Trennen von ‚Produktiv‘ und ‚Wertschöpfend‘
Hallo,
als erstes einmal sollte man jetzt zwischen „produktiv“ und „wertschöpfend“ trennen.
Zuerst sollte man sich an das „Enabler-Prinzip“ gewöhnen, d.h. es geht nicht nur darum, etwas zu produzieren, sondern auch die Produktion zu ermöglichen und profitabel zu halten.
Selbst in nicht wertschöpfenden Bereichen kann man durchaus produktiv sein - es entstehen jedoch hierdurch keine Unternehmenswerte, sondern:
a) Es werden bestehende Unternehmenswerte erhalten / abgesichert.
Beispiel: Ein Patent zu registrieren ist nicht produktiv. Aber: Tut man es jedoch nicht, werden bald alle unsere Konkurrenten unser Produkt zu einem Viertelpreis hergestellt und ihr könnt alle nach Hause gehen!
b) Es werden reale Kosten reduziert und Zeit gespart.
Beispiel: Ein neues IT-System für die Buchhaltung schafft erst einmal keine Werte - „Es kostet nur Geld“. Die Kehrseite der Medaille ist: Ohne das neue System müssen neue Leute eingestellt werden, veraltete Hard- und Software eingesetzt werden, man verliert Zeit und dadurch Reaktionsfähigkeit auf dem Markt (und wenn die Konkurrenz schneller ist… bye bye Absatz, bye bye Arbeiter)
c) Es wird die Generierung von Gewinnen ermöglicht.
Beispiel: Die gesamte Marketing-Abteilung „produziert nichts“. Aber ohne Marketing liegt das beste Produkt auf Halde, und wenn Marketing 500000€ dafür bekommt, dass die Produktion 1000000mio Stück mehr ausliefern kann, dann hat Marketing nicht nur Unternehmensgewinne erzeugt, welche die Produktion von sich aus nie gemacht hätte - sondern auch eine Ausweitung der Produktion ermöglicht und so die Umsätze der Produktion gesteigert.
d) Es wird indirekt die Produktivität gesteigert.
Beispiel: Trainer. Wenn ein Trainer in der Lage ist, 20 Mitarbeitern Methoden und Wege beizubringen, die deren Effektivität und Produktivität um 15% steigern, dann hat „indirekt“ die Produktivität von 3 Mitarbeitern. Und während die Mitarbeiter nun meinen, dass sie wegen ihrer 15% mehr Leistung auch 15% mehr Gehalt verdienen sollten, denken sie, dass der Trainer, ohne dessen Leistung sie von besseren Arbeitskräften ersetzt werden könnten „unproduktiv“ ist, da er „nichts produziert“.
Das ALLE ein Teil des Ganzen sind, wird gerne unter den
Teppich gekehrt. Wer mußte schon derartige Diskussionen führen
und hat schlüssige Argumente / Links, gerne für beide
Standpunkte ?
Solche Diskussionen sind nahezu alltäglich.
Ich drücke das immer gerne so aus:
Bin ich produktiver, wenn ich etwas für 1000€ produziere „wie alle Anderen auch“ - oder wenn ich diese Anderen befähige, etwas für 10000€ herzustellen und selbst „nichts produziere“?
Natürlich entsteht dadurch Neid und Mißgunst - aber wenn ich die Wahl habe, etwas für 1000€ selbst zu machen oder etwas für 10000€ machen zu lassen, steht das Unternehmen besser da, wenn letzteres getan wird. Und schlußendlich kann man dem Kollegen auch nur sein nun besseres Gehalt zahlen, weil er nicht mehr 1000€ produziert…