Hallo !
Ich weiß nun nicht, ob mir jemand helfen kann, aber ich versuche es einfach mal.
Ich lese momentan „Don Karlos“ von Schiller. Eigentlich habe ich einen guten Zugang zum Buch, aber an einer Stelle stutze ich ein wenig (ich habe bisher nur die Akt I + II gelesen):
In II, 8 (das ist die Szene, in der die Fürstin von Eboli Don Karlos ihre Liebe gesteht) sagt Prinzessin Eboli:
" Prinzessin von Eboli:
An ihren Busen werf’ ich mich. Sie werden
Mich retten. Prinz, und, wo ich ohne Rettung
Verloren bin, teilnehmend um mich weinen.
(Der Prinz rückt näher, mit erwartungsvollem, teilnehmendem Erstaunen.)
Ein frecher Günstling des Monarchen buhlt
Um meine Hand – Ruy Gomez, Graf von Sylva –
Der König will, schon ist man Handels einig,
Ich bin der Kreatur verkauft.
[…]
Nein, hören sie erst alles. Nicht genug,
Dass man der Politik mich hingeopfert,
Auch meiner Unschuld stellt man nach – Da, hier!
Dies Blatt kann diesen Heiligen entlarven."
Soweit verständlich. Nach einem Streit behält Karlos den Brief bei sich und zeigt ihn Marquis von Posa. Wie sich herausstellt, offenbart der Brief das heimliche Liebesverhältnis zwischen der Prinzessin und dem König (II, 15):
"Carlos:
Nicht Traum!
Beim wundervollen Gott nicht! – Wahrheit, Wahrheit!
(Den Brief des Königs an die Fürstin von Eboli hervorziehend.)
In diesem wichtigen Papier enthalten!
Die Königin ist frei, vor Menschenaugen,
Wie vor des Himmels Augen, frei. Da lies
Und höre auf, dich zu verwundern.
Marquis (den Brief eröffnend):
Was?
Was seh’ ich? Eigenhändig vom Monarchen?
(Nachdem er es gelesen.)
An wen ist dieser Brief?"
— Nun meine Frage:
Die Prinzessin von Eboli sagt in II,8, der König habe sie einen reichen Kaufmann versprochen und zeigt Don Karlos den Brief.
Aber der Brief deckt doch eigentlich das Liebesverhältnis zwischen Eboli und König auf?! Warum sollte der König Eboli an einen Kaufmann „verkaufen“, wenn er sie doch selbst liebt?
Die Rolle des Briefes erschließt sich mir irgendwie nicht…
Falls jemand den Text nicht zur Hand haben sollte:
http://www.wissen-im-netz.info/literatur/schiller/ca…
Vielen, vielen Dank schon einmal im Voraus!