Differenzierung nach Schnarch

Hallo,

Ich lese derzeit das sehr interessante Buch „Die Psychologie sexueller Leidenschaft“ von David Schnarch.

Im Kapitel über die Differenzierung schreibt er sinngemäß:

Man sucht sich immer einen Partner auf ähnlicher Differenzierungsstufe.

Und

Beziehungen von Partnern auf unterschiedlicher Differenzierungsstufe gehen schnell in die Brüche.

Mehr hab ich dazu nicht gefunden und es beschäftigt mich. Wie merkt ein Partner in einer Beziehung denn eine unterschiedliche Differenzierung (laut Schnarch überschätz man sich typischerweise selbst) und warum, woran und wann bricht dann die Beziehung.
Wieso wählt man immer (?) den ähnlich differenzierten Partner?

Ich hätt da einfach gerne noch tiefergehende Aussagen dazu, es steht ja da wie ein Grundgesetz.
Auch würde mich interessieren ob es schon kritische Stimmen zu Schnarchs Therapieform gibt, bzw wie die von ihm kritisierten „klassischen“ Paartherapeuten sich dazu äussern.
Hat mir vielleicht jemand ein paar Erklärungen oder Links (Laienverständlich)?

Danke

Mopedhexle

Hallo Mopedhexle

Man sucht sich immer einen Partner auf ähnlicher
Differenzierungsstufe.

Schön wärs. Dann hätten wir im Partnerschaftsbereich weniger Probleme.
LEIDER suchen sich viele Menschen eben gerade Partner, die NICHT auf einer ähnlichen Differenzierungstufe sind - und das gibt über kurz oder lag große Probleme.
Spätestens dann, wenn der Zauber der Erotik etwas in den Hintergrund tritt.

Beziehungen von Partnern auf unterschiedlicher
Differenzierungsstufe gehen schnell in die Brüche.

Äh - ja - deswegen…

Mehr hab ich dazu nicht gefunden und es beschäftigt mich. Wie
merkt ein Partner in einer Beziehung denn eine
unterschiedliche Differenzierung

Wenn einen die eigenen und auf den Partner / das Liebesobjekt projizierten Wünsche und die Verliebtheit „blind“ werden lassen, merkt man zunächst janischt, deshalb ja die vilen Tragödien.

…und warum, woran und wann bricht
dann die Beziehung.

Wenn die intellektuellen Unterschiede, die Bildungsniveaus, die unterschiedlichen Lebensziele, die unterschiedlichen Wertvorstellungen usw. deutlicher werden.

Wieso wählt man immer (?) den ähnlich differenzierten Partner?

Tut man ja eben nicht. Das ist ja das Problem. Da hat die SCHNARCHnase von Autor möglicherweise nicht aufgepasst.

Ich hätt da einfach gerne noch tiefergehende Aussagen dazu, es
steht ja da wie ein Grundgesetz.

Viele sogenannte Grundgesetze müssen wir übern Haufen werfen. Es wird viel geschrieben und gedruckt. Du weißt ja wohl: Papier ist geduldig.

Gruß,
Branden

Hallo Branden,

DAnke für Deinen Beitrag.
Also sehe ich diese Behauptung Schnarchs nicht als Einzige sehr kritisch.

Du hast nicht zufällig noch ein paar Links oder Literaturtips diesbezüglich?
Oder auch unabhängig davon Abhandlungen zum Thema Paartherapie.
Schnarch geht ja von langjährigen Beziehungen aus, vielleicht gibt es etwas Vergleichbares über frühere Beziehungsstadien?

…und warum, woran und wann bricht
dann die Beziehung.

Wenn die intellektuellen Unterschiede, die Bildungsniveaus,
die unterschiedlichen Lebensziele, die unterschiedlichen
Wertvorstellungen usw. deutlicher werden.

Glaubst Du Ubereinstimmungen in Intellekt und Bildungsniveau sind massgebend in einer Beziehung? Gibt es Studien diesbezüglich?

Wieso wählt man immer (?) den ähnlich differenzierten Partner?

Tut man ja eben nicht. Das ist ja das Problem. Da hat die
SCHNARCHnase von Autor möglicherweise nicht aufgepasst.

Viele sogenannte Grundgesetze müssen wir übern Haufen werfen.
Es wird viel geschrieben und gedruckt. Du weißt ja wohl:
Papier ist geduldig.

