Eigentlich entfernen wir uns vom Ursprungsposting. Aber die Frage Christentum / Islam ist wohl eine der wichtigsten der heutigen Zeit! Daher doch noch etwas.
… bedenke bitte, dass das Christentum eine Zeit der Aufklärung hinter sich hat.
> Aber nicht vergessen: Die Aufklärung wurde GEGEN die Kirche durchgesetzt !
… Wären wir noch auf der Stufe des Islam, (keine Abwertung der Religion) oder der des Chr. im Mittelalter, würden wir dafür zumindest ins Gefängnis wandern, wahrscheinlich auf dem Scheiterhaufen!
> Ich bin nun mal der Meinung, dass eine Religion so gut ist, wie ihre Träger. Wenn wir also den Islam in Mitteleuropa hätten - z.B. weil Karl Martell die Schlacht bei Tours/Poitiers verloren hätte -, wäre er heute wahrscheinlich ziemlich viel anders als der heutige in arabischen Ländern. Die mitteleuropäische Geschichte wäre wohl genau so grausam verlaufen. Die Renaisance wäre vielleicht ein bisschen früher gekommen - siehe Averroez. Manche Historiker meinen, dass die Kultur der Mauren in Spanien nichts anderes war, als die Fortsetzung der Antike. Die Germanen konnten mit der Kultur der Römer nun mal nix anfangen, waren kulturell 500 bis 1000 Jahre zurück. Die Aufklärung wäre wohl genau so gekommen. Die dann heutigen Islamoberen in Mitteleuropa würden sich ob der in Scharen davonlaufenden Gläubigen ebenso die Haare raufen wie die christlichen Geistlichen. Das ist - könnte man sagen - pure Hypothese, aus der Betrachtung „aufgeklärter“/weltlicher lebender Muslime und aus den nichtarabischen islamischen Staaten ist das allerdings nicht.
Mir geht es nicht darum, alles im Islam schön zu reden, mir gefällt nur nicht, das man sich heute auf den arabisch-islamischen Terror, auf die Vorgänge in den Mullah-Staaten usw. einschiesst und danach den ganzen Islam beurteilt. Das mag manchen „europäischen Kreisen“ gefallen, „politisch korrekt“ sein, einer Verständigung steht es im Wege. Ich halte überhaupt nichts von Huntingtons „Krieg der Kulturen“, sondern mehr von Küngs Weltethos. Womit wir aber doch wieder bei „Dominus Jesus“ sind …
Zu Spanien: das Zusammenleben der verschiednen Religionen war tatsächlich recht reibungslos. Abgesehen davon, dass Ungläubige … doppelt so hohe Steuern zahlen mussten und sich dem muslimischem Recht unterwerfen mussten.
> Natürlich nicht schön, aber immer noch besser als des Landes vertrieben oder Kopf ab, wie es die Christen dann nach der Reconquista getan haben. Viele Historiker sind sich einig: Von dem Verlust an Kulturschaffenden und Wissenschaftlern hat sich Spanien Jahrhunderte (!) nicht erholt und ist vielleicht einer der Bausteine des späteren Niedergangs des spanischen Weltreichs.
… Der Barbar Karl der Große bekam nur deshalb diesen Titel, weil er so viel „Heiden“ (Sachsen, ich glaube 3.000!)) „über die Klinge hat springen lassen“ und den Rest zwangsweise missioniert hat.
> Wie es genau war, weiss ich inzwischen auch nicht mehr. In einem anderen Posting in Geschichte (?) sagte jemand, dass die Sache mit der „Sachsenschlächterei“ wohl auch auf einen Übersetzungsfehler zurückgehen könnte.
… Aber Du hast natürlich recht: die Araber waren uns Christen haushoch überlegen - geistig, zivilisatorisch, kulturel und last not least: militärisch!
> Statt Christen sag lieber Europäer. Warum das sich dann bis heute so ins Gegenteil verkehrt hat, weiss ich auch nicht. Weltreiche, Kulturen kommen und vergehen … Es gibt da ein Buch: Bernard Lewis, „Die Araber - Aufstieg und Niedergang eines Weltreiches“, soll ziemlich profund sein, werde ich mir mal kaufen.
ENDE! Und Gruss, Stucki