Dieter Bohlen und die Erhabenheit der Literatur:

Dieses allgemeine Rumgezicke gegen
Bohlen und seinen Bucherfolg ist
rundweg dämlich. Solche Literatur
gab es immer, wird es immer geben
und wer es liest ist selber, was
der Kritiker des Lesenden gern wär!

(1)
Jeder kleine Gymnasiast fühlt sich
über Herrn Bohlens Unverblümtheiten
und Geschmacklosigkeiten erhaben.
Jedoch:
(a)
Dieter B. hat mit 17 Abi gemacht,
was 100% seiner Kritiker nicht
vermochten (da sie vielmehr von
der sozialdemokratischen Bildungs-
reform profitierten, und somit,
vor allem in NRW, eine Art Not-
Abi oder Starthilfe-Abi machten…)
Bohlen schloß sein BWL-Studium in
der Regelstudienzeit mit Bestnote
ab, was auch 100% seiner Kriti-
ker nicht auf die Reihe bekommen
haben dürften, trotz diverser Uni-
Reformen…
(b)
Erfolg rechtfertigt nicht Geschmack-
losigkeit. Dummheit aber auch gleicher-
maßen nicht Arroganz.
Natürlich läßt sich einiges am Auftreten
Bohlens kritisieren…doch welches sind
die Kriterien? Und: Werden diese Krite-
rien jemandem gerecht, der 35 Jahre sei-
nes Lebens Ehrgeizig war auf hochdurch-
schnittlichem Niveau, höchsterfolgreich
war mit allem, was er realisierte??

(2)
Es ist schon interessant, daß Marcel RR´s
Biographie weit weniger verkauft wurde, als
diese Anekdotensammlung Bohlens. Anderer-
seits: Es wäre schlimm, wenn es anders wä-
re. Und es ist schlimm, daß Bohlens unmittel-
barer „Konkurrent“ ReichR ist.
Weil:
(a)
Ginge es nach ReichR, wäre an alle Texte
der konservativere Part der Literatur-
kritik des ausgehenden 19ten und beginnen-
den zwanzigsten Jahrhunderts als Maßstab
anzulegen.
ReichR weiß aber nicht, daß, anders als 1900,
Bücher Massenware sind und Ästhetik sich in
bauhaus´scher Logik winkeln läßt.
(b)
Bohlens Ästhetik ist so identisch mit der der
Bild-Zeitung wie die ReichR´s es mit der Neuen
Vossischen ist.

(3)
Literatur ist mehr, als nur ätherisches Ge-
grunze oder flüsterndes Schweigen in Jamben.
(a)
Das Genre der Autobiographie ist ein sehr
formschwankendes Genre, das zumindest eine
Konstante hat: 95% aller Autobiographien
werden von Ghostwriters bewerkstelligt.
(Gegenprobe: Wann je hat ein anerkannt „gu-
ter“ Autor eine Autobiographie geschrieben
außer Shakespear und Dan Quayle?-assozia-
tion zu Cheney/Rumsfeld??)
Daß anders als den meisten als Autobiographien
gehandelten Texten unserer Tage Bohlen gerade
die Authentizität zum Vorwurf gemacht wird…
(b)
Aber nein: Es wird ihm die unbekümmerte Lebens-
und Redensweise vorgeworfen…
Von wem? Jenen, welche nicht mit 17 Abi und mit
21 das Diplom haben?!!
©
Jede Biographie ist ein journalistisches, kein
künstlerisches Produkt. (Weshalb dieses Genre
keinen Schriftsteller interessiert, außer jene,
die schwach begabt, schmal an Witz und Geldesbe-
dürftig sind…
(d)
Es hat keinen literaarischen und keinen ästhetischen
Grund, daß ReichRs Autobiographie in der SPIEGEL-
Bestsellerliste fälschlicher Weise unter „Literatur“
steht und die des Musikers Bohlen unter „Sachbuch“.
Es wird wohl einen „provinziellen Grund“ haben, wie
Thomas Mann sagen würde…

x-meursault

stimmt. und? (nix text)
nur gruß.
von ann

Hm Rumgezicke?
hab hier bis jetzt nix über dieses Buch lesen können.
Telefonbücher sind „erfolgreicher“
HH

Hi meursault,

es ist leider (oder zum Glück?!) so, daß gute Noten in Schule und Uni nur sehr bedingt Rückschlüsse auf die Intelligenz eines Menschen gestatten, eher auf dessen Merkfähigkeit.
Ich selber kenne genügend Beispiele von Leuten, die mit guten Noten glänzen, aber hoffnungslose Idioten sind; und steh damit sicher nicht alleine da.
Was allerdings nicht heist, daß gute Noten bedeuten, daß deren BesitzerInnen Idioten sein müssen, aber sie können.