Ja und ich will´s lesen! ;o)
Zumindest würde mich wirklch interessieren, wie Schnarchs Theorien von anderen gesehen werden die vielleicht nicht auf der Welle mitschwimmen die ihn gerade so hoch hält.

Grüße

Mopedhexle

Hallo Mopedhexle

Du hast nicht zufällig noch ein paar Links oder Literaturtips
diesbezüglich?

Nein, leider auch nicht.

Glaubst Du Ubereinstimmungen in Intellekt und Bildungsniveau
sind massgebend in einer Beziehung?

Auf längere Sicht schon, denke ich. Natürlich ist das auch eine Frage der Prioritäten und der „Bescheidenheit“ bezüglich versch. Werte.
Viele Männer wollen einfach eine sexy Lady und fertig. Viele Frauen wollen einfach ne gute Party und Ende.
Sind ja nicht alle Intellektuelle. :wink:

Gibt es Studien
diesbezüglich?

Keine Ahnung, aber es gibt ja über alles Mögliche Studien - warum sollte es hierzu keine geben!
Gruß,
Branden

Korrektur

Viele
Frauen wollen einfach ne gute Party und Ende.

Ich wollte sagen: Eine gute PARTIE, nicht PARTY.
Na schön, viele wollen auch einfach immer PARTY MACHEN („Paris-Hilton-Syndrom“), aber das meinte ich nicht, sondern die „gute Partie“, also den vermögenden Sugar-Daddy. :wink:

hallo branden,

wenn also die dame einen mann mit versogerqualitäten sucht und der herr eine dafür sexy dame nach seinem geschmack - und beide sich über diese äh tiefsinnigen ansprüche zumindest ein stück weit nicht nur im klaren sind, sondern dies auch gegenseitig wissen und als ok einschätzen. (solche solls ja geben und nicht nur die, die selbst zwar „berechnend“ sind aber selbst natürlich nur um ihrer tiefen inneren güldenen werte geliebt werden wollen) - fällt sowas für dich unter undifferenziert oder eher differenziert? - also im rahmen des paares, nicht nach den eigenen ansprüchen meine ich nun. ich pers. schätze deren chancen gar nicht so schlecht ein - sie sind sich der kompromisse ja bewusster als jene anderen…

oder bin ich da auf einem falschen gedankenpfad grad?

LG
nina

nachantwort

… fällt sowas für dich unter
undifferenziert oder eher differenziert?

Du kannst (gute) Fragen stellen!

ich
pers. schätze deren chancen gar nicht so schlecht ein - sie
sind sich der kompromisse ja bewusster als jene anderen…

Da hast Du recht. „Beziehungstechnisch“ wär das dann relativ differenziert, wenn beiden das alles so klar ist.
Möglicherweise haben wir hier sogar ein durchaus nicht so seltenes Modell.

oder bin ich da auf einem falschen gedankenpfad grad?

Nein, bist du nicht. Es bleibt allerdings die Frage, wie man selber zu dem „Warencharakter“ (im Gegensatz zum „wahren Charakter“) dieser Liebesbeziehung steht bzw. wie man sie für sich werten würde.
Gruß,
Branden

… fällt sowas für dich unter
undifferenziert oder eher differenziert?

Du kannst (gute) Fragen stellen!

ab und an hat ja jeder mal einen geistesblitz:wink:

ich
pers. schätze deren chancen gar nicht so schlecht ein - sie
sind sich der kompromisse ja bewusster als jene anderen…

Da hast Du recht. „Beziehungstechnisch“ wär das dann relativ
differenziert, wenn beiden das alles so klar ist.
Möglicherweise haben wir hier sogar ein durchaus nicht so
seltenes Modell.

nun, ich meine auch, das gibt es gar nicht sooo selten -
evtl kann man noch gewisse bewusste übereinstimmungen austauschen - z.gibts sicher paare die sich bewusst binden ohne grosse liebe - aus
angst vor einsamkeit oder andere gründe - sofern die sog. basis offen
gekärt ist, scheint mir, gibts weniger stress - weil eben beide wissen worauf sie sich warum einlassen - die einseitigkeit, die nichtklärung oder der selbstbetrug was die gründe betrifft scheint mir immer wieder das hautpproblem zu sein.

