Diplomarbeit von Firmenseite betreuen

Werte Experten,

mein Neffe (genauer: Sohn der Stiefschwester meiner Ehefrau) wünscht, in meinem Hause seine Diplomarbeit zu verfassen, d.h. ich werde mich als firmenseitiger Betreuer zur Verfügung stellen.

Es ist mir jedoch unklar, bis zu welchem Maße ich ihm vor bzw. nach Anmeldung indirekt „helfen“ darf.

Ich habe als Unternehmer einerseits bestimmte Wünsche, was eine wissenschaftliche Aufarbeitung bestimmter Vorgänge betrifft, zum anderen habe ich branchenspezifische Kenntnisse, so dass ich von bestimmten Bereichen abraten bzw. zu bestimmten Themenvorschlägen raten könnte, was wiederum meinem Neffen das Erstellen seiner Diplomarbeit stark vereinfachen würde.

Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu meinem Neffen und stand ihm während seines Studiums als fachlicher Ansprechpartner zur Verfügung, so dass ich über Studieninhalte sehr genau informiert bin. Daher habe ich zum einen Vermutungen über seine Themenvorschläge als auch Meinungen dazu (konkret, wo dabei Schwerpunkte gesetzt werden sollten) bzw. Kenntnisse über den momentanen Stand der Wissenschaft samt der dazugehörigen Literatur in unserer Bibliothek. Darüber hinaus bin ich in der Lage, bestimmt 3 annehmbare Themenvorschläge zu erstellen, die sich wiederum an den Interessen des Unternehmens anlehnen UND für eine Diplomarbeit ergiebig und m.E. rel. leicht zugänglich sind.

Mir ist gegenwärtig nicht ganz klar, wie weit diese „indirekten Hilfen“ gehen dürfen. Durch gemeinsame Erarbeitung der Themenvorschläge sowie durch die vorhandene Selektion der Fachliteratur in unserer Bibliothek entstünde meinem Neffen bereits ein nicht unerheblicher Vorteil. Wie weit können/sollen die „konstruktiven Gespräche“ während der Erstellung, für die ja in sovielen Publikationen gedankt werden, gehen?

Besten Dank für Eure Guidelines und Erfahrungen,
speedofthoughts

Hi,

der Kandidat muss bei der Abgabe eine Erklärung unterzeichnen, dass er die Arbeit „ohne Hilfe Dritter“ angefertigt hat.

Sicher ist eine auf die Person und die Unternehmensbedürfnisse zugeschnitte Aufgabenstellung unproblematisch. Es werden von Unternehmen ja meist genau definierte Diplomarbeitsthemen vergeben, die freie Auswahl ist wohl nicht mal an der uni möglich, da ja die Profs auch gern DA zur kostenlosen Unterstützung eigener Forschung nutzen.

Das bereitstellen einer Bibliothek ist auch keine Hilfe „Dritter“.

Kritischer wird es bei en Gesprächen. Ich denke, wichtig ist, dass der kreative Part bei der Erstellung bei Deinem Neffen liegt.

Sonst…

  1. lernt er wenig dabei
  2. macht es keinen Spaß
  3. hast Du unnötig Arbeit, die eigentlich er sich machen soll
  4. kommt vielleicht am Ende eine Arbeit raus, der man sofort ansieht, dass sie von einem Facmann geschieben ist.

Das wichtigste ist, dass Dein Neffe und nicht Du den aktiven Part übernimmst. ER muss etwas ausarbeiten, geeignete Methoden suchen, recherchieren, Fragen stellen etc. Einer fachlichen Diskussion seiner Ausarbeitungen auch zwischendurch steht nichts im Weg.
Wenn Du ihn zielgerichtet in die richtige Richtung lenkst, hat er dann den Praxisschock eben erst später…

Von Dritten erstellte Arbeiten kann man leicht daran erkennen, dass der Kandidat auf zielgerichtete Fragen, die nicht wörtlich in der Arbeit beantwortet sind, aber eigentlich zum nötigen Hintergrundwissen gehören, nicht antworten kann.

A.

Hallo speedofthoughts,

wenn ich eine Diplomarbeit betreue, gilt für mich folgendes:

Ich bin immer an einem bestimmten Ergebnis interessiert. Hier werde ich zunächst eine reine Zielvorgabe machen und schauen, wie sich der fast fertige Dipl-… so macht.
Wenn er es alleine methodisch nicht auf die Reihe bringt, werde ich ihm natürlich zwangsweise helfen, da ist mir mein Anliegen zu wichtig, als dass ich hehere wissenschaftliche Grundsätze einhielte. Wobei natürlich die Regel gilt: Nur soviel Hilfe, wie nötig…
Was ich aber defintiv nicht als Hilfe im eigentlichen Sinn sehe, sind korrigierende Eingriffe bzw. Kritikschleifen.

Was ich aber sehr unwillig mache, ist eine größere Unterstützung in wissenschaftlicher Hinsicht, die meist meine eigentliche Aufgabenstellung übersteigt. Hierfür sehe ich ganz klar den betreuenden Lehrstuhl und den Diplomanden selber in der Pflicht. Letztendlich liegt ja schließlich die Bewertung vor allem beim Lehrstuhl…

Grüße
Jürgen

Hi speedofthoughts,

bei uns im Haus wurden schon ettliche DA angefertigt, ohne daß es je zu Problemen gekommen wäre.

Wichtig ist, daß Dein Neffe Anspreechpartner an der Uni hat (Referenten und Korreferent).

