Diplomatische Beziehungen BRD-UDSSR

Hallo!

Immer wenn es um die Kriegsheimkehrer nach dem 2. Weltkrieg in den verschiedenen Dokumentationen geht geht, ist die Rede davon, dass Adenauer damit „drohte“ abzureisen, wenn die Gespräche bei seinem Besuch in Moskau nicht erfolgreich oder für ihn günstig verlaufen.
Adenauer „drohte“ damit keine diplomatischen Beziehungen aufnehmen zu wollen.

Meine Frage:
Warum waren die Russen so scharf auf diplomatische Beziehungen zur BRD?
Waren die Amerikaner, Briten und Franzosen auch scharf auf diplomatische Beziehungen zur DDR?

Warum waren diplomatische Beiehungen für die Russen so wertvoll?
Handelte es sich um wirtschaftliche Interessen? (was ich allerdings nicht glaube)

Wie kann man die diplomatischen Beziehungen so gewichten? Der kalte Krieg lief ja schon oder liess sich wenigstens abschätzen.

Waren die Beziehungen zu England, Frankreich und die USA für die UDSSR weniger wichtig als die zur BRD?

Ich hoffe, dass die Welt und die Diplomatie damals einfacher gestrickt war als heute. Und dass man die Sachverhalte deswegen nachvollziehen kann.

Danke schonmal für die Antworten.

LG, biggi

Erst mal glaube ich nicht, dass das Interesse der UdSSR an diplomatischen Beziehungen zur BRD größer waren als zu den ehemaligen Westalliierten. Aber der Abbruch der diplomatischen Bezihungen ist in jedem Fall eine heftige Drohung. So etwas ist Ausdruck einer tiefgreifenden Zerrüttung zwischen den beiden Staaten.

Insofern würde ich das eher so interpretieren, dass Adenauer in der schwächeren Position war und deshalb zur heftigsten Drohung greifen musste, die er zur Verfügung hatte, also den Abbruch der Beziehungen. Auf der anderen Seite waren die Kriegsgefangenen für die Sowjets ein relativ geringer Einsatz, besonders nach 1949, als es nur noch wenige waren; eher psychologisch als Beweis des Siegs über Deutschland als wirtschaftlich in Form ihrer Arbeitskraft.

Natürlich war die UdSSR auch an diplomatischen Beziehungen zur Bundesrepublik interessiert, insbesondere um Adenauers Westbindung zu torpedieren. Zu diesem Zweck hatte sie ja auch mehrfach eine deutsche Wiedervereinigung angeboten.

Und hier noch ein Lesetipp: http://de.wikipedia.org/wiki/Westintegration

Hallo,

das Ganze lief wie folgt:
Die BRD hat die DDR ja nie anerkannt, sondern sich als einziger deutscher Staat gesehen. Deshalb gab es zwischen beiden Staaten ja auch nur „ständige Vertretungen“ - keine Botschaften. Und in den 50er und 60er Jahren war es dabei so, daß eine Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur DDR automatisch zu einem Abbruch der beziehungen zur BRD führte - die BRD hat dann einfach den LAden dichtgemacht.
Erst um 1970 und später hat sich die Sache gelockert - am Ende hatte die DDR mehr Auslandsvertretungen als die BRD. Aber vorher nicht.
Der Ostblock hat alles versucht, diese Blockade zu durchbrechen. Und ein Weg wäre eine Anerkennung der Sowjetunion durch die BRD gewesen - damit wäre ein beispiel geschaffen worden, daß ein Land von beiden deutschen Staaten diplomatisch anerkannt wird. Das war wohl der HAuptgrund, weshalb die Russen so scharf drauf waren.
Und im Umkehrzug konnten natürlich die Westmächte die DDR nicht anerkennen - bis in die 70er Jahre hinein glaube ich.

Gernot Geyer

‚Hallstein-Doktrin‘
Hallo Gernot,

Du beschreibst recht grob die sog. Hallstein-Doktrin, die nach ihrem „Erfinder“ besser Grewe-Doktrin geheißen hätte. Grob deswegen, weil
a) der Abbruch der Beziehungen nur die letzte Stufe eines größeren Instrumentariums sein sollte,
b) die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Bonn und Moskau die H.-D. überhaupt erst nötig machte, weil in Moskau in der Tat schon eine deutsche Botschaft (Ost-Berlin) bestand.

