Drang nach Liebe und Anerkennung

Guten Morgen @all!

Mich beschäftigen seit einiger Zeit einige „Sinnfragen“:

Wieso braucht der Mensch das Gefühl, für einen anderen Menschen einzigartig, wichtig und unersetzlich zu sein?

Und warum braucht der Mensch das Gefühl, von einem anderen Menschen geliebt zu werden?

Nein, ich beziehe dies nicht ausschliesslich auf mich. Ich hatte in den letzten Wochen ausgiebig Gelegenheit, dies auch bei anderen Leuten zu beobachten.

Es wäre doch interessant, eure Meinung dazu zu hören!

Herzlichen Dank und ein schönes Wochenende,

Gruß,

Golden Luzie

Hei,

Wieso braucht der Mensch das Gefühl, für einen anderen
Menschen einzigartig, wichtig und unersetzlich zu sein?

Und warum braucht der Mensch das Gefühl, von einem anderen
Menschen geliebt zu werden?

das sind wirklich gute Fragen, finde ich. Aber auch schwer zu beantworten. Ich habe jetzt schon verschiedene Anläufe gestartet, drauf zu antworten - aber es ist schwer, die Gedanken dazu in Worte zu fassen…

Für mich ist es wichtig, weil ich das alles auch anderen geben will. Wenn da jemand ist, für den ich wichtig bin, muss ich nicht darum kämpfen, ihm das auch zurück geben zu können. Ich kann einfach sein, wie ich bin, und mich voll auf die andere Person einlassen, ohne damit rechnen zu müssen, abgewiesen zu werden.

Außerdem ist es schön, zu wissen, dass da jemand ist, der an mich denkt, der sich freut, mich zu sehen, mit mir zu reden, mir vielleicht eine Freude zu machen. Dem es wichtig ist, mich glücklich zu sehen und alles daran setzt, dass es mir gut geht. Dass ich nicht alleine mit meinen Ängsten, Wünschen und meiner Freude bin. Der an meinem Leben teilhaben will und mich an seinem Leben teilhaben lässt. Ich mag den Gedanken, dass sich dieser Jemand freut, wenn ich ihm sage, dass ich ihn mag, und ich freue mich, wenn mir jemand genau das sagt.

Es bedeutet ja, dass ich so akzeptiert werde, wie ich bin. Ich muss mich nicht verstellen, ich kann mein Ich voll ausleben und ich bekomme so das Gefühl, etwas wert zu sein. Nicht, dass ich es anders nicht wüsste, dass ich etwas wert bin - aber es ist doch toll, wenn nicht nur ich das so sehe, sondern auch noch eine Bestätigung von außen bekomme.

Grüße
Natascha

Hallo Luzie,

nach meinem Verständnis kann es auch ein Zeichen von mangelnder Autonomie und schwach ausgeprägtem Selbstwertgefühl sein, wenn ein „Drang“ nach Liebe und Anerkennung besteht, bzw. wenn man es „braucht“ geliebt, einzigartig, wichtig und unersetzlich zu sein.

Klar, es ist schön, wenn einem jemand dieses Gefühl gibt, sobald dieser Wunsch aber zu drängend wird, geht es meiner Meinung nach schon in Richtung Unfreiheit/Zwang und kann auch den Partner ziemlich unter Druck setzen.

Ich denke für eine Beziehung ist es auf Dauer eher eine Belastung, wenn ein Partner ein starkes Bedürfniss nach dieser Art von Bestätigung hat und eventuell immer wieder nach Beweisen verlangt.

Natürlich alles eine Sache der Ausprägung…

Im Idealfall, der natürlich selten eintritt, erfüllt man sich diese Bedürfnisse selber und nimmt die Bestätigung des Gegenübers als Geschenk, als Sahnehäubchen obendrauf.

LG
Anna

Guten Morgen @all!

Guten Morgen, Luzie,

für mich klingt es so, wie wenn die Personen in Beziehungsmuster feststecken. Mangelndes Selbstwertgefühl, Streben nach Macht über andere, Versuch der Manipulation der anderen, Ängste und weitere „schöne“ Angewohnheiten kommen mehr oder weniger ausgeprägt dazu.