Mit denen solltest Du auch das Thema erörtern (Umfang Aufgabenstelung), weil Du sicher nicht gut abschätzen kannst, wie umfangreich alles werden kann. Schließlich soll es keine Doktorarbeit werden.

Was Hilfestellungen angeht, solltest Du Dich auch mit den Profs absprechen, bis wohin es OK ist und ab wann bedenklich.

Die Zuverfügungstellung von üblichen Hilfmitteln wie eine Bibo ist nicht nur unbedenklich, sondern in meinen Augen sogar unerläßlich, genauso wie es unerläßlich ist, Deinen Neffen auf den Stand der Technik zu bringen. Es nutzt Dir und ihm wenig, wenn er das Rad erneut erfindet, nur weil er es für die Arbeit braucht.

Das bearbeiten der Fragestellung wiiderum sollte der Kandidat möglichst eigenständig bewerkstelligen, allerdings ist der Anspruch an die Selbständigkeit nicht so hoch anzusetzen wie bei einer Doktorarbeit. Er soll aber auch ruhig rumknobeln, wenns nicht sofort klappt, auch wenn DU vielleicht sofort einen Lösungsansatz siehst (der allerdings nicht immer der richtige sein muß).

Dann ist auch noch zu bedenken, daß eine Diplomarbeit veröffentlicht wird, was die Themenvielfalt ev. einschränkt, weil die Ergebnisse theoretisch auch von dritten (Konkurrenz!!!) eingesehen werden kann. Es gibt allerdings die Möglichkeit, die Veröffentlichung zu beschränken, das hängt aber von der Prüfungsordnung der Uni ab --> mit den Profs sprechen.

In Summe kann ich aus Erfahrung sagen, daß eine DA in der Industrie eine für beide Seiten befriedigende Sache sein kann.

Gandalf

Hallo,

mein Neffe (genauer: Sohn der Stiefschwester meiner Ehefrau)
wünscht, in meinem Hause seine Diplomarbeit zu verfassen, d.h.
ich werde mich als firmenseitiger Betreuer zur Verfügung
stellen.

Es ist mir jedoch unklar, bis zu welchem Maße ich ihm vor bzw.
nach Anmeldung indirekt „helfen“ darf.

Ich habe als Unternehmer einerseits bestimmte Wünsche, was
eine wissenschaftliche Aufarbeitung bestimmter Vorgänge
betrifft, zum anderen habe ich branchenspezifische Kenntnisse,
so dass ich von bestimmten Bereichen abraten bzw. zu
bestimmten Themenvorschlägen raten könnte, was wiederum meinem
Neffen das Erstellen seiner Diplomarbeit stark vereinfachen
würde.

Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu meinem Neffen und stand
ihm während seines Studiums als fachlicher Ansprechpartner zur
Verfügung, so dass ich über Studieninhalte sehr genau
informiert bin. Daher habe ich zum einen Vermutungen über
seine Themenvorschläge als auch Meinungen dazu (konkret, wo
dabei Schwerpunkte gesetzt werden sollten) bzw. Kenntnisse
über den momentanen Stand der Wissenschaft samt der
dazugehörigen Literatur in unserer Bibliothek. Darüber hinaus
bin ich in der Lage, bestimmt 3 annehmbare Themenvorschläge zu
erstellen, die sich wiederum an den Interessen des
Unternehmens anlehnen UND für eine Diplomarbeit ergiebig und
m.E. rel. leicht zugänglich sind.

Mir ist gegenwärtig nicht ganz klar, wie weit diese
„indirekten Hilfen“ gehen dürfen. Durch gemeinsame Erarbeitung
der Themenvorschläge sowie durch die vorhandene Selektion der
Fachliteratur in unserer Bibliothek entstünde meinem Neffen
bereits ein nicht unerheblicher Vorteil.

Bis hierher fällt mir nix auf, was illegal wäre.
Ein Prof an der Uni formuliert die Themen auch so, wie er sie für seine Veröffentlichung braucht, drückt dem Studi 2-10 aktuelle Publikationen (Zeitschriftenartikel, Konferenzbeiträge) in die Hand, von der Bibo mit Grundlagen zum Spezialgebiet spricht kein Schwein und durch Mitarbeit in der Arbeitsgruppe wird dafür gesorgt, das der Diplomand die Möglichkeiten der aktuellen Verfahren kennt. So kenn ich dies aus der Chemie (und auch aus Physik, Mathe etc.)

;Wie weit können/sollen die „konstruktiven Gespräche“ während

der Erstellung, für die ja in sovielen Publikationen gedankt
werden, gehen?

DU solltest als kritischer Gesprächspartner bereit stehen, d.h. er erzählt Dir seinen Wiassenstrand und seine Hänger und du klopfst beides auf Schwachstellen/Anknüpfungspunkte für die weitere Arbeit ab. Dass Du dabei auch Hinweise auf die Grenzen des Themas bzw. Lücken in der Bearbeitung hinweist ist normal.
Negativ wäre nur

  1. alles vorkauen (v.a. Lösungswege),
  2. es quasi selbst machen (ich such dir dies mal eben raus)
  3. ihn dünne Bretter bohren lassen

Positiv:

  1. Ansätze (durch Fragen) aufzeigen uznd ihn weiterarbeiten lassen (ggf. Konzept abfordern)
  2. ihn machen lassen, auch wenn er 3mal so lang braucht um was zu finden

Tschuess Marco.

Besten Dank Euch allen !
Besten Dank für Eure Hinweise. Ich habe jetzt ein Gespräch mit seinem betreuenden Prof. vereinbart und die Themen gestrichen, die sehr fachspezifisch waren.

Gruß,
speedofthoughts