Die Zähne meiner Freundin

Hallo Experten,

ich habe da folgendes Problem:
Meine Freundin (28) war seit min. 10 Jahren nicht mehr beim Zahnarzt.
Damals hatte sie eine OP am Kopf, und seit dem haben ihre Zähne sehr gelitten.

Die Zahnreihe unten sieht relativ normal aus, aber die obere kann man nur noch als Ruine bezeichnen.
Mindestens jeder zweite Zahn fehlt dort, und die, die noch da sind, sind teilweise an- oder abgebrochen.
Als Laie würde ich sagen: Totalausfall.

Leider hat sie panische Angst davor, zum Zahnarzt zu gehen und reagiert - so erzählten mir Freunde - sehr allergisch, wenn man sie drauf anspricht.
Sie selbst redet natürlich auch nicht drüber und versucht, dies vor mir zu verheimlichen, obwohl wir schon zwei Jahre zusammen sind. Sie schämt sich wohl sehr.

Natürlich sehe ich aber, daß sie darunter leidet. Nicht nur, daß sie Schmerzen hat (was ich per Zufall herausgefunden habe),
sondern schlimm ist, daß sie sich nicht traut, deutlich zu sprechen oder zu auch befreit zu lachen.

Ich möchte ihr gern helfen, weiß aber nicht wie.
Vielleicht könnt Ihr mir einen Rat auf meine beiden Fragen geben:

  • Was wird der Zahnarzt in diesem Fall wohl tun? Die restlichen Zähne ziehen und eine Prothese einsetzen?
    Implantate oder Brücken? Vor allem, wenn die übrig gebliebenen Zähne auch nicht i.O. sind.
    Und: was kommt dort an Kosten auf einen zu?

  • Wie kann ich ihr helfen, die Angst vorm Zahnarzt zu überwinden, damit sie überhaupt einmal hingeht?

Vielen Dank für Eure Hilfe.
Christian

Hallo Christian,

also, dass Deine Freundin zum Zahnarzt muss, da sind wir uns ja einig. Ihr seid ja schon eine ganze Weile zusammen, daher kennst Du sie ja ganz gut, oder? Du wirst abschätzen müssen, ob Du ihr direkt sagst, dass sie zum Zahnarzt gehen soll, oder ob sie vielleicht besser reagiert, wenn Du sie mit zu Deinem eigenen Termin nimmst und ihr anbietest, sie könne sich doch zur gleichen Zeit auch einen Termin machen.

Du wirst auch darauf eingehen müssen, dass sie sich schämt und es wird sehr wichtig sein, ihr klar zu machen, dass Du sie nicht verlassen wirst oder nicht mehr liebst. Im Gegenteil, Du solltest ihr schon nahe bringen, dass sie Dir wegen der Schmerzen durchaus leid tut und Du Dir Sorgen um sie machst, mal ganz abgesehen von der Schönheit.

Ich kann Dir nicht sagen, was der Zahnarzt machen wird. Es wird insbesondere davon abhängen, inwieweit der Kiefer bereits angegriffen ist und was tatsächlich davon übrig ist. Letztlich wird es auch eine Kostenfrage sein, die mit der Krankenkasse abzusprechen ist. Da Deine Freundin allerdings seit 10 Jahren nicht mehr beim Zahnarzt war, kann es gut sein, dass die Krankenkasse ein wenig uneinsichtig sein wird, da bei manchen Verträgen ja der jährliche Gang zum Dentisten vorgeschrieben ist, um im Fall der Fälle auch entsprechende Leistungen zu bekommen.

Sie sollte sich immer mehrere Angebote machen lassen und sich auch danach erkundigen, mit welchem Zahntechnikerlabor der Zahnarzt zusammenarbeitet. Aber soweit sind „wir“ noch gar nicht, denn es gilt jetzt erst einmal, eine Bestandsaufnahme zu machen.

Vielleicht hat sie - wie ich - auch nur panische Angst vor den Spritzen oder vor einer ganz bestimmten Untersuchung, auch das sollte im Vorfeld geklärt werden. Vielleicht hilft ihr auch ein Zahnarzt, der anstelle von Spritzen Hypnose oder andere alternative Schmerzstillungsmethoden einsetzt.

Rede mit ihr, versuche ihr zu zeigen, dass Du sie liebst und dass Du Dir Sorgen machst und Dich nicht von ihr abwenden wirst.