Letztlich beantwortet sich die Ausgangsfrage so, dass die DDR für die SU nie ein gleichberechtigter Partner war, sondern Faustpfand, Verhandlungsmasse, Machtinstrument. Auch für Moskau war Bonn wichtiger. Eine Abreise Adenauers hätte einen schlechten Eindruck gemacht. Und gerade 1955 waren ja so allerlei Zukunftsentscheidungen zu treffen, auf die Moskau liebend gerne Einfluss genommen hätte.

Gruß,
Andreas

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Hallo,

die DDR war für die Sowjetunion mehr als nur Verhandlungsmasse. Sie war ein fester Bestandteil des Ostblockes. Und damit war die Sowjetunion ganz einfach verpflichtet, diplomatische Beziehungen zur DDR zu haben - schon als äußeren Beweis der angeblichen Freundschaft und Bündnistreue. Zudem sollte ja der Eindruck entstehen, doe DDR sei ein souveräner Staat - also waren gegenseitige Beziehungen auf Botschafterebene notwendig.
Die Bundesrepublik war da für die Russen so wichtig nicht. Wirtschaftliche Beziehungen gab es kaum, politisch spielte die BRD für die Russen zu der zeit auch kaum eine Rolle. Und für Einzelfälle war vorgesorgt - in Berlin saßen die Russen ja sowieso, da waren bei bedarf auch Kontakte zur BRD zu arrangieren.

Gernot Geyer

Ich bins nochmal!

Danke für die Antworten.

Dieser spezielle Fall ist zwar jetzt weitgehend geklärt. Und wenn ich bei Google suche finde ich auch z.b., dass England und die Niederlande in der DDR erst seit ca. 1972 Botschaften unterhielten.

Aber wenn die USA und die SU mit gleichen Mitteln „gekämpft“ haben, müssten die USA doch auch darum gerungen haben, dass die DDR mit ihr diplomatische Beziehungen aufnimmt. Nur das habe ich in noch keiner Dokumentation gesehen und auch nirgends gelesen.

Und nochmal zu Gernot:

Die Bundesrepublik war da für die Russen so wichtig nicht. :Wirtschaftliche Beziehungen gab es kaum, politisch spielte die BRD :für die Russen zu der zeit auch kaum eine Rolle. Und für Einzelfälle :war vorgesorgt - in Berlin saßen die Russen ja sowieso, da waren bei :bedarf auch Kontakte zur BRD zu arrangieren.

Dieser Meinung würde ich auch eher beipflichten als der Meinung von Andreas. Was wiederum Anlaß wäre, meine Anfangsfrage nochmal neu zu beantworten.

Bitte korrigiert mich, wenn ich etwas falsch verstehe:
Es handelte sich 1955 um einen Tauschhandel. Die SU liess die letzten 10.000 deutschen Kriegsgefangenen frei. Im Gegenzug nahm die BRD diplomatische Beziehungen zur SU auf.

Es wird ja oft gesagt, dass diese Verhandlungen über die Freilassung die größte Leistung Adenauers war und dass er deswegen so beliebt in der Bevölkerung war (Die Art und Weise wie er die Rente etc. finanziell organisiert hat, ist ja sehr in Mißkredit geraten, weil es keine langfristige Lösung sein kann. Die Folgen bekommen wir ja schon seit >20 Jahren zu spüren.)

Ich frage mich also, warum die Russen nicht noch mehr für sich dabei „rausgeholt“ haben.

Der Ostblock hat alles versucht, diese Blockade zu durchbrechen. Und :ein Weg wäre eine Anerkennung der Sowjetunion durch die BRD gewesen - :damit wäre ein beispiel geschaffen worden, daß ein Land von beiden :deutschen Staaten diplomatisch anerkannt wird. Das war wohl der :HAuptgrund, weshalb die Russen so scharf drauf waren.

Also ich habe das ja oben schon gefragt (Entschuldigung, dass hier alles irgendwie durcheinander erscheint).

Seit 1955 wurde ja die SU von der DDR und der BRD als Staat anerkannt (= diplomatische Beziehungen wurden aufgenommen, Botschaften eingerichtet). Damit war doch die Blockade schon durchbrochen gewesen.

Warum ist die Anerkennung der SU denn so wichtig? Ich dachte es ging Adenauer/der BRD nur darum, dass die beiden Teile Deutschlands nicht als 2 Staaten aufgefasst wurden. Dass man die SU als Staat anerkennt bedeutet doch nicht im geringsten, dass man auch die DDR als Staat anerkennt.

