Differierende Artikel zwischen BRD-und Ösi-Deutsch

Hallo ihr!

Bin durch Zufall draufgekommen, dass in der österreichischen Variante des Deutschen (bin selbst Österreicher) einige Worte andere Artikel haben als im „deutschen Deutsch“.

Beispiele:

Die Cola (BRD) vs. Das Cola (A)

Die E-Mail (BRD) vs. Das E-Mail (A)

Die Eins (als Schulnote; BRD) vs. Der Einser (A)

Die Schranke (BRD) vs. Der Schranken (A)

usw.

Immer öfter fällt mir auch auf, dass Präpositionen anders gewählt werden. Beispiele:

Zu Anfang (BRD) vs. Am Anfang (A); („ZU ANFANG“ in Österreich völlig unbekannter Ausdruck)

Am Mittag (BRD) vs. zu Mittag (A)

„Geh auf dein Zimmer !“ (höre ich oft in Filmen - bei uns völlig unbekannter Ausdruck- richtig wäre hier „Geh in dein Zimmer“)

Wäre über eure Meinung/Erfahrung interessiert…

Grüße,
Pi.

Hallo,

die von Dir erwähnten Unterschiede bei den Artikeln sind nicht typisch österreichisch-deutsch. Meine deutsche Großmutter ohne österreischen Hintergrund benutzt genau die vermeintlich typisch österreischen Artikel-Versionen, obwohl sie mitten in Westdeutschland wohnt und lebt.

Gruß
Christian

Hallo Pierre!

Bin durch Zufall draufgekommen, dass in der österreichischen Variante des Deutschen (bin selbst Österreicher) einige Worte andere Artikel haben als im deutschen Deutsch".

Das ist nicht nur ein deutsch-österreichisches, sondern auch ein deutsch-schweizerisches und ein nord-süddeutsches und ein west-ostdeutsches Phänomen.

Beispiele: :smiley:ie Cola (BRD) vs. das Cola (A)

Da handelt es sich um ein Neuwort, bei dem meist die Wahl des Artikels von Anfang an unklar ist. Ähnlich: die Fanta/das Fanta, die Bluna/das Bluna, und sogar der/die/das Joghurt!

Die E-Mail (BRD) vs. das E-Mail (A)

Hier schlägt im einen Fall das „die“ von „die elektrische Post“ und das andere Mal das „it“ (It is an E-mail) des Englischen durch.
Zu diesen Fällen habe ich weiter oben schon einiges geschrieben.

Die Eins (als Schulnote; BRD) vs. der Einser (A) die Schranke (BRD) vs. der Schranken (A)

Mit Endung –s bzw. -e: „die“, mit der Endung –er „der“! Letzteres ganz den Regeln entsprechend. Ähnlich gibt es: die Zehe, der Zeh.

Immer öfter fällt mir auch auf, dass Präpositionen anders gewählt werden.

Auch das gibt es im „großen Kanton“ nebeneinander.

Diese

Beispiele: Zu Anfang (BRD) vs. Am Anfang (A); („ZU ANFANG“ in Österreich völlig unbekannter Ausdruck) Am Mittag (BRD) vs. zu Mittag (A)

kannst du in ganz Deutschland nebeneinander hören. Ich füge noch hinzu: An Weihnachten/zu Weihnachten, an Ostern/zu Ostern etc. Sie sind oft weniger regional, als gruppenspezifisch begründet und die einen finden sie normal, die anderen perhorreszieren sie.

Manche Austriazismen klingen aber in „reichsdeutschen Ohren“ peinsam: „Er lebt am Land. Ihm wachst der Wein beim Fenster herein.“ Da kringeln sich und klingeln auch meine dialektgewohnten Ohren.

