Kompaniewirtschaft
Hä? wie kann man denn an ner Kompanie Geld verdienen?
Das beruhte auf einer heute kaum mehr verständlichen Einrichtung im alten Preußen, der „Kompaniewirtschaft“; sie ist mit der Heeresreform ab 1807 beseitigt worden.
Diese Wirtschaft ging so: Eine Kompanie hatte ca. 120 Mann (ohne die Offiziere) unter einem „Kompaniechef“. Davon sollten nach dem Reglement 70 „Inländer“ (geborene Preußen) sein und 50 „Ausländer“ (zumeist auch Deutsche, die geworben wurden). Der König überwies dem Kompaniechef monatlich drei Taler fünf Groschen für jeden Soldaten. Davon waren zwei Taler Sold und ein Taler fünf Groschen Geld für „kleine Montierungsstücke“, siehe unten. Während der Exerzierzeit, die nur 2-3 Monate betrug, mußte die Kompanie vollständig sein, aber außerhalb dieser Zeit durfte der Kompaniechef die Inländer bis auf den Stamm der Unteroffiziere, ca. 10 Mann, beurlauben - und die zwei Taler Sold behalten. Die Soldaten mußten sich in der Zwischenzeit irgendwo Arbeit suchen und sehen, wo sie bleiben.
Jetzt fragt man sich sofort, warum Friedrich der Große einen so ordinairen Beschiß duldete. Nun, sehr einfach: Mit den „eingesparten“ Geldern mußte der Kompaniechef den Bestand an Ausländern konstant halten, also Werbeoffiziere bezahlen. Man schätzt die Kosten für das Anwerben eines Soldaten auf ca. 100 Taler. Ein Monat (unbezahlten) Urlaub für die Inländer brachte das Geld für die Werbung eines Ausländers ein.
Später erhielten die Kompaniechefs noch das Recht, sogar einen Teil der Ausländer als sog. „Freiwächter“ zu beurlauben. Die Freiwächter durften sich nur in der Garnisonsstadt frei bewegen (während die beurlaubten Inländer hingehen konnten, wo sie wollten).
Hatte der Kompaniechef Pech, desertierten oder starben ihm also viele Ausländer, so zahlte er drauf. Klappte alles gut, blieb etliches Geld übrig.
Neben diesem System von „Urlaub zahlt Werbung“ stand die (für mein Empfinden noch schlimmere) „Wirtschaft der kleinen Montierungsstücke“. „Montierung“ ist ein alter Ausdruck für Uniform. Die „großen“ Montierungsstücke, also Hose, Waffenrock, Weste, Hut, Stiefel der Reiterei, lieferte der König. Für die „kleinen“ Montierungsstücke (Hemd, Unterkleidung, Schuhzeug der Infanterie) gab es diese Pauschale von ein Taler fünf Groschen pro Mann und Monat an den Kompaniechef. Und jetzt lag es in dessen Entscheidung, entweder ordentliche Sachen zu besorgen oder seinen Leuten minderwertige Schuhe usw. zu geben und sich das restliche Geld einzustecken.
Man sagte damals: Wer sich zur Kompanie emporgedient hat, der kann daraus ein Rittergut ziehen. Selbst der spätere Generalfeldmarschall von Gneisenau, dem ich nicht gerne etwas Unredliches unterstellen möchte, hatte vor 1807 einen Reingewinn aus seiner Kompanie von jährlich ca. 2.000 Talern, also ca. 20 Jahreslöhne eines gut verdienenden Handwerkers. (Gneisenau war bei Kriegsausbruch 1806, also im Alter von 46 Jahren, „Capitain“ und Kompaniechef. Binnen neun Jahren avancierte er zum General der Infanterie, 1825, am zehnten Jahrestag der Schlacht von Waterloo, zum Generalfeldmarschall)
Und diese ganze schöne „Wirtschaft“ kam natürlich im Kriegsfall restlos durcheinander. Wenn es Krieg wurde, dann war es nichts mehr mit Urlaub und Sold-Einbehalten. Ich glaube, es hat keine friedliebenderen Menschen gegeben als die Kompaniechefs des ausgehenden 18. Jahrhunderts.
So konnte man an einer Kompanie Geld verdienen.