Diskussion

Hi an alle Militärhistoriker und Freunde der Geschichte,

Deutsche Soldaten stehen im April 2004 an vielen Orten der Welt im Einsatz. Es wird wenig berichtet und Glorie, Pathos und Nationalgefühl gelten in der Bundesrepublik oft als nicht political correct, da wir es anscheinend in der Vergangenheit damit etwas übertrieben haben.
Aber im Untergrund schwelt es. Durch falsche historische Aufklärung auf der einen und Tabuisierung eines Vaterlandsgedankens auf der anderen Seite wenden sich viele Jugendliche Gedankengut zu, die oftmals verheerende Folgen für die Mitbürger in unserem Staat haben. Deutsche Soldaten fühlen sich oft in Auslandseinsätze etwas alleingelassen von der Heimat und sind darüber hinaus vielfach unzureichend ausgerüstet.
Gibt es hierfür eine gesellschaftliche Lösung?
Ist es möglich in Deutschland wieder eine Normalität zu seiner Vergangenheit herzustellen ohne das vergangene zu vergessen?
Ist es möglich wieder in Kriege zu ziehen, nachdem wir nach zwei verheerenden Weltkriegen jedesmal „Nie wieder Krieg!“ geschrien haben und Millionen Menschen ihre Freunde, Verwandte und Familienmitglieder verloren haben?
Verfassungsrechtlich befinden wir uns in keinem Verteidigungszustand bzw. es ist zumindestens umstritten, ob nach geltendem Recht die Bundeswehr überhaupt 100% legitimiert ist, diese Einsätze durchzuführen. Brauchen wir eine modernere Gesetzgebung hierfür oder haltet ihr die alte, nach dem Kriege verfasste für noch angebracht?
Braucht Deutschland wieder ein stärkeres Nationalbewusstsein oder findet ihr den Patriotismus, wie er z.B. in den USA betrieben wird zu übertrieben?

Ich möchte gerne Eure Meinung dazu hören, da es ein Thema ist, was uns denke ich mal alle angeht und im Zuge der globalisierten deutschen Militärpräsenz für die Zunkunft immer wichtiger wird.

Gruss Mirko

Hi Mirko (MOD)

Ich möchte gerne Eure Meinung dazu hören, da es ein Thema ist,
was uns denke ich mal alle angeht und im Zuge der
globalisierten deutschen Militärpräsenz für die Zunkunft immer
wichtiger wird.

Echt??? OK, hier ist meine Meinung:

Vor 10 Jahren wußten vielleicht 1 % der Deutschen überhaupt, wo der Hindukusch liegt. Jetzt behauptet Herr Struck, die Verteidigung unserer Demokratie würde dort beginnen. Na prima…
Deutsche Militärpräsenz hat meiner Meinung nach an den Grenzen Deutschlands (OK… von mir aus auch an der NATO-Aussengrenze) aufzuhören. Wenn Teutschlant, die USA und die anderen ach so zivilisierten Staaten ihre Finger aus Asien, Afrika und Süd/Mittel-Amerika ließen, bräuchten sie nicht 50 Jahre später mit Militär dort einmarschieren!

Gruß
Manfred

Hallo!

Statt ausführlicherer Stellungnahme, 73 Jahre lang zeitlos:

Die brennende Lampe
von Kurt Tucholsky (1931)
als Kaspar Hauser, Weltbühne 22, 2.6.31