Was mir vielleicht helfen würde, wäre ein Überblick wann die BRD von anderen Staaten anerkannt wurde. Und eben auch wann die DDR von anderen Staaten anerkannt wurde (und was für Zugeständnisse dafür gemacht wurden).

Wenn die Hallstein-Doktrin sagt, dass die DDR nicht anerkannt werden soll von den westl. Verbündeten der BRD, müssten bei Verfolgung gleicher Taktik seitens der DDR ja die BRD von den DDR-Verbündeten nicht anerkannt worden sein.
Da die SU die BRD schon 1955 als Staat anerkannt hat, gleichzeitig aber auch die Westbindung gegen die DDR tauschen wollte, finde ich das Ganze schon nicht mehr so einfach nachvollziehbar.

Ich hoffe es ist rübergekommen wo meine Verständnisschwierigkeiten liegen. Danke schonmal, dass ihr euch bis hierhin durchgekämpft habt. Ich freue mich wenn mir jemand antwortet.

LG, biggi

Hallo,

die DDR hatte in den 50er Jahren eigentlich nur diplomatische beziehungen zu den anderen sozialistischen Staaten, dazu kamen eventuell noch ne Handvoll anderer Länder (meist frühere Kolonien in den 60er Jahren. Mehr war da nicht - trotz aller Bemühungen der DDR. Insofern war die Blockade recht erfolgreich.
Das änderte sich erst, als mit der SPD/FDP Regierung unter Brandt ein Wandel in der Politik der BRD eintrat und die BRD nun selbst offiziell Verhandlungen mit der DDR führte. Da gab es dann (ich glaube 70/71) eine Zeit, in der fast jeden Tag mit irgendeinem Land die Aufnahme diplomatischer Beziehungen verkündet wurde - die Zeitungen waren voll davon im Osten.

1955 … also ich denke mal, ganz so wie es Adenauer dargestellt hat, war es nicht.
Die Russen standen ja auch internatiomal wegen der Kriegsgefangenen unter Druck. Und nachdem die ostdeutschen Gefangenen fast alle entlassen waren, weil man die Bevölkerung der DDR nicht weiter reizen wollte nmach dem Volksaufstand, gab es ja keine sachliche Begründung dafür, die anderen zu behalten. Und so wichtig für die russische Wirtschaft waren die paar Tausend Mann nun auch nicht mehr, die das noch betraf. Den Russen muß völlig klar gewesen sein, daß es nur ne Frage der Zeit ist, bis auch der letzte entlassen werden muß - es ging höchstens noch um den Preis.
Ich glaube auch Adenauer nicht alles. In dem Moment, in dem er nach Moskau fohr, muß ihm klar gewesen sein, daß es eine Lösung geben wird - eine erfolglose Reise wäre für ihn eine politische Blamage gewesen. Von daher wird es schon vorher ein paar Absprachen gegeben haben, wie das Ganze aussehen könnte. Aber derartige Interna diplomatischen Tausziehens werden ja selten öffentlich bekannt - man kann nur spekulieren.
She viel bekamen die Russen ja auch nicht, zumindest offiziell. Denn die gegenseitige diplomatische Anerkennung war von keinem großen Wert, weil sie ja keine wesentliche Verbesserung der hanzen beziehungen nach sich zog.

Gernot Geyer

Hallo Biggi,

nochmal grundsätzlich:

http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche
oder
http://de.wikipedia.org/wiki/Alleinve

Die „DDR“ (so schrieb man damals und sagte „die sogenannte DDR“) wurde international nicht ernst genommen. Man sprach ja auch von der (Ost-)Zone, womit ihr jede Staatlichkeit abgesprochen wurde. Und tatsächlich war der sowjetische Botschafter in Ost-Berlin ja so eine Art Statthalter.

Die Funktion im sowjetischen Herrschaftsystem bestand einmal darin, einen Fuß in der Tür zu halten (gemeinsame Verantwortung der Vier Mächte für Berlin und Deutschland als ganzes) und als Klammer um das unsichere (katholische!) Polen. Dass die Westgruppe der Sowjetarmee, die in der DDR stationiert war, der beste Teil dieser Armee war, ist ja kein Zufall.

Bis zum Mauerbau war es für Moskau keineswegs ausgemacht, eine DDR-Nation mit eigener Berechtigung zu fördern. Für einen vom Westen zu zahlenden Preis hätten sie die DDR aufgegeben. (Obwohl ich nicht glaube, dass die Stalin-Noten eine echte Alternative waren.) Und auch andere Staaten meinten damals, dass der DDR keine vierzigjährige Geschichte beschieden sein dürfte.

