Dimensionen

Guten Tag

Ich habe letztens einen Bericht (über Relativitätstheorie? Habe nicht alles mitgekriegt) gesehen. Die Rede war dort von Dimensionen. Dass es eine Dimension der Zeit und drei Dimensionen des Raumes gibt, war mir verschwommen bekannt. Es sollen aber weitere sechs bekannte Dimensionen existieren. Letztere wurden nicht erklärt. Mich hätte nun interessiert, wie „Dimension“ überhaupt definiert werden kann, wie man die drei räuml. Dimensionen in Worten benennt und welches die sechs anderen sind, falls das einem Laien überhaupt verständlich zu machen ist.
Ich habe bereits bei Wikipedia nachgesehen: was dort steht, beantwortet allerdings meine Fragen nicht. Und bei den anderen unter Google gefundenen Quellen ist auch immer nur von Raum und Zeit und Koordinatensystemen die Rede - Dinge, die ich eigentlich schon weiss.

Grüsse

Wiesel

P.S. In welches Gebiet gehört diese Frage? Astrophysik?

hi,

mathematisch/physikalisch heißt „dimension“ lediglich die anzahl der freien variablen, die zur beschreibung eines sachverhalts nötig sind. wenn man sagt, das raum-zeit-kontinuum habe 4 dimensionen (3 räumliche und die zeit), meint man, man könne den zustand der welt (oder eines kleinen abschnitts davon) durch 4 von einander unabhängige variablen (3 räumliche und die zeit) vollständig beschreiben. idee: wenn du von jedem punkt im raum und zu jedem zeitpunkt sagen kannst, wie er sich verhält, kannst du alles beschrieben.
das denkt die moderne physik (so viel ich weiß) nicht mehr, denn so lässt sich die tatsache, dass alles in bewegung ist, nicht erfassen. (wenn ichs richtig verstanden hab). so viel ich weiß, wird nach hawking auch nicht mehr die zeit, sondern eine „imaginäre zeit“ als 4. dimension benützt. das heißt i.w. nur, dass die rechenmodelle damit einfacher / adäquater werden.

insgesamt vielleicht eine nüchterne und enttäuschende auskunft: dimensionen sind da nix, in das man reisen kann. sie sind bestandteile von rechenmodellen.

hth
m.

Hallo,

Ich habe letztens einen Bericht (über Relativitätstheorie?
Habe nicht alles mitgekriegt) gesehen.

wenn es 10- oder 11-dimensional war, wird es Stringtheorie (oder M-Theorie oder Supergravitation) gewesen sein. Möglicherweise die in den öffentlich-rechtlichen Sendern in letzter Zeit recht häufig gesendete Serie „Was Einstein noch nicht wußte“.

Die Rede war dort von
Dimensionen. Dass es eine Dimension der Zeit und drei
Dimensionen des Raumes gibt, war mir verschwommen bekannt. Es
sollen aber weitere sechs bekannte Dimensionen existieren.

Naja „bekannt“ ist ein wenig übertrieben. Es gibt keine Experimente, die die Existenz von zusätzlichen Dimensionen nahelegen.

Lediglich theoretische Überlegungen schlagen dies vor. Die Stringtheorie ist nämlich nur für 10 Dimensionen sinnvoll formulierbar.

Letztere wurden nicht erklärt. Mich hätte nun interessiert,
wie „Dimension“ überhaupt definiert werden kann, wie man die
drei räuml. Dimensionen in Worten benennt und welches die
sechs anderen sind, falls das einem Laien überhaupt
verständlich zu machen ist.

Die Erfahrung zeigt, dass man im Allgemeinen vier Zahlen benötigt um einer anderen Person mitzuteilen, welches Ereignis man meint: nämlich z.B. den Längengrad, den Breitengrad und die Höhe über NN für den Ort und die Uhrzeit (damit man nur eine einzige Zahl für die Uhrzeit braucht, kann man z.B. die vergangenen Stunden seit dem 1.1.1900 angeben) für den Zeitpunkt. Deshalb nennt man die Raumzeit _vier_dimensional.

