welche Konsequenzen können uns von
der Bankseite her drohen? Können die uns kündigen? Wir waren
immer ein guter Kunde und Geld kam und kommt regelmäßig rein.
Aber auf die Rechnungsoffenlegung recht denen anscheint nicht
mehr…
Hallo Cea!
Was passieren kann, hängt von vielerlei Umständen ab. Besitzt Du ein Haus oder hast gar eine Immobilie über die Bank finanziert? Laufen noch irgendwelche Kreditraten? Mir brauchst Du die Fragen nicht zu beantworten. Beantworte sie zusammen mit Deinem Mann selbst. Was passiert, hängt letztlich vom Banker ab. Das ist nämlich kein Kaufmann, zumindest ist er kein Kaufmann, der auch nur die geringste Ahnung von Eurem Geschäft hat. Der Banker will keine Risiken, er will auch nichts von Vorgesetzten oder der Revision zwischen die Hörner bekommen und macht dem Spiel i. a. lieber ein Ende, als weiteres Bankengagement zu befürworten. Er versteht vom Geschäft des Kunden nichts und in dieser Situation ist es u. a. entscheidend, wie zuverlässig die Aussagen des Kunden über bevorstehenden Geldeingang waren. Bestimmt will der Banker Sicherheiten sehen, Bürgschaften, Abtretungen…
Du glaubst, für die Bank ein guter Kunde zu sein. Das seid Ihr unter keinen Umständen, jedenfalls nicht aus Sicht der Bank, obwohl für die Überziehungen irgendwas zwischen 12 und 18 (!) Prozent Zinsen zu zahlen sind. Zusammen mit der Abhängigkeit, die vermutlich zu erheblichen Sorgen führt, seid ihr kein guter Kunde, sondern ein Kunde, der zu wenig Eigenkapital für sein Gewerbe hat.
Dir wird es darum gehen, die akute Situation irgendwie zu überstehen. Das kann ich nachvollziehen, ginge jedem anderen genau so, ist aber zu kurz gesprungen. Die Bank dreht den Geldhahn zu und mit viel Rederei zwischen ungleichen Partnern, letztlich unwürdiger Bettelei, gehen vielleicht noch ganz drängelige Zahlungen heraus. Damit ist zeitweise Gürtel enger schnallen verbunden. Damit reißt man aber auch an allen möglichen anderen Stellen Löcher auf. Man fährt mit angezogener Bremse, weil andere Aufträge, bei denen Vorfinanzierungen und Einkäufe zu leisten sind, in Mitleidenschaft gezogen werden. Das Finanzamt wird wegen der Umsatzsteuer unleidlich, Lieferanten müssen hingehalten werden, womöglich rutschen Liefertermine und wenn die ausstehende Forderung endlich kommt, ist das Geld auch gleich wieder weg, verschwunden in den zahllosen Löchern der Durststrecke. Beinahe jeder Selbständige kennt das Szenario.
Ihr habt Know-how und Kundenverbindungen. Ihr habt aber auch ein schlimmes Defizit, nämlich zu wenig Eigenkapital und in der Folge eine Abhängigkeit von der Bank. Das Risiko ist untragbar. Damit fahrt Ihr über kurz oder lang mit vollen Auftragsbüchern an die Wand! Deshalb rate ich dringend, das Geschäft zu konsolidieren: Keine Erweiterungen, keine irgend vermeidbaren Investitionen, kein neues Auto, keine neuen Leasingverträge, geringe Privatentnahmen. Aufträge mit zu hohem Vorfinanzierungsaufwand sind nicht machbar, man schafft entweder Auftragsteile, die abgerechnet werden können oder verzichtet lieber auf den Auftrag! Ich weiß, das ist bitter, aber was nützt ein Auftrag, dessen Finanzierung Kopf und Kragen kostet!?
Du weißt, wie lange die Auftragsbearbeitung vom Auftrag bis zum Geldeingang durchschnittlich dauert. Kommt ein Vierteljahr ungefähr hin? Gut, dann brauchst Du einen Vierteljahresumsatz als Eigenkapital. Das Geld muß her! Solange Du dieses erforderliche Eigenkapital für Dein Geschäft nicht besitzt, bist Du für die Bank kein guter Kunde, sondern ein Risiko und die Bank ist für Dich ein Risiko.
Notlagen wie Du sie gerade erlebst, sind für eine Bank regelmäßig Anlaß, gegenüber dem Kunden Forderungen durchzusetzen. Beliebt sind Abtretungen von Lohn- und Gehaltsansprüchen, stille Forderungsabtretungen, Verpfändung von Lebensversicherungen, Bürgschaften des Ehepartners. Das sind für Selbständige Schlingen, die sich jederzeit - vermutlich im ungünstigsten Moment- zuziehen können und werden. Es kann passieren, daß Du keine andere Wahl hast, das eine oder andere zu unterschreiben. Es bleibt unverantwortlicher Irrsinn! Ziel muß sein, daß ein Ehepartner die Risiken des Geschäfts trägt und der andere hinsichtlich Haftung aber wirklich vollständig außen vor ist. Das muß der Ehepartner sein, dem das Dach über dem Kopf gehört. In den Ohren mancher Zeitgenossen hört sich das nach Hinterziehung von Vermögenswerten an o. ä… Nein! Das ist nur der Schutz vor Zerschlagung und vor dem Ruin, von dem letztlich keiner einen Nutzen hätte.
Du brauchst also genug Eigenkapital, um das gewöhnliche Geschäft selbst zu finanzieren. Dabei ist überhaupt nichts dagegen einzuwenden, einzelne Spitzen von der Bank finanzieren zu lassen. Außerdem ist eine strikte Trennung von geschäftlichen Risiken und Privatvermögen zu bewerkstelligen. Wenn das alles geschafft ist, bist Du ein guter Bankkunde, weil dabei nämlich so etwas wie gleiche Augenhöhe und Unabhängigkeit entsteht. Vorher bist Du nur ein Arsch, der sein Geschäft im Grunde gar nicht selbst auf die Reihe bekommt und mit dem man deshalb bei passender Gelegenheit nach Belieben Schlitten fährt.
Gruß
Wolfgang