Dominanzgehabe meines Bordercollies?

Hallo allerseits!

Wir haben zwei Border Collies und zwei - inzwischen erwachsene - Kinder. In beiden Fällen war die Erziehung der älteren intensiver und nachhaltiger! Ich wollte damit nur von Anfang an kundtun, daß ich weiß, daß wir schuld sind, wenn der Hund falsch erzogen ist :wink:

Unser Rüde war ca 8 Jahre alt, als sich unsere Lebensumstände so änderten, daß wir uns entschlossen, einen Spielgefährten für ihn anzuschaffen, weil wir uns (in erster Linie Frauchen) einfach nicht mehr jederzeit mit ihm beschäftigen konnten. Inzwischen ist er, Joker, fast 16 und sie, Aika, somit 8 Jahre alt. Er schläft 23 von 24 Stunden täglich, kommt nur noch auf, wenn wir ihm helfen, freut sich aber in dieser einen Stunde täglich so sehr seines Lebens, daß irgendwelche abstrußen Gedanken im Keim erstickt werden…

So hervorragend der Ersthund auf Kommandos gehört hat (ein spezieller Pfiff für ihn, ein Handzeichen - und er hat in 100 m Entfernung „Sitz“ gemacht) - so wenig zeigt sich unsere Hündin bereit, dem gleich zu tun. Nicht, daß wir uns falsch verstehen, ICH bin der Rudelführer (meistens jedenfalls) und ihr Schwanz ist zum Wedeln da oder für mich als Griff zum Festhalten, wenn sie sauber gemacht wird… Sie zeigt mir auch immer wieder, daß sie sich schier umbringt, mir zu Gefallen zu sein, ABER wenn wir Gassi gehen wollen, wird ein derartiges Geschrei gemacht, daß es jedes Mal die ganze Nachbarschaft erfährt: Aika darf raus!

Kein Schimpfen, kein Loben, kein Leckerchen hilft. Ich habe schon die verschiedensten, scheppernden Gegenstände an die Leine gebunden und sie laufen lassen: Beim dritten Mal weiß sie, daß das nur Spielzeug ist…

Ich habe in eine PET-Flasche Steinchen gefüllt und damit überraschend gerappelt - beim zweiten oder dritten Mal hatte ich den Eindruck, sie amüsiert sich über mich. Und ich habe ihr (ich habe es an mir selbst ausprobiert - und ich lebe noch!) die PET-Flasche an den Kopf geworfen - ist der Überraschungseffekt vorbei, scheinen diese Tätigkeiten des Rudelführers zum Ausgehritual zu gehören und man kann seiner Freude ungehinderten Ausdruck geben!

Ähnlich ist es im Auto, wenn sie einen anderen Hund, eine Katze, einen Traktor oder einen LKW sieht: Riesengeschrei! Ich habe sie schon in unserem Kombi mit geschlossener Kofferraumabdeckung transportiert - eine himmlische Ruhe beim ersten Mal. Dann sah ich im Rückspiegel, wie sich ihr Kopf neben der flexiblen Abdeckung durchbohrte: whwa - whwa - …

Natürlich weiß ich, daß ich/wir Fehler machen - aber welche? Was übersehen wir?

Vielen Dank für alle Tipps!

pieter

Hallo allerseits!

Entschuldige, wenn ich dir nicht wirklich helfen kann…, aber als ich dein Posting gelesen habe, dachte ich…ich steh mit unserem Finchen an der Tür zum Gassi gehen… Sobald unsere die Leine sieht, flippt dieses Weib aus…ist nicht zu greifen…, geschweige denn anzubinden, es gibt ein Höllentheater und wenn Frauchen nicht mindestens einen Kratzer davon trägt, dann ist der Spaziergang keiner. Und unser „Alter“ ist ein Goldstück (ok…wenn er den Napf sieht geht ihm auch einer ab)

Nein…sie ist nicht böswillig…aber absolut bekloppt. Das mit der Konditionierung haben wir auch versucht…, war ein absoluter Schuss in den Ofen. Selbst die Tiertrainer in den umliegenden Hundeschulen haben aufgegeben und zucken nur noch mit den Schultern, wenn wir Rat suchen…
Also: Ich hänge mich an deine Anfrage an.

Vielen Dank für alle Tipps!

pieter

kleineklara

Hallo pieter,

ich weiß zwar nicht was das mit Dominanzgehabe zu tun haben soll, das ist aber ein anderes Thema.
Aus Sicht des Hundes macht es Spaß und funktioniert. Ich würde bei einem derartigen Verhalten, schon beim ersten Ansatz von Theater, die Leine kommentarlos an den Haken hängen und der Spaziergang wäre gestrichen. Wie soll der Hund lernen, dass er nicht Kläffen soll, dann aber jedesmal genau damit erreicht, was er so gerne haben möchte.

