Dieselmotor - Technik

Hallo,

neulich habe ich gelesen, daß ein Kunde sich einen Umsatzzuwachs erhofft, weil für für die derzeit gefragteren Dieselmotoren mehr Stabstahl benötigt wird als für Ottomotoren.

Wofür braucht es denn mehr Stabstahl bei Dieselmotoren?

Gruß und Dank,
Christian

Hallo!

Wer weiss ?
Vielleicht ist beim Autotyp X der Deckel des Luftfilterkastens beim Benzinmotor mit 4 Halteklammern befestigt, und beim Diesel mit 6. Und die sind aus STABSTAHL gefertigt?
Oder was ist eigentlich Stabstahl? Rundeisen?

Verwirrte Grüße,
Steffen!

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Ja, was ist denn Stabstahl???

Hi,

Oder was ist eigentlich Stabstahl? Rundeisen?

Rundprofile oder Rundeisen oder Stahlstangen, egal. Gemeint ist Stahl in runder, länglicher Form. Hier: Insbesondere Blankstahl, der lt. Kundenangaben in Dieselmotoren eben mehr Verwendung findet, als in Ottomotoren. Und ich frag mich, warum.

Gruß,
Christian

Hallo Christian,

der Anteil von Komponenten für Massenprodukte, die „aus dem Vollen“ aus handelsüblichen Halbzeugen gedreht oder gefräst werden, ist minimal. Weit überwiegend werden Gußteile eingesetzt.

Für den Hersteller/Zulieferer einer Spezialität, irgendeines karierten Maiglöckchens, kann sich ein ganz anderes Bild
ergeben. Insbesondere zahllose Kleinteile werden aus Stangenware produziert. Diese Sachen sind zwar unverzichtbar, haben aber an der gesamten Metallmenge z. B. eines Motors nur einen winzigen Anteil. Man muß berücksichtigen, in welchen Maßstäben im Marktsegment gedacht wird. Wenn jemand die Achsen zur Führung des Sekundenzeigers in Damenarmbanduhren liefert, hat ein Boom bei bestimmten Uhrenmodellen eine enorme Nachfrage nach Stangenware für Sekundenzeigerachsen zur Folge (Jahresbedarf 1 Kilo oder so ähnlich :smile: ). Die schiere Masse mag lächerlich erscheinen, aber hinsichtlich der geforderten Materialeigenschaften und Abmessungen des Halbzeugs darf man die Stellung des Lieferanten nicht unterschätzen. Ihm kann es durchaus besser gehen als dem Lieferanten, dessen kleinste Einheit ein Schiffbauch voller Zeugs ist.

Kurz: Man sollte hinterfragen, welche 100 Gramm Stangenware im Dieselmotor gemeint waren.

Gruß
Wolfgang

Präzisierung der Frage
Hallo Wolfgang,

hat ein Boom bei bestimmten Uhrenmodellen eine enorme
Nachfrage nach Stangenware für Sekundenzeigerachsen zur Folge
(Jahresbedarf 1 Kilo oder so ähnlich :smile: ).

Naja, die setzen insgesamt schon ein paar hundert Mio. Euro um (nicht nur mit Stabstahl), insofern werden die bei einem Run auf Uhren nicht unbedingt in Euphorie verfallen. Es scheint aber in der Tat um solchen „Kleinkram“ zu gehen, u.a. wohl um Ventile. Ich präzisiere also meine Frage: Sind in Dieselmotoren tendenziell mehr Ventile drin als in Otto-Motoren?

Kurz: Man sollte hinterfragen, welche 100 Gramm Stangenware im
Dieselmotor gemeint waren.

Das hatte ich auch vor: Am Montag habe ich mein erstes Gespräch mit dem (potentiellen) Kunden; vorher waren nur die doofen Vertriebsleute da, die alles glauben, was man ihnen erzählt :wink: Ich informiere mich immer gerne vor solchen Veranstaltungen, damit ich mir im Gespräch nichts vom Pferd erzählen lassen muß.

