Doppelte Verneinung - Wichtigkeit?

Hierbei ist die Bedeutung von doppelten Verneinungen gefragt bzw. der Grad davon. Wir sind zwei Personen, welche uneins sind, wie ich am folgenden Beispiel zu erklaeren versuche. Konsultationen von anderen Personen und Wiki haben uns nicht vollends ueberzeugt.

Das Beispiel also:

„Dieses Buch ist [nicht uninteressant]“

Die eine Person meint nun, die doppelte Verneinung druecke eine besondere Betonung aus und man koenne den Satz auch durch

„Dieses Buch ist überaus vollends hochinteressant“ ausdruecken.

Die andere Person ist der Ansicht, „nicht uninteressant“ stuende dafuer da, zu besagen, das Buch sei *gerade noch so* interessant oder soetwas wie *nicht so ganz interessant wie normal interessante Beuecher*

Wer hat recht? Oder meint es gar etwas vollkommen verkehrtes?

Gruß & Kuss

Understatement
Hallo!

Die eine Person meint nun, die doppelte Verneinung druecke
eine besondere Betonung aus und man koenne den Satz auch durch

„Dieses Buch ist überaus vollends hochinteressant“
ausdruecken.

Richtig.

Die andere Person ist der Ansicht, „nicht uninteressant“
stuende dafuer da, zu besagen, das Buch sei *gerade noch so*
interessant oder soetwas wie *nicht so ganz interessant wie
normal interessante Beuecher*

Auch richtig.

Was es genau bedeutet, lässt sich nur abhängig vomn Kotext und Kontext entscheiden. Wenn der Millionär von seiner „bescheidenen Hütte“ spricht, hat das auch eine andere Bedeutung, wie wenn das der arme HartIVler sagt.

lg,
M.

Wenn der Millionä
Das ist im Prinzip genauso, wie wenn der Millionär sewine Gäste „in meiner brescheidenen Hürtte“

Hett ich mir denken sollen :cry:
Stimmt, Heutzutage muss man mit so wischiwaschi Antworten, wo man hinterher nur bedingt schlauer ist, rechnen, also nochmal.

>>>

Wenn von einem *nicht uninteressanten* Gegenstand die Rede ist, welche der Meinungen ist dann >>> eher

Hi,

die erste Aussage ist „eher“ richtig. das rhetorische Stilmittel der doppelten Verneinung- auch Litotes genannt- drückt in der Regel aus, dass der Sache, die mit der doppelten Verneinung einhergeht, besondere Aufmerksamkeit beigemessen werden muss.

Gruß
Rohy

Stimmt, Heutzutage muss man mit so wischiwaschi Antworten, wo
man hinterher nur bedingt schlauer ist, rechnen, also nochmal.

Wenn von einem *nicht uninteressanten* Gegenstand die Rede
ist, welche der Meinungen ist dann >>> eher Litotes

Durch die Darstellung eines Sachverhalts mittels doppelter Negation wird bei der Litotes absichtlich eine Untertreibung (understatement) herbeigeführt. Doch obwohl das eigentlich Gemeinte (prima facie) abgemildert wird, schränkt eine solche Abschwächung die Aussage inhaltlich nicht ein, sondern führt zu einer indirekten und somit weniger angreifbaren Betonung des Gesagten.

canoo sagt:

Relativ häufig kommt eine mit der doppelten Verneinung verwandte Kombination vor. Sie besteht aus dem Negationswort nicht und einem Wort mit negativer Bedeutung. Solche Kombinationen haben die Bedeutung einer vorsichtigen Bejahung.

Und Adelung:

Dahin gehören aber zwey Fälle nicht, wo die doppelte Verneinung nicht nur völlig untadelhaft ist, sondern auch nach dem Vorgange der Lateiner bejahet. 1) Wenn die Verneinung in den Partikeln un-, miß-, ab- u.s.f. steckt. Ich sehe ihn nicht ungern. Es ist mir nicht mißlungen. Sie ist ihm nicht abgeneigt. Welche Ausdrücke zwar wirklich bejahen, aber doch schwächer und geringer, als wenn man sagte, ich sehe ihn gern, es ist mir gelungen, sie ist ihm geneigt.

Ob die Erläuterungen tatsächlich der Sprachwirklichkeit entsprechen, sei dahingestellt.

Gruß
Kreszenz

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>>>

Das ist schlichtweg unmöglich.

Wenn von einem *nicht uninteressanten* Gegenstand die Rede
ist, welche der Meinungen ist dann >>> eher

…sagen wir, die eine Interpretation ist richtig und die andere zumindest nicht unrichtig. :wink:

Gruß,

  • André
2 „Gefällt mir“

Liebe Zera,
uneingeschränkt hat keiner deiner beiden Berater recht.

  1. Die doppelte Verneinung ist zuallererst eine aussagelogische Technik. Unter Aussparung schwieriger allgemeiner Fromulierungen bedeutet das für dein Beispiel „Das Buch ist nicht uninteressant“, dass das Buch nicht uninteressant ist - nicht mehr und nicht weniger. Das heißt, dass über andere Werte auf der Skala der Interessantheit keine Aussage gemacht wird. Das Buch mag hochinteressant sein, mäßg interessant, wenig interessant. Diese Feststellung ist von eintscheidender Bedeutung angesichts meiner nächsten Erwägung.
  2. Die doppelte Verneinung ist darüber hinaus ein Stilmittel. Das erhöht die Kontextabhängigkeit. In einem ironischen Kontext wäre die von den anderen Postern erwähnte Untertreibung zu erwarten, die auf eine Pointierung hinausläuft. In einem anderen, diskursiveren Kontext mag die Aussage eine Erwiderung auf eine Zuspitzung in Gegenrichtung gemeint sein, als als Antwort auf die Wertung: „Das Buch ist absolut wertlos.“
    Man darf die ironische Verwendung der doppelten Verneinung nicht unterschiedslos als gegeben voraussetzen, sonst riskiert man Missverständnisse. Gerade wenn es auf differenzierte Darstellung von Sachverhalten oder Thesen ankommt, ist die doppelte Verneinung eine große Hilfe.
    Bumi
    Danke der zuverlässigen Kreszenz, die ich sternchene.

Latein
Mhm im Lateinischen gibt es doch den Begriff *Ignorare* - nicht wissen

Es gibt auch *Non Ignorare* Das bedeutet *Genau wissen*

Waere also die urspruengliche Bedeutung einer doppelten Verneinung soetwas wie eine besondere Bejahung als Stilmittel?