Die zerstörung von paris

Hallo,

ich sitze hier und arbeite an einem projekt von mir. Und da stellt sich mir die allgemeine Frage, ob Napoleon der III, als er Paris damals umgestalten lies, mehr zerstörte oder mehr Erschuf. War Baron Hausmann nun der Vernichter alter, schöner Bauwerke oder war er ein Visionär, der die Stadt, neuer schöner und moderner machte?

Was meint ihr???

Da gabs noch zwei Psychopaten, die ihre Hauptstädte auch umgestaltet haben, um sie danach neu aufzubauen: Nero und Hitler. Und ich würde keinen von beiden auch nur ansatzweise Visionär nennen.

Gruß Andreas

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Hallo,

das ist Ansichtssache, wie so vieles. Manche sagen „das alte Paris wurde ermordet“, was wohl heisst, dass da viel schönes vernichtet wurde.
Die meisten Heutigen finden das Pariser Stadtbild als eines der schönsten geschlossenen, das man findet.

Gruss
Laika

Servus Andreas,

das interessiert mich jetzt: Ist bekannt, ob und welche Pläne Nero für den Wiederaufbau hatte? Und wurde in Berlin unabhängig von den alliierten Bombardements etwas abgetragen, um Speers Idealplan zu verwirklichen?

Und vor allem: Kennst Du die Teile von Paris, die Haussmann geplant hat? Sie kommen mir gar nicht so sehr arg psychopathisch vor.

Neugierig

MM

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Servus Nadine
leider kann ich Dir darauf keine Antwort geben
Ich bin gerade in Bratislava ich kann es nur jedem empfehlen
Wunderschoen diese Altstadt
Allerdings wurde auch hier waehrend der kommunistischen Aera viel zerstoert So wurde eine Schnellstrasse mitten durch die Altstadt gebaut Eine Synagoge und viele andere wertvolle Bauten mussten ihr weichen Was von ihr blieb ein Bild auf einer Mauer sozusagen eine Klagemauer traurig trotyem was von der Altstadt uebrigblieb ist wirklich sehenswert
Servus
Herbert
PS Satzzeichen fehlen da ich noch nicht mit der slowakischen Tastatur vertraut bin und umstellen sich fuer einen Artikel nicht auszahlt

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Beides ist richtig. Zerstört wurde die mittelalterliche Bebauung auf der Ile de la Cité und die vielen kleinen Arbeiterwohnviertel in den Faubourgs. Entstanden sind die Boulevards, die Avenuen, die einheitlichen klassizistischen Gebäude, aber auch die großen Parks und Gründanlagen.

Was ist schöner? Das ist freilich Geschmacksache, aber Paris wäre ohne Napoleon III und Baron Haussmann nicht in dem Maße einmalig, wie es heute ist.

Allerdings waren ästhetische Gesichtspunkte nur ein Aspekt der Umgestaltung der Stadt.
Eine wesentliche Intention war die bessere Kontrollmöglichkeit von Revolten und Aufständen, durch ungehinderte Truppenbewegungen auf den breiten Straßen.
Weiters wurde Paris mit einer flächendeckenden Wasserversorgung und Kanalisation ausgestattet.

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Immer noch habe ich keine Antwort ueber Paris,
aber mir ist einiges ueber 2 Staedte in Oesterreich eingefallen.
In Wien hat es die Ausstellung „die Stadt, die niemals war“ gegeben. Hier wurden viele Bilder von einem vergangenen Wien gezeigt.
Vor allem die Schleifung der Stadtmauer so in den 1860er Jahren war fuer viele Wiener eine Katastrophe. Das wurde in vielen Zeitungen dokumentiert. Und das obwohl das alte Kaiserreich ja eine Diktatur war. Viel ging damals verloren, nur mehr kleine Reste der Stadtmauer sind noch uebrig. Vor allem das Kaertnertor (heute Ecke Kaertnerstrasse, Walfischgasse) muss sehr imposant gewesen sein. In den Stationen UBahnStationen Stubentor und Schwedenplatz kann man noch Bilder von der Stadtmauer sehen. Gut, in der zweiten Haelfte des 19. Jahrh. wurde dort wo die Mauer war die Ringstrasse mit allen ihren Prachtbauten erbaut. Schoen im Stil des 19. Jahrhunderts viel Platz um die Bauten wuerdigen zu koennen. Ich glaube, das ist ein guter Ersatz. Aber auch viele Synagogen und andere wertvolle Bauten wurden waehrend des Naziwahnsinnes zerstoert. Nur mehr eine alte Synagoge ist noch uebrig.

Ebenso in Eisenstadt wurde das alte Judenviertel waehrend des Naziterrors geschliffen. Zeitgenossen schilderten sie als fremd, wunderschoen und interessant. Schade.

