Dienstgrade Goethezeit

Hallo!
Hat jemand von euch zufällig Ahnung von der Militärhierarchie zu Goethes Zeiten (18./19.Jhdt)? Im günstigsten Falle bräuchte ich eine Auflistung der Dienstgrade in hierarchischer Reihenfolge. Hab bei Wikipedia was gefunden, weiß aber nicht, ob die Dienstgrade der Kaiserzeit auch den Dienstgrade der Goethezeit entsprechen.

Vielen Dank im Voraus, Gruß, Dine

hallo,

habe zwar keine ahnung wo du was genaueres herbekommen kannst, nur solltest du daran denken, das hier verschiedene armeen sich auf „deutschem“ boden tümmelten. waren es nun preussen, böhmen, sachsen, kurpfälzer oder oder oder…

über welche goethe nun geschrieben hat? sächsische?

mfg vom

showbee

p.s. schau mal hier, vielleicht was dabei:

http://private.addcom.de/koniarek/armee_und_waffen/d…

Hier sind sie

Hallo!
Hat jemand von euch zufällig Ahnung von der Militärhierarchie zu Goethes Zeiten (18./19.Jhdt)?

„Zufällig“ net, sondern durch Lektüre der militärischen Schriften Friedrichs des Großen, hrsg. durch Adalbert von Taysen, „Oberstlieutenant (merken!) und Abteilungschef des Großen Generalstabs“, 1882

Die Offiziersränge unterschieden sich nicht groß von den heutigen

  • „Lieutenant“ ist unser Leutnant, manchmal auch „Secondelieutenant“ im Unterschied zum „Premierlieutenant“, zu dem wir gleich kommen. Unterleutnants gabs nicht.
  • „Premierlieutenant“ = Oberleutnant
  • „Capitain“ oder „Capitän“ = Hauptmann. Manchmal erscheint auch ein „Stabscapitain“, der war auch Hauptmann, aber kein Kompaniechef. Chef einer Kompanie zu sein, war eine dicke Einnahmequelle, und diesen Goldtopf nahm jeder Offizier mit, und wenn er schon „Generallieutenant“ war. Er ließ den Kompaniedienst dann von einem „Stabscapitain“ erledigen.
  • „Major“ ist klar
  • „Oberstlieutenant“, unser Oberstleutnant
  • „Oberst“
  • „General-Major“
  • „General-Lieutenant“
  • „General der Infanterie“ (Cavallerie") (Gen. d. Art. gabs nicht)
  • „Feldmarschall“

Bei den Unterführern und Mannschaften muß man beachten, daß es keinen Einheitsdienstgrad „Soldat“ gab. Sondern nur „Musquetiers“, „Grenadiers“, Husaren, „Cuirassiers“, „Canoniers“
Den Dienstgrad „Gefreiter“ gabs schon, der Unteroffizier hieß „Corporal“, der Feldwebel bei der Reiterei und der Artillerie „Wachtmeister“, bei der Infanterie „Feldwebel“.

Sonderformen wie Kadetten (= Offiziersschüler) laß ich mal weg.
Noch Fragen??

  • Django -

Noch Fragen??

Nein, vielen, vielen Dank!

Gruß, Dine

Geldquelle???
Chef einer Kompanie zu sein, war eine dicke

Einnahmequelle, und diesen Goldtopf nahm jeder Offizier mit,
und wenn er schon „Generallieutenant“ war.

Hä? wie kann man denn an ner Kompanie Geld verdienen, vermietet der die Jungs als Aushilfskellner, oder wie?

MfG
Nick

Kompaniewirtschaft

Hä? wie kann man denn an ner Kompanie Geld verdienen?

Das beruhte auf einer heute kaum mehr verständlichen Einrichtung im alten Preußen, der „Kompaniewirtschaft“; sie ist mit der Heeresreform ab 1807 beseitigt worden.

