Doktorexamen

Alle Welt redet von Studienzeitverkürzungen. Warum wird dann allerorten das Doktorexamen abgeschafft? Warum muss man also erst ein Staatsexamen oder einen Magister machen, ehe man zum Promotionsstudium zugelassen wird?

Das kostet doch nur Zeit, wenn ich vorher schon weiß, dass ich promovieren möchte.
Nebenfrage: wo ist das Doktorexamen noch möglich?

Andreas

Alle Welt redet von Studienzeitverkürzungen. Warum wird dann
allerorten das Doktorexamen abgeschafft?

Hallo Andreas!
Dass es allerortens abgeschafft wird, davon weiß ich nichts. Bei uns (Uni Trier) ist das vom Fach abhängig. Es gibt Fächer, die einen direkten Promotionsabschluss (grundständig) ermöglichen, andere verlangen ein vorheriges Diplom (Diplom, Magister, Staatsexamen).

Warum muss man also

erst ein Staatsexamen oder einen Magister machen, ehe man zum
Promotionsstudium zugelassen wird?

Wie gesagt, das hängt vom Fach ab, ob man muss oder nicht. Aber es gibt gute Gründe, um vorher einen Abschluss zu machen. Und gute Möglichkeiten, damit dieses nicht studienverlängernd wirkt (z.B. die Magister-/Staatsexamens-/Diplom-Arbeit als Untermenge der Dissertation anlegen).

Ein grundständiger Studiengang hat eine Regelstudienzeit von 8 Semestern plus 1 Prüfungssemester, die Durchschnittsstudiendauer beträgt in Trier allerdings ca. 10-12 Semester je nach Fach. Was in den meisten Fällen aber nicht bedeutet, dass man 8 Semester absitzen muss, ergo, kann das Prüfungssemester unter Umständen auch entfallen, unter Umständen auch mehr als das. Eine Promotion erfordert noch einmal (im Schnitt) 3 bis 5 Jahre, also 6 bis 10 Semester.

Würde jetzt jemand direkt promovieren (es gibt durchaus Leute, die das tun), bräuchte er dafür, sagen wir, bestenfalls 6 Jahre, über den Daumen gepeilt (ausgenommen die Ausnahmen). Wahrscheinlicher ist, dass er 8 bis 10 Jahre braucht.

Nun tritt derjenige zur Prüfung an, ohne je in einer wirklichen (Abschluss)prüfungssituation gewesen zu sein oder seine Prüfer als Prüfer erlebt zu haben. Und stellt auf einmal fest, er ist der Typ mit der akuten Prüfungsangst/der totalen Blockade o.ä. Dann kann er bestenfalls 6 Jahre in den Wind schreiben, denn fällt er endgültig durch, ist ihm der Weg rückwärts versperrt.

Hätte er vorher ein Diplom, Staatsexamen, einen Magister gemacht, hätte er gewusst, was für ein Prüfungstyp er ist, was für ein Prüfungstyp seine Prüfer sind und er hätte außerdem im Falle eines Falles (Krankheit, Schwangerschaft, Kindererziehung, familiäre, soziale, finanzielle Probleme etc., Änderung der Wünsche und Ziele etc.) schon etwas in der Hand.

Darum empfehlen wir grundsätzlich nicht, direkt zu promovieren (es gibt bessere Wege, sein Studium zu verkürzen), auch wenn jemand schon im 1. Semester weiss, dass er soweit gehen möchte.

MfG
Susanne Mensah
Studienberaterin, Uni Trier

Das kostet doch nur Zeit, wenn ich vorher schon weiß, dass ich
promovieren möchte.
Nebenfrage: wo ist das Doktorexamen noch möglich?

Die Hochschulen, die interessieren, anschreiben und die Promotionsordnung für das gewünschte Fach anfordern. Da steht es drin, ob man darf oder nicht.

Andreas

Dank für die kompetente Antwort (o.T.)