Doppel-Doppelspaltexperiment

Liebe Freunde,
Also, wie ist das mit dem Doppelspaltexperiment?
Das ist das Experiment, welches geeignet erscheint, einem Physikdilettanten ansatzweise zu zeigen, wie seltsam die Quantenphysik wirklich ist. Da haben wir das einfache Doppelspaltexperiment, und das ist schon seltsam genug. Photonen sind also gleichzeitig Teilchen und Wellen. Kann man das begreifen? Als Physikdilettant kann ich es ja zugeben: Ich nähere mich dem Problem und entferne mich wieder. Das mit dem ‚normalen’ Experiment ist ja noch entfernt mit Wasserwellen zu vergleichen. Wellental und Wellenberg usw. hmmm.
(bitte korrigiert mich, wenn ich wo falsch liege)
Gut, das kann man akzeptieren, vielleicht sogar verstehen. Aber da gibt es ja noch das Experiment: Man lässt nur einzelne Photonen durch den Doppelspalt. Das ganze lässt man dann 1 bis 2 Wochen auf Photopapier fallen. Und siehe da: Das charakteristische hell- dunkel Muster entsteht trotzdem. Moment, das kann man mit den Wasserwellen nicht mehr vergleichen. Wo es dunkel ist, ist tatsächlich kein Licht hingekommen, oder? Verdeckt man einen Spalt, ist alle grau, es kommen also Photonen hin. Jetzt bin ich vom Verstehen wieder weiter entfernt.
Jetzt wird es aber wirklich schwierig.
Ich habe von einem Doppel-Doppelspaltexperiment gehört.
Wie ich gelesen habe, kann man verschränkte Teilchen erzeugen. Das eine schickt man durch den Doppelspalt. Beim anderen kann man entweder genau bestimmen welchen Weg es genommen hat, oder man kann es selbst durch einen Doppelspalt schicken. Wenn man weiß, welchen Weg es genommen hat, kann man auch auf das andere Teilchen schließen. Es kann aber nicht sein, dass wir gleichzeitig den Weg genau kennen, und es Wellenform annimmt, man also das hell-dunkel Muster sieht. Wenn wir auf der anderen Seite auch einen Doppelspalt aufstellen, sehen wir das Muster auch auf der anderen Seite, wenn nicht, gibt’s auch dort kein Muster. Habe ich das jetzt richtig verstanden?
Jetzt kommt das mystische Mysterium.
Physikalisch gesehen, könnten wir das zweite Experiment ja auf dem Mond machen. Dann hätten wir ja etwa eine Sekunde Zeit, uns zu entscheiden. Was passiert in der Zwischenzeit mit dem ersten Bild?
So, jetzt bin ich geistig vollständig ausgestiegen.
Ich erwarte nicht, dass MIR das jemand erklären kann. Aber vielleicht einen ganz kleinen Schritt näher bringen?

Im voraus: danke, ganz lieb.

Euer Physikdilettant Herbert

Lieber Herbert,

beantworten kann ich Deine Frage nicht, aber vielleicht ist folgendes ein Trost für Dich:

Richard Feynman wurde während eines Interviews mit der Behauptung konfrontiert, es gäbe auf der Erde nur fünf Menschen, die die Relativitätstheorie verstünden.
Er anrwortete:
‚ich kann nicht beurteilen, ob es fünf Menschen gibt, die die Relativitätstheorie verstehen, aber ich kann Ihnen versichern, daß es in der ganzen Welt niemanden gibt, der die Quantenphysik versteht‘

Gandalf

Lieber Gandalf,

danke für die nette Anekdote, wenn nicht mal Feynman sie versteht könnte ich eigentlich aufgeben… Allerdings bin ich ein Fan von Don Quichotte, und werde es nicht tun.

Servus
PD Herbert

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Hallo Herbert,

im Grunde fragst du nach dem Kern der Quantenphysik, ein ehrgeiziges Unterfangen.

Ich kann dir nur einen kleinen Einstieg in den Einstieg liefern, vieles findest du bei Wikipedia.

Also: Jedes Quantenobjekt (z.B. Photon,Elektron) ist zu 100% zugleich Welle UND (punktförmiges) Teilchen, nicht mal mehr das eine oder das andere oder ein Zwischending.

Die Wellenfunktion gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass das Teilchen an einem bestimmten Punkt im Raum ist. Es ist also zunächst überall und nirgends, bis es mit einem anderen interagiert (die [Kopenhagener Interpretation] geht sogar soweit zu sagen, bis die Interaktion beobachtet wird, aber wer ist schon ein Beobachter? [Schrödingers Katze], ein Mensch?).