Gruß,
Christian

Hallo Christian,

da ich mich momentan im Dieselumfeld beruflich bewege vielleicht folgende Möglichkeit von vielen:

Eine Technologie der Brennstoffzuführung bei Dieseln nennt sich Common Rail. D.h. 1 zentrale Pumpe erzeugt um die 1500 bar und innerhalb eines gemeinsamen Verteiler-Rohrs für alle Zylinder wird der Brennstoff dann den Zylindern zugeführt.
Diese Rails sind derzeit meist Guss- oder Schmiedeteile(?), in Zukunft hofft man aber wegen der weiter steigenden Drücke (man spricht von deutlich über 2000 bar) auf offensichtlich prozessichere geschweißte Rohrkonstruktionen übergehen zu können.

Vielleicht hat ja Dein Kunde damit was zu tun?

Spekulative Grüße
Jürgen

Hallo Christian!

Sind in Dieselmotoren :tendenziell mehr Ventile drin :als in Otto-Motoren?

Detailkenntnisse des Motorenbaus habe ich nicht und mit wilder Raterei ist Dir nicht geholfen.

Gruß
Wolfgang

Hallo Christian,

sollte der Kunde mit Stahlbstahl Rundstahl gemeint haben, könnte ich mir vorstellen, dass er folgende Teile meint, die beim Diesel (Verdichtung ca. 1:20) einer größeren Belastung ausgestzt sind als beim Benziner (Verdichtung ca. 1:10):

Kurbelwelle
Pleul
Getriebewellen
Getriebezahnräder
Antriebswellen

Dafür braucht es eigentlich nicht unbedingt mehr Material sondern nur Material mit anderen (besseren) Eigenschaften.

Vielleicht läßt sich ja mehr sagen, wenn man weiss, wer der Kunde ist = was er genau macht, und/oder für welche Marke er produziert. Oder ist Dein Kunde Zulieferer aus der Stahlbranche (ThyssenKrupp?)

Danke für Deine Aufmerksamkeit
Klaus

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Hallo Klaus,

sollte der Kunde mit Stahlbstahl Rundstahl gemeint haben,
könnte ich mir vorstellen, dass er folgende Teile meint, die
beim Diesel (Verdichtung ca. 1:20) einer größeren Belastung
ausgestzt sind als beim Benziner (Verdichtung ca. 1:10):
Dafür braucht es eigentlich nicht unbedingt mehr Material
sondern nur Material mit anderen (besseren) Eigenschaften.

danke, das wird wohl der entscheidende Hinweis gewesen sein. Der Hersteller ist in der Tat eher im oberen Qualitätssegment tätig. Den Namen darf ich leider nicht nennen.

Gruß,
Christian

Hallo Jürgen,

Zukunft hofft man aber wegen der weiter steigenden Drücke (man
spricht von deutlich über 2000 bar) auf offensichtlich
prozessichere geschweißte Rohrkonstruktionen übergehen zu
können.
Vielleicht hat ja Dein Kunde damit was zu tun?

eher nicht, aber näheres werde ich morgen erfahren.

Gruß,
Christian

Hallo Christian,

seit wann bemühen sich Banker, zu verstehen, wie ihre Kunden ihr Geld verdienen? Ein paar gängige Geschäftsarten kennt man und vom Rest läßt man die Finger, auch weil kein Personal vorhanden ist, das überhaupt verstehen könnte, was der Kunde treibt.

Pflege ich Vorurteile, bist Du oder ist Dein Brötchengeber eine Ausnahme? Anders gefragt: Wie kommen Kunden mit nicht allgemein bekannten Produkten an eine Bank mit Leuten, die die Stichhaltigkeit eines Geschäftskonzepts verstehen können/wollen?

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

seit wann bemühen sich Banker, zu verstehen, wie ihre Kunden
ihr Geld verdienen?

ich handhabe das eigentlich immer schon so. Nur wenn man weiß, wie der Kunde sein Geld verdient, kann man sein Risiko minimieren, selber Geld zu verlieren.

