Hallo,
die Zusammenhänge und Ursachen der Wende waren sicher sehr
vielfältig und kompliziert.
Ich meine aber, daß Glasnost in der Sowjetunion nicht
die Ursache der Wende war, sondern nur eine Randbedingung
dafür, daß es so glimflich und reibungslos abgelaufen konnte.
Wäre in der SU ein Mann wie Breschjew an der Macht gewesen,
hätte man jeden Versuch einer Wende in jedem soz.
Nachbarland unmittelbar im Keime erstickt.
Als absolut am höchsten priorisierte Ursache für die Wende
sehe ich den totalen Niedergang der soz. Volkswirtschaften.
Auch wenn es viele Leute heute noch nicht wahrhaben wollen,
die Wirtschaft in der DDR (wie auch in den anderen soz.
Staaten) stand vor dem Zusammenbruch. Die Betriebe waren
ja deshalb nach der Wende max. noch 1 D-Mark wert.
Es wurden seit Jahren von den Diletanten im Politbüro
ökonomische Schildbürgerstreiche am Band verzapft.
Das brachte letztendlich eine ständig größer werdende
Kluft zwischen West und Ost. Jede D-Mark wurde extrem
teuer mit zunehmend größer werdenden Aufwand erkauft.
Im Land gab es kaum noch gesunde Betriebe.
Im Gegensatz dazu wurde jedem bürger absolute soziale
Sicherheit versprochen, die man über kurz oder lang nicht
mehr hätte gewährleisten können.
In Folge dieser Verhältnisse entstand dann natürlich
der beschriebene Zustand (die Leute wurden zunehmend
unzufriedener, weil nichts mehr vorwärts ging aber ständig
alles mit rosaroter brille schöngeredet wurde).
Wäre in der DDR ein annähernd vergleichbarer Wohlstand
wie im westl. Nachbarland gewesen, hätten die Leute
nicht abhauen brauchen und das fehlen diverse Freiheiten
hätten kaum jemanden ersthaft auf die Straße getrieben.
Gruß Uwi
Ein Denkanstoss von mir für das Gesamtkonzept.
Die Ursache der Wende in der DDR war die Wende
in der Sowjetunion, die sich mit dem aufeinnader-
folgenden Tod 3er sowjetischer Staatsoberhäupter
ankündigte (Breschnew, Tschernenko, Andropow).
Der darauf folgende Herrscher versuchte die SU
auf einem anderen Weg aus der wirtschaftlichen
und politischen Katastrophe zu führen, in das
die Wettrüstungspolitik eines Reagan und die
US-Unterstützung der Taliban in Afghanistan die
SU führte. Der Name dieses Mannes ist …
Alles andere sind afaik nur Folgen. Die Wende in
Ungarn, die Wende in der DDR sind die ‚spinoffs‘
der sowjetischen Wende. Das „grosse Experiment“
war zu Ende. Einige Strudel halten sich bis heute.
Beispiel unter vielen:
http://www.kokhavivpublications.com/kuckuck/review/b…
1991
berichtete mir Shewardnadze (unter
Gorbatschow Moskaus Außenminister, Anm.d.Red.),
daß es im Dezember/Januar 1989/1990 in der sowjetischen
Führung Diskussionen gegeben habe, ob die Sowjetunion in
der DDR militärisch intervenieren solle. Falin, ZK-Sekretär,
solle dafür gewesen sein. Er bestreitet das. Gorbatschow
und Shewardnadze hätten ein solches Ansinnen abgelehnt.
Was wäre in einem solchen Fall geschehen? Im Westen wäre
niemand darauf vorbereitet gewesen.
http://www.bpb.de/publikationen/8GT3DA,1,0,Memoiren_…
Als
im Kreml die Stimmung längst umgeschlagen war,
hofften die DDR-Geheimdienstler in Ostberlin noch immer
auf das Wunder aus Moskau: „Wir glauben unerschütterlich
an den Einfluss und die Kräfte der UdSSR. Sie wird die
DDR niemals aufgeben“
Nur so am Rande.
Grüße
CMБ