Hallo,ich wollte kurz auf das Interview von Kardinal Ratzinger in der FAZ von gestern hinweisen. Damit dürfte sich ja viel aufregeung und angegriffen fühlen erledigt haben.
viel Grüsse,
Philipp (rk)
Hallo Philipp,
ich habe den Artikel gelesen, und muß sagen, ich habe leider genau das gefunden, was ich von Ratzinger erwartet hatte - dogmatisches Beharren. Die Position die er vertritt, fußt doch eigentlich auf der sehr fragwürdigen Prämisse, daß nur die Katholen (und eventuell die Orthodoxen) die ‚wahre Kirche‘ vertreten, und das ist eine nicht rechtfertigbare Mischung aus historischer Kontinuität und dogmatischen Glaubenssätzen, die selber nicht ohne weitere Auslegung aus den biblischen Texten ableitbar sind. Nach meiner Meinung beruht die Botschaft Christi im wesentlichen auf ethischen Grundsätze für den einzelnen - wenn jemand ein ethisches Leben führt, was soll das für ein Gott sein, der dann noch zwischen dem unterscheidet, der einfach nur die moralischen Vorschriften befolgt, und dem, der vielleicht auch noch nach katholischem Ritus betet? Das wäre doch dann eher ein Götze! Natürlich gibt es zwischen den Kirchen z.B. in der Vereinbarkeit von Freiheit/göttliche Vorhersehung Unterschiede - aber eine Religion, die zur Bedingung macht, daß man Teil einer Organisation sein muß, um erlöst zu werden, ist zutiefst unmenschlich. Und Unterschiede in solchen theologisch-philosophischen Fragen sollten in unserer Zeit nun wirklich nicht herausgestellt werden, weil sie für die Bewertung der Handlungen des Einzlenen keine Rolle spielen - wer seine Mitmenschen liebt und moralisch behandelt, ist ein guter Christ, ob er auch an Dogma Nummer 23, den Papst oder was auch immer glaubt ist dann recht egal.
Viele Grüße
Stephan
Kirche - eine Frage der Definition
Lieber Stephan,
tut mir leid, aber Dein Beitrag stimmt doch genau mit dem überein, was Kardinal Ratzinger sagt:
Wieso regen sich die … (Stephans, Protestanten, Kirchenkritiker…) darüber auf, von der Römischen Kirche nicht als Kirche anerkannt zu werden, wenn sie doch einen anderen Kirchenbegriff haben?
Du hast Deine Auffassung von Kirche dargelegt, er ist anders als der der Römischen-Katholischen Kirche. Wo also ist das Problem?
Fragt Andreas, der die ganze Aufregung für künstlich hält.
Hallo,
danke andreas, das war genau das, was ich mit dem Hinweis auf das Interview erreichen wollte.
im übrigen würden mich mal orthodoxe Reaktionen auf den Kirchenbegriff in Dominus Jesus interessieren.
Viele Grüsse,
Philipp
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Hallo Andreas,
tut mir leid, aber Dein Beitrag stimmt doch genau mit dem
überein, was Kardinal Ratzinger sagt:
Wieso regen sich die … (Stephans, Protestanten,
Kirchenkritiker…) darüber auf, von der Römischen Kirche
nicht als Kirche anerkannt zu werden, wenn sie doch einen
anderen Kirchenbegriff haben?Du hast Deine Auffassung von Kirche dargelegt, er ist anders
als der der Römischen-Katholischen Kirche. Wo also ist das
Problem?
Das Problem ist doch, daß die Interpretation des Kirchenbegriffes von Ratzinger explizit ausschließt, daß irgendwer außer der katholischen Kirche eine christliche Religionsgemeinschaft darstellen kann, weil er davon ausgeht, daß nach seiner Interpretation der Bibel alle anderen Religionsgemeinschaften fehlgeleitet sind in dem Sinne, daß sie der Bibel widersprechen. Es wäre ja kein Problem, wenn er einfach sagen würde, daß „Kirche“ in dem Sinn, in dem er es versteht, Papst, Bischöfe in der Nachfolge der Apostel, usw. bedeutet, dann wäre es tautologisch, daß die anderen christlichen Religionsgemeinschaften keine Kirchen sind, und ich denke, dann wäre auch die Aufregung nicht entstanden. Aber gleichzeitig bedeutet es so, wie er es gesagt hat, auch, daß die katholische Kirche die einzige ist, die in der wirklichen Nachfolge Jesu steht, und das ist ein Anspruch, den er nur begründen kann, indem er annimmt, daß die Bibelinterpretation der Kurie eine endgültige Wahrheit ist, und somit alle (im praktischen minimalen) Abweichungen von dieser Interpretation aus katholischer Sicht eigentlich (auch wenn er dieses Wort nicht benutzt) Ketzerei sind.
Ich denke die Aufregung ist genau deshalb entstanden, weil die Aussage und der Ton des Dokuments (siehe die Diskussion in Faz über ‚subsistere‘) dem 2. Konzil entgegensteuert, indem für die eigenen Dogmas endgültige Wahrheit in Anspruch genommen wird, und andere Bekenntnisse damit auf den Status von ‚Abweichlern‘ reduziert wird. Im Sinne der Ökumene, und vor allem eines verantwortlichen Umgangs mit menschlichen Wahrheiten, die nun wirklich niemals unfehlbar sind, wäre es imho einfach wünschenswert gewesen, wenn im heiligen Jahr eine Erklärung veröffentlicht worden wäre, daß die Religionen gemeinsam versuchen, mit den Mitteln, die dem Menschen nun einmal gegeben sind, das Göttlichen zu verstehen.
Erklärungen wie diese befördern nur die Intoleranz, und das halte ich einfach für ein falsches Zeichen in unserer Zeit.
Viele Grüße
Stephan
Lieber Stephan,
Du kommst dem Geist Jesu Christi mit Deinem Statement sehr, sehr nahe. So und nicht anders hat Er es gemeint. Und um Christ zu sein braucht auch niemand in irgendwelche Tempel zu wetzen. Im Gegenteil, der wahre Tempel Jesu Christi ist drinnen im Herzen des betreffenden Christen, und darinnen wohnt Er, als Gottesfunke. Wenn man es spirituell einmal so ausdrücken will, was ich gerne tue.
Dich will ich in der Ewigkeit, beim Vater im Himmel, sicher gerne wiedersehen. Es wird bestimmt eine große Freude. Eines Tages.
Dein Norbert.