(auch wenn keiner der formen für mich erstrebenswert wäre, so finde ich mal wieder - offenheit scheint auch da der schlüssel:wink:

oder bin ich da auf einem falschen gedankenpfad grad?

Nein, bist du nicht.

(*g hab ich auch nicht wirklich vermutet ehrlich gesagt:smile:

Es bleibt allerdings die Frage, wie man

selber zu dem „Warencharakter“ (im Gegensatz zum „wahren
Charakter“) dieser Liebesbeziehung steht bzw. wie man sie für
sich werten würde.

sicher, das steht auf einem anderen blatt - doch wenn man mal die gründe nicht bewertet -gibts noch ne menge mehr an gründen bei denen ich mir diese frage auch stellen würde - hauptbeweggründe wie angst vor dem alleinsein, keine/n besseren mehr zu finden, hoffnungslosigkeit auf div. ebenen, vorgeschobene andere gründe (haus, kinder etc bei bestehenden bez.) - das alles gibts auch und für mich ist nichts davon besser als das genannte beispiel.
und wenn man sich überlegt - es gibt auch bestehende beziehungen bei denen alle und noch viele andere motive oft der einzige grunde sind zusammenzubleiben. in den fällen bei denen beide die gleichen motive haben - von mir aus von versch. seiten her oder auch nicht - ists doch ebenso ein trauerspiel im grunde.

ich frage mich, ob menschen beim lesen jener postings bei denen es um das beziehungsmodell „berechnung /kohle“ ging, auch an dies anderen varianten gedacht hat und auch an bestehende bez. die nicht mehr sind was sie waren und in eine ähnliche richtung laufen/gelaufen sind - sich da wiedererkennen oder ob man sozusagen den (moralischen) zeigefinger erhebt ohne zu bemerken wie nahe man selbst schnell in den bereich kommt - denn „berechnung“ (ersatzwort mangels passendem) hat nicht nur mit kohle zu tun.

im grunde ist egal um was es sich handelt - im kern wäre es aus meiner sich in allen fällen das gleiche - und hier greift überall dein absatz:

Es bleibt allerdings die Frage, wie man
selber zu dem „Warencharakter“ (im Gegensatz zum „wahren
Charakter“) dieser Liebesbeziehung steht bzw. wie man sie für
sich werten würde.

ich bezweifle aber stark, dass auch die, bei denen es nicht so auf den ersten blick erkennbar ist - das doch so ähnliche prinzip - für sich den gleichen verwerflichen blick.

in allen fällen scheint aber eines klar - jeder weiss um den hohen preis und das scheint es jenen wert.
gleiche beziehungsarten nur ohne diese bewusste offene klärung:
da scheint es anders - hier fühlt sich einer immer abgezockt, verarscht etc (und nach meiner wahrnehmung selbst dann wenn die eine person genauso drauf ist (sich dessen nur nicht bewusst ist)

wird auch immer wieder - so ich meine - in gewissen foren bestätigt - nicht nur im wahren leben:wink:

LG nina
(hoffe, ich schreibe nicht so dreigleisig wie ich gerade denke*g)

PS: bei paaren, bei denen einer von beiden deutlich mehr liebe für den anderen fühlt scheint das auch gut gehen zu können - zumindest dann wenn es offen gekärt ist - wie lange weiss ich nicht, wissen wir aber nie.
je nachdem ob und wie ein ungleichgewicht ausgeglichen werden kann wirds besser oder schlechter gehen meine ich mal.

also ich sehe dass so

als freund sucht man jemanden, der ähnlich oder genauso tickt
und für eine liebesaffäre oder -beziehung findet man genau das gegenteil anziehend
wenn man nun doch eine liebesbeziehung mit einem gleichgesinnten hat, hat man mit ihm, nachdem der zauber vorbei ist, eine immerwährende freundschaft
und wenn das verliebtsein zwischen zwei gegensätzlichen menschen vorbei ist, ist gänzlich schluss

feste liebesbeziehungen sind eh nie von dauer, denn die zeiten, wo man für immer (aus gesellschaftlichen gründen, oder warum auch immer) zusammenbleibt, sind vorbei

wenn man diese tatsache akzeptiert bzw. versteht lebts sich wunderbar

gruß,

hagen