Hallo!
Bin momentan sehr verzweifelt und hoffe, bis zum Wochenende den richtigen Impuls erhalten zu haben, denn dann sehe ich ihn wieder. Ihn, das ist ein Mann, in den ich mich verlieben könnte und bei dem ich auf dem besten Weg bin, alles im Vorfeld zu zerstören. Mir dessen bewusst heule ich mir momentan die Augen aus. Aber von vorne…
Aufgrund meiner eher unschönen Kindheitserlebnisse (fehlendes Urvertrauen u.s.w.) ist es mir bislang in meinem Leben nicht gelungen, eine „richtige“ Liebesbeziehung einzugehen. Das heißt, dass meine Beziehungen immer nur kurz währten (max. drei Jahre), und ich mich nie richtig auf meinen Gegenüber eingelassen habe. Irgendwo hat es immer gefehlt, entweder am Gefühl, oder es war rein platonisch oder nur Sex… Habe mich in der Regel mit großer Treffsicherheit entweder in Männer verliebt, die in einer festen Beziehung standen oder in welche, die sich beziehungsunfähig nannten oder… jedenfalls war immer „ein Haken an der Sache“. Das wurde mir zwar währenddessen klar, dass ´irgendwas` nicht stimmt, der Gedanke war jedoch genauso schnell wieder vergessen, wie er mir ins Bewusstsein kam. Vor über zwei Jahren ist mir dann endlich mal der Groschen gefallen, das heißt, das Wissen fiel vom Kopf in den Bauch und ermöglichte mir, an meinen Strukturen zu arbeiten.
Habe mein Vertrauen in die Homöopathie und die Therapie gesetzt und dachte, ich sei nun endlich an dem Punkt, mich einlassen zu können, es fehlt nur noch der Mann dazu…
Das zur Vorgeschichte.
Letzten Mittwoch war ich tanzen und ließ mich abschleppen von einem Mann, den ich vom „hallo“-sagen kenne. Ein Mann, der weder beziehungsunfähig ist, noch in einer festen Beziehung, zudem sehr auf mich steht… kurzum, alle bisherigen Kriterien nicht erfüllt… Hatte bereits in dem Moment, in dem wir gemeinsam gingen, Angst vor der Liebe, war verzweifelt, weinte mich in seinen Armen aus und ließ mich von ihm trösten. (Poh, war das schön! Jemand, der nicht wegläuft, obwohl ich ihn mit all meinem Schmerz überhäufe, wenn auch nonverbal!)
Inzwischen haben wir uns drei mal gesehen. Dann, wenn ich unverkrampft war, war es einfach wunderschön! Der Mann ist so lieb zu mir, steht auf mich, der Sex ist super, theoretisch wäre alles schön, theoretisch würde man sich kennenlernen und schauen, was daraus wird, theoretisch…
Ich bin jemand, der seinen Gegenüber in der Regel mit seinen Gedanken und Gefühlen überfällt. Insbesondere mein „Drama“ ist jedoch nicht unbedingt ein Thema, was einen Mann dahingehend bewegt, sich näher einlassen zu wollen oder gar verlieben zu wollen… Deshalb habe ich mir vorgenommen, meinen Mund zu halten und all meine Gefühle und Gedanken für mich zu behalten. Was dann raus kam, war folgendes:
Er erzählt mir irgendwas, ich sitze da und schweige, bin verschlossen und abweisend. In meinem Kopf formieren sich unendliche Gedanken, warum ich diesen Mann niemals lieben können werde (er ist zu dies und zu jenes…zu hässlich, zu überzeugt von sich…zu…- und dies, obwohl ich noch nicht mal mal den Schritt gegangen bin, ihn überhaupt kennenzulernen.)
Das ist mir so alles klar: dass man erst mal seinen Gegenüber kennenlernen sollte und dass man dann schaut, was ist.
Aber ich verbaue alles bereits im Vorfeld: Alles, was er sagt, wird auf die Goldwaage gelegt und verurteilt. Alles, was ich sage, ist nur wertend und verurteilend (obwohl ich unter anderen Umständen eine sehr geschätzte Gesprächspartnerin sein kann), statt lustig, charmant, nett, mitfühlend, aufgeschlossen, bin überhaupt nicht erreichbar und sitze nur schweigend starrend da und verachte ihn. Kaum ist er weg, vermisse ich ihn. In der Selbstanalyse ist mein Verhalten nichts anderes als ein typischer Abwehrmechanismus…
Er ist einfacher gestrickt, kommt aus einer heilen Familie.
Wird er es denn überhaupt ansatzweise nachvollziehen können, wenn ich ihm von meinen Ängsten erzähle? Die Erfahrung aus meinem Freundeskreis ist die, dass ich stets auf Unverständnis treffe mit meiner Angst, mit Ausnahme derer, die ein ähnliches Erleben hatten, und sie sagt mir, dass er wahrscheinlich noch nicht mal ein Ansatz einer Vorstellung haben wird…
Was soll ich tun? Bislang hat er mein Verhalten geduldet, wauh! Aber lange wird er das nicht mehr mitmachen. Soll ich ihm meine Ängste schildern, obwohl ich sie selbst nicht genau formulieren kann? Soll ich sagen: Ich habe Angst vor der Liebe und die einzige Chance, die ich habe, diese Angst loszuwerden, ist, von jemandem geliebt zu werden, der bereit ist, mich durch „dieses Dunkel“ hindurch zu halten und zu tragen? Würde da nicht jeder wegrennen??
Oder soll ich es von vorneherein aufgeben? Weiter an mir arbeiten, bis ich eines Tages denke, fähig zu sein, eine Beziehung einzugehen? (Obwohl ich das ja diesmal bereits dachte)
Was ich möchte?: Ich möchte ihm nonverbal vermitteln: Mann, ich könnte mir vorstellen, mich in dich zu verlieben, aber ich brauche viel Zeit und Vertrauen und den Glauben deinerseits an mich, dass ich nicht dieses Schrabnell bin, das sich momentan dir präsentiert.
Bitte kommt mir nicht mit verbalen Ratschlägen, mein Hals ist in seiner Anwesenheit wie zugeschnürt.
Kommt mir bitte auch nicht mit Ratschlägen wie Therapie. Ich weiß, dass das wieder nötig wäre. Aber ich möchte diesen Mann (zumindest kennenlernen!!) und brauche eine kurzfristige Lösung, mit der Situation umgehen zu können.
Freue mich sehr über Ratschläge,
liebe Grüße,
jeanne