Während meines Studiums bekam ich ein gutes Buch in die Hände, das die Muster sehr gut darstellt und mir zu manchen „aha-“ Erlebnissen verholfen hat: Es heißt „Wenn Frauen zu sehr lieben - Die heimliche Sucht, gebraucht zu werden“ (es ist sozusagen ein Klassiker, das Problem soll ja wohl häufiger vorkommen :smile: )
Hier kannst du die Rezensionen nachlesen: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3499191008/qid…

Wünsche dir viele hilfreiche Erkenntnisse!
Fröhliche Grüße
Lahela

Guten Morgen, Luzie,

Guten Morgen, Lahela,

für mich klingt es so, wie wenn die Personen in
Beziehungsmuster feststecken. Mangelndes Selbstwertgefühl,
Streben nach Macht über andere, Versuch der Manipulation der
anderen, Ängste und weitere „schöne“ Angewohnheiten kommen
mehr oder weniger ausgeprägt dazu.

Ich sehe es nicht so, dass hier Personen in Beziehungsmustern feststecken. Auch mangelndes Selbstwertgefühl kann ich hier nicht erkennen. Ich denke, der Satz „Niemand ist eine Insel“ trifft es ganz gut: Selbstwertgefühl kann man nicht für sich völlig allein entwickeln. Wo willst du den Wert ansetzen, wenn du dich allen externen Wertigkeiten verschliesst? Und Liebe geben und erhalten gehört - glaube ich - zu den elementaren Dingen des Lebens. Ob diese Liebe nun einem Menschen gilt oder auch von mir aus einem Kanarienvogel oder Hamster oder Brieffreund in Australien, ist hier wohl egal. Ich beziehe „Liebe und Anerkennung“ auch nicht ausschliesslich auf eine Partnerschaft. Überleg mal, von woher du diese Liebe und Anerkennung herziehst: Aus deinem Studium, von deinen Eltern, aus deinem Job, von Freunden, von einem Haustier? Ganz ohne geht es halt nicht.

Während meines Studiums bekam ich ein gutes Buch in die Hände,
das die Muster sehr gut darstellt und mir zu manchen „aha-“
Erlebnissen verholfen hat: Es heißt „Wenn Frauen zu sehr
lieben - Die heimliche Sucht, gebraucht zu werden“ (es ist
sozusagen ein Klassiker, das Problem soll ja wohl häufiger
vorkommen :smile: )
Hier kannst du die Rezensionen nachlesen:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3499191008/qid…

Ich habe dieses Buch bereits kurz nach seinem Erscheinen gelesen und halte es für völligen Mumpitz. Irgendwann war sie auch mal als „Bibel der Emanzen“ verschrien. Da mag sich wohl jeder selbst ein Urteil bilden. Ich schrieb ja auch schon, dass ich diesen Drang nach Liebe und Anerkennung nicht ausschliesslich auf eine Partnerschaft beziehe.

Wünsche dir viele hilfreiche Erkenntnisse!

Dank dir!

Fröhliche Grüße

Zurück!

Lahela

Golden Luzie

Hei,

Guten Morgen, Natascha!

Wieso braucht der Mensch das Gefühl, für einen anderen
Menschen einzigartig, wichtig und unersetzlich zu sein?

Und warum braucht der Mensch das Gefühl, von einem anderen
Menschen geliebt zu werden?

das sind wirklich gute Fragen, finde ich. Aber auch schwer zu
beantworten. Ich habe jetzt schon verschiedene Anläufe
gestartet, drauf zu antworten - aber es ist schwer, die
Gedanken dazu in Worte zu fassen…

Für mich ist es wichtig, weil ich das alles auch anderen geben
will. Wenn da jemand ist, für den ich wichtig bin, muss ich
nicht darum kämpfen, ihm das auch zurück geben zu können. Ich
kann einfach sein, wie ich bin, und mich voll auf die andere
Person einlassen, ohne damit rechnen zu müssen, abgewiesen zu
werden.

Außerdem ist es schön, zu wissen, dass da jemand ist, der an
mich denkt, der sich freut, mich zu sehen, mit mir zu reden,
mir vielleicht eine Freude zu machen. Dem es wichtig ist, mich
glücklich zu sehen und alles daran setzt, dass es mir gut
geht. Dass ich nicht alleine mit meinen Ängsten, Wünschen und
meiner Freude bin. Der an meinem Leben teilhaben will und mich
an seinem Leben teilhaben lässt. Ich mag den Gedanken, dass
sich dieser Jemand freut, wenn ich ihm sage, dass ich ihn mag,
und ich freue mich, wenn mir jemand genau das sagt.

Es bedeutet ja, dass ich so akzeptiert werde, wie ich bin. Ich
muss mich nicht verstellen, ich kann mein Ich voll ausleben
und ich bekomme so das Gefühl, etwas wert zu sein. Nicht, dass
ich es anders nicht wüsste, dass ich etwas wert bin - aber es
ist doch toll, wenn nicht nur ich das so sehe, sondern auch
noch eine Bestätigung von außen bekomme.

