Hallo Angelika,
es bringt jetzt nichts, der Vergangenheit Tränen nachzuweinen. Kläre genau ab, wie hoch die von der Bank berechneten Zinsen tatsächlich sind. Ganz egal, ob es sich beim zuständigen Bankmenschen um einen gierigen Dummkopf handelt oder ob der Darlehensvertrag mit seinen Konditionen im grünen Bereich liegt, schöpfen die fälligen Raten einerseits die Leistungsfähigkeit Deines Freundes voll aus, andererseits reichen sie der Höhe nach nicht zur Tilgung. Bis dahin ist es Sachstand.
Jetzt sollte folgendes passieren:
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Es sind Überlegungen fällig, wie es mit der Selbständigkeit Deines Freundes weitergehen soll. Weshalb wird zu wenig verdient und was kann man dagegen tun. Das sind die zuerst zu klärenden Fragen. Bitte nicht den Kopf in den Sand stecken. Aus beinahe jedem Gewerbe läßt sich etwas machen und wenn es nicht läuft, muß man überlegen, weshalb es nicht läuft. Vielleicht erzählst Du in Stichworten, um welche Art Gewerbe es sich handelt und wo aus Deiner Sicht die Probleme liegen.
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Trenne Dich von dem Gedanken, per eidesstattlicher Versicherung über die Vermögensverhältnisse zur Ruhe zu kommen. Das ist nur eine sehr scheinbare Ruhe. Gläubiger werden Deinen Freund nötigenfalls 30 Jahre lang mit titulierten Forderungen verfolgen. Wenn es keinen anderen Ausweg gibt, ist der Weg über das (private) Insolvenzverfahren vorzuziehen. Das kann man innerhalb von 6 Jahren einschließlich Restschuldbefreiung hinter sich bringen.
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Im Falle der Insolvenz bekommen die Gläubiger i. d. R. nichts oder nur noch sehr wenig. Das weiß auch eine Bank. Vielleicht weiß es nicht der Schnösel hinter dem Filialtresen, die Leute in der Rechtsabteilung der Bank wissen aber, was sie bei der Insolvenz eines Schuldners noch zu erwarten haben. Dieses Wissen der Leute von der Rechtsabteilung der Bank ist eine gute Gesprächsbasis. Die Filialleute sind ab einem bestimmten Punkt die falschen Gesprächspartner. Dein Freund nimmt Kontakt mit der Rechtsabteilung der Bank auf, schildert seine Situation und stellt dar, daß er ins Insolvenzverfahren gehen muß, wenn man keine tragfähige Lösung findet, die natürlich auch Bankinteressen berücksichtigt, aber ihm Luft zum Leben läßt.
Hier schließt sich der Kreis. Vor dem Bankgespräch muß Dein Freund genau wissen, was er will. Vielleicht weiter selbständig…wollen mal sehen… das ist alles Dröhnkram. Er braucht ein klares Konzept, wie die Zukunft aussehen soll. Dieses Konzept beinhaltet auch die Veränderungen, um das Geschäft zukünftig auf gesündere Füße zu stellen. Dafür braucht er Zahlen, also eine realistische Umsatzplanung für die nächsten Monate und eine Kostenaufstellung, wo einschließlich Tilgungszahlungen alles berücksichtigt ist. Also eine richtige GuV, nur nicht für die Vergangenheit, sondern seriös geschätzte Zahlen für die Zukunft. Auch das ist wichtig zu wissen: Mit der Rechtsabteilung einer Bank kann man über alles reden. Im normalen Geschäftsverkehr unmögliche Dinge sind dort das tägliche Brot. Für die Bankleute geht es zwar nicht um Kopf und Kragen, aber immerhin darum, ob sie ihre Forderung komplett in den Wind schreiben müssen oder mit Vernunft und gutem Willen wenigstens einen kleinen Teil zurück erhalten.
Wenn es irgend geht, schmeißt nicht das Handtuch. Wenn man weiß, wie es zur Notlage gekommen ist und eine Idee hat, wie man da wieder heraus kommt, ist die heutige Situation irgendwann nur noch eine bittere, aber wertvolle Erfahrung. Also: Eine Nacht überschlafen, morgen einen Waldspaziergang machen und dann sind Brainstorming und Manöverkritik fällig, sodann den Plan für den erfolgreicheren Geschäftsverlauf erstellen und Ärmel hochkrempeln. Machen!
Ich denke, es wird das Beste sein die e.V. abzulegen, dann hat
mein Freund wahrscheinlich, wie so viele andere, erst mal Ruhe
und die Bank guckt in die Röhre. Schlimmer wie jetzt kann es
für ihn sowieso kaum kommen.
Das ist ein fataler Irrtum! Ein weiterer Irrtum zieht sich durch Deine Postings, nämlich über die Rolle einer Bank. Sparkassen in kommunaler Trägerschaft sind zwar satzungsgemäß der regionalen Wirtschaftsentwicklung verpflichtet. Daraus lassen sich im konkreten Einzelfall aber keine konkreten Forderungen ableiten. Insofern achten alle Banken in erster Linie darauf, daß ihre Kasse stimmt, daß Geld verdient wird. Banken sind nicht zur Finanzierung von Verlusten und nicht für die Unterstützung noch so gut gemeinter, aber unzureichender Unternehmenskonzepte zuständig. Banken sind keine Wohlfahrtsinstitute. Wer eine Bank betritt, muß wissen, daß die Bank glashart die Linie verfolgt, an dem Kunden Geld zu verdienen. Sobald das nicht (mehr) möglich oder mit zu großen Risiken verbunden ist, zieht sich jede Bank zurück. Auch der vom Filialleiter höchstpersönlich servierte Kaffee schützt nicht davor, daß der gleiche Mensch kurz darauf im denkbar unpassendsden Augenblick die Kredite fällig stellt. Das muß ein Selbständiger unbedingt wissen, bevor er auch nur eine müde Mark Kredit in Anspruch nimmt.
Gruß
Wolfgang