In bestimmten Sonderfällen genügen aber auch weniger Zahlen, weil z.B. eine völlig festgelegt ist. So kann ein Auto nicht fliegen, wodurch im Allgemeinen die Höhe festgelegt ist. Genau das könnte für die höheren Dimensionen gültig sein:
Zwar glauben wir mit vier Zahlen alles festgelegt zu haben, es gibt aber in Wirklichkeit noch sechs weitere Zahlen, die wir angeben müssten, um unsere Position eindeutig festzulegen. Allerdings ist es uns (aus welchen Gründen auch immer) unmöglich, unsere Position so zu verändern, dass sich diese übrigen Zahlen verändern würden. Wenn wir unter uns sind genügen also vier Zahlen, dennoch könnten diese zusätzlichen Richtungen Auswirkungen auf die uns umgebende Natur haben.


PHvL

Hallo

Möglicherweise die in den öffentlich-rechtlichen Sendern in
letzter Zeit recht häufig gesendete Serie „Was Einstein noch
nicht wußte“.

Das ist gut möglich.

Die Erfahrung zeigt, dass man im Allgemeinen vier Zahlen
benötigt um einer anderen Person mitzuteilen, welches Ereignis
man meint

Ok

Zwar glauben wir mit vier Zahlen alles festgelegt zu haben, es
gibt aber in Wirklichkeit noch sechs weitere Zahlen, die wir
angeben müssten, um unsere Position eindeutig festzulegen.

Und was sind das für Zahlen bzw. Variablen? Oder ist das nicht näher festgelegt? Wie kommt man gerade auf sechs?

Allerdings ist es uns (aus welchen Gründen auch immer)
unmöglich, unsere Position so zu verändern, dass sich diese
übrigen Zahlen verändern würden. Wenn wir unter uns sind
genügen also vier Zahlen, dennoch könnten diese zusätzlichen
Richtungen Auswirkungen auf die uns umgebende Natur haben.

Interessant, danke.

Gruss

Wiesel

Hallo,

Zwar glauben wir mit vier Zahlen alles festgelegt zu haben, es
gibt aber in Wirklichkeit noch sechs weitere Zahlen, die wir
angeben müssten, um unsere Position eindeutig festzulegen.

Und was sind das für Zahlen bzw. Variablen? Oder ist das nicht
näher festgelegt?

der Einfachheit halber zählt man die drei Koordinaten aus dem gewöhnlichen Raum einfach durch: x_1, x_2 und x_3; dann zählt man einfach weiter. Da wir diese Freiheitsgrade nicht wahrnehmen, gibt es keine Namen aus dem Alltag dafür (wie z.B. hoch-runter, rechts-links und vorne-hinten). Gerade diese Namen zeigen aber, dass es darauf nicht ankommt, da ja jeder eine etwas andere Vorstellung davon hat - physikalische Theorien sollten so formuliert sein, das das nichts ausmacht.

Wie kommt man gerade auf sechs?

Die Stringtheorie sagt insgesamt 10 Dimensionen vorher.


PHvL

Hallo,

ein kleiner Einwurf am Rande:

Wie kommt man gerade auf sechs?

Die Stringtheorie sagt insgesamt 10 Dimensionen vorher.

Die Stringtheorie sagt überhaupt nichts voraus, rein gar nichts, was meines Erachtens der große Makel der Stringtheorie überhaupt ist. Sie ist mit sehr viel Hype aufgebläht worden und macht seit nunmehr fast 5 Jahren keine neuen Fortschritte.

Ich könnte mich hier leicht in Rage reden, möchte aber nicht vom Thema abschweifen.

Die 10 Dimensionen der Stringtheorie rühren daher, da dies die einzige Anzahl an Dimensionen ist, in der die Stringtheorie keine sogenannten Anomalien aufweist, d.h. sie ist nur in 10 Dimensionen überhaupt konsistent formulierbar.

Viele Grüße

Oliver

Hallo,

Die Stringtheorie sagt überhaupt nichts voraus,

was du meinst ist: „die Stringtheorie macht bislang keine experimentell überprüfbaren Voraussagen“.

Die 10 Dimensionen der Stringtheorie rühren daher, da dies die
einzige Anzahl an Dimensionen ist, in der die Stringtheorie
keine sogenannten Anomalien aufweist, d.h. sie ist nur in 10
Dimensionen überhaupt konsistent formulierbar.

Das ist eine Vorhersage.


PHvL

Hallo,

Die Stringtheorie sagt überhaupt nichts voraus,

was du meinst ist: „die Stringtheorie macht bislang keine
experimentell überprüfbaren Voraussagen“.