Servus
Herbert

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Hallo Nadine,

wenn man mal das Urteil der Nach- und Mitwelt heranziehen will:

Ich finds ganz interessant, wie noch lange Zeit nach der Haussmannschen Stadt(teil)erneuerung deren Prinzipien unangefochten den Städtebau beherrschten. Man wird in Europa kaum eine Stadt finden, die nicht noch über eine Generation später, in der Epoche 1870-1910, eine Neustadt à la Haussmann bekommen hat. Freilich in der Regel auf der grünen Wiese von Null hochgezogen.

Eine ähnlich weite und lange Ausstrahlung hat meines Erachtens im europäischen Raum bloß le Corbusier gehabt, wobei sich die Schattenseiten von le Corbusierschem Städtebau schon wenige Jahrzehnte nach der Realisierung einiger Projekte zeigen, von Eisenhüttenstadt über Marzahn bis Mannheim-Vogelstang.

Die Kehrseite dazu hat Giscard d’Estaing einmal rückblickend in einem Interview betreffend seine freundschaftliche Zusammenarbeit mit Helmut Schmidt formuliert, leider erinnere ich mich nicht mehr an die Quelle (im Zweifelsfall: Die Zeit…): Darauf angesprochen, was er denn in politischen Fragen von Helmut Schmidt gelernt habe, fiel ihm tatsächlich als erstes ein: „Ich habe von ihm und den Deutschen gelernt, daß man Innenstädte nicht niederreißen muß, wenn man sie sanieren will“ (zum Zitat ungeeignet, weil ohne Garantie für den Wortlaut).

Als ein Exempel für die Verbindung von beiden Prinzipien mag Strasbourg dienen, welches in der Ära Trautmann städtebaulich einen enormen Aufschwung (nicht bloß wegen den Geldströmen in Verbindung mit dem Europaparlament) genommen hat, und dabei die deutsch-romantisierende Lust am Konservieren des Vorgestern mit der Haussmannschen Lust am großzügigen Entwerfen von Dingen, die vorher nie da waren, verbindet. Ein einziges Mal, daß die Elsässer mal was anderes sein dürfen als die Ritze zwischen den Backen D und F…

Schöne Grüße

MM

Hallo,
vielleicht sollte man nicht übersehen, dass auch für die ins 19.Jh. fallende Höherlegung der Flussufer in vielen Hauptstädten der Abbruch von Gebäuden notwendig war. Die Maßnahme war aber Voraussetzung für die Sicherung vor den regelmäßig wiederkehrenden Hochwassern; soll man wirklich so nostalgisch sein, dass man gegenüber diesem Gewinn - u. a. ja auch in hygienischer Hinsicht - den Verlust des alten Stadtbildes betrauert?
Gruß
H.

Servus Martin!

das interessiert mich jetzt: Ist bekannt, ob und welche Pläne
Nero für den Wiederaufbau hatte? Und wurde in Berlin
unabhängig von den alliierten Bombardements etwas abgetragen,
um Speers Idealplan zu verwirklichen?

Natürlich: Da, wo die Reichskanzlei stand, war vorher ein ganzes Viertel! Allerdings waren das weniger Wohnungen als vielmehr mehrere Gesandtschaften, für die die Eigentümer wohl irgendwie mit anderen Gebäuden entschädigt wurden (es waren Gesandtschaften mehrerer deutscher Länder - oder wurden die auf diesem Weg stillschweigend entsorgt? - und Parteigebäude).
Geplant war natürlich viel mehr, aber dann kam ja der Krieg. Sonst hätte Speer wohl die geplanten 52000 Wohnungen auch abgerissen.

Und auch Nero plante in ganz großem Stil (einer der Gründe, warum ihm Größenwahn nachgesagt wurde): Nach dem Brand Roms wurden Strassen begradigt, vermehrt Säulengänge vor Häusern angelegt und die Geschosshöhen wieder einmal begrenzt. Zudem liess der Kaiser nach den Ursachen der raschen Ausbreitung des Feuers forschen und erliess im Anschluss daran strenge Vorschriften zur Brandverhütung.
Und sein Riesenpalast, die Domus Aurea, den er nach dem Brand bauen ließ, umfasste den ganzen Palatin und Teil einiger anderer Hügel, das Tal dazwischen (das Kolosseum steht auf dem Platz, an dem Nero einen Teich anlegen ließ, inklusive kolossaler Statue seiner selbst am Rand des Teichs, daher der Name Kolosseum) sowie den Platz des späteren Trajansforums - ein riesiger Landschaftspark mit Landgut, mitten in Rom!

VG
Christian

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