Dissertation veröffentlichen

Hi, Leute!

Ich habe meine Diss. in Altgriechisch beendet und muß sie jetzt veröffentlichen. Wer weiß, wo das möglichst billig geht?

Hi Stefan,

hier eine Antwort, welche ich sinngemäß vor ein paar Monaten bereits einmal gepostet habe:

Für Dich heißt es jetzt, Dir Angebote zu besorgen und den Rechenstift zu schwingen. Du mußt nämlich viele Faktoren in die Kalkulation einbeziehen.

  1. Selbstverlag
    Du trägst Deine Kopiervorlage in den Copy-Shop und läßt sie x mal kopieren und binden. Kosten entstehen im wesentlichen durch die hohe Anzahl der benötigten Exemplare, da Du in einem solchen Fall je nach Uni (steht in der Promotionsordnung) 90-120 Exemplare einreichen mußt, bei medizinischen Fakultäten häufig weniger. Dann willst Du ja noch ein paar Exemplare für Doktorvater, Doktormutter, Onkel, Kollegen, etc., so daß es schnell 200-250 Exemplare werden, von denen Du gut 100 für den eigenen Bedarf hast. Je nach Angebot bezahlst Du dafür DM 1.200,- bis DM 5.000,-, vergleichen lohnt sich. Diese Kosten trägst Du selbst, kannst sie aber steuerlich absetzen (die Doktorfeier nicht, auch wenn Du Dich wegen alter Brauchtumspflege am Institut diese nicht entziehen kannst!) Von der VG WORT bekommst Du keine Mark.

  2. Verlagspublikation
    Ein Verlag gibt Deine Dissertation (meist in einer bestimmten Schriftenreihe, z.B. „Zynismus im Mittelalter“) heraus. Deine Arbeit bekommt dann eine ISBN, welche der Verlag beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels beantragt. Dadurch hast Du Anspruch auf die sog. Hauptaussschüttung der VG WORT. Die VG WORT ist sozusagen die GEMA der Autoren. Sie kassiert Lizenzgebühren von Copy-Shops, in denen Deine Dissertation potentiell kopiert werden kann bzw. von Bibliotheken, welche Dein Werk verleihen. Da sich diese Summe aus dem Verhältnis der Einnahmen zur Anzahl der Autoren ergibt, ist sie in jedem Jahr anders. Eine Garantie gibt Dir niemand. Außerdem hängt der Betrag seit dem Erscheinungsjahr 1998 von der Seitenzahl ab, für 49 - 100 Seiten gibt es in 1998 nur 378,- DM, ab 100 Seiten 540,- DM. Du mußt hierfür auch einen Antrag schreiben, sonst gehst Du leer aus! Faire Verlage schicken Dir den Antrag mit, sonst mußt Du Dir einen bei der VG WORT besorgen. Die Adresse lautet:
    VG WORT
    Goethestr. 49
    80336 München
    Tel.: 089/51412-0
    Fax.: 089/51412-58

Diese Lösung hat noch weitere Vorteile. Die Aufmachung ist bei Verlagen meistens wesentlich schöner als beim Copy-Shop. Weiterhin mußt Du bei einer veröffentlichten Dissertation (der Verlag bestätigt, daß er eine bestimmte Anzahl von Exemplaren für den Buchhandel bereithält) nur ca. 20 Pflichtexemplare bei der Uni einreichen. Zusätzlich bekommst Du für verkaufte Exemplare ein Autorenhonorar. Leider sind Dissertationen üblicherweise so speziell, daß es in schlechten Fällen für einen Döner Kebab reicht, mit etwas Glück für ein Essen im Steakhouse! :wink: Nach all den positiven Fakten wirst Du Dich sicherlich fragen, wo der Haken ist. Der Verlag möchte von Dir üblicherweise einen Druckkostenzuschuß haben, damit sich das Geschäft für ihn lohnt. Dafür bekommst Du als Autor aber auch Freiexemplare. Und hier gibt es wieder große Unterschiede. Ein Mittelwert liegt so bei DM 1.500,- für 150 Freiexemplare. Unter Berücksichtigung der Rückerstattung durch die VG WORT hast Du also im Vergleich mit dem Selbstverlag mehr Eigenexemplare für weniger Geld.

Aber insgesamt kann ich Dir nur zu einer sorgfältigen Kalkulation raten. Überlege Dir vorher, wie viele Exemplare Du für Dich selbst möchtest. Diese sollten bis zum Ende Deines Lebens reichen. Weiterhin können drei - vier Farbseiten die Kalkulation völlig verdrehen, ebenso eine ungewöhnlich dicke Arbeit mit 600 oder mehr Seiten. Wenn Du damit rechnest, daß Deine Arbeit ein Bestseller wird, dann bieten einige Verlage auch eine vergrößerte Erstauflage an. Dein Druckkostenzuschuß wird dann immens, aber Du bekommst einen hohen prozentualen Anteil an den Einnahmen.

