Dorf und Städtebau in der Spätromanik

Hallo, mich würde die Architektur der Spätromanik (1000-1200 n. Chr.) in Deutschland interessieren. Dabei hauptsächlich Wohn- und Handwerkerhäuser sowie Bauernhöfe. Auch die Dorf- und Satdtstruktur würde mich interresieren. Wer links kennt, vorzugsweise mit Bildmaterial, bitte melden. Auch Literaturhinweise oder Museen, Museumsdörfer oder Altstädte dieser Epoche im süddeutschen Raum (UL, BC, NU, MM, RV, SIG).

Webseiten über Kirchliche Bauten oder Burgen habe ich jetzt schon genügend gefunden, aber nichts über „Kleine-Leute-Häuser“. Ich denke das liegt daran, weil für diese Gebäude damals hauptsächlich Holz zur verwendung kam, und deshalb sogut wie nichts mehr erhalten ist.

Danke euch schonmal, Michael

Hallo,

nachdem Dir noch niemand geantwortet hat, mal ein paar Hinweise von mir, die Dir vielleicht weiterhelfen. Allerdings beziehen sie sich nur auf die strukturellen Entwicklungen.

Wenn Du bei Wikipedia „Reichsstadt“ oder „Reichsdorf“ (ja, das gab es auch) eingibst, kriegst Du 'ne Menge Verweise, die Dir evtl. weiterhelfen.

Einige Bücher beschäftigen sich z. T. mit der Siedlungs- und Strukturgeschichte des von Dir genannten Zeitraums:
Leonardo Benevolo: Die Stadt in der europäischen Geschichte
ISBN 3 7632 4177 9

Alfred Haverkamp: Aufbruch und Gestaltung - Deutschland 1056-1273
ISBN 3 7632 2992 2 (Schwerer Stoff!)

Hoffe, Du wirst noch fündig, aber natürlich ist die Quellen- und Fundlage in dem von Dir genannten Bereich ziemlich dürftig.

&Tschüß

Wolfgang

Servus,

noch ein Literaturhinweis (eher „leichte Kost“, aber dennoch ordentlich recherchiert): Werner Rösener, Bauern im Mittelalter.

Und ein Ausflugshinweis: Das meines Erachtens älteste komplett erhaltene „zivile“ Haus Deutschlands kann man in Quedlinburg betrachten. Es ist allemal etwa zweihundert Jahre jünger als die von Dir genannte Epoche. Aber auch so viel später ist dem Fachwerk noch anzusehen, wo es herkommt: Die Balken sind nicht (holz-)vernagelt, sondern in einer Weise verzapft, daß man das ganze Fachwerk jederzeit genau so wieder abschlagen kann, wie es aufgerichtet worden ist.

Das hat bei einem Bürgerhaus des 13. Jahrhunderts sicher nicht stattgefunden, sondern ist nur noch eine Art technische „Erinnerung“ an die frühere Funktion. Bei Bauernhäusern zweihundert Jahre früher war es aber gänzlich normal, daß man das Haus abschlägt und mitnimmt, wenn man in die Nachbarschaft verkauft worden ist.

Ein „Bauernhof“ aus dieser Zeit ist ein Gerüst aus Balken oder Baumstämmen, notdürftig strohgedeckt, im wesentlichen ohne Fenster und Türen, mit Flechtwerk und Lehm ein bissel abgedichtet.

  • In dem von Dir angesprochenen Raum gibts zumindest ein Bürgerhaus, welches nachweisbar um etwa 1000 gebaut worden ist: Im Anwesen Humpis zu Ravensburg wurden Ende des XX. Jahrhunderts Ton- oder Terrakottafliesen gefunden, die wohl ca. 1000 gebrannt worden sind. Diese waren im ersten Stock verlegt, so daß mindestens bis dort das Haus schon so lange steht. - Es geht um das Haus, in dem unten die „Humpisstube“ ist, also außer Linsen und Spätzle noch ein Grund, es einmal von innen anzuschauen.

Wobei die Humpis zu den bedeutenden Familien des Oberlandes gehört haben - man kann so ein Haus also nicht unbedingt als Standard hernehmen.

Ferner einen gewesenen Freiherrensitz wohl aus romanischer Zeit: Den Hatzenturm in Wolpertswende. Dieser grobschlächtige quaderförmige Block mit der Treppe innerhalb der Mauern kann wohl eine Vorstellung davon vermitteln, wie ein „gewöhnlicher“ Ritter wohnte, ohne die später romantisierende Verklärung der „Ritterburg“.

In Biberach unterhalb des Gigelberges, etwa vom Weberberg bis in die Gegend des alten Wielandgymnasiums / Ehinger Straße findet man etliche Häuser, die im Kern hoch- spätmittelalterlich sind, aber halt schon deutlich jünger als die von Dir genannte Epoche. Das älteste Haus Biberachs findest Du in der Zeughausgasse 4:

http://www.biberach-riss.de/content/lang1/int_451.14…

Interessant die Raumaufteilung in diesem Haus: Links vom Eingang sieht man unten die Stube und oben die „Hohe Stube“, genau so angelegt wie jahrhundertelang noch bis ins XX. Jahrhundert in fast jedem oberländer Bauernhaus.

Wenn Du 15 km weiter südlich das Schussenrieder Freilichtmuseum besuchst, welches um ein einzelnes Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert herum zusammengetragen wurde (ich hab das „Strohdachhaus“ noch solo gesehen, ohne irgendwas drumrum), wirst Du sehen können, daß rund 600 Jahre lang ohne bedeutende Veränderungen gebaut worden ist.

In Ulm wirst Du kaum fündig werden: Ulm sah im Frühjahr 1945 ungefähr so aus wie Dresden und Köln.

Schöne Grüße

MM

Freilichtmuseum Oerlinghausen bei Bielefeld …