Dienstgrade in Österreich-Ungarn

Hallo.

Bei den hohen Dienstgraden in den deutschen Streitkräften des 1. Weltkriegs beobachtet man, daß die hohen Offiziere, besonders die Generäle, noch fast ausnahmslos Adlige waren (was soweit nachwirkte, daß noch im 2. Weltkrieg die höchsten Generäle hauptsächlich Adlige waren).
Als ich mich mit der österreich-ungarischen Armee befaßte, ist mir dagegen aufgefallen, daß nicht selten Oberste, aber auch einige Generäle aus der bürgerlichen Schicht kamen. Meiner Auffassung nach häufiger als in den deutschen Streitkräften. Ist die Betrachtung richtig und gibt es dafür bestimmte Ursachen?

Noch eine Frage in diesem Zusammenhang: War main in den österreich-ungarischen Streitkräften als Volksdeutscher gegenüber den anderen Nationalitäten offiziell oder inoffiziell privilegiert oder gab es keine Unterschiede?

ein Detail dazu (bestätigend)
Hallo,

ich halte das für wahrscheinlich, weil z.B. in Österreich auch wesentlich mehr jüdische Offiziere (und auch jüdische Adelige) exitierten. Also eine in dieser Sache durchlässigere Armee als die preußische (eine deutsche Armee gibt es erst seit 1920).

Andreas

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Hallo,

ich halte das für wahrscheinlich, weil z.B. in Österreich auch
wesentlich mehr jüdische Offiziere (und auch jüdische Adelige)
exitierten. Also eine in dieser Sache durchlässigere Armee als
die preußische (eine deutsche Armee gibt es erst seit 1920).

Ich meinte jetzt aber schon alle reichsdeutschen Streitkräfte. Deshalb habe ich auch vorsichtshalber den Ausdruck Armee vermieden, weil ich nicht sicher war, ob man umfassend von einer kaiserlichen Armee sprechen soll.

Daß allerdings auch Juden Adlige waren, habe ich vorher noch nie gehört und mir die Frage auch nie gestellt. Es ist zwar jetzt eigentlich nicht das Thema, aber schon interessant. Eigentlich stand die Geschichte der europäischen Juden doch dieser Tatsache entgegen, daß sie in einem Staat Adlige und somit politisch mit dem Staat verbunden waren?

Habsburg und die Juden
Habedieehre,

Daß allerdings auch Juden Adlige waren, habe ich vorher noch
nie gehört und mir die Frage auch nie gestellt. Es ist zwar
jetzt eigentlich nicht das Thema, aber schon interessant.
Eigentlich stand die Geschichte der europäischen Juden doch
dieser Tatsache entgegen, daß sie in einem Staat Adlige und
somit politisch mit dem Staat verbunden waren?

tja, es ist beim zweiten Nachdenken nicht von ungefähr, dass der rassische Antisemtismus aus Wien kam, wo ein Kaiser residierte, der den Juden nie gekannte Aufstiegsmöglichkeiten bot. Soll heißen, gerade weil sie von ganz oben ganz normal (gleich) behandelt wurden, wuchs der Neid und der Hass. Aber es ist wahr: jüdische Großgrundbesitzer, Offiziere, Freiherrn hat es in der Zahl nur in Österreich gegeben.

Kleiner Tipp (kein Geschichtsbuch, und deshalb tausendmal lehrreicher) dazu:

Friedrich Torberg: Die Tante Jolesch oder der Untergang des Abendlands in Anekdoten.

Viel Spaß damit wünscht
Andreas

tja, es ist beim zweiten Nachdenken nicht von ungefähr, dass
der rassische Antisemtismus aus Wien kam, wo ein Kaiser
residierte, der den Juden nie gekannte Aufstiegsmöglichkeiten
bot. Soll heißen, gerade weil sie von ganz oben ganz normal
(gleich) behandelt wurden, wuchs der Neid und der Hass. Aber
es ist wahr: jüdische Großgrundbesitzer, Offiziere, Freiherrn
hat es in der Zahl nur in Österreich gegeben.

Dann muß das aber erst spät entstanden sein, denn bis zum 19. Jahrhundert hätte das ja auch für Deutschland gelten müssen.

Juden als Grundbesitzer und Offziere sind schon vorstellbar, aber adlige Juden knan ich mir aufgrund der Entwicklung des Adels kaum vorstellen. Allenfalls niedere, vom Kaiser für Leistungen verliehene Adelstitel.

ot tante jolesch: LESEN!

Kleiner Tipp (kein Geschichtsbuch, und deshalb tausendmal
lehrreicher) dazu:

Friedrich Torberg: Die Tante Jolesch oder der Untergang des
Abendlands in Anekdoten.

Ein höchst empfehlenswertes Buch, dessen Lektüre ich wirklich nur jedem empfehlen kann. Nicht nur lehrreich, sondern dabei auch zum Kringeln.

Livia

Juden als Grundbesitzer und Offziere sind schon vorstellbar,
aber adlige Juden knan ich mir aufgrund der Entwicklung des
Adels kaum vorstellen. Allenfalls niedere, vom Kaiser für
Leistungen verliehene Adelstitel.

Auf Anhieb fallt mir Baron von Rothschild ein, der in die von dir beschriebene Kategorie fällt. Ich glaube, in dieser Kategorie gibt es gar nicht so wenige.

Livia

Noch eine Frage in diesem Zusammenhang: War main in den
österreich-ungarischen Streitkräften als Volksdeutscher
gegenüber den anderen Nationalitäten offiziell oder
inoffiziell privilegiert oder gab es keine Unterschiede?

ich weiß, dass es ganze Regimente gab, die praktisch ausschließlich ungarisch oder tschechisch oder kroatisch oder so sprachen. Offensichtlich hat man sich bemüht, möglichst die gleichsprachigen beisammen zu halten. Wenn du mit Volksdeutschem jemanden aus dem deutschsprachigen Gebieten meinst, dann glaub ich nicht an Privilegien nur deshalb. Allerdings lagen diese Gebiete halt oft näher an der Quelle für Bildung und die meisten ungarischen oder polnischen Adeligen haben sich wohl bemüht, deutsch oder französisch zu lernen. Hofsprache war unterm „Franzi“ afaik deutsch. aber ich glaube nicht, dass es ein Tiroler Bauer in der Armee leichter hatte als ein ungarischer adeliger.

Bin aber alles andere als Expertin auf diesem Gebiet. meine quellen dazu sind zeitungsartikel oder populärwissenschaftliche bücherchens bzw mein Schulwissen, also nix wirklich zuverlässiges.

liebe grüße aus wien

Livia