„Geh auf dein Zimmer!“ (höre ich oft in Filmen - bei uns völlig unbekannter Ausdruck – richtig* wäre hier „Geh in dein Zimmer“)

Dieses „auf“ ist eben auch so ein Ärgernis für Puristen. Aber es hat sich eingebürgert, bei öffentlichen, staatlichen Einrichtungen zu sagen: Aufs Rathaus, aufs Finanzamt, auf die Post, auf die Bank, auf die Arbeit und – horribile dictu! – auf Schalke.

*In diesem Zusammenhang zu sagen: Nur das eine ist richtig! halte ich für eine Überstrapazierung eines unnötigen Lokalpatriotismusses. Man könnte auch von einer Arroganz vermeintlich „gebildeter Leute“ reden.

Ich wünsche, dass du diese Stellungnahme nicht persönlich nimmst. So ist sie nämlich ganz und gar nicht gemeint. Ich bin halt dafür, dass man etwas Ungewohntes nicht gleich ablehnen soll.
Und ein anderes Rezept bei der Zubereitung eines Sauerbratens z. B. sollte man auch gustieren können, wenn man ihn zu Hause auch weiterhin so zubereitet, wie man ihn von der Mutter kennt, und meintswegen auch für das beste hält.

Hier hilft wieder einmal der Spruch: "Suum cuique“.

Gruß Fritz

Ja, da kann man schon irr und wirr werden mit den Artikeln.
Meine Familie stammt aus Austria, aufgewachsen bin ich im
Schwaebischen, und so haben eine ganze Reihe von Woertern bei
mir, je nach Gespraechspartner, verschiedene Artikel.

Zu den von dir genannten Beispielen faellt mir noch ein:

Meine Familie sagt: der Teller (im Schwaebischen sagt man das
auch, nur auf Hochdeutsch heisst es *das* Teller.)
Meine Familie sagt auch *der* Radio. Wie’s im Schwaebischen
ist, kann ich jetzt gar nicht sagen, bei dem Wort komme ich
immer ins Schleudern. Aber im Hochdeutschen ist es definitiv
saechlich: das Radio. Mein Mann zieht mich immer auf mit
„derdiedas Radio“. :wink: Man hat’s eben nicht immer leicht mit
seinen Dialekten.

LG
Edith

Austriazismen

Manche Austriazismen klingen aber in „reichsdeutschen Ohren“
peinsam: „Er lebt am Land. Ihm wachst der Wein am Fenster
herein.“ Da kringeln sich und klingeln auch meine
dialektgewohnten Ohren.

Nachgefragt:

  1. Was bedeutet „peinsam“? Wir verwenden in unserer Familie Eigencreationen, und „peinsam“ steht für „peinlich“. Aber vielleicht meinst Du einfach nur „schmerzhaft“???

  2. „Er lebt am Land“ - was könnte daran ohrenkringelig sein???

  3. „Ihm wachst der Wein am Fenster herein“ - diese Ausdrucksweise ist mir völlig ungeläufig. „Ihm wächst der Wein beim Fenster herein“ würde ich formulieren.

  4. Bei „Er hat im Regen gestanden“ und das geteilte „damit“ („da habe ich nichts am Hut mit“ oder so ähnlich) - DAS bereitet Ohrenklingeln!

Freundschaftliche Grüße an das Volk mit schwerer Zunge :wink:))

Hanna

Du hast mich wieder mal ertappt, beste Hanna!

  1. Was bedeutet „peinsam“? Wir verwenden in unserer Familie
    Eigencreationen, und „peinsam“ steht für „peinlich“. Aber
    vielleicht meinst Du einfach nur „schmerzhaft“???

Siehst du, so gehts! „Peinsam“ ist eine Privatbildung, die für mich genau diese Doppeldeutung von „peinlich u n d schmerzhaft“ hat.

  1. „Er lebt am Land“ - was könnte daran ohrenkringelig sein???

Du solltest das mal mit meinen Ohren hören!:smile:

  1. „Ihm wachst der Wein am Fenster herein“ - diese
    Ausdrucksweise ist mir völlig ungeläufig. „Ihm wächst der Wein
    beim Fenster herein“ würde ich formulieren.