Gandalf

hi!

das ding ist sehr unterhaltsam -echt!
hab’s an einem tag durchgehabt

ich selbst lese z.b. im urlaub ganz andere schinken,
mit denen ich spaß hab’, mich länger damit zu beschäftigen
(z.b. als letztes „das glasperlenspiel“ von hermann hesse
-woran ich über vier wochen immer so stückchenweise „hing“)

doch eins ist gut und das andere kann auch gut sein.
im falle von bohlen ist es zumindest „gut gemacht“.
d.h.: spannend. so, dass man weiterlesen will.
im gegensatz zu grass z.b. -hihi- (im ernst: „ein weites feld“ war ziemlich banaler, breitgetretener quark und zu recht von marcel reich-ranicki verrissen)
findet sich bei bohlen keinerlei füllstoff!!

und der stil -natürlich! mit hilfe dieser frau geschrieben…
(keinerlei vorwurf von mir -ich sehe sie als "hilfe in der technischen umsetzung… fachmann… katalysator, oder so)-
wirkt absolut authentisch -das ist so geschrieben, wie der bohlen nun mal spricht
-und damit durchaus erfrischend
und diese „arsch“-pose von ihm doch erkennbar auch spaß.
da ist selbstironie drin -die die erhabenen kulturkritiker selbst schon mal vermissen lassen.
und verkehrt find’ ich’s auch nicht, wenn auf diese weise mal ganz andere schichten zum gang in die buchhandlung gelockt werden…

im ernst: ich weiß zwar nicht, ob/was reich-ranicki dazu gesagt hat, doch bei ihm könnt’ ich mir die größe vorstellen, dass der mann auf 'ner gewissen ebene -spaßhaft hatürlich- dem bohlen-ding was abgewinnen könnte.
wie du schon schreibst: die kleinen wichte sind’s immer, die sich selbst an irgendwas vermeintlich miesem hochziehen wollen.

auf bohlen schimpfen kann jeder. das ist ziemlich einfach und wird zum doofen-klischee der möchtegern-intellektuellos.
ihn loben ist die kunst und erfordert vielleicht mal mut
-insofern ist es eigentlich schon blöd -wie hier von mir, im falle von hesse- zu betonen, dass man sonst „anderes liest“. doch so sind’s die leute gewöhnt.
das ist die eintritsskarte.
ich denke, so kann man ein urteil abgeben, in einer nach wie vor überaus doof-deutschen unart, kultur in „e“ und „u“ aufzuteilen.
hab ich recht, oder was?

-)

übrigens find’ ich bohlen inhaltlich gar nicht so reißerisch-enthüllend wie erwartet. die beschriebenen promi-bekannten sind -mit einer ausnahme- hinter der fassade alle so, wie man’s erwarten konnte. naddel mit 'nem eher rührenden sekt-problem. roy black in endphase ziemlich bemitleidenswert etc… alles keine überraschungen.

und den drogenkonsum von deutschlands party-prominenz hat er gleich ganz weggelassen! die riesen-prozesslawine kann’s auch nicht geben
-vergleichsweise unterhaltsam.

und jetzt kommt die ausnahme: verona.
wegen ihr und einem blick hinter’s nette gesicht allein
lohnt sich schon, bohlen zu lesen. ist natürlich aus seiner
sicht… doch klingt plausibel.
zumal er selbst in eigener beschreibung gar nicht so gut wegkommt
hat sich ziemlich zum affen für sie gemacht, der mann.
und sie hat aus vier wochen ehe ziemlich großen finanzgewinn herausziehen können (kein aktienpaket konnte je mehr bringen!) -ganz zu schweigen von der karriere-starthilfe…

gut, es muss ja nicht so sein.
würde denn auch gerne mal ein „gegenbuch“ von feldbusch lesen.

so, mehr verrat’ ich jetzt aber nicht.

und als nächstes kommt wieder ernstes dran…

…gilt es, zu versichern :wink:

gruß an alle im elfenbeinturm
i.i.a./christi

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Intelligenz oder was?
Hallo Gandalf,

es ist leider (oder zum Glück?!) so, daß gute Noten in Schule und Uni nur sehr bedingt Rückschlüsse auf die Intelligenz eines Menschen gestatten, eher auf dessen Merkfähigkeit.

Ich denke, das, was Bohlen geschafft hat, ist schon ein Zeichen von Intelligenz. Aber intelligent zu sein sagt nichts aus über die Fähigkeit Rücksicht zu üben, Taktgefühl zu haben, Menschlichkeit zu empfinden oder gar hilfsbereit zu sein, alles zusammen genommen auch als „soziale Kompetenz“ bezeichnet.

Wer Dinge aus der Intimsphäre der Öffentlichkeit präsentiert, hat von alldem nichts. Wenn einer zwölf Jahre mit einer Frau zusammenlebt, neben ihrem Körper auch ihre Arbeitskraft als Hausfrau benutzt, sie dann ohne angemessene materielle Abfindung gehen lässt und dann noch öffentlich schlecht macht, dann gibts für mich nur eins: Ausspucken.

Tschuldigung, ich bin selten so grob, aber in dem Fall geht’s nicht anders.

Angeekelte Grüße
Peggy

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Hallo!
Ob Dieter Bohlen nun intelligent ist oder nicht tangiert mich wenig. Entscheidend ist immer was man daraus macht. Würde man Bohlen aufgrund seiner, (hypothetischen!) Dummheit abqualifizieren, müßte man konsequenter Weise gleich eine ganze Anzahl von Mitmenschen diffamieren und das haben die nun nicht verdient. Ich lese das Buch nicht, weil es mich nicht interessiert. Biografien erregen erst dann mein Interesse, wenn sie mich nicht zum Spielball und Epigonen dieser widerlichen voyeuristischen Sensationsgeilheit macht
und darüber hinaus von vielleicht charismatischen oder tiefsinnig-klugen oder sonstwie interessanten Menschen handelt. Und da gehören Bohlen, Naddel, Verona etc. imho wirklich nicht dazu.
Allerdings regt mich das „Werk“ auch nicht auf. Er hat ein Buch geschrieben und meine Nachbarin putzt ihre Fenster. Mehr lohnt sich dazu nicht zu sagen.

Forte potuit, sed non legitur eo usus fuisse.

Gruss
HC