Diskussion: 'Tod des Autors'

Ihr Lieben,

ich mache mir derzeit großes Kopfzerbrechen und bin in Gedanken vor allem bei Literaten der Postmoderne und dem 1968 veröffentlichten Text von Roland Barthes: „Der Tod des Autors“. Ist das nicht schockierend?

Ich möchte gerne Gedanken zu dieser Aussage mit Euch teilen. Ich verstehe: ja, die postmodernen Autoren sind gegen jegliche Autorität und Hierarchie, so legen sie ihre Autorenstellung ab und, ja, was passiert eigentlich?! Wird der Leser zum Autor?? Geben sich die postmodernen Autoren damit „auf“? Welche Bedeutung steht ihnen weiter zu? Und überhaupt: was zeichnet einen Autor ursprünglich aus? Wer oder was ist der Autor?

Ich sammele derzeit Literatur zu diesem Thema und habe schon einiges beisammen, wenn Ihr aber jegliche Literaturtipps für mich habt, oder Sekundärtexte kennt und glaubt, die MUSS ich haben, dann nur zu, her mit den Angaben:wink::smile:

Das Thema beschäftigt mich schon so ziemlich und ich habe viele Fragen, die ich gerade gar nicht alle aufführen kann. Vielleicht kommt das Eine und Andere von mir noch hinterher:smile:
Vorerst freue ich mich aber auf Eure Antworten und bin gespannt, wie Ihr über den „Tod des Autors“ denkt.

Liebe Grüße,

Paruna

Hallo Paruna,

Wird der Leser zum Autor??

Der Leser bleibt der Leser. Nur seine Beziehung zum Text ändert sich. Jede Interpretation des Textes ist legitim, wenn sie dem Text kohärent ist. Welche Botschaft der Autor mit dem Text transportieren wollte, ist unwichtig - er ist tot in dem Sinne, dass er keinen Einfluss mehr auf die Interpretation des Textes hat, wenn dieser erstmal eigenständig vorliegt.

Geben sich die postmodernen Autoren damit „auf“?

Sie bleiben die Produzenten eines Textes, geben aber den Anspruch auf, diesen Text hinterher besser interpretieren zu können als jemand anderes, der den Text nicht produziert hat.

Welche
Bedeutung steht ihnen weiter zu? Und überhaupt: was zeichnet
einen Autor ursprünglich aus? Wer oder was ist der Autor?

Der Autor ist der Produzent des Textes. Man kann sich vorstellen, dass er eine Botschaft in Text codiert und diesen Text dann versendet an einen Empfänger (bei schriftlich codierten Texten also ein „Leser“), der die Botschaft wieder decodiert. Die Postmoderne glaubt aber, dass der Autor nach Versendung seines Textes selber ein „Leser“ wird, dem die codierte Botschaft so fern oder nah ist wie jedem anderen Leser auch. Denn er hat sich ja (durch die zeitliche Verschiebung) verändert, ist also eigentlich gar nicht mehr derselbe, der er als Autor war. Eine Person wechselt also von der Autorenrolle in die Rezipientenrolle, die Autorenrolle kann (für diesen einen Text) nicht mehr eingenommen werden, der Autor ist tot.

Ich sammele derzeit Literatur zu diesem Thema und habe schon
einiges beisammen, wenn Ihr aber jegliche Literaturtipps für
mich habt, oder Sekundärtexte kennt und glaubt, die MUSS ich
haben, dann nur zu, her mit den Angaben:wink::smile:

Eco: Die Grenzen der Interpretation kann ich noch empfehlen. Das ist ziemlich aufschlussreich.

Gruß,
Susan

Eine zweite Interpretation braucht es nicht…
Ich finde Susans zu Barthes gut.

Ich empfehle Viktor Schlowski’s „Art as technique“. Kenne beide texte aber auch nur in Englisch.

Gruss,

Name ist falsch
Victor Shklovsky