„Wenn ein jüngerer Mann, etwa von dreiundzwanzig Jahren, an einer verlassenen Straßenecke am Boden liegt, stöhnend, weil er mit einem tödlichen Gas ringt, das eine Fliegerbombe in der Stadt verbreitet hat, er keucht, die Augen sind aus ihren Höhlen getreten, im Munde verspürt er einen widerwärtigen Geschmack, und in seinen Lungen sticht es, es ist, wie wenn er unter Wasser atmen sollte -: dann wird dieser junge Mensch mit einem verzweifelten Blick an den Häusern hinauf, zum Himmel empor, fragen:
„Warum—?“
Weil, junger Mann, zum Beispiel in einem Buchladen einmal eine sanfte grüne Lampe gebrannt hat. Sie bestrahlte, junger Mann, lauter Kriegsbücher, die man dort ausgestellt hatte; sie waren vom ersten Gehilfen fein um die sanft brennende Lampe herumdrapiert worden, und die Buchhandlung hatte für dieses ebenso geschmackvolle wie patriotische Schaufenster den ersten Preis bekommen.
Weil, junger Mann, deine Eltern und deine Großeltern auch nicht den leisesten Versuch gemacht haben, aus diesem Kriegsdreck und aus dem Nationalwahn herauszukommen. Sie hatten sich damit begnügt - bitte, stirb noch nicht, ich möchte dir das noch schnell erklären, zu helfen ist dir ohnehin nicht mehr -sie hatten sich damit begnügt, bestenfalls einen allgemeinen, gemäßigten Protest gegen den Krieg loszulassen; niemals aber gegen den, den ihr sogenanntes Vaterland geführt hat, grade führt, führen wird. Man hatte sie auf der Schule und in der Kirche, und, was noch wichtiger war, in den Kinos, auf den Universitäten und durch die Presse national vergiftet, so vergiftet, wie du heute liegst: hoffnungslos. Sie sahen nichts mehr. Sie glaubten ehrlich an diese stumpfsinnige Religion der Vaterländer, und sie wußten entweder gar nicht, wie ihr eignes Land aufrüstete: geheim oder offen, je nach den Umständen; oder aber sie wußten es, und dann fanden sies sehr schön. Sehr schön fanden sie das. Deswegen liegst du, junger Mann.
Was röchelst du da -? „Mutter?“- Ah, nicht doch. Deine Mutter war erst Weib und dann Mutter, und weil sie Weib war, liebte sie den Krieger und den Staatsmörder und die Fahnen und die Musik und den schlanken, ranken Leutnant. Schrei nicht so laut; das war so. Und weil sie ihn liebte, haßte sie alle die, die ihr die Freude an ihrer Lust verderben wollten. Und weil sie das liebte, und weil es keinen öffentlichen Erfolg ohne Frauen gibt, so beeilten sich die liberalen Zeitungsleute, die viel zu feige waren, auch nur ihren Portier zu ohrfeigen, so beeilten sie sich, sage ich dir, den Krieg zu lobpreisen, halb zu verteidigen und jenen den Mund und die Druckerschwärze zu verbieten, die den Krieg ein entehrendes Gemetzel nennen wollten; und weil deine Mutter den Krieg liebte, von dem sie nur die Fahnen kannte, so fand sich eine ganze Industrie, ihr gefällig zu sein, und viele Buchmacher waren auch dabei. Nein, nicht die von der Rennbahn; die von der Literatur. Und Verleger verlegten das. Und Buchhändler verkauften das. Und einer hatte eben diese sanft brennende Lampe aufgebaut, sein Schaufenster war so hübsch dekoriert; da standen die Bücher, die das Lob des Tötens verkündeten, die Hymne des Mordes, die Psalmen der Gasgranaten. Deshalb, junger Mann.
Eh du die letzte Zuckung tust, junger Mann:
Man hat ja noch niemals versucht, den Krieg ernsthaft zu bekämpfen. Man hat ja noch niemals alle Schulen und alle Kirchen, alle Kinos und alle Zeitungen für die Propaganda des Krieges gesperrt. Man weiß also gar nicht, wie eine Generation aussähe, die in der Luft eines gesunden und kampfesfreudigen, aber kriegablehnenden Pazifismus aufgewachsen ist. Das weiß man nicht. Man kennt nur staatlich verhetzte Jugend. Du bist ihre Frucht; du bist einer von ihnen - so, wie dein fliegender Mörder einer von ihnen gewesen ist.
Darf ich deinen Kopf weicher betten? Oh, du bist schon tot. Ruhe in Frieden. Es ist der einzige, den sie dir gelassen haben.“

Kein weiterer Kommentar.

Gruß, Hartmann.

Guten Tag,

Deutsche Soldaten stehen im April 2004 an vielen Orten der
Welt im Einsatz.

Das ist auch gar nicht so schlecht. Frieden wird nicht vor der Haustür gemacht, sondern durch prävention. Das ist die derzeitge Hauptaufgabe der Bundeswehr in den Einsatzgebieten. Aufklärung und Bildung sollen Gewahlt und Tyrannei sowie Propaganda eindämmen.

Es wird wenig berichtet und Glorie, Pathos und Nationalgefühl gelten in der Bundesrepublik oft als nicht
political correct, da wir es anscheinend in der Vergangenheit
damit etwas übertrieben haben.

Haben wir? Mal ganz erlich? Es sind Dinge passiert, welche man nicht entschuldigen kann, aber maximal mein Großvater war da noch involviert oder hätte „Täter“ sein können. Wir haben nicht übertrieben, sondern einige unserer Vorfahren. Es tut mir leid, das soetwas geschehen ist, aber trage ich die Schuld? Nein.

Aber im Untergrund schwelt es. Durch falsche historische
Aufklärung auf der einen und Tabuisierung eines
Vaterlandsgedankens auf der anderen Seite wenden sich viele
Jugendliche Gedankengut zu, die oftmals verheerende Folgen für
die Mitbürger in unserem Staat haben.

Wer klärt falsch auf? Vielleicht die linke oder rechte Ecke, aber in den Schulen wird, wenn auch meist aus dem Blickfeld der Allierten die Wahrheit berichtet.

Deutsche Soldaten fühlen sich oft in Auslandseinsätze etwas alleingelassen von der
Heimat und sind darüber hinaus vielfach unzureichend
ausgerüstet.

