Dispositionskredit und Zinsen

Hallo,

mein Freund ist selbständig und hat zur Zeit einigermaßen große Schwierigkeiten über die Runden zu kommen. Um einen Dispositionskredit nicht weiter anwachsen zu lassen, hat er diesen auf ein separates Konto legen lassen, um ihn mit einem monatlichen, kleineren Betrag „abzuarbeiten“. Man mag uns ja für naiv halten (was wir ganz offensichtlich auch sind) aber jetzt, nach ein paar Monaten, stehen auf dem Konto weit mehr „Miese“ als zu Beginn der Aktion. D.h. der Zinssatz ist so hoch, daß er die monatliche Rate übersteigt. Meine Fragen: hätte der „Berater“ bei der Bank meinem Freund nicht sagen müssen, daß er mit dieser Rate nicht auskommt und sich das alles als Milchmädchenrechnung herausstellt? Liege ich mit meinem Gefühl, daß diese Vorgehensweise an Wegelagerei grenzt, richtig? Eine Umschuldung auf einen bereits laufenden, festen Kredit hat die Bank abgelehnt. Das wäre für meine Freund aber die einzige Möglichkeit, diese Dispositionskreditschulden jemals wieder abzutragen, weil er mehr als das, was er derzeit zahlt, nicht zahlen kann. Gibt es eine Möglichkeit, die Bank dazu zu bewegen, der vorgeschlagenen Umschuldung zuzustimmen? Mein Freund ist ziemlich verzweifelt, weil über kurz oder lang alles auf die Abgabe einer Eidesstattlichen Versicherung hinausläuft. Und das kann doch auch nicht im Interesse der Bank sein, oder?

Ich hoffe, es weiß jemand Rat.

Vielen Dank

Angelika

Hallo,

monatlichen, kleineren Betrag „abzuarbeiten“. Man mag uns ja
für naiv halten (was wir ganz offensichtlich auch sind) aber
jetzt, nach ein paar Monaten, stehen auf dem Konto weit mehr
„Miese“ als zu Beginn der Aktion.

nun, das hätte Euch natürlich auch auffallen können, aber in der Tat ist das schon ziemlich seltsam, allerdings nach den mir bekannten Gesetzen nicht rechtswidrig.

D.h. der Zinssatz ist so
hoch, daß er die monatliche Rate übersteigt.

Ich würde es eher so formulieren: Die Rate ist zu niedrig. Das Problem ist doch, daß die Raten unter Würdigung der finanziellen Leistungsfähigkeit Deines Freundes festgelegt wurden. Die Kreditsumme war fest, für den Zinssatz gab es nur eine schmale Bandbreite und die maximale Höhe der Raten war auch bekannt. Insofern gab es da wohl wenig Spielraum.

Meine Fragen:
hätte der „Berater“ bei der Bank meinem Freund nicht sagen
müssen, daß er mit dieser Rate nicht auskommt

Es wäre zumindest angesagt gewesen.

alles als Milchmädchenrechnung herausstellt? Liege ich mit
meinem Gefühl, daß diese Vorgehensweise an Wegelagerei grenzt,
richtig?

Absolut nicht. Siehe oben: Die Möglichkeiten waren begrenzt. Wenn das Einkommen nicht ausreicht, um höhere Raten zu leisten, ist das nicht das Problem der Bank. Wäre der Kredit unter dem Dispokredit weitergelaufen, der naturgemäß höher verzinst wird, hätte die Sache eher schlechter ausgesehen. Insofern ist Euch die Bank sogar entgegen gekommen.

zahlt, nicht zahlen kann. Gibt es eine Möglichkeit, die Bank
dazu zu bewegen, der vorgeschlagenen Umschuldung zuzustimmen?

Immer der gleiche Hinweis: Vernünftig mit den Leuten reden. In diesem speziellen Fall würde ich mich außerdem mal an eine Schuldnerveratung wenden, die im Zweifel die passenden Argumente parat haben. Das aber bitte erst nach einem ersten Gespräch mit den Bankmenschen. Direkt mit wichtigen Leuten aufzuwarten, erhöht die Verhandlungsbereitschaft nicht unmittelbar.

Mein Freund ist ziemlich verzweifelt, weil über kurz oder lang
alles auf die Abgabe einer Eidesstattlichen Versicherung
hinausläuft. Und das kann doch auch nicht im Interesse der
Bank sein, oder?