Diese Wirtschaft ging so: Eine Kompanie hatte ca. 120 Mann (ohne die Offiziere) unter einem „Kompaniechef“. Davon sollten nach dem Reglement 70 „Inländer“ (geborene Preußen) sein und 50 „Ausländer“ (zumeist auch Deutsche, die geworben wurden). Der König überwies dem Kompaniechef monatlich drei Taler fünf Groschen für jeden Soldaten. Davon waren zwei Taler Sold und ein Taler fünf Groschen Geld für „kleine Montierungsstücke“, siehe unten. Während der Exerzierzeit, die nur 2-3 Monate betrug, mußte die Kompanie vollständig sein, aber außerhalb dieser Zeit durfte der Kompaniechef die Inländer bis auf den Stamm der Unteroffiziere, ca. 10 Mann, beurlauben - und die zwei Taler Sold behalten. Die Soldaten mußten sich in der Zwischenzeit irgendwo Arbeit suchen und sehen, wo sie bleiben.

Jetzt fragt man sich sofort, warum Friedrich der Große einen so ordinairen Beschiß duldete. Nun, sehr einfach: Mit den „eingesparten“ Geldern mußte der Kompaniechef den Bestand an Ausländern konstant halten, also Werbeoffiziere bezahlen. Man schätzt die Kosten für das Anwerben eines Soldaten auf ca. 100 Taler. Ein Monat (unbezahlten) Urlaub für die Inländer brachte das Geld für die Werbung eines Ausländers ein.
Später erhielten die Kompaniechefs noch das Recht, sogar einen Teil der Ausländer als sog. „Freiwächter“ zu beurlauben. Die Freiwächter durften sich nur in der Garnisonsstadt frei bewegen (während die beurlaubten Inländer hingehen konnten, wo sie wollten).
Hatte der Kompaniechef Pech, desertierten oder starben ihm also viele Ausländer, so zahlte er drauf. Klappte alles gut, blieb etliches Geld übrig.

Neben diesem System von „Urlaub zahlt Werbung“ stand die (für mein Empfinden noch schlimmere) „Wirtschaft der kleinen Montierungsstücke“. „Montierung“ ist ein alter Ausdruck für Uniform. Die „großen“ Montierungsstücke, also Hose, Waffenrock, Weste, Hut, Stiefel der Reiterei, lieferte der König. Für die „kleinen“ Montierungsstücke (Hemd, Unterkleidung, Schuhzeug der Infanterie) gab es diese Pauschale von ein Taler fünf Groschen pro Mann und Monat an den Kompaniechef. Und jetzt lag es in dessen Entscheidung, entweder ordentliche Sachen zu besorgen oder seinen Leuten minderwertige Schuhe usw. zu geben und sich das restliche Geld einzustecken.

Man sagte damals: Wer sich zur Kompanie emporgedient hat, der kann daraus ein Rittergut ziehen. Selbst der spätere Generalfeldmarschall von Gneisenau, dem ich nicht gerne etwas Unredliches unterstellen möchte, hatte vor 1807 einen Reingewinn aus seiner Kompanie von jährlich ca. 2.000 Talern, also ca. 20 Jahreslöhne eines gut verdienenden Handwerkers. (Gneisenau war bei Kriegsausbruch 1806, also im Alter von 46 Jahren, „Capitain“ und Kompaniechef. Binnen neun Jahren avancierte er zum General der Infanterie, 1825, am zehnten Jahrestag der Schlacht von Waterloo, zum Generalfeldmarschall)

Und diese ganze schöne „Wirtschaft“ kam natürlich im Kriegsfall restlos durcheinander. Wenn es Krieg wurde, dann war es nichts mehr mit Urlaub und Sold-Einbehalten. Ich glaube, es hat keine friedliebenderen Menschen gegeben als die Kompaniechefs des ausgehenden 18. Jahrhunderts.
So konnte man an einer Kompanie Geld verdienen.

  • Django -
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Merci für die detaillierte Antwort,
ist ja abgefahren…
Die Tradition massenhaft Geld in eine Armee zu pumpen und sinn und planlos versickern zu lassen ist also schon DEUTLICH älter als z.B. die Bundeswehr. :wink:
MfG
Nick