Dinner Cancelling

Hallo liebe Wissenden!

Welche Effekte kann es auf einen Körper/auf das Allgemeinbefinden haben, wenn man seine Abendmahlzeiten wegläßt?

Sagen wir, jemand wie ich (weiblich, 32, normale weibliche bis sportliche Figur, gesund) nimmt bis 16 Uhr all das zu sich, worauf er Lust hat (mit allen nötigen Tageskalorien und Nährstoffen), ist dann satt und trinkt den Rest des Tages nur noch Wasser, treibt vielleicht noch ein bisschen Sport (radeln).

Jemand erzählte mir, man sei dann wegen einer hormonellen Umstellung im Körper (??) ausgeglichener und leistungsfähiger, würde damit dem Altern ein bisschen entgegenwirken (organisch vielleicht?) und außerdem auch noch ein paar Pfunde verlieren, konnte das aber nicht genauer erklären. Was passiert hirnphysiologisch und auf hormoneller Ebene, wenn ich 15 Stunden nichts esse (wobei ich 7 Stunden davon schlafe)? Passiert überhaupt etwas?

Oder geht das eher in die Richtung „mit vollem Bauch schläfts sich nicht gut“, also eine Art (groß)elterlicher Weisheit? Die man natürlich hübsch auf Neudeutsch umbenannt hat in „dinner cancelling“.

Möglicherweise steckt da aber tatsächlich eine Ernährungsphilosophie dahinter, eine Überzeugung, die man beispielsweise bei Vegetariern findet.

Hats jemand mal probiert? 2 Abende in der Woche? Jeden Abend bis aufs Wochenende? Welche Erfahrungswerte gibt es, und existieren Untersuchungen, die das wissenschaftlich untermauern?

Ich bin dankbar für Information und Diskussionsstoff!

Ciao, Emma

Hallo,

Welche Effekte kann es auf einen Körper/auf das Allgemeinbefinden
haben, wenn man seine Abendmahlzeiten wegläßt?

folgende Effekte wurden dokumentiert:

  • Es kann einem besser gehen.

  • Es kann einem schlechter gehen.

  • Man kann abnehmen.

  • Man kann zunehmen.

Die Liste lässt sich um weitere Effekte ergänzen, aber vermutlich wird Dich das nicht in allen Einzelheiten interessieren.

Eine knappe Abhandlung zum Thema findet sich wie immer auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Dinner_Cancelling

Hats jemand mal probiert?

Ja, ich, und zwar in der Sonderform des Schweinshaxendinner Cancelling. Die nachfolgende Erläuterung ist streng unwissenschaftlich:

Bis vor etwa einem Jahr war ich an solide Abendmahlzeiten gewohnt. Diese applizierte ich mir zwischen 19 und 23 Uhr und zwar meistens mehrgängig.

Irgendwann, das tut jetzt nichts zur Sache, beschloss ich, Ess- und Bewegungsgewohnheiten zu ändern. Den Vorteil dieser Änderung brauche ich hier ebenfalls nicht zu erwähnen, dafür aber einen damals für mich ungewohnten „Nachteil“:

Seitdem ich mich daran gewöhnt habe, an mehreren Abenden pro Woche abwechselnd ein ein- bis zweistündiges Ausdauer- bzw. Kraftraining zu absolvieren, habe ich Abstimmungsprobleme zwischen Abendmahlzeit und sportlicher Aktivität. Beides gleichzeitig geht nicht, ein voller Bauch trainiert nicht gern, ein leerer aber auch nicht.

Also gibt es zwei Möglichkeiten: Vorziehen des (Abend-)Essens auf den Nachmittag, oder Verschieben desselben auf den späten Abend. Ersteres ist doof wegen stundenlangem Rumverdauern, bevor man sich endlich bewegen kann, zweiteres will man aufgrund der Änderung der eigenen Essgewohnheiten ja gerade - zumindest regelmäßig - vermeiden.