In der Tat, und wenn Du es bei der Bank nicht mit Vollidioten zu tun hast, wird man sich auch irgenwie einigen können. Aber auf jeden Fall wird es dazu kommen, daß Dein Freund im übertragenden Sinne die Hosen runterläßt.

Gruß
Christian

Hallo Angelika,

hat dieses Konto bessere Konditionen als der Dispokredit deines Freundes? Wenn ja, dann ist das schon mal ganz nett von der Bank gewesen.

Ich glaube auch nicht, dass die Zinsen zu hoch, sondern die Rate zu klein ist. Wie du allerdings schon sagst, liegt die an der Grenze der Leistungsfähigkeit deines Freundes.

An seiner Stelle sollte er zu seinem Kundenberater gehen und die Karten auf den Tisch legen. Denn mit einem hast du Recht: Eine e.V. ist nicht im Sinne der Bank.
Vielleicht kann man dann einen neuen Kredit abschließen, mit dem auch erst mal der feste Kredit vorzeitig getilgt wird und für diesen die Rate so gestalten, dass es die Möglichkeiten des Schuldners nicht übertrifft.
Wie gesagt, dass kann nur das Gespräch mit der Bank bringen.

Gruß Ivo

Hallo Christian,

Wäre der Kredit
unter dem Dispokredit weitergelaufen, der naturgemäß höher
verzinst wird, hätte die Sache eher schlechter ausgesehen.
Insofern ist Euch die Bank sogar entgegen gekommen.

Es werden aber doch die Zinsen des Dispos weiterberechnet. Da sind sie ihm überhaupt nicht entgegen gekommen. Und das ist das Problem. Was wir nicht verstanden haben ist, daß die Bank einer Umschuldung, in welcher Form auch immer, sei es auf den anderen bereits laufenden Kredit oder in Form eines neuen, nicht zugestimmt hat. Für mich ist das Wegelagerei, weil es dem willigen Schuldner unmöglich gemacht wird, im Rahmen seiner Möglichkeiten, diese Schulden abzuzahlen. Uns zwar einzig aus dem „nachvollziehbaren“ Grund der Bank, Geld zu verdienen.

Immer der gleiche Hinweis: Vernünftig mit den Leuten reden. In
diesem speziellen Fall würde ich mich außerdem mal an eine
Schuldnerveratung wenden

Das hat mein Freund schon versucht. Es hieß, daß sie „so“ für ihn auch nichts tun könnten und im übrigen irre lange Wartezeiten haben.

Für mich sieht es hier wieder nach dem üblichen Klischee aus: wenn die Schulden nur hoch genug sind, wird einem der nächste Kredit quasi hinterher getragen. Aber den „kleinen Leuten“ wird es so schwer wie möglich gemacht.

Ich denke, es wird das Beste sein die e.V. abzulegen, dann hat mein Freund wahrscheinlich, wie so viele andere, erst mal Ruhe und die Bank guckt in die Röhre. Schlimmer wie jetzt kann es für ihn sowieso kaum kommen.

Vielen Dank für Deine Antwort.

Angelika

Hi,

Es werden aber doch die Zinsen des Dispos weiterberechnet.

das verstehe ich nicht. Allein schon von der Kalkulation ist ein Ratenkredit anders zu berechnen, als ein reiner Dispositionskredit. Wenn das so sein sollte, seid Ihr einen die dümmsten und unverschämtesten Bankmenschen geraten, die es gibt. Aber bitte noch einmal prüfen.

nicht zugestimmt hat. Für mich ist das Wegelagerei,

Bei allem Verständnis: Das ganze bewegt sich im Rahmen der Gesetze und der Vertragsfreiheit. Von Wegelagerei zu sprechen, zeugt von einer Einstellung, die eine Einigung schwer machen wird.

dem willigen Schuldner unmöglich gemacht wird, im Rahmen
seiner Möglichkeiten, diese Schulden abzuzahlen. Uns zwar
einzig aus dem „nachvollziehbaren“ Grund der Bank, Geld zu
verdienen.

Wenn die Bankmenschen nicht völlig verblödet sind, werden sie merken, worauf das ganze hinausläuft, nämlich auf eine Verbraucherinsolvenz. Daran verdient man nichts, sondern verliert nur.

Das hat mein Freund schon versucht. Es hieß, daß sie „so“ für
ihn auch nichts tun könnten und im übrigen irre lange
Wartezeiten haben.

Hm, das kommt mir seltsam vor. Wie dem auch sei: Ich kann nicht anders, als Euch den Vorwurf machen, daß Ihr hättet mitrechnen müssen. Wer in derartigen Schwierigkeiten ist, muß seine Ausgaben im Griff haben.

