Hallo Wolfgang,
seit wann bemühen sich Banker, zu verstehen, wie ihre Kunden
ihr Geld verdienen?
ich handhabe das eigentlich immer schon so. Nur wenn man weiß, wie der Kunde sein Geld verdient, kann man sein Risiko minimieren, selber Geld zu verlieren.
Ein paar gängige Geschäftsarten kennt man
und vom Rest läßt man die Finger, auch weil kein Personal
vorhanden ist, das überhaupt verstehen könnte, was der Kunde
treibt.
Das ist in der Tat ein Problem. Mir hilft mein eigener naturwissenschaftlicher Hintergrund aus längst vergangenen Zeiten (und letztlich mein Interesse an Technik usw.). Aber wenn man sich für seine Arbeit und seine Kunden interessiert, kommt mit der Zeit schon ein bißchen was an Erfahrung zusammen. Am Interesse hapert es aber m.E. bei vielen Bankmenschen. Die interessiert vor allem - wie in allen anderen Branchen auch -, daß die Kohle Mitte des Monats aufs Konto kommt.
Pflege ich Vorurteile, bist Du oder ist Dein Brötchengeber
eine Ausnahme?
Wir sind da wohl eine Ausnahme, ja. Das liegt daran, daß bei uns noch die Geister von Geschäftsinhaber aus längst vergangenen Zeiten durch die Flure schweben und den Mitarbeitern in die Ohren flüstern: „Kenne Deine Kunden.“
Seit allerdings diese Geister mit Mobiltelephon und PDA ausgestattet wurden, heißt es vermehrt „Know your customer“. Irgendwann werden die Geister dann in den ewigen Ruhestand versetzt und die Yuppie-Truppe fängt wieder an, das Geld den Internet-Parntervermittlungen und Biodings-Unternehmen hinterherzuwerfen.
Ich persönlich sehe es so, daß ich einem Dritten schlüssig und plausibel erklären können muß, womit der Kunde sein Geld verdient, wie die jeweilige Branchenlogik aussieht und wie der Kunde in seiner Branche darsteht. Bis ich das nicht für gegeben halte, wird der Kunde gefragt, gelöchert und genervt. Wer als Finanzmensch dem Bankmenschen nicht erklären kann oder will, ist entweder am falschen Platz oder nicht kredit- weil nicht vertrauenswürdig.
Anders gefragt: Wie kommen Kunden mit nicht
allgemein bekannten Produkten an eine Bank mit Leuten, die die
Stichhaltigkeit eines Geschäftskonzepts verstehen
können/wollen?
Gegenfrage: Wie kommst Du im Elektronik-Discounter an jemanden, der sich für seine Arbeit so sehr interessiert, daß er über die Produkte mehr erzählen kann als Megapixel, USB-Tauglichkeit und MByte? Genau wie überall hast Du auch im Bankenbereich das oben beschriebene Problem: Die Leute interessieren sich nicht für das, was sie tun. Die meisten geben sich halt mit dem Stichwort „interaktive Produktionssteuerung für proaktive Customer-Relation-Managment-Software“ zufrieden und merken erst nach der Pleite, daß sowas niemand gebraucht hat.
Kurze Antwort: Durch Zufall oder bei uns 
Gruß,
Christian