Nachdem dieses „Spielchen“ jetzt aber schon so lange funktioniert, wird dein Hunderl diese Strategie mit Sicherheit nicht von heute auf morgen über den Haufen werfen.

In diesem Fall wäre ein Abbruchsignal sicher hilfreich. Wichtig ist allerdings, dass sowohl die Konditionierung, als auch deine Einführung von einem Fachmann der davon Ahnung hat vorgenommen wird - sonst verpufft die Wirkung so schnell wie bei deinen Pet-Flaschen.

Ich wiederhole aber nochmal, man macht es dem Hund unnötig schwer, wenn man ihm einerseits ein Verhalten abtrainieren will, er auf der anderen Seite aber genau mit diesem das erreicht, was er haben will. Hunde sind geistig relativ einfach „gestrickt“.

Gruß

Johnny

Hallo Pieter,

die Riesenschnauzer-Berner-Sennen-Hündin meiner Mutter raubt uns mit ihrem Gebelle auch regelmäßig die Nerven - besonders, wenn wir mit dem Auto zum Kanal Schwimmen fahren, ist sie so aufgeregt, dass sie nicht nur bellt, sondern am ganzen Körper zittert und mit den Zähnen klappert (mit ihren 8 Jahren befürchte ich jedes Mal, dass sie einen Herzinfarkt bekommt). Bei meinem 2-jährigen BC-Mix hingegen könnte man vermuten, dass er gar nicht bellen kann!

Meine Mutter hat bei ihrem Hund aber über Jahre auch den Fehler gemacht, dass ihr Hund jedes Mal ein Leckerlie bekam, wenn Senja nur ein kleines „Wuff“ von sich gab. Nervte sie mal wieder, wenn wir beim Spazierengehen jemanden trafen und eine Weile plauschten - Leckerlie. Ich versuche gerade meine Mutter zu erziehen, dass Senja nur etwas bekommt, wenn der Hund ruhig ist. Das funktioniert mittlerweile auch in den meisten Alltagssituationen, aber Auto=Kanal=Hund flippt aus. Das wundert mich aber insofern auch nicht, als früher (bevor ich meinen Hund hatte) die täglichen Spaziergänge auch relativ langweilig für den Hund waren, und das Schwimmen im Kanal hat sie erst im letzten Jahr kennengelernt. Das ist daher das absolute Highlight für sie.

Da Du Deinen Joker auch erwähnst, eine Vermutung: Für Aika hat sich ja durch die altersbedingte Einschränkung von Joker auch einiges geändert. Sie hat nun ihren Spielkameraden „verloren“, so dass sie alles überschwänglich / freudig „begrüßt“, was ihr Abwechslung verschafft.

Viele Worte und wohl doch weniger Hilfe - denn auch ich wäre dankbar zu erfahren, was man noch machen kann, um das Gebelle einzudämmen.

Viele Grüße

Kathleen

Hallo,

für mich klingt es nach

a) mangelnder Auslastung - für den Hund ist der Spaziergang ein derartiges Highlight, dass er förmlich ausrastet vor Freude und Aufregung. Das zeugt weniger von Dominanz als von geringer Frustrationstoleranz (kann nicht warten). Mehr Spiele zuhause, mehr Aufgaben, mehr Training, mehr Beschäftigung, mehr Bewegung.

b) wie schon von den Vorrednern erläutert: der Hund kläfft und dreht durch -> Du belohnst ihn durch einen Spaziergang. Damit wird das Verhalten noch verstärkt. Die Belohnung durch den ersehnten Spaziergang wiegt viel schwerer als die „Bestrafung“ durch Rütteldose etc., womit mal wieder bewiesen wäre, dass positive Bestärkung viel wirkungsvoller ist als negative.

Gruß,

Myriam

Hallo Myriam,

… womit mal wieder bewiesen

wäre, dass positive Bestärkung viel wirkungsvoller ist als
negative.

ein sehr unwissenschaftlicher „Beweis“.
Nichts gegen positive Bestärkung, aber glaube mir, wenn dieses Verhalten in dieser Intensität wie es bisher positiv bestärkt wurde (durch Spaziergang) mit etwas negativem belegt worden wäre, wäre es erst gar nicht entstanden bzw. längst vergessen.

Gruß

Johnny

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