Nach der Emanzipierungs- und Selbstfindungsdiskussion der letzten Jahre über den „neuen“ Mann scheinen jedoch viele Frauen in diesem Punkt immer noch im alten zu verhaften geblieben zu sein.
Meinen ersten Erziehungsurlaub von 1 Jahr machte ich bei meinem Sohn 1999 und nun bin ich seit diesem Jahr im Erziehungsurlaub mit meiner Tochter auch für ein Jahr. Leider stelle ich fest, das sich seit damals eigentlich nicht viel positives geändert hat. Das man mich nicht falsch versteht. Ich habe den 1. EzU sehr genossen.
Es gibt nur einige Punkte, die mich manchmal belustigen, aber auch manchmal ärgern.
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die Mehrzahl aller Wickelmöglichkeiten in der Öffentlichkeit befinden sich auf Damentoiletten
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Es wird einem Hausmann nicht zugetraut in der Öffentlichkeit seine Kinder zu beaufsichtigen. Situation: Nach einem Disput steht das Kind trotzig da oder heult. Sofort beugen sich besorgte Frauen über das Kind und versuchen es zu trösten und gucken den Vater anschuldigend an, der sich schon etwas entfernt hat, um das Kind zum weiterlaufen zu bringen. Bei einer Mutter wäre es den anderen Frauen völlig schnurzegal was da grad los ist. Diese Situation hab ich nicht erst 1 mal erlebt. Vorteil der Geschichte: hat man wirklich mal Probleme stehen sofort eine Menge Frauen aller coleur ´mit überschäumenden Mutterinstinkten bereit zu helfen. Ein Vater mit verzweifelten Gesicht inmitten eines Kinderchaos regt anscheinend das weibliche Geschlecht an, die Initiative zu ergreifen.
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Öffentlicher Geheimdienst: Nachbarinnen, Bekannte und Verwandte beobachten argwöhnisch den Alltag ohne Ehefrau eines Hausmannes und treten sofort bei nächstbietender Gelegenheit bei der Mutter zum Rapport an. Umgekehrt gilt dies nicht! Ich habe noch nie erlebt, das mir jemand ausser meiner Frau und meinen Kindern erzählt hat, was so alles passiert, wenn ich nicht da bin.
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Diskriminierung von Seiten des eigenen Geschlechts: Von „was machst du denn so den ganzen Tag…du hast ja immer frei“ bis „hoffentlich kannst du danach wieder in den Beruf einsteigen“. Von Mitleid bis zum schieren Entsetzen reicht die Palette der männlichen Kollegen, Freunde etc. Auch die männliche Arbeitswelt kann es oft nicht verstehen, warum man auf seine Karriere verzichtet, nur damit man zuhause rumlungern kann und Kinder hütet. „Irgendwas kann da ja nicht stimmen“
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Diskriminierung von Seiten des weiblichen Geschlechts: „Was soll man denn mit einem Vater im EzU reden?!“ Mütter ist euch schon einmal der Gedanke gekommen, das man über dieselben Themen reden könnte, wie Mütter untereinander?! Anscheinend gibt es eine grosse Hemmschwelle bei Frauen mit Erziehungsvätern wie mit Erziehungsmüttern zu reden. Dabei sitzen sie in einem Boot…oder doch nicht?
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Ähnlich wie die Frau im Zeitalter der Emanzipation am Arbeitsplatz, muss auch der Hausmann doppeltes leisten um die selbe Anerkennung zu bekommen. Besonders bei Schwiegermüttern ist das oft nicht so leicht zu bewerkstelligen.
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Rechtssystem: Das deutsche Rechtssystem ist immer noch vollständig auf die Frau als Rolle der Erzieherin eingestellt. In den letzten Jahren gab es zwar ein paar Änderungen, aber eine rechtliche Gleichstellung ist noch lange nicht in Sicht.
Eigentlich könnte ich ein Buch darüber schreiben, was einem im harten Alltag noch so alles begegnet, doch belasse ich es erstmal dabei.
Eine Diskussion über dieses Thema findet nur selten statt, jedoch entscheiden sich immer mehr Männer wenigstens ein Teil der Erziehungsarbeit aktiv zu gestalten. Deswegen lade ich alle ein mal darüber zu diskutieren, was man verändern könnte, bei Frauen, wie auch Männern, um im heutigen Zeitalter es den Männern ein wenig leichter zu machen in diesem Refugium der Frau sich nützlich zu machen.