Was für eine Vorhersage soll denn eine sein, die nicht überprüfbar ist? Natürlich geht es um experimentelle Bestätigung, denn das ist letzten Endes das Wichtigste: die Übereinstimmung mit dem Experiment.

Die 10 Dimensionen der Stringtheorie rühren daher, da dies die
einzige Anzahl an Dimensionen ist, in der die Stringtheorie
keine sogenannten Anomalien aufweist, d.h. sie ist nur in 10
Dimensionen überhaupt konsistent formulierbar.

Das ist eine Vorhersage.

Das ist keine Vorhersage. Es ist vielmehr so, daß es überhaupt nur eine einzige Stringtheorie gibt, und die hat 10 Dimensionen. Aber diese Theorie liefert – zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt – keine Vorhersagen.

Nur zur Klärung: die 10 Dimensionen sind nicht experimentell zu überprüfen, sondern vielmehr theoretisch wegzudiskutieren.

Ich weiß nicht, wieviel du von Stringtheorie verstehst: es ist nichttrivial, diese 10 Dimensionen wieder runterzubrechen auf 4 experimentell zu beobachtende. Der theoretische Trick, mit dem dies funktioniert, heißt Kompaktifizierung. Wenn du Lust und Laune hast und etwas von Physik verstehst, empfehle ich dir gerne einschlägige Literatur zum Thema. Es hier zu erklären, übersteigt zugegebermaßen auch mein Ad-Hoc-Wissen.

Viele Grüße

Oliver

Hallo,

was du meinst ist: „die Stringtheorie macht bislang keine
experimentell überprüfbaren Voraussagen“.

Was für eine Vorhersage soll denn eine sein, die nicht
überprüfbar ist?

du ignorierst ein kleines Wort in meiner Aussage: bislang.

Natürlich geht es um experimentelle
Bestätigung, denn das ist letzten Endes das Wichtigste: die
Übereinstimmung mit dem Experiment.

Eine _Vorher_sage muss aber schon vor der experimentellen Bestätigung exisitieren, sonst ist es keine.

Aber diese Theorie liefert – zumindest zum
gegenwärtigen Zeitpunkt – keine Vorhersagen.

Auf Grund der Supersymmetrie sollte sie auf alle Fälle mehr als doppelt so viele „Teilchen“ wie bekannt enthalten – also zumindest nochmal soviele vorhersagen.

Nur zur Klärung: die 10 Dimensionen sind nicht experimentell
zu überprüfen, sondern vielmehr theoretisch wegzudiskutieren.

Auch das Standardmodell der Teilchenphysik oder die einsteinsche Gravitationstheorie machen Aussagen über die Wirklichkeit, die nicht experimentell zu überprüfen sind. In der theoretischen Physik wird stets versucht, das einfachst mögliche Modell zu benutzen, daher kann es immer sein, dass die Welt eigentlich komplizierter beschaffen ist, es sich nur (zufällig) so ergibt, dass das einfache Modell (im Rahmen unserer Möglichkeiten) immer zutrifft.

Im Grunde ist es nämlich überhaupt nicht das Ziel der Physik, zu beschreiben, wie die Welt beschaffen ist, sondern nur, ein Modell anzugeben, das idealerweise in allen erdenklichen Situationen die richtigen Vorhersagen macht.

Darüberhinaus gibt es sehr oft verschiedene Deutungsmöglichkeiten für die mathematischen Objekte, die in dem Modell auftauchen (das folgende kann z.B. so interpretiert werden).

es ist nichttrivial, diese 10 Dimensionen wieder runterzubrechen auf
4 experimentell zu beobachtende. Der theoretische Trick, mit
dem dies funktioniert, heißt Kompaktifizierung.

Und das ist keinesfalls spurlos. Der resultierende, effektive 4D-Raum ist i.d.R.von einem nativen 4D-Raum zu unterscheiden.


PHvL

Hallo,

was du meinst ist: „die Stringtheorie macht bislang keine
experimentell überprüfbaren Voraussagen“.

Was für eine Vorhersage soll denn eine sein, die nicht
überprüfbar ist?

du ignorierst ein kleines Wort in meiner Aussage:
bislang.