Im Moment der Interaktion ist entschieden, wo das Teilchen ist, die wellenförmige Wahrscheinlichkeitsverteilung hat sich damit erledigt, man spricht vom [Kollaps der Wellenfunktion].

Die Welle zeigt alle typischen Merkmale, z. B. Streuung und eben auch Interferenz hinter einem Doppelspalt. Die Welle kann auch gleichzeitig durch beide Spalte gelangen, ebenso wird sie auch reflektiert und absorbiert. So gelangt die Welle und damit die Wahrscheinlichkeit, dort das Teilchen zu finden, hinter die Wand, und zwar in einem hübschen Interferenzmuster. Irgendwann wird das Quantenobjekt aber mal interagieren, und erst dann entscheidet sich, wo es eigentlich ist. Und die Wahrscheinlichkeit, wo sich das Teilchen in diesem Moment befindet, wird eben durch die Welle beschrieben.

Verstanden? Nun ja, man kann’s irgendwie zur Kenntnis nehmen und damit auch weiterkommen, aber wirklich begreifen kann’s wohl kaum einer.

Nun zu den verschränkten Teilen. Zu deren Definition gehört, dass eine ihre Eigenschaften miteinander gekoppelt sind, es steht sozusagen für beide nicht fest, ob sie grün oder rot sind, es steht nur fest, dass ihre Farben gegensätzlich sind. In dem Moment, wo eines interagiert, legt es sich auf eine Farbe fest und bestimmt damit die Farbe seines Gegenstücks (auf dem Mars z.B.). Einstein, dessen Relativitätstheorie Informationsübermittlung mit ja Lichtgeschwindigkeit ausschließt, wollte nicht so recht daran glauben und sprach von Spukhafter Fernwirkung. Ich glaube, dass man zu ihrem ansatzweisen Verständnis ein paar Dinge berücksichtigen sollte:

  • In der Quantenphysik gilt das Kausalitätsprinzip nicht
  • In der Quantenphysik gibt es keine Zeitrichtung
  • Für ein Photon (Lichtgeschwindigkeit) ist der Mars 0 Meter entfernt und die Reise dorthin dauert 0 Sekunden (Zeit- und Längenkontraktion gem. Allg. Relativitätstheorie).
    das sind aber nur ein paar Ideen von mir, ich bin auch kein Physiker, habe mich aber recht viel damit beschäftigt, soweit es meine Mathematikkenntnisse zulassen.

Falls du Sachen nicht verstanden hast, musst du dir vielleicht erst mal ein paar grundlegende Kenntnisse aneignen, einfacher lassen sich die Sachverhalte m.E. nicht mehr darstellen.

Noch ein (sinngemäßes) Zitat von ???: Wem bei der Quuantenphysik nicht schwindelig wird, der hat sie nicht verstanden.

Gruß, Zoelomat

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Servus Zölomat :smile:

Zunächst herzlichen Dank.

Hallo Herbert,

im Grunde fragst du nach dem Kern der Quantenphysik, ein
ehrgeiziges Unterfangen.

Ist es ganz sicher, aber als Dilettant habe ich den Vorteil: ich darf schon mal scheitern, oder dumme Fragen stellen.
Du hast mir wieder Stoff zum nachdenken gegeben.
Das mit den Teilchen die gleichzeitig Wellen sind, habe ich schon mal akzeptiert.
Ich verkürze ein wenig.

Die Wellenfunktion gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass das
Teilchen an einem bestimmten Punkt im Raum ist. Es ist also
zunächst überall und nirgends, bis es mit einem anderen
interagiert (die [Kopenhagener Interpretation] geht sogar
soweit zu sagen, bis die Interaktion beobachtet wird, aber wer
ist schon ein Beobachter? [Schrödingers Katze], ein Mensch?).

Ach ja, und damit habe ich schon Probleme: Existiert der Mond, wenn keiner hinschaut, (und keiner an ihn denkt) ist eine gar nicht so uninteressante Frage. Aber gerade das Experiment mit Schrödingers Katze hat mich schon verunsichert. Eine Katze deren Zustand unbestimmt ist? Alles in mir sagt: Ist unmöglich. Für das Wellenteilchen: Hmmm, wir werden wohl niemals seinen genauen Zustand feststellen können, aber heißt das, das es den nicht hat? Nicht haben kann?

Im Moment der Interaktion ist entschieden, wo das Teilchen
ist, die wellenförmige Wahrscheinlichkeitsverteilung hat sich
damit erledigt, man spricht vom [Kollaps der Wellenfunktion].