Ein paar gängige Geschäftsarten kennt man
und vom Rest läßt man die Finger, auch weil kein Personal
vorhanden ist, das überhaupt verstehen könnte, was der Kunde
treibt.

Das ist in der Tat ein Problem. Mir hilft mein eigener naturwissenschaftlicher Hintergrund aus längst vergangenen Zeiten (und letztlich mein Interesse an Technik usw.). Aber wenn man sich für seine Arbeit und seine Kunden interessiert, kommt mit der Zeit schon ein bißchen was an Erfahrung zusammen. Am Interesse hapert es aber m.E. bei vielen Bankmenschen. Die interessiert vor allem - wie in allen anderen Branchen auch -, daß die Kohle Mitte des Monats aufs Konto kommt.

Pflege ich Vorurteile, bist Du oder ist Dein Brötchengeber
eine Ausnahme?

Wir sind da wohl eine Ausnahme, ja. Das liegt daran, daß bei uns noch die Geister von Geschäftsinhaber aus längst vergangenen Zeiten durch die Flure schweben und den Mitarbeitern in die Ohren flüstern: „Kenne Deine Kunden.“

Seit allerdings diese Geister mit Mobiltelephon und PDA ausgestattet wurden, heißt es vermehrt „Know your customer“. Irgendwann werden die Geister dann in den ewigen Ruhestand versetzt und die Yuppie-Truppe fängt wieder an, das Geld den Internet-Parntervermittlungen und Biodings-Unternehmen hinterherzuwerfen.

Ich persönlich sehe es so, daß ich einem Dritten schlüssig und plausibel erklären können muß, womit der Kunde sein Geld verdient, wie die jeweilige Branchenlogik aussieht und wie der Kunde in seiner Branche darsteht. Bis ich das nicht für gegeben halte, wird der Kunde gefragt, gelöchert und genervt. Wer als Finanzmensch dem Bankmenschen nicht erklären kann oder will, ist entweder am falschen Platz oder nicht kredit- weil nicht vertrauenswürdig.

Anders gefragt: Wie kommen Kunden mit nicht
allgemein bekannten Produkten an eine Bank mit Leuten, die die
Stichhaltigkeit eines Geschäftskonzepts verstehen
können/wollen?

Gegenfrage: Wie kommst Du im Elektronik-Discounter an jemanden, der sich für seine Arbeit so sehr interessiert, daß er über die Produkte mehr erzählen kann als Megapixel, USB-Tauglichkeit und MByte? Genau wie überall hast Du auch im Bankenbereich das oben beschriebene Problem: Die Leute interessieren sich nicht für das, was sie tun. Die meisten geben sich halt mit dem Stichwort „interaktive Produktionssteuerung für proaktive Customer-Relation-Managment-Software“ zufrieden und merken erst nach der Pleite, daß sowas niemand gebraucht hat.

Kurze Antwort: Durch Zufall oder bei uns :wink:

Gruß,
Christian

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Hallo Christian,

… Der Hersteller ist in der Tat eher im oberen Qualitätssegment
tätig. Den Namen darf ich leider nicht nennen.

Was Rolls Royce und Maybach bauen nun gemeinsam Dieselfahrzeuge?

Da geh ich gleich am Montag zum Händler und kaufe je 10 Stück!

Danke für Deine Aufmerksamkeit
Klaus

Hallo nochmal,

… Der Hersteller ist in der Tat eher im oberen Qualitätssegment
tätig. Den Namen darf ich leider nicht nennen.

Was Rolls Royce und Maybach bauen nun gemeinsam
Dieselfahrzeuge?

*g* dazu darf ich natürlich auch nichts sagen. Aber meiner ist keiner von den beiden. Nur ein einfacher Stahlhersteller, aber eben im gehobenen Qualitätssegment. Aber danke für den Hinweis. Die Frage nach den Hauptkunden hatte ich zwar gestern noch im Kopf aber noch nicht auf meinem „Fragebogen“.