Naja, wenn du dir mal die Größenordnungen der Energieaufwände eines hypothetischen Experiments zur Bestätigung stringtheoretischer Vorhersagen anschaust, dann kannst du getrost davon ausgehen, daß die Vorhersagekraft für die Ewigkeit gleich Null ist.

Ich sehe momentan keinerlei Ansätze, die Verbindung zur „klassischen Hochenergiephysik“ herzustellen, was ja aus Sicht der Stringtheorie eher als Niederenergiephysik bezeichnet werden muß.

Natürlich geht es um experimentelle
Bestätigung, denn das ist letzten Endes das Wichtigste: die
Übereinstimmung mit dem Experiment.

Eine _Vorher_sage muss aber schon vor der
experimentellen Bestätigung exisitieren, sonst ist es keine.

So ist es, und genau daran mangelt es.

Auf Grund der Supersymmetrie sollte sie auf alle Fälle mehr
als doppelt so viele „Teilchen“ wie bekannt enthalten – also
zumindest nochmal soviele vorhersagen.

Ich sage dir mal was: das ganze Theoriegebäude der Stringtheorie bzw. der supersymmetrischen Feldtheorie hat schon was. Sie liefert tiefgreifende mathematische Zusammenhänge (konforme Feldtheorie, Seiberg-Witten, die ganzen Dualitätsbeziehungen, die Befruchtungen der Topologie, Kompaktifizierungssätze). Als ehemaliger QFTler habe ich selbst mit Genuß die Papers von Siegel oder D’Hoker/Phong gelesen.

Aber sie hat keinen erkennbaren Bezug zu unserer physikalischen Welt, sprich, zu dem, was wir wahrnehmen oder selbst unter extremsten Bedingungen im Labor messen können. Diese Erkenntnis sollte sich so langsam mal in der Community durchsetzen, dann würden vielleicht so klassische Gebiete wie die ART in Deutschland oder dem Rest der Welt mal wieder an Bedeutung gewinnen, anstatt daß ein Lehrstuhl nach dem anderen auf diesem Gebiet abgebaut wird.

Nur zur Klärung: die 10 Dimensionen sind nicht experimentell
zu überprüfen, sondern vielmehr theoretisch wegzudiskutieren.

Auch das Standardmodell der Teilchenphysik oder die
einsteinsche Gravitationstheorie machen Aussagen über die
Wirklichkeit, die nicht experimentell zu überprüfen sind.

Im Unterschied zur Stringtheorie haben sowohl die ART als auch die Quantenfeldtheorie in all ihren Modellen (QED, Hochenergie-QCD) eine Unmenge an experimentell brillant bestätigten Vorhersagen geliefert. Die QDE ist auf 11 führende Stellen üeberprüft. Ohne allgemeinrelativistische Korrekturen würde nicht mal GPS funktionieren. Diese beiden Theorien sind nach wie vor das Beste, was die Physik zu bieten hat, auch wenn sie gerade nicht besonders hypig sind.

es ist nichttrivial, diese 10 Dimensionen wieder runterzubrechen auf
4 experimentell zu beobachtende. Der theoretische Trick, mit
dem dies funktioniert, heißt Kompaktifizierung.

Und das ist keinesfalls spurlos. Der resultierende, effektive
4D-Raum ist i.d.R.von einem nativen 4D-Raum zu unterscheiden.

Genau, mit einem Beschleuniger von etwa 1 Lichtjahr Durchmesser und einem Energieaufwand von – was war’s genau? – 10^100 TeV?

Wenn du die Statistiken der String-Publikationen in den letzten Jahren anschaust, dann wird dir eine stetige Abnahme auffallen – der Anfang vom Ende, denke ich. Hoffentlich kriegen das PM & Co. auch mal mit.

Viele Grüße

Oliver

Hallo,

Naja, wenn du dir mal die Größenordnungen der Energieaufwände
eines hypothetischen Experiments zur Bestätigung
stringtheoretischer Vorhersagen anschaust, dann kannst du
getrost davon ausgehen, daß die Vorhersagekraft für die
Ewigkeit gleich Null ist.

die Ewigkeit ist lang. Mit ähnlichen Sprüchen haben sich schon viele Leute blamiert.

Diese Erkenntnis sollte sich so langsam mal in der Community
durchsetzen, dann würden vielleicht so klassische Gebiete wie
die ART in Deutschland oder dem Rest der Welt mal wieder an
Bedeutung gewinnen, anstatt daß ein Lehrstuhl nach dem anderen
auf diesem Gebiet abgebaut wird.