Gruß,

Claudia

Hallo Christian:

Dass es bisweilen zu Ruinen-Romantik kommen kann, habe ich schon gesehen. Es sollte aber in einer aufgeklärten Zeit vermeidbar sein.
Zahn-Ruinen stellen einen beträchtlichen Infektionsherd dar, der nicht nur lokal Schmerzen verursacht (mir bleibt immer ein Rätsel, wie jemand andauerndes Zahnweh dem kontrollierten kurzen Schmerz beim Zahnarzt vorziehen kann!) … sondern auch Keime über die Blutbahn ausstreut.
Hier sind besonders die Herzklappen gefährdet, die durch bakterielle Zerstörung löcherig werden, was nach einiger Zeit zu einer gröberen Herzoperation (Klappenersatz) führen kann. Aber auch der Bewegungsapparat ist durch chronische Keimbelastung gefährdet.
Insgesamt ist hier keine behutsame Frage am Platz, sondern - ich sage es ungern, aber es ist so: radikales Eingreifen.

Immerhin können die Karies-Keime ja auch auf andere Menschen übertragen werden und wieder Karies hervorrufen.

Die Ästhetik wurde schon angesprochen, die ist aber im Grunde zweitrangig.

Bis jetzt zahlen die Kassen alle Eingriffe, die eine Beseitigung einer gesundheitsgefährdung zum Ziel haben, anstandslos.
Allerdings werden in der Prothetik eher die Kosten für jeweils billigere Varianten übernommen, also Prothese statt Implantate, Amalgam-Füllung statt Überkronung, etc.

Zuletzt ein schlechter aber passender Witz, der vielleicht zum Umdenken und Handeln führt:

Sagt ein Freund zum anderen: Hast Du eine Brücke?
Sagt der andere: Ja, woher weißt Du das?
Sagt der erste: Das riecht man: Jemand hat dir wohl hinter den Pfeiler gekackt.

Gruß,
Volkmar

Habe gehört das es da Zahnärzte gibt die unter HYPNOSE Zähne vollkommen schmerzfrei behandeln können. Zudem ist mir bekannt, daß eine Spritze gibt, deren Einstich man absolut nicht spürt. Also ANGST vor dem Schmerz beim Zahnarzt ist nicht unbedingt nötig. Was das Ganze kostet, weiß ich natürlich nicht.

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Angst
Ich hatte jahrelang echte Panik vor Zahnarzt, hab miese Erfahrungen in meiner Kindheit gemacht und danach nur im absoluten Notfall (Schmerzen) einen solchen konsultiert. Ich musste für mich herausfinden, dass ich auch Ansprüche stellen darf (z. B. schmerzfreie Behandlung) und das es Kriterien gibt, nach denen ich eine Praxis aussuchen kann (moderne Ausstattung). Ein weiteres Kriterium ist, dass ich vorher wissen will, was passiert (Behandlungsplan) und vorallem, dass ich nicht für jeden einzelnen Zahn einen extra-Termin haben will; soll ja möglichst schnell vorbei sein. War ein langer Weg, bis ich meine Erinnerungen an ehemals miese Erfahrungen durch gute ersetzen konnte, aber Schritt für Schritt ging es und wurde immer leichter. Wirklich fies finde ich nachwievor dieses Zahnstein entfernen, aber die 10 Minuten alle halbe Jahre halte ich schon aus.

Vielleicht ist eine Möglichkeit, dass du zum Zahnarzt gehst und deine Freundin bittest, dich zu begleiten. Es sei denn, du bist bekannterweise garnicht ängstlich :wink:

Zahnarztangst
Hallo Christian,

mir ging es vor einigen Jahren ähnlich wie Deiner Freundin. Und ich muss sagen: Der erste Schritt ist der schwerste. Es geht nämlich nicht unbedingt darum, dass eine Behandlung Schmerzen verursacht. Vielmehr geht es darum, dass man sich schämt. Das hast Du ja auch schon bei Deiner Freundin beobachtet. Ist erstmal die Scham überwunden, geht der Rest wie von selber. Ich schilder Dir mal, wie ich damals das Problem gelöst habe. Ich war gerade umgezogen und musste auf dem Weg zur Uni jeden Tag zweimal an eienr Zahnarztpraxis vorbei. Eines Tages hab ich mir ein Herz gefasst und bin reingegangen und habe einen Termin gemacht. Zu dem bin ich auch hingegangen. Als dann die Zahnärztin reinkam und sich vorgestellt hat, habe ich ihr sofort gesagt, dass ich einige Jahre nnicht beim Zahnarzt war, weil ich Zahnarztangst habe. „Na dann ist es aber umso bewundernswerter, dass Sie sich heute hergewagt haben“, sagte sie. Mensch, war ich froh. Wo ich doch dachte, es gibt einen Riesenanschiß. Die Zahnärztin hat an diesem ersten Termin nichts gemacht, sie hat sich mein Gebiß nur gründlich angeschaut. Dann durfte ich wieder gehen und bekam einen neuen Termin. Insgesamt hat es nur vier Sitzungen gebraucht, bis alles wieder heil war. Du siehst, es geht schon irgendwie! Ich würde Deiner Freundin auf jeden Fall raten, zum Zahnarzt zu gehen und dort sofort zu sagen, dass sie Angst hat. Jeder Zahnarzt kennt dieses Problem und wird darauf eingehen. Zahnärzte sind ja keine Monster! Dann würde ich dem Zahnarzt vorschlagen, dass er bei diesem ersten Termin zunächst mal nichts macht. Eventuell kann man das ja schon vorab telefonisch vereinbaren. Dann muss Deine Freundin keine Angst haben, dass sofort irgendwas Schmerzhaftes gemacht wird. Dann ist wenigstens ein Anfang gemacht. Denn wie hier ja schon beschrieben wurde, sind kaputte Zähne auf Dauer eine Infektionsquelle für den gesamten Körper. Und unschön obendrein. Ist doch schlimm, wenn man nicht mehr richtig lachen kann.

Ich wünsche gutes Gelingen! Packt es einfach an.

Beste Grüsse
Anna

Hallo Christian,

ich habe auch ganz schön Angst vor dem ZA gehabt und mir waren die Zahnschmerzen auch lieber als das Sanieren. Warum auch immer?

Ich hatte dann meinen Freund als halt und bin erst zu einem ZA für Angstpatienten gegangen. OK, wir hatten nicht die gleiche Wellenlänge, aber die erste große Angst und die ersten Zahnschmerzen hat er reduzieren können.

Anschließend bin ich durch Mundpropaganda auf meinen jetzigen gestoßen und hatte wirklich noch Angst und viele viele Sitzungen (10 in einem Monat war mein Rekord), insgesamt hat es knapp 8 Monate gedauert - inklusive Kieferchirurgie - Wurzelspitzenresektion in Vollnarkose, die Schmerzen anschließend sind zwar gemein, aber anders als Zahnschmerz, ich habe den „WUndschmerz“ fast gern gehabt :smile: Man konnte damit wieder schlafen :smile:

Ich habe jetzt ein herausnehmbares Teil und auch wenn es nicht so gut ist wie die eigenen echten Zähne - ich kann wieder beissen, essen, reden und lachen und habe auch keine Schmerzen mehr und auch keine Entzündungen . Mal eben was vom Fußboden aufheben (also Kopfüber) oder auch Treppensteigen, Fahrradfahren bereitet keine dumpfen oder stechenden Schmerzen mehr im Kiefer

Versuchs: Termin für sie machen und mit hingehen. Und ein Stofftier zum knautschen mitnehmen. Ich war nachher schon die „Schneckenfrau“ :smile: Weil meine Stoffschnecke immer mit war.

Im Beisein eines anderen wird sich der ZA vielleicht hüten zu sagen „na, so lange nicht, schämen sie sich“ - ist schon bei mir vorgekommen, da war nich nicht wieder. Einfach sagen was das denn soll und dann gehen und zum nächsten. Die müssen auch wissen, daß sie leicht daneben waren. Meiner Meinung nach. Besonders wenn sie wissen daß es Angstpatienten sind. Unbedingt sagen am Telefon!.

Sorry für so einen langen Text aber ich drück die Daumen und daß sie wieder lachen mag! Und essen! Alles ohne Angst!!!

Sie kann mir gerne mailen, wenn sie möchte.

Ihr seid nicht grad aus dem Berliner Raum?

Lieben Gruß

SIlvia

Danke…
…schön für eure Antworten, vor allem Silvia (Stern dafür).

Ich werde es behutsam bei ihr ansprechen und ihr vorschlagen, einen Termin für sie zu machen und mit ihr hinzugehen.
Alles weitere wird sich zeigen.

THX again
Christian