Mit deiner Definition hast du mir aus der Seele gesprochen! Klasse das! Nun sehe ich, dass ich mit meiner Auffassung nicht allein auf der Welt stehe!

Grüße

Herzlichen Gruß in deine Richtung,

Natascha

Golden Luzie

Wieso braucht der Mensch das Gefühl, für einen anderen
Menschen einzigartig, wichtig und unersetzlich zu sein?

Und warum braucht der Mensch das Gefühl, von einem anderen
Menschen geliebt zu werden?

Es wäre doch interessant, eure Meinung dazu zu hören!

Warum beziehst du das nur auf einen Menschen? Der Wunsch nach Anerkennung, Geborgenheit, Zugehörigkeit und Schutz ist das primitivste (also ursprünglichste) Bedürfnis überhaupt. Es ist das, was uns zu einem sozialen Wesen macht. Die Frage klingt, als wäre dieser Drang beunruhigend. Beunruhigend ist eher, wenn ein Mensch diese Dinge NICHT verspürt. Dann ist er ein Soziopath.

Normalerweise mag ich Tiervergleiche nicht, aber hier drängt sich eine Beobachtung meiner Katzen auf. Manchmal, wenn wir abends nachhause kommen und die Tiere den ganzen Tag alleine waren, ist der Fraßnapf oft leer, und das Wasser ausgetrunken. Aber trotz Hunger und Durst ist das erste was sie tun, zu ihren Menschen aufs Sofa zu springen, sich anzuschmiegen und sich kurz streicheln zu lassen. Erst dann geht es ans Fressen. Das tun sie sogar, wenn sie aufs Klo müssen (wenn die Türe zum Klo irrtümlich zuwar). Das Bedürfnis nach Schutz und Geborgenheit ist also größer als Hunger, Durst und Blasendruck.

Gruß
dataf0x

Hi Luzie,

ich musste mich erstmal sammeln um darauf eine passende Antwort zu finden. Meine Gefühle sind gemischt.
Ich schließe mich gerne an, wenn es darum geht, dass das irgendwie eine gute Frage ist, weil sie teilweise auch philosophisch sehr wertvoll erscheint. Sie hat etwas sehr elementares. Andererseits ist gerade das etwas, das mir an ihr missfällt. Die Frage ist zu gewagt. Man nimmt nämlich solange man darüber nachdenkt warum es denn so ist die Position ein, dass das Bedürfnis einzigartig zu sein kein ist, das man haben darf. Man kann sich mit der Beantwortung für einen selbst vielleicht bewusster über den Wert davon werden, was es heißt seinen Platz in der Welt zu haben. Tiefsinniger kann man kaum werden. Aber deshalb hätte die direkte Frage an jemanden für mich eine kaum zu toppende Anmaßung inne. Man könnte einem Säugling gleichwohl behandeln, als hätte er sich selbst dafür entschieden auf die Welt zu kommen und müsse sich nun dafür rechtfertigen, dass er Nähe möchte.

Ich tendiere deshalb dazu die Frage als unwesentlich und viel zu scharf einzuordnen. Man hat qua Geburt ein Recht darauf als etwas besonderes benadelt zu werden, weil man es auch ist.

Viele Grüße,

Hilmar

Hi,
Tatsache ist, dass die Person einmalig und einzigartig ist.
Das ist gut und schön und jeder mit einem absolut intakten Selbstwert kann dies auch empfinden und wissen, aber wer hat schon wirklich einen absolut intakten Selbstwert?

Der Mensch möchte nicht nur einfach da sein, sondern für irgendetwas da sein. Er möchte nicht nur gut sein, sondern für irgendetwas gut sein. Er möchte nicht nur etwas können, sondern etwas, was auch Sinn hat. Und unser Spiegel ist das Gegenüber.

Ich finde, es ist völlig natürlich, geliebt, anerkannt, gemocht, geschätzt werden zu wollen. Erst durch die Beziehung zum anderen erfahren wir uns, obwohl der Wert des Menschen generell unabhängig von der Zustimmung durch andere gegeben ist - aber das Erleben ist einfach ein anderes.

Interessant dazu ist Martin Buber: Das dialogische Prinzip - Der Mensch wird am Du zum Ich.

Wenn man die Entwicklung des Kindes betrachtet, sieht man es schon. Wie entwickelt ein Mensch sich, wenn er keine Bestätigung seiner Person von außen bekommt?

Abgrenzen dazu muss man natürlich die übersteigerte Sucht nach Anerkennung und Liebe. Bei solchen Menschen findet man sicher Defizite, die durch Hilfe von außen aufgedeckt und bearbeitet werden können.

Grüße
Irene