In Eurer Diskussion verwechselt Ihr m.E. Anerkennung und diplomatische Beziehungen. Man kann einen Staat anerkennen, ohne diplomatische Beziehungen zu unterhalten. Das spezielle Problem Deutschlands war der Übergang vom Besatzungstatut zur Souveränitä. Einen eigenen Außenminister gab es erst ab 1952, der Deutschlandvertrag trat am 5.5.55 in Kraft. Erst danach konnte man diplomatische Beziehungen aufbauen. Und da war die Siegermacht Sowjetunion natürlich eine erste Adresse - aller Gegnerschaft zum Trotz.

Ich bleibe bei meiner Auffassung, dass die Bundesrepublik für Moskau ein wichtiger Gesprächspartner war, während für westliche Staaten Pankow, naja, Anhängsel von Moskau blieb. Natürlich übte Bonn bis zum Abschluss des Grundlagenvertrages auch Druck aus, sich seinem Alleinvertretungsanspruch anzuschließen. Das bedeutet ja nicht, dass die anderen Siegermächte für Moskau unwichtiger sind.

Die traditionell besondere Rolle Deutschlands für Russland spielt eine Rolle, vor allem aber der erst zehn Jahre zuvor beendete Krieg. Ohne Beziehungen zu Bonn wäre die sowjetische auswärtige Politik unvollständig geblieben. Umgekehrt war die Lösung der „deutschen Frage“ (siehe ebenfalls bei Wikipedia) ohen Moskau undenkbar. Das war Adenauers und seiner Delegation (durch die wir über den Ablauf des Moskaubesuchs gut bescheid wissen) Interesse.

Noch eine Anmerkung zu Adenauer: In der Tat haben die Zeitgenossen die Heimholung als seine größte Tat angesehen, entsprechend einzigartig fiel sein Wahlergebnis 1957 aus - in Verbindung mit der rückblickend fehlgesteuerten Rentenreform, die damals aber eine durchschlagende Wirkung hatte. Heute werden ihm eher die Westintegration Deutschlands (NATO, EG), die Freundschaft zu Frankreich, die Versöhnung mit den Juden und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (eigentlich L. Erhards Verdienst) angerechnet.

Viele Grüße,
Andreas

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Hallo!

Ich denke ich habe es so langsam verstanden. Die Kriegsgefangenen zu befreien war keine grosse Leistung. Sie hätte auch ohne Adenauers Besuch stattgefunden. Das als besondere Leistung herauszustellen ist schlichtweg falsch.

Für die SU war es nicht wichtiger zur BRD diplomatische Beziehungen zu haben als zu fast jedem anderen Land ähnlicher Grösse (Die SU wollte nichts von der BRD, weil sie nichts hatte und die BRD konnte der SU nichts geben, weil die westl. Freunde schon aufgepasst haben, dass die BRD der SU nichts gibt).

Wenn in Dokumentationen und Artikeln etwas anderes behauptet wird dann deshalb, weil die Medienleute der BRD und vllt. auch Adenauer gern eine überhöhte Relevanz zuweisen möchten, als es aus heutiger Sicht angebracht wäre.

Es werden sozusagen propagandistische Fehlinformationen gestreut.

Danke euch beiden für die Mühe.

LG, biggi

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Ich denke ich habe es so langsam verstanden. Die
Kriegsgefangenen zu befreien war keine grosse Leistung. Sie
hätte auch ohne Adenauers Besuch stattgefunden.

Ja, irgendwann. Grossteils in bequemen Eichensärgen statt in ungemütlichen hölzernen Waggons, in denen sie nach Adenauers Gnaden zurückkehren mussten.

Für die SU war es nicht wichtiger zur BRD diplomatische
Beziehungen zu haben als zu fast jedem anderen Land ähnlicher
Grösse

Die SU hatte kein gesondertes Interesse an der Bundesrepublik, welches sie an einem anderen Land gleicher besonderer Bedeutung in Westeuropa nicht auch gehabt hätten, hätte dort die Chance einer Verhinderung der Westbindung bestanden.

Wenn in Dokumentationen und Artikeln etwas anderes behauptet
wird dann deshalb, weil die Medienleute der BRD und vllt. auch
Adenauer gern eine überhöhte Relevanz zuweisen möchten, als es
aus heutiger Sicht angebracht wäre.

