'Draussen' hui - 'drinnen' pfui ?

Guten Tag,

kann bitte jemand von Euch folgendes Verhalten klassifizieren oder bewerten?

Im „Aussenverhältnis“, also ausserhalb der Familie, ist die Person sehr freundlich, lächelt viel, ist kontrolliert, charmant, konfliktscheu, absoluter „Ja-Sager“, aber im „Innenverhältnis“, also innerhalb der Familie, ist die Person meistens unbeherrscht, lächelt kaum, ist jähzornig, streitsüchtig und ein ständiger Nörgler.

Gruss,
PECOS

Ich sehe darin kein so außergewöhnliches Verhalten. Im Berufsleben wird der Mensch oft gezwungen, eine freundliche, zuvorkommende Haltung, auch bei einer unfreundlichen Umwelt gegenüber einzunehmen. Das erfordert natürlich Energie und bringt eine ziemliche Streßsituation.

Zu Hause wo diese Anspannung nicht erforderlich ist, ‚entpannt‘ man sich natürlich auf diese Art, indem man sich gehen läßt. Man ist hier wieder man selbst.

Das gleicht den Energiehaushalt wieder aus und man tankt wieder auf :smile:

Ist natürlich unangenehm für die Betroffenen, aber sie sollten dieser Person auch etwas Verständnis entgegenbringen. Das könnte auch helfen eine solche Diskrepanz zu erleichtern.

gruß
rolf

Hi,

es könnte doch auch sein, dass diese Person eigentlich ein ganz angenehmer Zeitgenosse ist, und Konflikte eher meidet und auch mit Konfliktsituationen eher schlecht umgehen kann. Vielleicht ist er in der Familie einer solchen Konfliktsituation ausgesetzt, die er aber nicht lösen oder vermeiden kann. So was führt wiederum oft zu Rückzug/Depressionen oder zu Agressivität, je nach persönlicher Veranlagung.

Was sich damit meine, wenn er sich nur in der Familie so verhält, ist es nicht nur ein Problem dieser Person, sondern in gleichem Maße auch eines der Familie. Wo dieses Problem in der Beziehung zwischen Betroffenem und Familie liegt, müsste man also reaubekommen. Bis dahin müsste man den Betreffenden als völlig normal einstufen.

A.

Hallo,

als Minimum zeigt dieses Verhalten auf jeden Fall eines sehr deutlich: Dieser Mensch besitzt über die Gabe der sozialen Kompetenz. Er kann also (mit welchem Grad an Aufwand auch immer) durchaus sein Verhalten steuern, und tut es auch in Situationen, in denen er es für notwendig hält.

Tiefere Gründe sind natürlich an dieser Stelle kaum zu finden. Aber ich denke, der obengenannte Ansatz hilft insofern weiter, den Betreffenden einzuordnen.

Viele Grüße
Jana

Hallo,

als Minimum zeigt dieses Verhalten auf jeden Fall eines sehr
deutlich: Dieser Mensch besitzt über die Gabe der sozialen
Kompetenz. Er kann also (mit welchem Grad an Aufwand auch
immer) durchaus sein Verhalten steuern, und tut es auch in
Situationen, in denen er es für notwendig hält.

Das glaube ich eher nicht. Er ist ein Untertan, der nach oben buckelt und nach unten tritt. Aller Frust den er sich nicht traut gegenüber stärkeren oder gleichstarken rauszulassen, den lässt er an schwächeren ab. Soziale Kompetenz ist für mich, Konflikte da zu lösen wo sie auftreten und nicht sie zu ignorieren und dann mit nach Hause zu schleppen.

Tiefere Gründe sind natürlich an dieser Stelle kaum zu finden.

fehlendes Selbstbewusstsein + Herrschsucht + ein schwaches Frauchen

Gruss Jan

Das ‚innere Team‘
Hi,

Daszu fällt mir das Modell des „inneren Teams“ von Schulz von Thun ein, siehe z.B.: http://www.schulz-von-thun.de/mod-innteam.html

Gemeint ist mit dem inneren Team, dass Menschen bei Entscheidungen und Reaktionen in bestimmten Situationen und auf bestimmte Menschen meistens hin- und hergerissen sind zwischen vielen möglichen Verhaltensweisen. Dies stellt der Autor modellhaft als ein „inneres Team“ miteinander streitender Symbolfiguren im Innern des Menschen dar, die ganz unterschiedliche Seiten dieser Person verkörpern.

