Hallo Demetrius,
ich möchte das einmal zu Diskussion stellen.
dann darf ich vielleicht auch etwas dazu sagen (wissend, dass du weißt, dass ich nicht deiner Meinung bin).
So wie es eine geistige und materielle Welt gibt, so gibt es
auch eine Theoretische und eine Praktische Welt.
Hier sehe ich schon sprachlich ein Problem: Was ist denn mit „Welt“ gemeint? Dieser Begriff ist so schwammig, dass sich jeder seine eigene Bedeutung herausssuchen kann. Mit solchen Begriffen kann man keine Theorien aufstellen, jedenfalls nicht, ohne sie zu erläutern (was z. B. Wittgenstein versucht hat).
Es gibt schon längst diese Aussage: Die Theoretiker vergessen,
dass es die PRAXIS gab, noch bevor es die Theorie gab.
Dass das immer wieder behauptet wird, stimmt, aber die Aussage ist falsch. Sie beruht auf der Eitelkeit und der Theorieblindheit der „Praktiker“.
In unserer Zeit herrschen die Theoretiker.
Wenn es so wäre, wären wir ein gutes Stück weiter. Leider sehe ich das überhaupt nicht, bin aber sehr wohl der Meinung, dass es so sein sollte. Schau dir die Politik an: Wo siehst du da Theorie? Schau dir die Physik/Religion (oder was auch immer) an. Ich sehe nur Menschen, die meinen, dass das, was sie tun , das einzig wirkliche ist.
Die Praxis wird hinten an gestellt – wenn es sein muß, sogar
verlacht.
Ich meine, das siehst du nicht richtig.
Doch die Theoretiker vergessen, dass sie ihr DASEIN der Praxis
verdanken, und dass sie NUR durch Praxis ERNÄHRT werden!!!
Genetisch ist das richtig, aber geltungsmäßig stimmt das einfach nicht. Wer das pauschal behauptet, unterliegt dem Missverständnis, dass diesen Vorgängen eine „Gesetzlichkeit“ innewohnt, und zwar in dem Sinne, dass er das Wort „Gesetz“ in zweierlei Hinsicht benutzt, ohne zu merken, dass „Gesetz“ als Frage nach dem „Warum etwas ist“ etwas ganz Anderes bedeutet als die Frage nach dem „Warum etwas sein soll“.
Würden die Praktiker aufhören zu arbeiten, wovon wollten die
Theoretiker noch leben?
Würden die Theoretiker aufhören zu arbeiten, wie sollten sich die Praktiker selbst verstehen können?
Das ist der Kampf: Die Produktion steht VOR der Verwaltung –
wovon will die Verwaltung leben, wenn nichts mehr produziert
wird. (vom Bleistiftspitzen?)
Wenn es auch richtig ist, dass die Produktion zeitlich vorhergeht, so ist es eben doch auch richtig, dass man sich vorher überlegen sollte, was man tut (einfach ausgedrückt). Bezüglich der Richtigkeit einer Handlung ist also die Theorie primär.
Doch die VERWALTENDEN sind ja studierte, und haben gelernt,
die arbeitenden von SICH abhängig zu machen (IM GEISTE).
Sprich: Sie können zwar SELBST nichts leisten, haben aber
gelernt, wie man ANDERE für SICH leisten lässt.
Nein, solche Vorwürfe sind überhaupt nicht sachdienlich.
Eigentlich wird es ZEIT, dass BEIDE erkennen, dass der EINE
den ANDEREN braucht.
Eben, du widerlegst deine These ja selbst.
Ist es in diesem Forum nicht GLEICH wie in dieser Welt???
Dass sich die Theoretiker ERHEBEN und DOMMINIEREN, und die
Praktiker – die der URSPRUNG des Wissens sind, wovon die
Theorie eigentlich LEBT, verlacht werden???
Ich finde nicht, denn erstens kann man nicht davon sprechen, dass in diesem Forum wirklich theoretisiert wird, sondern es wird versucht, einen Mittelweg zu gehen (x-nada lasse ich mal x-nada sein, das ist ein eigenständiges Problem, obwohl ich mit ihm hier in dieser Frage - jedenfalls was die Grundproblematik angeht - durchaus einer Meinung bin *es geschehen vielleicht doch Wunder* *g*). Menschen haben philosophische Fragen, aber nicht immer die Zeit, sich wirklich philosophisch mit diesen Fragen zu befassen. So ein Forum kann ein Weg sein, sich genauer mit diesen Fragen auseinanderzusetzen.
Ist es nicht sehr EINFACH zu sagen (aus theoretischem Wissen)
SO ist das! Da ich doch genügend theoretische „Beweise“ hinter
mir habe, die ich ja auswendig gelernt habe.
Beweisen heißt begründen und nicht einfach auswendig Gelerntes (oder selbst Erlebtes) hinzuschreiben. Über die Begründungen kann man dann diskutieren.
Haben wir eigentlich nicht längst erkannt, dass JEDE Theorie –
10 – 50 – oder 100 – Jahre später über den Haufen geworfen
wurde???
Nein, nicht jede Theorie. Die Gesetze der Logik gelten nach wie vor - jedenfalls die meisten. Aber selbst darüber kann man diskutieren, allerdings nur, indem man die Gesetze der Logik wiederum voraussetzt. Man kann also der Logik nicht entkommen.
Haben wir nicht längst erkannt, dass GERADE in der
Philosophie, das HÖCHSTE Wissen und die höchste Erkenntnis
über Jahrtausende LEBT?
Was soll denn das heißen? Das ist ja gerade ein bloßes Setzen von Gedanken, also ohne Begründung einfach so Hingesetztes. Gerade in dieser Aussage lebt gar nichts, sondern ist alles tot, weil es statisch ist.
Der Unwissende, läuft nach BEWEISEN (Wissen) der Theorie.
Der Weise will VERSTEHEN (Verständnis) das ist die Praxis.
Du benutzt die Begriffe irreführend, daher kommst du zu solchen Theorien. Ja, es sind Theorien , nichts weiter, denn du wiederholst nur immer dieselben Worte in falschem Zusammenhang, aber du begründest nichts. Und dann redest du dich heraus, indem du behauptest, man müsse nichts begründen. Das ist in meinen Augen wenn nicht eine bewusste Täuschung (die ich dir nicht unterstellen möchte) dann eine Selbsttäuschung.
Aus der Theorie wächst Erkenntnis – aus Erkenntnis wächst
Theorie
Wir müssen lernen, beides als EINES zu sehen.
Diese letzte Aussage kann ich - als Aussage - sogar unterschreiben, aber die Begründung dieser Aussage ist falsch bzw. sie fehlt. Aus einer falschen Begründung aber kann nichts Richtiges entstehen bzw. wenn etwas Richtiges ausgesprochen wird, dann ist es noch lange nicht aus dieser falschen Begründung entstanden. Wenn die Aussage „Die Straße ist nass.“ auch richtig sein mag, so ist noch lange nicht klar, aus welchem Grund (Regen oder Sprengwagen) sie nass ist. Und das kann unter Umständen entscheidend sein.
So einfach ist es mit der Philosophie eben doch nicht.
Herzliche Grüße
Thomas Miller