Mittlerweile hat sich ein Mittelweg etabliert. An Trainingstagen wird das Mittagessen zur Hauptmahlzeit und der Nachmittag dient zur zusätzlichen Aufnahme kleinerer Mengen von weiteren Energielieferanten. Ob ich dann nach dem Sport - oft zwischen 21 und 22 Uhr - noch was esse, hängt vom Hungergefühl ab. Es gibt zahlreiche Tage, an denen ich nichts mehr brauche und völlig zufrieden bin.

Umgekehrt habe ich nach kräftezehrendem Training aber auch nicht die geringsten Bedenken, um diese Uhrzeit noch Speisen jedweder Nährstoffzusammensetzung - einschließlich der „bösen“ Kohlenhydrate - zu mir zu nehmen, wenn der kleine Hunger kommt. Die Mengen sind jedoch deutlich kleiner portioniert als früher und eine gewisse Selektion - Stichwort: Schweinshaxenvermeidung - ist auch dabei.

Unbenommen davon sind Ausnahmen und Sonderveranstaltungen, bei denen ich im Einzelfall gewissenlos und glücklich in ehemaliges, abendliches Fressverhalten zurückfalle. Wir wollen es schließlich nicht übertreiben mit dem Gesundheitsbewusstsein.

Fazit: Sportbedingt habe ich mich heute an kleinere oder dann und wann auch ganz wegfallende Abendmahlzeiten gewöhnt und komme gut damit zurecht. Leute, die mir jedoch erzählen wollen, man müsste regelmäßig auf das Essen nach 16 Uhr verzichten, sollten sich auf den gezeigten Vogel einstellen.

Gruß
Andreas

Hallo,

wie Mr Bones verzichte auch ich aufgrund meiner sportlichen Aktivitaeten am Abend gerne auf ein spaetes Abendessen…Allerdings kommt es auch vor, dass ich schulisch bedingt ab ca. 3 Uhr nur noch einen kleinen Snack zu mir nehme und somit an dem betreffenden Tag nur zwei grosse Mahlzeiten genossen habe.
Meiner Leistungsfaehigkeit im Allgemeinen schadet es meines Erachtens nicht, bringen tut mir ein solches Dinner Cancelling aber auch nur insofern etwas, dass ich auf Snacks beim Fernsehen etc. abends verzichte und somit ein paar Kalorien spare (zwei Kilo Gewichtsverlust in zwei Monaten ohne sonstige Diaet oder Einschraenkungen waren die Folge).

Ansonsten muss es einfach jeder fuer sich ausprobieren, auch da stimme ich Mr Bones zu…

Gruesse!

Hi Mr Bones,

sehr amüsante Ausführung, danke dafür. Als Diplom-Universologe solltest du durchaus mal einen Bestseller übers Schweinshax`n (= bayerisch korrekte Schreibweise fürs Schweinebein)-Cancelling verfassen
Kurz gefaßt also: hör auf deinen Körper und laß dich nicht von liebgewonnenen Gewohnheiten leiten, nicht wahr?

Aber komisch ist das schon manchmal. Ich komme an 3-4 Tagen pro Woche nicht vor 18 oder 19 Uhr aus der Arbeit und bin jeweils 45 min später daheim. Es ist tatsächlich so, daß ich mich oft unhungrig auf den Heimweg mache, und plötzlich, wenn ich um die vorletzte Ecke biege, PENG, was gibts heut zum Abendessen? Und schon falle ich einer Gewohnheit zum Opfer. Ist das wirklich so? Oder höre ich letztendlich doch nur auf meinen Körper, der Hunger signalisiert?

mit satten Grüßen, Emma

Hi Trini (wir canceln hier auch Silben im Nick),

vielleicht gibt einem das ein gutes Gefühl, daß man es überhaupt geschafft hat, zu verzichten, nicht die Tatsache, daß man seinem Körper Nährstoffe versagt hat.
Oder ist man dadurch leistungsfähiger, weil wir, als wir noch jagenderweise in Höhlen lebten, fit sein mußten für weitere Nahrungsbeschaffung, trotz (leichten) Hungers und weil die Vorräte alle waren. Ein Endorphin-Schub also? Bloß - Schoki hat augenscheinlich denselben Effekt in der heutigen Zeit :smile:

Grüße, Em (sic!)