Für mich sieht es hier wieder nach dem üblichen Klischee aus:
wenn die Schulden nur hoch genug sind, wird einem der nächste
Kredit quasi hinterher getragen. Aber den „kleinen Leuten“
wird es so schwer wie möglich gemacht.

Hmm, da muß ich gerade einen Euro für Euch in die Klischeekasse werfen.

Ich denke, es wird das Beste sein die e.V. abzulegen, dann hat
mein Freund wahrscheinlich, wie so viele andere, erst mal Ruhe
und die Bank guckt in die Röhre. Schlimmer wie jetzt kann es
für ihn sowieso kaum kommen.

Das sehe ich anders, aber ich habe das Gefühl, daß Du Deine Meinung schon hattest, bevor Du hier gefragt hast.

Gruß
Christian

Hallo Angelika,

es bringt jetzt nichts, der Vergangenheit Tränen nachzuweinen. Kläre genau ab, wie hoch die von der Bank berechneten Zinsen tatsächlich sind. Ganz egal, ob es sich beim zuständigen Bankmenschen um einen gierigen Dummkopf handelt oder ob der Darlehensvertrag mit seinen Konditionen im grünen Bereich liegt, schöpfen die fälligen Raten einerseits die Leistungsfähigkeit Deines Freundes voll aus, andererseits reichen sie der Höhe nach nicht zur Tilgung. Bis dahin ist es Sachstand.

Jetzt sollte folgendes passieren:

  • Es sind Überlegungen fällig, wie es mit der Selbständigkeit Deines Freundes weitergehen soll. Weshalb wird zu wenig verdient und was kann man dagegen tun. Das sind die zuerst zu klärenden Fragen. Bitte nicht den Kopf in den Sand stecken. Aus beinahe jedem Gewerbe läßt sich etwas machen und wenn es nicht läuft, muß man überlegen, weshalb es nicht läuft. Vielleicht erzählst Du in Stichworten, um welche Art Gewerbe es sich handelt und wo aus Deiner Sicht die Probleme liegen.

  • Trenne Dich von dem Gedanken, per eidesstattlicher Versicherung über die Vermögensverhältnisse zur Ruhe zu kommen. Das ist nur eine sehr scheinbare Ruhe. Gläubiger werden Deinen Freund nötigenfalls 30 Jahre lang mit titulierten Forderungen verfolgen. Wenn es keinen anderen Ausweg gibt, ist der Weg über das (private) Insolvenzverfahren vorzuziehen. Das kann man innerhalb von 6 Jahren einschließlich Restschuldbefreiung hinter sich bringen.

  • Im Falle der Insolvenz bekommen die Gläubiger i. d. R. nichts oder nur noch sehr wenig. Das weiß auch eine Bank. Vielleicht weiß es nicht der Schnösel hinter dem Filialtresen, die Leute in der Rechtsabteilung der Bank wissen aber, was sie bei der Insolvenz eines Schuldners noch zu erwarten haben. Dieses Wissen der Leute von der Rechtsabteilung der Bank ist eine gute Gesprächsbasis. Die Filialleute sind ab einem bestimmten Punkt die falschen Gesprächspartner. Dein Freund nimmt Kontakt mit der Rechtsabteilung der Bank auf, schildert seine Situation und stellt dar, daß er ins Insolvenzverfahren gehen muß, wenn man keine tragfähige Lösung findet, die natürlich auch Bankinteressen berücksichtigt, aber ihm Luft zum Leben läßt.

Hier schließt sich der Kreis. Vor dem Bankgespräch muß Dein Freund genau wissen, was er will. Vielleicht weiter selbständig…wollen mal sehen… das ist alles Dröhnkram. Er braucht ein klares Konzept, wie die Zukunft aussehen soll. Dieses Konzept beinhaltet auch die Veränderungen, um das Geschäft zukünftig auf gesündere Füße zu stellen. Dafür braucht er Zahlen, also eine realistische Umsatzplanung für die nächsten Monate und eine Kostenaufstellung, wo einschließlich Tilgungszahlungen alles berücksichtigt ist. Also eine richtige GuV, nur nicht für die Vergangenheit, sondern seriös geschätzte Zahlen für die Zukunft. Auch das ist wichtig zu wissen: Mit der Rechtsabteilung einer Bank kann man über alles reden. Im normalen Geschäftsverkehr unmögliche Dinge sind dort das tägliche Brot. Für die Bankleute geht es zwar nicht um Kopf und Kragen, aber immerhin darum, ob sie ihre Forderung komplett in den Wind schreiben müssen oder mit Vernunft und gutem Willen wenigstens einen kleinen Teil zurück erhalten.