Die klassische einsteinsche Gravitationstheorie (was oft irreführend mit ART gleichgesetzt wird) geht IMHO nicht zu Gunsten der Stringtheorie (welche ja auch ART enthält) zurück, sondern eher zu Gunsten „besser verwertbarer“ Dinge.

Ohne allgemeinrelativistische Korrekturen
würde nicht mal GPS funktionieren.

Als grandiose Bestätigung für die einsteinsche Gravitationstheorie ist dies überbewertet. Wirklich gute experimentelle Test der Gravitationstheorie (nicht nur irgendwelcher Geometrieeffekte, die in jeder vernünftigen Gravitationstheorie auftreten) sind nämlich sehr schwierig.

Obwohl es richtig ist, dass die Stringtheorie ein erhebliches Problem mit den Vorhersagen hat, sollte man nicht den Eindruck erwecken, in den etablierten Modellen sei alles eitel Sonnenschein. Die, der Stringtheorie immer wieder entgegengebrachten, Hasstiraden halte ich daher für unangebracht.

Diese beiden Theorien sind nach wie vor das Beste, was die Physik
zu bieten hat, auch wenn sie gerade nicht besonders hypig sind.

Das verbietet aber nicht, wegen der Kenntnis erheblicher Mängel, nach Alternativen zu suchen. Zumal der existierende Kandidat dafür noch aus ganz anderen Gründen attraktiv ist.

es ist nichttrivial, diese 10 Dimensionen wieder runterzubrechen auf
4 experimentell zu beobachtende. Der theoretische Trick, mit
dem dies funktioniert, heißt Kompaktifizierung.

Und das ist keinesfalls spurlos. Der resultierende, effektive
4D-Raum ist i.d.R.von einem nativen 4D-Raum zu unterscheiden.

Genau, mit einem Beschleuniger von etwa 1 Lichtjahr
Durchmesser und einem Energieaufwand von – was war’s genau?
– 10^100 TeV?

Je nach genauer Art des Verbergens der Zusatzdimensionen sind auch Korrekturen bei heute meßbaren kosmologischen Daten denkbar. Was z.B. eventuell attraktiver sein könnte als unsichtbare Dinge zu postulieren, um die Daten zu erklären.


PHvL

Hallo Philipp,

die Ewigkeit ist lang. Mit ähnlichen Sprüchen haben sich schon
viele Leute blamiert.

naja, besonders blamieren kann ich mich ja nicht, da ich nicht mehr auf der Showbühne der Wissenschaft stehe. Aber ich gebe zu, daß man etwas vorsichtiger in der Formulierung ist, wenn man selbst noch dabei ist.

Die klassische einsteinsche Gravitationstheorie (was oft
irreführend mit ART gleichgesetzt wird) geht IMHO nicht zu
Gunsten der Stringtheorie (welche ja auch ART enthält) zurück,
sondern eher zu Gunsten „besser verwertbarer“ Dinge.

Vor etwa 10 Jahren war das in der theoretischen Physik so: entweder du warst Stringtheoretiker, dann warst du auf diversen Sommerschulen qua Fachgebiet ein gefragter Mann, und es hat nicht gestört, daß du meistens vom Rest der Physik keine Ahnung gehabt hast. Oder du warst Festkörperphysiker, Nanotechnologe oder ähnliches, dann war dir auf Jahre hinweg die finanzielle Förderung sicher. Für Gravitationsphysiker, mathematischer Physiker oder Quantenfeldtheoretiker galt damals wie heute, daß nur ein Fachwechsel eine Zukunft bietet oder eben der Ausstieg in die Industrie.

Nebenbei: Vielleicht erläuterst du mir kurz die semantische Unterscheidung zwischen ART und Einsteinscher Gravitationstheorie? Ich weiß, daß Ernst Schmutzer (meines Wissens nach aber als einziger) diese Begriffstrennung durchführt, sie überzeugt mich aber nicht und entspricht keinesfalls der gängigen Praxis. Diese ist nämlich, mit „ART“ die Einsteinsche Gravitationstheorie zu bezeichnen, im Gegensatz beispielsweise zur Newtonschen.

Ohne allgemeinrelativistische Korrekturen
würde nicht mal GPS funktionieren.