Woher hast du deine Info´s? Ich wiederleg das hier mal ein wenig. Ausgerüstet sind die Soldaten im Einsatz sehr gut. Im Inland sieht es teilweise anders aus, aber sobald es in den Einsatz geht erhalten sie die gesamte benötigte Ausrüstung. Deutsche Feldlazarette z.B. sind meistens moderner als die besseren einheimischen Krankenhäuser. Es sind natürlich keine vergleichbaren Lebensbedingungen wie in Deutschland, aber den Umständen entsprechen gut.
es gibt Radio in denen Angehörige ihren Soldaten Nachrichten und Lieder wünschen können. Sicher fühlt sich da nicht jeder wohl, aber es ist ja immer noch ein Einsatz und freiwillig Soldaten sind sie auch.

Gibt es hierfür eine gesellschaftliche Lösung?

Wofür genau?

Ist es möglich in Deutschland wieder eine Normalität zu seiner
Vergangenheit herzustellen ohne das vergangene zu vergessen?

Ja, haben wir das nicht. Seit 1990 wieder souverän. Der Rest liegt an uns.

Ist es möglich wieder in Kriege zu ziehen, nachdem wir nach
zwei verheerenden Weltkriegen jedesmal „Nie wieder Krieg!“
geschrien haben und Millionen Menschen ihre Freunde, Verwandte
und Familienmitglieder verloren haben?

Wie? Was? Ich hab auch mal gesagt nie wieder Alkohol! Nie wieder Krieg ist fast die gleiche Aussage. Aber in welchen willst du denn ziehen und vor allen warum? Krieg war bis zum 1. Weltkrieg ein Mittel der Politik und nicht so geächtet wie er es heute ist. Aber warum willst Du es anders haben? Krieg sollte nicht sein, verstecken muß man sich auch nicht.

Verfassungsrechtlich befinden wir uns in keinem
Verteidigungszustand bzw. es ist zumindestens umstritten, ob
nach geltendem Recht die Bundeswehr überhaupt 100% legitimiert
ist, diese Einsätze durchzuführen. Brauchen wir eine modernere
Gesetzgebung hierfür oder haltet ihr die alte, nach dem Kriege
verfasste für noch angebracht?

Dafür wurde doch ein Gesetz verändert, damit mit UNO Mandat es zulässig ist.
P.S. Wir sind NATO-Mitglied und daher bei einem Angriff auf ein NATO-Mitgliedsstaat im Verteidigungfall.

Braucht Deutschland wieder ein stärkeres Nationalbewusstsein

Ja auf jeden Fall!

oder findet ihr den Patriotismus, wie er z.B. in den USA
betrieben wird zu übertrieben?

Viel zu übertrieben. Ein gesundes Maß ist in Ordnung, aber die USA ist einfach kein gutes Beispiel. Meiner Meinung nach, spinnen sie etwas zu sehr und drehen sich vieles nach einem eigenen Stick.

Ich möchte gerne Eure Meinung dazu hören, da es ein Thema ist,
was uns denke ich mal alle angeht und im Zuge der
globalisierten deutschen Militärpräsenz für die Zunkunft immer
wichtiger wird.

Das ist meine Meinung.

Gruss Mirko

Gruß Grüne

hallo grüne,

Es wird wenig berichtet und Glorie, Pathos und Nationalgefühl gelten in der Bundesrepublik oft als nicht
political correct, da wir es anscheinend in der Vergangenheit
damit etwas übertrieben haben.

Haben wir? Mal ganz erlich? Es sind Dinge passiert, welche man
nicht entschuldigen kann, aber maximal mein Großvater war da
noch involviert oder hätte „Täter“ sein können. Wir haben
nicht übertrieben, sondern einige unserer Vorfahren. Es tut
mir leid, das soetwas geschehen ist, aber trage ich die
Schuld? Nein.

ich bin deiner meinung. nur ist es so, das in deutschland wie schon immer zu viele schwachköpfe leben. ich vergleiche dies gerne mit den schafen aus, die farm der tiere…
früher hams alle am adolf nachgeblöckt und heute wird dafür in die andere richtung geblöckt.
aufgrund dessen das z.b. jeder politiker der eine pro-deutsche aussage macht von irgendwelchen opfern(friedmann) als rechter eingestuft wird, und sich alle schafe auf ihn stürzen, ist eine ernsthaftere disukussion solcher themen in deutschland kaum möglich.

daran liegt es imho nach auch, das sich unsere regierung z.b. einen scheissdreck um den pillenknick kümmert.(und das schon seit mehr als 30 jahren)
in frankreich wurde schon vor 10 jahren die geburtenrate durch staatliche vergünstigungen/bezuschussung angehoben. in deutschland hingegen fühlt man sich an frühere zeiten erinnert. idioten!!!

aber wenn man da anfängt-- es ist noch viel mehr faul im staate däne… äh deutschland!

gruß

rasta