Das meinte ich auch. Ist ein Schriebfehler (sic!); es war halt schon spät, heut Nacht. Wenn ich darf, korrigiere ich es in meinem Text.

  1. Bei „Er hat im Regen gestanden“

DIR natürlich, aber dafür kommst du auch aus der schönen Austria.

und das geteilte „damit“ („da habe ich nichts am Hut mit“ oder so ähnlich) - DAS bereitet Ohrenklingeln!

Das tut es bei mir auch!

Und ich habe auch oft eine schwere Zunge.:smile:

Fritz

Ja, so ist es! Auch ich habe Vorfahren, die der KuK-Monarchie entstammen und meine erster Zungenschlag klang burgenländisch.

Zu den von dir genannten Beispielen faellt mir noch ein:
Meine Familie sagt auch *der* Radio. Wie’s im Schwaebischen
ist, kann ich jetzt gar nicht sagen, bei dem Wort komme ich
immer ins Schleudern. Aber im Hochdeutschen ist es definitiv
saechlich: das Radio.

Dieser Unterschieht rührt meiner Ansicht nach daher, dass „Radio“ eine Abkürzung ist. Und zwar entweder von

DER RadioAPPARAT => der Radio,

oder von

DAS RadioGERÄT => das Radio.

Ob davon wirklich eines als „hochdeutscher“ als das andere bezeichnet werden kann, bezweifle ich. Es ist wohl eher so, dass „Der-Radio-Sager“ in der Minderheit sind. Aber auch und gerade Minderheiten sind zu schützen!

Darum auch: der Butter! der Schocklad! der Auto! der Zeh!

LG Fritz

Grüß Dich, Fritz!

Du hast mich wieder mal ertappt, beste Hanna!

Leider sehe ich meine eigenen Fehler nie so gut wie die anderer Leute - wenn ich das bloß umdrehen könnte!

Siehst du, so gehts! „Peinsam“ ist eine Privatbildung, die für
mich genau diese Doppeldeutung von „peinlich u n d
schmerzhaft“ hat.

Wie liebe ich das! Es gibt so viele Dinge, die offiziell noch keinen passenden Ausdruck haben - und Menschen wie Du haben Phantasie genug, welche zu erfinden! *dichdafürbewundere*

  1. „Er lebt am Land“ - was könnte daran ohrenkringelig sein???

Du solltest das mal mit meinen Ohren hören!:smile:

*lach* Ich leihe Dir gerne meine Ohren, wenn Reiko sagt, er gehe „hoch“ statt „rauf“!

  1. „Ihm wachst der Wein am Fenster herein“ - diese
    Ausdrucksweise ist mir völlig ungeläufig. „Ihm wächst der Wein
    beim Fenster herein“ würde ich formulieren.

Das meinte ich auch. Ist ein Schriebfehler (sic!); es war halt
schon spät, heut Nacht. Wenn ich darf, korrigiere ich es in
meinem Text.

Korrigier es, nimm die Passage aus meiner Antwort, Deiner Antwort und hier meiner Antwort heraus, entferne die Passagen mit „ertappt“ und mach aus dem 4. Punkt den dritten - dann bemerkts niemand!

  1. Bei „Er hat im Regen gestanden“

DIR natürlich, aber dafür kommst du auch aus der schönen
Austria.

ich bin gestanden - ich habe gestanden
ich bin gesessen - ich habe gesessen
Das hat doch jeweils eine andere Bedeutung! Immer das zweite machen die Verbrecher (hoffentlich! *g*)

Und ich habe auch oft eine schwere Zunge.:smile:

Oh Fritz! Es war ein Fehler, Dir das an den Kopf zu werfen! Ich bereue!

Hanna

Geh bitte lieber nicht
an die Börse, cher Pierre!
Jedenfalls nicht annern Leuten!

Servur, moin, manni