Gruß,
Christan

Hi,

Oder was ist eigentlich Stabstahl? Rundeisen?

Rundprofile oder Rundeisen oder Stahlstangen, egal. Gemeint
ist Stahl in runder, länglicher Form. Hier: Insbesondere
Blankstahl, der lt. Kundenangaben in Dieselmotoren eben mehr
Verwendung findet, als in Ottomotoren. Und ich frag mich,
warum.

Leider kenne ich mich mit dem Rohmaterial nicht gut genug aus, aber Qualitativ kann ich aus meiner Erfahrung mit den fertigen Bauteilen von Otto- und Dieselmotoren etwa diese Aussage machen:
Wenn bei einem Ottomotor X Kilogramm Bauteile aus _nicht_Guss-Stahl sind, dürften es bei einem vergleichbaren Dieselmotor c.a. X*1,5 sein.
Dieselmotoren haben eben im Schnitt mehr Bauteile, die zudem stabiler ausgeführt sind.
Alle ausnahmen bestätigen diese Regeln!

Gruß,
Christian

Gruß,
Peter

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Hallo Peter,

Wenn bei einem Ottomotor X Kilogramm Bauteile aus
_nicht_Guss-Stahl sind, dürften es bei einem
vergleichbaren Dieselmotor c.a. X*1,5 sein.
Dieselmotoren haben eben im Schnitt mehr Bauteile, die zudem
stabiler ausgeführt sind.

danke für die Antwort. Das war mir so nicht bewußt und letztlich genau das, was ich wissen wollte.

Gruß,
Christian

Hallo,

nachdem ich mir die ganzen Antworten durchgelesen habe, dürfte Dein Kunde, wenn er Qualitätsware liefert, einen Boom erleben.

Die Common-Rail-Diesel sind sehr starke Aggregate, bei minimalem Hubraum und somit erfordert deren Produktion höchste Präzision mit allerbestem Material, denn die Belastungen der Motoren sind doch schon enorm.

Was mich beim Studium des Motorenbuches zu meinem CorollaVerso D4D schon wunderte: Metallzylinderkopfdichtung (in fünf verschiedenen Stärken lieferbar um die genaue Kompression zu erhalten!), Extreme Anzugmomente von 18 (!!) Zylinderkopfschrauben (1x45Nm, dann dreimal 90° ).

Wenn ich vergleiche meinen alten Starlet als Benziner (gut, hat sowieso niedrigere Verdichtung): 10 Zylinderkopfschrauben, 65Nm Anzug, Faserzylinderkopfdichtung mit Metallrahmen um die Bohrungen, Fertig.

Auch die Belastung des Treibstoffversorgungssystems dürfte weiter steigen, was weiter unten angesprochen wurde mit den Drücken des CR-Systems von über 2000bar.

gruß

dennis

Zum Thema Ventilzahl Benziner/Diesel:

Ich schätze, dass die Benziner tendenziell mehr Ventile haben als die Dieselmotoren.

Grund: Bei den heutigen Dieseln handelt es sich fast ausnahmslos um Turbomotoren. Der Turbomotor wird meistens als „normaler“ Zweiventiler (ein Einlass-/ein Auslassventil) ausgelegt, weil das Arbeitsmittel (Benziner: Kraftstoff-Luft-Gemisch, Diesel: nur Luft) unter Druck in den Zylinder geblasen wird. Der Strömungsquerschnitt ist dabei nicht so entscheidend.
Die Benzinmotoren hingegen sind meistens Saugmotoren, die durch die Verwendung von jeweils zwei kleineren Ventilen für Ein- und Auslass (Vierventiltechnik) in der Summe einen größeren Einströmquerschnitt bieten, durch den das Arbeitsmittel angesaugt bzw. ausgestossen werden kann.

Also: Viele Diesel -> viele Turbos -> weniger Ventile

Gruß

hps