Neuerdings bestehen weitere Optionen, etwa dahingehend, daß die Fakultät eine Veröffentlichung im Internet zuläßt. Dabei entstehen Dir so gut wie keine Kosten. Auch kann man über Libri (http://www.libri.de/) eine On-Demand-Version veröffentlichen. Dabei garantiert der Verlag, daß er bei Bedarf die Anzahl an Pflichtexemplaren bereithält, diese werden jedoch auch erst bei Abruf gedruckt.

Puh, war eine lange Antwort!

Gruß und viel Erfolg
Ted
(Nach Diktat vergreist, ähh, verreist bis Freitag)

Hallo, Ted,
erstmal vielen Dank für die tolle Antwort. Inzwischen habe ich einen recht günstigen Verlag in Berlin gefunden. Der veröffentlicht ab DM 400.-. Die Internetadresse ist www.doktorarbeit.de. Werde aber noch weiter suchen.

Hasta la vista!

Hi again, Stefan!

Derweil habe ich mal die Zeit gefunden, auf die Seite von www.doktorarbeit.de zu schauen. Der Pferdefuß bei der Sache ist, daß die Freiexemplare so teuer sind. Die dort angesprochenen 5 Exemplare reichen gerade mal für die Fakultät, die Bibliothek möchte natürlich auch noch ungefähr 15 Exemplare haben!

Der Doktorvater, seiner Macht bewußt, preßt Dir auch 10 Stück aus den Rippen, dito der Korreferent! Und schon bist Du bei 40 Stück. Noch 10 Stück [sic!] für den Eigenbedarf, dann hast Du 1200,00 DM. Für dieses Geld geben Dir andere Verlage 150 Freiexemplare!!!

Gruß
Ted

Blöde Frage meinerseits…
Sagt mal…
Ist es bei Euch in Deutschland wirklich so kompliziert, wenn man sein Doktoratsstudium endgültig hinter sich bringen will?
Wozu muß man die Diss überhaupt veröffentlichen?
Und wozu brauchen die Bibliothek 100 Exemplare, die Fakultät 50, der Prof auch noch einmal 10 usw usw?

Ich bin deswegen so erstaunt und überrascht darüber, weil es hierzulande (Österreich) eigentlich mit einer Handvoll (fünf, wenn ich mich recht erinnere) Exemplare für UB, Nationalbibliothek und Institut getan ist. (Zumindest was die „offizielle“ Seite angeht.)

Und kommt man sich bei Euch mit den Leuten vom Institut tatsächlich so nahe, daß man eine Feier zahlen muß?

Bin dankbar für jede Aufklärung
Patrick

Hi Patrick!

>Ist es bei Euch in Deutschland wirklich so kompliziert, wenn man sein Doktoratsstudium endgültig hinter sich
> bringen will?
Ja, ist es. Die meisten Universitäten haben Merkblätter für Doktoranden, auf denen alle Schritte (so ca. 20) des Promotionsverfahrens aufgelistet sind. Nach der mündlichen Prüfung ist man ca. auf der Mitte angelangt. Einige Universitäten schicken sogar ein Muster der eingereichten Pflichtexemplare an die Gutachter zurück und lassen sich bestätigen, daß das Exemplar inhaltlich mit der genehmigten Fassung übereinstimmt. Nun ja, Deutschland ist nun einmal nicht für seine Bürokratiefreiheit berühmt! :wink:

>Wozu muß man die Diss überhaupt veröffentlichen?
Weil die Öffentlichkeit ein Recht darauf hat, alles über derartig bahnbrechende neue Erkenntnisse zu erfahren! :wink:

>Und wozu brauchen die Bibliothek 100 Exemplare, die Fakultät 50, der Prof auch noch einmal 10 usw usw?
Weil ein Exemplar an jede Universitätsbibliothek geschickt wird, so daß jede Universitätsbibliothek Deutschlands jede Dissertation in ihrem Bestand hat. Bei der Veröffentlichung in einem Verlag kann es den Bibliotheken zugemutet werden, ein Exemplar zu kaufen. Damit die Anzahl auch verfügbar ist wird dabei eine Mindestauflage gefordert.

>Und kommt man sich bei Euch mit den Leuten vom Institut tatsächlich so nahe, daß man eine Feier zahlen
>muß?
Sicherlich nicht mit allen, das hat vielmehr etwas mit Tradition zu tun.

Gruß
Ted

Hallo, Ted:

Gottseidank ist das bei uns (LMU München Philologie) nicht so. Da reichen tatsächlich die 5 Freiexemplare, falls sie von einem Verlag stammen. Wenn du allerdings nur in einen Copy-Shop gehst, dann bist du mit 80 Exemplaren dabei. Soweit die Lage bei uns.

Grüße, Stefan

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