Bsp. (aus dem Buch): Wie reagieren wir auf einen Bettler am Strassenrand? Das Folgende sind jetzt nicht Stimmen verschiedener Menschen, sondern verschiedene Stimmen in uns selbst (die je nach Person lauter oder leiser zu vernehmen sind, miteinander streiten oder die „innere Bühne“ für eine laute Hauptstimme frei machen, die dann die Reaktion bestimmt:

  • Der peinlich berührte: Wie unangenehmn! […]
  • Der Mitleidige: […]
  • Der Hartherzige: […]
  • Der Eilige: […]
    […] (Es kommen noch ca. 10 weitere)

Auszüge aus seinem Buch „Miteinander Reden, Bd. 3“, die mit Deinem Beispiel zu tun haben:
„Ein weiteres Wesensmerkmal der inneren Mitglieder ist, dass sie kontextspezifisch zusammentreten, je nach Person, Situation, Thema, Herausforderung. […] (S. 36)
Sprichwörtlich ist der Angestellte, der mit seinen diensteifrigen, unterwürfigen […] inneren Mitgliedern zum Chef scharwenzelt, seinen „wutschnaubenden Berserker“ im seelischen Hinterstübchen hinter Schloss und Riegen hält, diesen aber zuhause bei Frau und Kindern sofort herausläßt. Diese grobe Karikatur soll nicht den Blick verstellen, für die feinen, aber deutlichen Unterschiede in der inneren Teamaufstellung, die wir für die wechselnden Beziehungspartner vornehmen.“ (S. 38)

Mit vielen Grüssen, Walkuerax

Hallo,

als Minimum zeigt dieses Verhalten auf jeden Fall eines sehr
deutlich: Dieser Mensch besitzt über die Gabe der sozialen
Kompetenz. Er kann also (mit welchem Grad an Aufwand auch
immer) durchaus sein Verhalten steuern, und tut es auch in
Situationen, in denen er es für notwendig hält.

Das glaube ich eher nicht. Er ist ein Untertan, der nach oben
buckelt und nach unten tritt. Aller Frust den er sich nicht
traut gegenüber stärkeren oder gleichstarken rauszulassen, den
lässt er an schwächeren ab. Soziale Kompetenz ist für mich,
Konflikte da zu lösen wo sie auftreten und nicht sie zu
ignorieren und dann mit nach Hause zu schleppen.

Damit wollte ich vor allem unterscheiden. Es gibt ja auch Menschen, die sich niemals im Griff haben, ihre Außenwirkung nicht in der Lage sind zu steuern. Ob er nun ein „klassischer Fahrradfahrer“ ist oder nicht, spielt dabei doch erst ein sekundäre Rolle. Mir ging es um den Ausschluss bestimmter krankhafter Ansätze.

Das Wort „Kompetenz“ bedeutet nichts anderes als Möglichkeit bzw. Fähigkeit. Nicht mehr und nicht weniger. Du interpretierst sie viel weiter, was sicher dem üblichen Sprachgebrauch entspricht, aber nicht darauf abzielt, was ich damit meine und was diese Formulierung in ihrer Urform aussagt!

Tiefere Gründe sind natürlich an dieser Stelle kaum zu finden.

fehlendes Selbstbewusstsein + Herrschsucht + ein schwaches
Frauchen

Das sind pure Vermutungen, Allgemeinplätze. Jemand kann auch so sehr unter seiner Umwelt leiden, dass er sich nur seinem engsten Umfeld gegenüber in der Lage sieht, sein „wahres Gesicht“ zu zeigen. Das muss doch nicht zwangsläufig etwas mit Herrschsucht zu tun haben. Und schon gar nicht sind Gründe in Dritten zu suchen, das kann niemals eine Ursache sein! Die Angemessenheit dieses Verhaltens ist sozial unterschiedlich interpretierbar.

LG
Jana

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!!
Gassenengel ----------- Hausteufel !

Angel
(der so etwas gut kennt)