Hallo, Emma,

Kurz gefaßt also: hör auf deinen Körper und laß dich nicht von
liebgewonnenen Gewohnheiten leiten, nicht wahr?

ja, nein, nicht ganz.

„Hör auf deinen Körper“ oder anders: „Ich höre auf meinen Körper (das ist sowieso das Beste)“ ist ein Resümee, das sich auf viele Situationen anwenden lässt. Es kann schlüssige Erklärung sein für persönliche Ansichten und Handlungen, es kann aber auch als Ausrede dienen, nicht zu handeln.

laß dich nicht von liebgewonnenen Gewohnheiten leiten

Gefällt mir schon besser, birgt aber die gleiche Problematik. Auf die Ausgangsfrage bezogen hätte ich dir damit den Rat gegeben: Schneide die alten Zöpfe ab und verzichte ab sofort aufs Abendessen. - Passt jetzt nicht wirklich, oder? :wink:

Ich komme an 3-4 Tagen pro Woche nicht vor 18 oder 19 Uhr aus der
Arbeit und bin jeweils 45 min später daheim. Es ist tatsächlich so,
daß ich mich oft unhungrig auf den Heimweg mache, und plötzlich,
wenn ich um die vorletzte Ecke biege, PENG, was gibts heut zum
Abendessen? Und schon falle ich einer Gewohnheit zum Opfer.

Was „PENG“? Wo ist das Problem? Abends hat man normalerweise Hunger, wenn man vorher nicht den ganzen Nachmittag im Lieblingscafé oder der Frittenschmiede rumlungerte.

Ich wiederhole mich: An der guten Traditon des Abendessens habe ich nichts auszusetzen. Ich habe nur erzählt, wie ich meine früheren Essgewohnheiten an eine neue Situation angepasst habe, und dass daraus eine andere Gewohnheit entstanden ist.

Angenehmer Nebeneffekt ist, dass es Tage gibt, an denen ich ohne Anstrengung und Hungergefühl auf eine späte Hauptmahlzeit verzichten kann. Zur Gewichtsstabilisierung nutze ich das in solchen Fällen gerne aus, und brauche mir dafür am nächsten Tag keinen Kopp über ein paar Kalorien mehr oder weniger in der Salatsauce zu machen. Am übernächsten Tag übrigens auch nicht.

Rückblende:

ich (weiblich, 32, normale weibliche
bis sportliche Figur, gesund)

Jemand erzählte mir

Jaklar, der schon wieder! - Lass Dir bitte nicht von Jemand das Abendessen vermiesen! Der kommt hier oft vorbei und erzählt Stuss.

Gruß
Andreas

Hi Bones!

Mit PENG wollte ich nur verdeutlichen, daß der Hunger ganz gewohnheitsmäßig auf meinem Heimweg aufkommt. Ich hätte erwähnen sollen, daß es kein PENG gibt (oder jedenfalls nur ein peng), wenn ich nach der Arbeit gleich ins Kino gehe, eine Freundin besuche etc. Womit ich mich wieder bei der Frage finde: anerzogen oder erworben?

Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: ich laße mir bestimmt nicht von DEM mein Abendessen vermiesen. Bin zufrieden mit meinem Ernährungszustand. Die Diskussion mit diesem Jemand und mit dir ist rein theoretischer Natur, und wenn auch belanglos, irgendwie interessant :smile:

Wohl bekomme die Schweinshax´n!

Emma