Als grandiose Bestätigung für die einsteinsche
Gravitationstheorie ist dies überbewertet. Wirklich gute
experimentelle Test der Gravitationstheorie (nicht nur
irgendwelcher Geometrieeffekte, die in jeder vernünftigen
Gravitationstheorie auftreten) sind nämlich sehr schwierig.

Das sollte ja nur ein Beispiel sein. Man könnte auch die Klassiker Lichtablenkung, Periheldrehung oder aktuell die Bestätigung des Lense-Thirring-Effekts und damit des Gravitomagnetismus durch das Projekt „Gravity Probe B“ nennen. Die Vorhersage von Pulsaren oder noch besser die Erklärung der Abnahme deren Rotationsfrequenz durch allgemeinrelativistische Effekte gehört für mich auch dazu.

Was sicherlich aussteht, ist der Nachweis von Gravitationswellen.

Obwohl es richtig ist, dass die Stringtheorie ein erhebliches
Problem mit den Vorhersagen hat, sollte man nicht den Eindruck
erwecken, in den etablierten Modellen sei alles eitel
Sonnenschein. Die, der Stringtheorie immer wieder
entgegengebrachten, Hasstiraden halte ich daher für
unangebracht.

Ich hasse die Stringtheorie überhaupt nicht. Ich finde sie eine extrem interessante Theorie, die großartige Befruchtungen der Mathematik nach sich zog, wie ich bereits erwähnt habe, Stichwort: Donaldson-Theorie, Seiberg-Witten-Theorie und 4-Mannigfaltigkeiten, Surgery etc.

Ich denke, daß ich mehr Monographien über Stringtheorie besitze als die durchschnittliche Unibibliothek, und bis zu einem gewissen Punkt – der natürlich nichts mehr mit den aktuellen Entwicklungen zu tun hat – meine ich auch, diese verstanden zu haben.

Was ich hasse, ist der Hype, der um sie herum stattfindet. Ihren Stellenwert in der öffentlichen, oft populärwissenschaftlichen Berichterstattung steht in keinem Verhältnis zu ihren Erfolgen, die sich in Umfang und Qualität der Vorhersagen und deren Verifizierbarkeit mißt.

Es ist eine sehr allgemeine – um nicht zu sagen redundante – Aussage, daß die beiden an entgegengesetzten Enden der Skala stehenden etablierten Theorien (QFT, ART) ihre Grenzen haben. Das ist klar, wenn man einsieht, daß jede Theorie ihren Gültigkeitsbereich hat und man eben nach Einbettungsmöglichkeiten in ein umfassenderes Modell suchen muß.

Aber aus experimenteller Sicht ist man an diese Grenzen beileibe noch nicht gestoßen! Es existiert kein Experiment, daß nicht im Einklang mit bestehenden Prinzipien steht und damit prinzipiell erklärbar ist. Es ist sogar vielmehr so, daß – am Beispiel QCD – man vor dem Problem steht, eine Theorie zu besitzen, von deren Gültigkeit man überzeugt ist, man aber auf immense mathematische Schwierigkeiten stößt, um den Niederenergiesektor zu verstehen, Stichwort: Quark Confinement.

Stattdessen wird andauernd so getan, als wäre die Stringtheorie bereits etabliert und wird quasi als gesichert angesehen. Das regt mich genauso auf wie wenn nebenbei bemerkt immer wieder so getan wird, wie wenn die Existenz Schwarzer Löcher als real vorkommende Gebilde eine klare Sache ist.

Diese beiden Theorien sind nach wie vor das Beste, was die Physik
zu bieten hat, auch wenn sie gerade nicht besonders hypig sind.

Das verbietet aber nicht, wegen der Kenntnis erheblicher
Mängel, nach Alternativen zu suchen. Zumal der existierende
Kandidat dafür noch aus ganz anderen Gründen attraktiv ist.

Nehmen wir die beiden Phasen 1969-1985 und 1995-2005. Dann haben wir insgesamt etwa 25 Jahre Forschung in der Stringtheorie, ausgestattet mit einer gigantischen Manpower, wie sie allenfalls mit der Kernphysik der 50er und 60-Jahre vergleichbar ist.

Was sind nun die relevanten definitiven Schlüsselaussagen nach dieser Zeit? Nenne mir nur eine einzige! (Und bitte bleibe dabei im Rahmen des klar Nachweisbaren.)