Die Welle zeigt alle typischen Merkmale, z. B. Streuung und
eben auch Interferenz hinter einem Doppelspalt. Die Welle kann
auch gleichzeitig durch beide Spalte gelangen, ebenso wird sie
auch reflektiert und absorbiert. So gelangt die Welle und
damit die Wahrscheinlichkeit, dort das Teilchen zu finden,
hinter die Wand, und zwar in einem hübschen Interferenzmuster.
Irgendwann wird das Quantenobjekt aber mal interagieren, und
erst dann entscheidet sich, wo es eigentlich ist. Und die
Wahrscheinlichkeit, wo sich das Teilchen in diesem Moment
befindet, wird eben durch die Welle beschrieben.

Verstanden? Nun ja, man kann’s irgendwie zur Kenntnis nehmen
und damit auch weiterkommen, aber wirklich begreifen kann’s
wohl kaum einer.

Ok, ich hab’s zur Kenntnis genommen, auch wenn ich meine Zähne knirschen gehört habe.

Nun zu den verschränkten Teilen. Zu deren Definition gehört,
dass eine ihre Eigenschaften miteinander gekoppelt sind, es
steht sozusagen für beide nicht fest, ob sie grün oder rot
sind, es steht nur fest, dass ihre Farben gegensätzlich sind.
In dem Moment, wo eines interagiert, legt es sich auf eine
Farbe fest und bestimmt damit die Farbe seines Gegenstücks
(auf dem Mars z.B.). Einstein, dessen Relativitätstheorie
Informationsübermittlung mit ja Lichtgeschwindigkeit
ausschließt, wollte nicht so recht daran glauben und sprach
von Spukhafter Fernwirkung. Ich glaube, dass man zu ihrem
ansatzweisen Verständnis ein paar Dinge berücksichtigen
sollte:

  • In der Quantenphysik gilt das Kausalitätsprinzip nicht
  • In der Quantenphysik gibt es keine Zeitrichtung

Ah, ok. Das ist schon schwerer zu akzeptieren. Wenn ich daran denke: Billardkugeln bestehen ja auch aus Quanten, die in ihrer Gesamtheit weder Kausalität noch Zeitrichtung verletzen. Oder es wäre extrem unwahrscheinlich, dass sie es tun, oder?

  • Für ein Photon (Lichtgeschwindigkeit) ist der Mars 0 Meter
    entfernt und die Reise dorthin dauert 0 Sekunden (Zeit- und
    Längenkontraktion gem. Allg. Relativitätstheorie).
    das sind aber nur ein paar Ideen von mir, ich bin auch kein
    Physiker, habe mich aber recht viel damit beschäftigt, soweit
    es meine Mathematikkenntnisse zulassen.

Ah, ok. Das bringt mich wieder einen Schritt näher, da habe ich wieder was zum nachdenken.

Falls du Sachen nicht verstanden hast, musst du dir vielleicht
erst mal ein paar grundlegende Kenntnisse aneignen, einfacher
lassen sich die Sachverhalte m.E. nicht mehr darstellen.

Noch ein (sinngemäßes) Zitat von ???: Wem bei der
Quuantenphysik nicht schwindelig wird, der hat sie nicht
verstanden.

Das gefällt mir. Mein Zustand: Mir ist schwindelig, und ich hab trotzdem nix verstanden.

Ich habe gerade von Anton Zeilinger folgendes Gschichterl gehört:

Ein Autofahrer wird von einem Polizisten aufgehalten. Der Polizist wirft ihm vor, zu schnell gefahren zu sein. Der Autofahrer sagt: das wäre schon möglich, aber er könne das nicht feststellen, er habe nämlich den Tachometer ausgebaut. Der Polizist meint, auch das wäre strafbar, und fragt ihn, warum er denn den Tachometer ausgebaut habe.
Der Autofahrer meint: Für ihn wäre es sehr wichtig, immer genau zu wissen wo er sich gerade befindet. Laut Quantenphysik wäre es aber unmöglich, den genauen Ort und die genaue Geschwindigkeit zu kennen, also will er von seiner Geschwindigkeit nichts wissen. Der Polizist dachte eine Weile nach, und machte dem Autofahrer folgendes Angebot: Wenn er ihm ausrechnen könne, welche Auswirkung das auf sein Auto habe, würde er ihm die Strafe erlassen. Dieser kommt zu dem Ergebnis: Seine Geschwindigkeit zu kennen hat sehr wohl Auswirkung, aber die liegt in etwa in dem Bereich der Größe eines Atoms.

Ente gut, alles gut, wie ich immer sage,

Servus
PD Herbert