Abgesehen von den von Andreas bereits genannten Punkten der Westintegration, Verständigung mit Frankreich und Israel… ist Adenauer historisch tatsächlich kaum bedeutender als irgendein anderer deutscher Bundeskanzler in den 1950er Jahren.

Es werden sozusagen propagandistische Fehlinformationen
gestreut.

Hmmmm… Nö.
Schorsch

Hallo,

ganz so krass würde ich das nun wieder nicht sagen. Zumindest hat Adenauer die Entlassung der Gefangenen beschleunigt - und schon das dürfte einigen von ihnen das Leben gerettet haben.

Ansonsten hast Du recht - es ist schon etwas wiedersprüchlich.
Zumindest dann, wenn die Russen außer der diplomatischen Anerkennung nichts weiter erhalten haben, den deren praktischer Wert war mehr als gering. Etwas anderes wäre es gewesen, wenn Adenauer noch was draufgelegt hätte - ein paar 100 Milliönchen oder so. Aber davon habe ich nie was gehört.
Also kann es wohl wirklich nur so sein, daß die Russen schon mehr oder weniger bereit waren, die Frage der Kriegsgefangenen sowieso durch allmähliche Freilassung zu lösen - oder aber es sind damals hinter den Kulissen noch ein paar Dinge gelaufen, die nie bekannt geworden sind.

Gernot Geyer

Heimkehr aus dem Osten
Hallo,

so hiess eine Sendung des NDR am Dienstag letzter Woche über die Heimkehr der Zehntausend -> Link:

http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_special/0,3144,SPM237…

Hier nun meine Antworten/Interpretationen zu deinen Fragen:

Meine Frage:
Warum waren die Russen so scharf auf diplomatische Beziehungen
zur BRD?

Die BRD stellte eine Wirtschaftsgröße auch schon zu dieser frühen Zeit des Wirtschaftswunders dar, und der Warenaustausch mit der BRD erschien den Sowjets profitabel.

Waren die Amerikaner, Briten und Franzosen auch scharf auf
diplomatische Beziehungen zur DDR?

Die BRD als Alleinige Vertreter der gesamtdeutschen Interessen (Hallstein-Doktrin) anzusehen und politisch so darzustellen, bedingte die DDR als Staat ohne Legitimation zu behandeln, oder eher - nicht als gleichwertiger Gesprächspartner zu behandeln. Ergo gab es bis in die 1960er die Bezeichnung SBZ.

Warum waren diplomatische Beziehungen für die Russen so
wertvoll?
Handelte es sich um wirtschaftliche Interessen? (was ich
allerdings nicht glaube)

Dem war so. Jedenfalls laut des o.g. TV-Berichtes.

Wie kann man die diplomatischen Beziehungen so gewichten? Der
kalte Krieg lief ja schon oder liess sich wenigstens
abschätzen.

Zitat:
Die Moskau-Reise, bei der auch die Aufnahme diplomatischer Beziehungen vereinbart wurde, war das erste Treffen zwischen den politischen Spitzen der gerade souverän gewordenen Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion nach dem Krieg. Da die Beteiligten sich persönlich nicht kannten und im jeweiligen Gegenüber den kompromisslosen politischen Gegner sahen, begegneten sie sich mit Skepsis und Misstrauen. ‚Man fuhr ins Dunkle hinein, in einen Tunnel, und wusste nicht, ob am Ende tatsächlich ein Licht war,‘ erinnert sich Botschafter a.D. Peter Limbourg, der damals als persönlicher Referent von Außenminister von Brentano an der Reise teilnahm.

Waren die Beziehungen zu England, Frankreich und die USA für
die UDSSR weniger wichtig als die zur BRD?

Die UdSSR hielt in der Zeit immer engen Kontakt zu den anderen Atommächten, sei es auf diplomatischer wie nachrichtendienstlicher Seite. Eine wie auch immer geartete Kommunikation fand jederzeit statt.
Insofern wollte die Sowjet-Führung (Chruschtschow/Bulganin) mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der BRD direkten Kontakt mit denjenigen direkt an der Grenze des Eisernen Vorhangs herstellen - Botschaft - Attachées - erweiterte Spionagemöglichkeiten.

Ich hoffe, dass die Welt und die Diplomatie damals einfacher
gestrickt war als heute. Und dass man die Sachverhalte
deswegen nachvollziehen kann.

Ich denke, dasss die Diplomatie heute so leicht oder schwer verständlich ist wie die Menschen, die sie durchsetzen.

