Servus Zölomat 
Zunächst herzlichen Dank.
Hallo Herbert,
im Grunde fragst du nach dem Kern der Quantenphysik, ein
ehrgeiziges Unterfangen.
Ist es ganz sicher, aber als Dilettant habe ich den Vorteil: ich darf schon mal scheitern, oder dumme Fragen stellen.
Du hast mir wieder Stoff zum nachdenken gegeben.
Das mit den Teilchen die gleichzeitig Wellen sind, habe ich schon mal akzeptiert.
Ich verkürze ein wenig.
Die Wellenfunktion gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass das
Teilchen an einem bestimmten Punkt im Raum ist. Es ist also
zunächst überall und nirgends, bis es mit einem anderen
interagiert (die [Kopenhagener Interpretation] geht sogar
soweit zu sagen, bis die Interaktion beobachtet wird, aber wer
ist schon ein Beobachter? [Schrödingers Katze], ein Mensch?).
Ach ja, und damit habe ich schon Probleme: Existiert der Mond, wenn keiner hinschaut, (und keiner an ihn denkt) ist eine gar nicht so uninteressante Frage. Aber gerade das Experiment mit Schrödingers Katze hat mich schon verunsichert. Eine Katze deren Zustand unbestimmt ist? Alles in mir sagt: Ist unmöglich. Für das Wellenteilchen: Hmmm, wir werden wohl niemals seinen genauen Zustand feststellen können, aber heißt das, das es den nicht hat? Nicht haben kann?
Im Moment der Interaktion ist entschieden, wo das Teilchen
ist, die wellenförmige Wahrscheinlichkeitsverteilung hat sich
damit erledigt, man spricht vom [Kollaps der Wellenfunktion].
Die Welle zeigt alle typischen Merkmale, z. B. Streuung und
eben auch Interferenz hinter einem Doppelspalt. Die Welle kann
auch gleichzeitig durch beide Spalte gelangen, ebenso wird sie
auch reflektiert und absorbiert. So gelangt die Welle und
damit die Wahrscheinlichkeit, dort das Teilchen zu finden,
hinter die Wand, und zwar in einem hübschen Interferenzmuster.
Irgendwann wird das Quantenobjekt aber mal interagieren, und
erst dann entscheidet sich, wo es eigentlich ist. Und die
Wahrscheinlichkeit, wo sich das Teilchen in diesem Moment
befindet, wird eben durch die Welle beschrieben.
Verstanden? Nun ja, man kann’s irgendwie zur Kenntnis nehmen
und damit auch weiterkommen, aber wirklich begreifen kann’s
wohl kaum einer.
Ok, ich hab’s zur Kenntnis genommen, auch wenn ich meine Zähne knirschen gehört habe.
Nun zu den verschränkten Teilen. Zu deren Definition gehört,
dass eine ihre Eigenschaften miteinander gekoppelt sind, es
steht sozusagen für beide nicht fest, ob sie grün oder rot
sind, es steht nur fest, dass ihre Farben gegensätzlich sind.
In dem Moment, wo eines interagiert, legt es sich auf eine
Farbe fest und bestimmt damit die Farbe seines Gegenstücks
(auf dem Mars z.B.). Einstein, dessen Relativitätstheorie
Informationsübermittlung mit ja Lichtgeschwindigkeit
ausschließt, wollte nicht so recht daran glauben und sprach
von Spukhafter Fernwirkung. Ich glaube, dass man zu ihrem
ansatzweisen Verständnis ein paar Dinge berücksichtigen
sollte:
- In der Quantenphysik gilt das Kausalitätsprinzip nicht
- In der Quantenphysik gibt es keine Zeitrichtung
Ah, ok. Das ist schon schwerer zu akzeptieren. Wenn ich daran denke: Billardkugeln bestehen ja auch aus Quanten, die in ihrer Gesamtheit weder Kausalität noch Zeitrichtung verletzen. Oder es wäre extrem unwahrscheinlich, dass sie es tun, oder?
- Für ein Photon (Lichtgeschwindigkeit) ist der Mars 0 Meter
entfernt und die Reise dorthin dauert 0 Sekunden (Zeit- und
Längenkontraktion gem. Allg. Relativitätstheorie).
das sind aber nur ein paar Ideen von mir, ich bin auch kein
Physiker, habe mich aber recht viel damit beschäftigt, soweit
es meine Mathematikkenntnisse zulassen.
Ah, ok. Das bringt mich wieder einen Schritt näher, da habe ich wieder was zum nachdenken.
Falls du Sachen nicht verstanden hast, musst du dir vielleicht
erst mal ein paar grundlegende Kenntnisse aneignen, einfacher
lassen sich die Sachverhalte m.E. nicht mehr darstellen.
Noch ein (sinngemäßes) Zitat von ???: Wem bei der
Quuantenphysik nicht schwindelig wird, der hat sie nicht
verstanden.
Das gefällt mir. Mein Zustand: Mir ist schwindelig, und ich hab trotzdem nix verstanden.
Ich habe gerade von Anton Zeilinger folgendes Gschichterl gehört:
Ein Autofahrer wird von einem Polizisten aufgehalten. Der Polizist wirft ihm vor, zu schnell gefahren zu sein. Der Autofahrer sagt: das wäre schon möglich, aber er könne das nicht feststellen, er habe nämlich den Tachometer ausgebaut. Der Polizist meint, auch das wäre strafbar, und fragt ihn, warum er denn den Tachometer ausgebaut habe.
Der Autofahrer meint: Für ihn wäre es sehr wichtig, immer genau zu wissen wo er sich gerade befindet. Laut Quantenphysik wäre es aber unmöglich, den genauen Ort und die genaue Geschwindigkeit zu kennen, also will er von seiner Geschwindigkeit nichts wissen. Der Polizist dachte eine Weile nach, und machte dem Autofahrer folgendes Angebot: Wenn er ihm ausrechnen könne, welche Auswirkung das auf sein Auto habe, würde er ihm die Strafe erlassen. Dieser kommt zu dem Ergebnis: Seine Geschwindigkeit zu kennen hat sehr wohl Auswirkung, aber die liegt in etwa in dem Bereich der Größe eines Atoms.
Ente gut, alles gut, wie ich immer sage,
Servus
PD Herbert