Wenn man nur einen kleinen Teil dieser Manpower auf das Quark Confinement angesetzt hätte, wäre der nichtperturbative Sektor von Eichtheorien heute vielleicht geklärt, und es würden die Nobelpreise nur so hageln.

Je nach genauer Art des Verbergens der Zusatzdimensionen sind
auch Korrekturen bei heute meßbaren kosmologischen Daten
denkbar. Was z.B. eventuell attraktiver sein könnte als
unsichtbare Dinge zu postulieren, um die Daten zu erklären.

Das würde mich nun aber interessieren. Wenn du die Muße aufwenden kannst, würde ich mir das gerne einmal beschreiben lassen. Übrigens können wir dann die Diskussion auch privat forsetzen, meine e-Mail-Adresse siehst du ja.

Viele Grüße

Oliver

Hallo,

Je nach genauer Art des Verbergens der Zusatzdimensionen sind
auch Korrekturen bei heute meßbaren kosmologischen Daten
denkbar. Was z.B. eventuell attraktiver sein könnte als
unsichtbare Dinge zu postulieren, um die Daten zu erklären.

Das würde mich nun aber interessieren.

Manche Brane-world-Szenarien, die eingeführt werden, um das Hierarchieproblem zu lösen, können den newtonschen Grenzwert in 4D nicht korrekt reproduzieren. Man könnte auf die Idee kommen, das als Feature anzusehen, um eine Korrektur am Newtonpotential zu begründen, die die Rotationskurven der Galaxien erklärt.

Nebenbei: Vielleicht erläuterst du mir kurz die semantische
Unterscheidung zwischen ART und Einsteinscher
Gravitationstheorie?

ART ist Geometrie, Gravitationstheorie muss zusätzlich die Kopplung an Materie/Quellen beschreiben.

Wirklich gute experimentelle Test der Gravitationstheorie (nicht
nur irgendwelcher Geometrieeffekte, die in jeder vernünftigen
Gravitationstheorie auftreten) sind nämlich sehr schwierig.

Das sollte ja nur ein Beispiel sein.

Mit obiger Aussage bezog ich mich nicht mehr nur auf das GPS. Die meisten experimentellen Befunde lassen erhebliche Modifikationen der Theorie zu.

Was sicherlich aussteht, ist der Nachweis von
Gravitationswellen.

Es steht nur der direkte Nachweis aus.

Was ich hasse, ist der Hype, der um sie herum stattfindet.
Ihren Stellenwert in der öffentlichen, oft
populärwissenschaftlichen Berichterstattung steht in keinem
Verhältnis zu ihren Erfolgen, die sich in Umfang und Qualität
der Vorhersagen und deren Verifizierbarkeit mißt.

Derartige Berichterstattung ist bei der Stringtheorie besonders häufig (zur Zeit vorangetrieben durch das Einstein-Jahr), aber beschränkt sich nicht darauf. Mit ebensolcher Regelmäßigkeit erscheinen solche Artikel über Quantenteleportation.

Es ist eine sehr allgemeine – um nicht zu sagen redundante –
Aussage, daß die beiden an entgegengesetzten Enden der Skala
stehenden etablierten Theorien (QFT, ART) ihre Grenzen haben.

Die beiden haben auch für sich genommen Probleme.

Es ist sogar vielmehr so, daß – am Beispiel QCD – man vor
dem Problem steht, eine Theorie zu besitzen, von deren
Gültigkeit man überzeugt ist, man aber auf immense
mathematische Schwierigkeiten stößt, um den
Niederenergiesektor zu verstehen, Stichwort: Quark
Confinement.

Bzw. dass man überzeugt ist, dass irgendetwas nicht stimmt, man aber immer wieder enttäuscht wird, wenn das Experiment wieder mit der Theorie zusammenpasst.

Wenn man nur einen kleinen Teil dieser Manpower auf das Quark
Confinement angesetzt hätte, wäre der nichtperturbative Sektor
von Eichtheorien heute vielleicht geklärt, und es würden die
Nobelpreise nur so hageln.

Was wäre nur, wenn Aristoteles einmal über seinen Schatten gesprungen wäre und nachgeschaut hätte, anstatt einfach nur (falsche) Aussagen über die Wirklichkeit zu machen.


PHvL