Weiterer Artikel zum Lesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Heimkehr_der_Zehntausend

Herzliche Grüße,

MainBrain

nochmal zur Bedeutung Adenauers
Hallo Biggi,

Die
Kriegsgefangenen zu befreien war keine grosse Leistung. Sie
hätte auch ohne Adenauers Besuch stattgefunden.

Da hast Du mich mit meiner Darstellung von Adenauers Leistungen aus heutiger Sicht überinterpretiert. Die Art seiner Verhandlungsführung in Moskaus war großartig, und es war durchaus eine große Leistung. Wer diese berühmte, rührende Szene kennt, wie ein altes Soldatenmütterchen nach Adenauers Rückkehr aus der Menge vorstürmt, um ihm die Hand zu küssen (was ihm sichtich peinlich war), vesteht die Bewegung der Menschen damals. Ich meinte nur, aus heutiger Sicht schätzt man andere Leistungen von Adenauer höher.

Das als
besondere Leistung herauszustellen ist schlichtweg falsch.

Gewiss nicht, s.o.

Für die SU war es nicht wichtiger zur BRD diplomatische
Beziehungen zu haben als zu fast jedem anderen Land ähnlicher
Grösse (Die SU wollte nichts von der BRD, weil sie nichts
hatte und die BRD konnte der SU nichts geben, weil die westl.
Freunde schon aufgepasst haben, dass die BRD der SU nichts
gibt).

Du verkennst das Thema „Prestige/Ansehen“ in der internationalen Politik. Deutschland war das Land, dass die SU angegriffen hatte, fast besiegt hätte und dem Land einen fast unnennbaren Blutzoll abverlangt hatte. Deutschland war für Moskau definitiv wichtiger als ein vergleichbar großer Staat! (Nicht zu vergessen, die große Bedeutung deutscher Kultur für die russische.)

Wenn man die sowjetische Außenpolitik nach 1945 wohlmeinend beurteilt, könnte man sagen, sie war ein steter Versuch einen zweiten 22. Juni 1941 zu verhindern. Insofern wollte die Sowjetunion sehr viel von Deutschland.

Wenn in Dokumentationen und Artikeln etwas anderes behauptet
wird dann deshalb, weil die Medienleute der BRD und vllt. auch
Adenauer gern eine überhöhte Relevanz zuweisen möchten, als es
aus heutiger Sicht angebracht wäre.

Es werden sozusagen propagandistische Fehlinformationen
gestreut.

Keine Rede davon. Man kann ja über Details und Alternativen in Adenauers Politik diskutieren, wie wir es hier tun. Die großen Verdienste als ganzes sind in der nationalen und fast noch mehr in der internationalen Forschung unumstritten.

Danke euch beiden für die Mühe.

LG, biggi

Hallo!

Immer wenn es um die Kriegsheimkehrer nach dem 2. Weltkrieg in
den verschiedenen Dokumentationen geht geht, ist die Rede
davon, dass Adenauer damit „drohte“ abzureisen, wenn die
Gespräche bei seinem Besuch in Moskau nicht erfolgreich oder
für ihn günstig verlaufen.
Adenauer „drohte“ damit keine diplomatischen Beziehungen
aufnehmen zu wollen.

Meine Frage:
Warum waren die Russen so scharf auf diplomatische Beziehungen
zur BRD?
Waren die Amerikaner, Briten und Franzosen auch scharf auf
diplomatische Beziehungen zur DDR?

Warum waren diplomatische Beiehungen für die Russen so
wertvoll?
Handelte es sich um wirtschaftliche Interessen? (was ich
allerdings nicht glaube)

Wie kann man die diplomatischen Beziehungen so gewichten? Der
kalte Krieg lief ja schon oder liess sich wenigstens
abschätzen.

Waren die Beziehungen zu England, Frankreich und die USA für
die UDSSR weniger wichtig als die zur BRD?

Ich hoffe, dass die Welt und die Diplomatie damals einfacher
gestrickt war als heute. Und dass man die Sachverhalte
deswegen nachvollziehen kann.

Danke schonmal für die Antworten.

LG, biggi

da hast Du recht
…ist Adenauer historisch tatsächlich kaum bedeutender als

irgendein anderer deutscher Bundeskanzler in den 1950er
Jahren.

Da hast Du völlig Recht, Schorsch. Welchen anderen deutschen Kanzler aus den 50-iger Jahren kennst Du denn noch?

Gruß Antal