm… ein „Pessimum“ ist das Gegenteil des Optimums. Ein Kostenminimum ist und bleibt das Kostenoptimum. Das Kostenpessimum ist ein Kostenmaximum. Es bleibt also dabei, „suboptimal“ ist Unsinn.

Fazit: Suboptimal is völliger Unsinn, auch wenn Wöhe es
benutzt.

Ich halte „suboptimal“ für eine sehr gelungene Wortschöpfung,
weil es genau das beschreibt, was es beschreiben soll.
Was will man mehr ?

Das Leute die Fremdwörter benutzen wissen, was sie bedeuten. Die richtige Bezeichnung für „suboptimal“ ist „nicht-optimal“ oder meinetwegen „unoptimal“ oder „nonoptimal“.

Grüße,

Anwar

Servus datafOx,
Du hast schon recht, nur - wer macht sonst auf die Verachtung der Leser und Medienkonsumenten aufmerksam, auf die man täglich stößt? Verachtung, indem man den Lesern eine faulige Wort’plörre’ vorsetzt, weil man sich nicht anstrengen will. ‚Hoyzern‘ ist dafür eher ein schlechtes Beispiel. Hier war wohl mehr ein Unhold als ein Unwort zu geißeln. Man hätte auch ‚Schrödern‘ (Pipeline) sagen können.

Irgendjemand muß schon dazuhelfen, daß wir empfindlich bleiben, wenn Sprache versaubeutelt wird. Beispiel: Irgendwann hat mal ein Wirtschaftssjournalist von Geld gesprochen, das ‚in die Kasse gespült‘ wird. Zweifelsohne ein einprägsames Bild. Heute kann man über rasche Geldansammlungen anscheinend nicht mehr schreiben, ohne diese Metapher zu verwenden. Folge: 5750 ‚Google‘ Fundstellen heute mittag. Trittbrettfahrer, Afterjournalisten, Unwortproduzenten!
Wenn ich schon bei ‚Kassen‘-Metaphern bin. Die ‚wohlgefüllte‘, oder nur ‚gefüllte Kriegskasse‘ bei Unternehmen, die ein anderes kaufen wollen, findet sich jetzt auch schon zusammen 2547 mal.

Da ist es mir dann schon recht, wenn gelegentlich die ‚Öffentlichkeit hergestellt‘ wird, für diesen täglichen lauwarmen Strom von sprachlicher Pferdepisse.
Kai

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Aber jadoch!

Mit dieser Sprache sichern sich Rechnerpfleger ihre Arbeitsplätze.

Die habe ich bloß zu nennen vergessen! Gehören aber mit dazu, wie Werbetexter, Telefondesinfizierer, Kunstkritiker und Immobilienmakler!
Ganz Golgafrincham eben!

Gruß Fritz

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Hi Kai,

Lese ich aus deinem Posting korrekt heraus, dass du etwas an „wohlgefüllter Kasse“ zu mäkeln hast? Wenn ja, wüsste ich zu gerne, was, denn ich kann darin beim besten Willen nichts falsches erkennen. Wenn ein Bauch wohlgefüllt sein kann, kann es eine Kasse ja wohl auch sein.

Gruß,

  • André

Das Leute die Fremdwörter benutzen wissen, was sie bedeuten.
Die richtige Bezeichnung für „suboptimal“ ist „nicht-optimal“
oder meinetwegen „unoptimal“ oder „nonoptimal“.

deine vorschläge meinen alles außer dem optimum… also von 0 bis 99%. suboptimal ist knapp drunter und damit relativ eindeutig, außer wenn es ironisch eingesetzt wird und tatsächlich ein pessimum meint.

etwas an „wohlgefüllter Kasse“ zu mäkeln hast?

Hallo, André,
ich glaube nicht, dass Kai etwas gegen eine wohlgefüllte Kasse einzuwenden hat.

Was ihn wohl, ebenso wie mich, daran stört ist das Stereotyp. Wenn immer nur und ausschließlich von „wohlgefüllter Kasse“ die Rede ist und den verehrlichen Journalisten nicht gelegentlich auch einmal die „randvolle“, „gut bestückte“, „wohl versehene“, „reich gefüllte“ Kasse als alternative Wendung einfällt, dann ist es mit der Kreativität eben nicht mehr allzu weit her.

Gruß
Eckard

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Servus Anfré,
den ersten Teil der Antwort übernehme ich dankbar von Eckard, der andere bezieht sich auf die ‚Kriegskasse‘, die halt auch nur ein- oder zweimal originell wirkt.
Kai

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

dann ist es mit der Kreativität eben nicht
mehr allzu weit her.

Wenn irgendein Unglück passiert, dann wird nie intensiv nach Überlebenden gesucht, oder gründlich oder mit vollem Einsatz, sondern immer fieberhaft.

Gruß
dataf0x