Wenn es irgend geht, schmeißt nicht das Handtuch. Wenn man weiß, wie es zur Notlage gekommen ist und eine Idee hat, wie man da wieder heraus kommt, ist die heutige Situation irgendwann nur noch eine bittere, aber wertvolle Erfahrung. Also: Eine Nacht überschlafen, morgen einen Waldspaziergang machen und dann sind Brainstorming und Manöverkritik fällig, sodann den Plan für den erfolgreicheren Geschäftsverlauf erstellen und Ärmel hochkrempeln. Machen!

Ich denke, es wird das Beste sein die e.V. abzulegen, dann hat
mein Freund wahrscheinlich, wie so viele andere, erst mal Ruhe
und die Bank guckt in die Röhre. Schlimmer wie jetzt kann es
für ihn sowieso kaum kommen.

Das ist ein fataler Irrtum! Ein weiterer Irrtum zieht sich durch Deine Postings, nämlich über die Rolle einer Bank. Sparkassen in kommunaler Trägerschaft sind zwar satzungsgemäß der regionalen Wirtschaftsentwicklung verpflichtet. Daraus lassen sich im konkreten Einzelfall aber keine konkreten Forderungen ableiten. Insofern achten alle Banken in erster Linie darauf, daß ihre Kasse stimmt, daß Geld verdient wird. Banken sind nicht zur Finanzierung von Verlusten und nicht für die Unterstützung noch so gut gemeinter, aber unzureichender Unternehmenskonzepte zuständig. Banken sind keine Wohlfahrtsinstitute. Wer eine Bank betritt, muß wissen, daß die Bank glashart die Linie verfolgt, an dem Kunden Geld zu verdienen. Sobald das nicht (mehr) möglich oder mit zu großen Risiken verbunden ist, zieht sich jede Bank zurück. Auch der vom Filialleiter höchstpersönlich servierte Kaffee schützt nicht davor, daß der gleiche Mensch kurz darauf im denkbar unpassendsden Augenblick die Kredite fällig stellt. Das muß ein Selbständiger unbedingt wissen, bevor er auch nur eine müde Mark Kredit in Anspruch nimmt.

Gruß
Wolfgang

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Hallo Angelika,

Es werden aber doch die Zinsen des Dispos weiterberechnet. Da
sind sie ihm überhaupt nicht entgegen gekommen. Und das ist
das Problem. Was wir nicht verstanden haben ist, daß die Bank
einer Umschuldung, in welcher Form auch immer, sei es auf den
anderen bereits laufenden Kredit oder in Form eines neuen,
nicht zugestimmt hat. Für mich ist das Wegelagerei, weil es
dem willigen Schuldner unmöglich gemacht wird, im Rahmen
seiner Möglichkeiten, diese Schulden abzuzahlen. Uns zwar
einzig aus dem „nachvollziehbaren“ Grund der Bank, Geld zu
verdienen.

Sehe ich das richtig, dass das einzige was getan wurde das ist, dass der Saldo auf ein anderes Girokonto umgebucht wurde?
Viel Sinn macht das nicht, zumal hier ja auch noch Kontoführungsgebühren hinzukommen.

Bist du dir ganz sicher dass das so ist und die Konditionen wirklich gleich sind? Ich kann mir das nur schwer vorstellen.

Immer der gleiche Hinweis: Vernünftig mit den Leuten reden. In
diesem speziellen Fall würde ich mich außerdem mal an eine
Schuldnerveratung wenden

Das hat mein Freund schon versucht. Es hieß, daß sie „so“ für
ihn auch nichts tun könnten und im übrigen irre lange
Wartezeiten haben.

Was heißt den dieses „so“ konkret.

Für mich sieht es hier wieder nach dem üblichen Klischee aus:
wenn die Schulden nur hoch genug sind, wird einem der nächste
Kredit quasi hinterher getragen. Aber den „kleinen Leuten“
wird es so schwer wie möglich gemacht.

Das ist Unfug. Ärger hin oder her.

Ich denke, es wird das Beste sein die e.V. abzulegen, dann hat
mein Freund wahrscheinlich, wie so viele andere, erst mal Ruhe
und die Bank guckt in die Röhre. Schlimmer wie jetzt kann es
für ihn sowieso kaum kommen.

Das halte ich nicht für die intelligenteste Lösung.

Gruß ivo